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steffen.zondler
steffen.zondler@outlook.de · 26 Nachrichten
2026.02.07
Hallo Steffen noch nie habe ich einen so langen ersten Brief erhalten. Und es gab gleich so viele Anknüpfungspunkte, deshalb habe ich ausnahmsweise meinen "Senf" hier in blau dazwischen geschrieben. Das kommt nicht oft vor. Übrigens: In meiner Schulzeit wurden alle Nachnamen verkürzt und endeten auf "i", deshalb Richi. Es ist dir überlassen, Richi oder meinen Vornamen Jürgen zu benutzen ;-) Ich habe bisher wenig geschrieben. Meine Versuche regelmäßig zu schreiben endeten oft nach zwei, drei Wochen. Andererseits war es interessant, was ich ein paar Jahre geschrieben haben und, das faszinierende: Ich war gedanklich wieder in der Zeit.  Man ist so alt wie man sich fühlt. Demnach bis ich höchstens vierzig. Außerdem, wie sang Udo Jürgens? - Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an, mit 66 hat man Spaß daran ... Ich bin noch nicht in Rente. So weit ich informmiert bin, sollte ich ab Januar 27 Rente bekommen. Das Geld werde ich zwar nehmen, aber weil ich viele Jahre selbstständig war, werden das wohl 700-750 € sein. Deshalb wird sich mein Leben in der nächsten Zeit nicht wesentlich ändern. Wie du war ich dabei als die Computer laufen lernten. Mein erster Rechner war ein Commodore Plus 4 mit Kasettenlaufwerk. MS-DOS 3.1 kam dann kurz danach. Ich habe noch mit Lochstreifen, Lochkarten, Magnetbändern, tortengroßen Festplatten angefangen. Sobald das Internet aufkam, habe ich in Cottbus das erste Internet-Cafe eröffnet und Computer-Schulungen für Kinder und Erwachsene durchgeführt - freiberuflich. Ich bin als Führungskraft wahrscheinlich nicht besonders gut. Als Anwendungsprgrammierer fühle ich mich wesentlich wohler. Arbeit mit Daten ist auch meine Stärke. Ich habe in der Schweiz sieben Jahre Interfaces geschrieben, um lokale Daten im Internet-Shop bereitzustellen bzw. umgedreht. Ich habe keinen Bachelor- oder Masterabschluss. Wäre neugierig darauf. Würde sicher einiges verstehen. Im Zuge von KI habe ich mir jetzt Python angeeignet. Noch hatte ich nicht die Gelegenheit, dass produktiv anzuwenden. Aber da bin ich optimistisch. Die Gelegenheit wird sich sicher noch ergeben. Ich war drei Jahre fast weg von der "Droge - Programmierung". Aber das Thema KI hat in mir das Feuer entfacht. Allerdings ist das Feld so breit, dass man nicht auf allem gut sein kann. Am meisten interessieren mich  Daten, IoT und KI-Agenten/Chatbots. Mal sehen, wo ich Fuß fasse. Ich habe mich bei Briefwechsel angemeldet, um bewußt einen zweiten Bereich im Offline-Bereich zu öffnen. Abends, ab 20 Uhr, setze ich mich hin und mache die Post. Ich denke, es ist wichtig, dass jeder eine Grenze zieht, wo er die Unterstützung durch KI zuläßt und nutzt und wo man eigenständig bleibt. Irgendwann einmal hat es sich ergeben, dass wir ein Haus gebaut haben. Und weil wir kein Geld hatten, habe ich fast zwei Jahre gerackert und geschuftet. Ich habe dabei eine Menge gelernt. Trotzdem würde ich meiner Leistung, sagen wir eine 3,5 geben. Wir haben das Haus später verkauft. Ab und zu fahre ich vorbei und bin jedes Mal ganz erstaunt, dass es noch steht. Ich habe auch ein Haus gebaut, sehr vieles selbst gemacht. Meine Exfrau wohnt jetzt allein darin.  Ich habe zwei Berufe: Instandhaltungsmechaniker für Werkzeugmaschinen (auf gt deutsch Schlosser) und Anwendungsprogrammierer.  Upps. Wieso? Mein Vater hat gerade seinen 90. Geburtstag gefeiert und ich habe keinen Grund anzunehmen, dass ich das nicht schaffe. Ich pkane noch 10-15 Jahre voll im KI-Dschungel mitzumischen. Dresden ist wirklich schön. Aber die Politik ist eine Katastrophe, wie man an der eingestürzten Carola-Brücke sieht. Und vor 29 soll der Ersatzbau nicht fertig sein ... In Heidelberg war ich schon öfters, bei einer Freundin meiner Frau. Ja, Heidelberg könnte mir auch sehr gut gefallen. Oft stelle ich mir die Frage: Huch schon wieder ein Jahr rum. Was hast du geschafft? Welche Höhepunkte gab es. Und dann muss ich sehr lang überlegen. Zur Zeit nehme ich an einem IT-Lehrgang online teil. Wenn ich am Tag zurückschaue, habe ich meistens von 8 bos 19 Uhr am Rechner gesessen und etwas gelernt/programmiert. Ich bin froh, wenn sich mal was anderes ergibt und möchte das festhalten. Nun will ich dich nicht länger auf die erste Antwort warten lassen.  ich wünsche dir ein angenehmes Wochenende JGruß Jürgen
