Lieber Jürgen,
vielen Dank, dass ich dich im Zug begleite. Wenn man die Leute im Zug beobachtet sieht man, dass die meisten Menschen etwas mit dem Handy machen, einige lesen ein Buch, einige arbeiten am Laptop, ganz wenige unterhalten sich und ich beobachte Menschen und gucke mir die Landschaft an.
Danke dir, für die Glückwünsche auf meine 2005 km Leistung. Supi!, dass du mal wieder auf dem Fahrrad gestiegen bist. Es stimmt, Fahrrad fahren verlernt man nicht und durch ein bisschen Übung ist man schnell wieder im Training. Nachdem du viele Stunden am Computer arbeitest hast du einen guten Ausgleich bei den handwerklichen Arbeiten bei deiner Schwester und Exfrau. Du bist in dieser Hinsicht auch sehr handwerklich begabt.
Ja, es ist ein weites, flaches Land die Altmark. Meine Radfahrfreundin und ihr Mann mögen Fahrrad fahren im Wald und möchten nicht die Radfahrwegen an der Straße entlang, nicht am Elbe-Havel-Kanal entlang und auch nicht auf den Deichen entlang fahren. Das alles mag ich und ein Kompromiss finden wir immer, damit jeder seinen Spaß hat.
Als Kind war ich viel draußen und beachtete die Wiesen, die Bäume, den Himmel, die Wiesenblumen. Es gab mir den innerlichen Frieden, Tagträume und ich war einige Stunden weg von zuhause. Das alles finde ich bei meinen Radtouren wieder und schwelge in meinen Kindheitserinnerungen.
Ich schreibe dir ein paar Passagen aus einer Geschichte, die ich bei der Reha 2018 spontan im Kopf hatte und gleich aufgeschrieben habe.
„Die Birke
In Kindheitstagen rannte ich meinen Spielkameraden hinterher. Ganz plötzlich blieb ich stehen und lauschte. Der Wind brachte die Birkenblätter zum tanzen. Das war so ein inniges Gefühl, so dass ich eine Weile innehalten musste.
…
Ein Leben lang dachte ich an das Geräusch, fand es aber nicht mehr. Ich fand das innige Gefühl für die Natur nicht mehr. Nun sitze ich hier unter einem Baum und plötzlich war das Geräusch wieder da. Der Wind brachte die Blätter zum tanzen.
…
Der Baum war eine Pappel - für mich war es eine Birke.“
Das war auch eine Art Heilung für mich.
Vor zwei Jahren hatte ich die Gelegenheit einen Schriftsteller aus meiner Stadt die ganze Geschichte vorzulesen. Er hatte gute Worte für den Aufbau der Geschichte und lobte mich.
Ich freue mich wieder über einen Brief von dir. Wünsche dir eine gute Woche und pass auf dich auf.
Liebe Grüße
Ilona