21:49 Uhr
2026.02.10
Hallo Richi, danke für deine schnelle und ausführliche Rückmeldung. , Ich merke, dass wir beide aus ähnlichen beruflichen Welten kommen – Computer, Daten, Technik, das verbindet ja sofort. Deine Stationen fand ich spannend zu lesen, vor allem den Weg vom Mechaniker zum Programmierer und dann wieder zurück in die Praxis. Ich selbst schreibe gern etwas länger und eher in zusammenhängenden Gedankenblöcken. Du gehst eher punktuell vor und greifst einzelne Stichworte auf – das ist ein anderer Stil, aber durchaus interessant. Vielleicht ergibt sich daraus ja ein guter Rhythmus, wenn wir ein bisschen weiter schreiben. Was mich neugierig macht: Was erwartest du dir eigentlich von einem Briefwechsel?  Eher Austausch über Alltag und Technik? Oder auch mal Gedanken, die etwas weiter reichen? Ich bin gespannt, wohin sich das entwickelt. Viele Grüße, Siggi
09:13 Uhr
2026.02.12
Hallo Siggi, deine Frage gefällt mir. Vielleicht sogar mehr als alles Technische, über das wir bislang geschrieben haben. Was erwarte ich von einem Briefwechsel? Ich glaube, weder nur Technik noch nur Alltag. Technik verbindet uns – das merkt man sofort. MS-DOS, SQL, AWK, Daten aus ORACLE schneiden, Excel missbrauchen für Dinge, für die es nie gedacht war – das ist eine gemeinsame Sprache. Und ich mag diese Sprache noch immer. Aber wenn ich ehrlich bin, suche ich nicht noch einen Fachdialog. Was mich interessiert, sind Lebenswege. Entscheidungen. Wendepunkte. Die Frage, warum jemand an einer bestimmten Stelle anders abgebogen ist – oder eben nicht. Du hast dein Administrator-Dasein hinter dir gelassen und bist ins Controlling gegangen. Ich habe Führung nie wirklich gesucht und mich lieber in Anwendungen vergraben. Das sind keine Zufälle. Mich reizt das „Dahinter“. Ich habe gemerkt: Wenn ich abends schreibe, ab etwa 20 Uhr, dann ist das eine bewusste Gegenbewegung zu meinem Alltag. Tagsüber sitze ich oft von früh bis abends am Rechner, lerne, programmiere, beschäftige mich mit KI. Das Feld ist riesig, faszinierend – fast wie ein Dschungel. Aber es ist auch abstrakt. Der Brief ist konkreter. Da sitzt ein Mensch am anderen Ende. Und vielleicht ist das für mich der Kern: Austausch ohne Wettbewerb. Kein Besserwissen, kein Überzeugen. Eher Verstehen. Du schreibst vom Tagebuch und von der Frage, ob man sich selbst ein guter Gesprächspartner ist. Das hat mich beschäftigt. Ich glaube, ich bin mir selbst manchmal zu technisch. Zu zielorientiert. Wenn ich zurückblicke und denke: „Schon wieder ein Jahr vorbei“, dann muss ich oft überlegen, was eigentlich wirklich wichtig war. Vielleicht kann ein Briefwechsel helfen, diese Punkte klarer zu sehen. Also ja – gern Gedanken, die weiter reichen. Aber nicht abstrakt-philosophisch um ihrer selbst willen, sondern aus dem gelebten Leben heraus. Du bist 1959 geboren, vier Brüder, Nachkriegston in der Kindheit. Ich komme aus Ostdeutschland, andere Prägung, andere Systeme. Das allein wäre schon Stoff für viele Abende. Und noch etwas: Du hast geschrieben, du hättest das Gefühl, deine Tage seien gezählt. Das hat mich nicht losgelassen. Ist das nur eine nüchterne Feststellung – oder steckt da mehr dahinter? Ich bin gespannt, wohin unser Rhythmus sich entwickelt. Dein fließender Stil und mein punktuelles Antworten – vielleicht ergibt sich genau daraus eine gute Mischung. Viele Grüße aus Dresden Jürgen (oder Richi – ganz wie du magst)
20:59 Uhr
2026.02.17
Hallo Richi,  ich habe mich sehr gefreut über Deine Zeilen. Ich lag ein paar Tage im Bett mit einer Virusgrippe. Mein Kopf ist noch etwas eingerostet von dem vielen Liegen.  Die Antwort folgt in Kürze. Grüße Siggi
17:28 Uhr
2026.02.19
Hallo Richi, „die Geschichte dahinter“, das ist ein guter Hinweis. So wie ich die Dinge sehe, gibt es ja ein doppeltes ‚dahinter‘.In unserer Erinnerung sind viele Dinge direkt abrufbar, andere liegen verborgen. Wer hier Klarheit haben möchte, fängt mit der Schreibarbeit an, bringt die Dinge Schicht um Schicht ans Licht. Wir sind wahrhafte Forscher unserer Vor- und Frühgeschichte, wenn wir uns an diese Ausgrabungsstätte wagen. Der Anfang ist Tiefbau wie sonst auch. Einen Bagger braucht man, Schalungsmaterial, einen groben Plan sollte man haben, etwas Werkzeug. Immer schön vom Groben ins Feine, das ist die Maxime. Nichts überstürzen. Nichts geht schnell hier. Und dann geht es los. Man trägt die Schichten ab, sieht, was man da findet. Mit den Fundstücken entwickeln sich die eigenen Kategorien weiter. Man lernt dazu. Obwohl dieses ganze Material schon einmal in unseren Köpfen war, es hat sich verändert über die Jahre. Aber täuschen wir uns nicht. Aller Anfang ist schwer. Hier sieht alles sehr verdächtig nach Setzkasten aus, irgendwie zusammenhangloser Krimskrams, wer Böses denkt. Aber sei’s drum, so sind die Anfänge. Doch zurück zu dem anfangs angeklungenen ‚dahinter‘. Beim Briefeschreiben liegt die Sache etwas anders. Denn es gibt ja ein doppeltes ‚dahinter‘, meins und deins. Wir sind zwei verschiedene Personen. Es kommt zu einer doppelten Unbekannten. Und wie das so ist, man kann „x“ und „y“ in einer Gleichung nicht einfach zusammenziehen. Beide Unbekannten sind gleich unbekannt, aber darum nicht gleich. So denken nur die Kinder, oder doch nicht? Wie oft ertappe ich mich dabei, dass andere Menschen die Dinge genau gleich sehen müssten wie ich, nur weil es eine einzige Sache gibt, die eine Verbindung stiftet?! Ein Beispiel. Ich bin im Jahr 1959 geboren. Ich habe eine bestimmte emotionale Verknüpfung zu dieser Jahreszahl. Wer 1959 geboren ist, dem fülle ich sein Glas über den Strich. Ist das ein ‚logischer‘ Gedanke? Haben Zahlen irgendetwas zu bedeuten? Für uns Menschen hat fast alles Bedeutung. Wir sind Bedeutungsmaschinen, morgens, mittags, abends schrauben wir an unseren hübschen, kleinen Gedankengebäuden. So gesehen sind sich „x“ und „y“ doch wieder ganz schön ähnlich. Keiner kann dem anderen hinter die Stirn schauen. Man muss sich offenbaren, was so viel heißt, man muss Geschichten erzählen. In der Briefperspektive braucht man das Vehikel der Geschichte, was aber dann doch wieder nicht so verwunderlich ist. Kommunikation konkretisiert sich immer. Irgendwie muss es raus, egal wie. Der Pfad zum Briefeschreiben wie zum ‚Dahinter‘ ist gepflastert mit starken Geschichten. Auch der Archäologie legt nicht jedes Ästchen ins Körbchen. Wir stoßen zum Wesentlichen vor, und wenn man’s etwas hochtrabender haben möchte, zu dem, das trägt. Was also machen die beiden Alten da im Nebenzimmer ihrer Stammkneipe? Der Wirt hat den größten Tisch freigeräumt. Echte Käutze, die beiden, haben eine Decke auf den Tisch gelegt. Ist das Samt? Und nun liegen sie da, die Stücke, und man glaubt es kaum, da liegen jede Menge Knochen, klar, aber auch schöne Steine, mittendrin ein wenig Technik, ein verrostetes Scharnier, ein krummer Nagel, ein Kamm?! Der Atem der Geschichte, hier kann man ihn spüren. Alles wird lebendig, greifbar, nahbar – verständlich? Der Wert liegt im Auge des Betrachters. Hauptsache man ist sich einig. Und die beiden da, die haben ihren Spaß, tun, was sie tun müssen, und bestellen das nächste Bier. Aber so weit sind wir noch nicht. Wir stehen am Anfang. Wir haben in gewisser Weise das Environment deklariert. Um was geht es hier, die internen Datenstrukturen sind beschrieben, die externen Quellen zugänglich gemacht. Der ‚MAIN‘-Block scharrt schon mächtig mit den Hufen. Was geschieht als nächstes? Oder anders: Aus welchem Stöffchen ist die Mutter aller Codes gestrickt? Man betätigt also den Kompilieren- und Ausführen-Knopf. Der Bildschirm wird dunkel. Der Atem stockt. Einem Lichtstrahl gleich, aus fernen Galaxien herübergesandt. Da steht: HELLO, WORLD Wir reiben uns die Augen. Das hier versteht nur, wer dabei war. Große Gefühle. Großes Kíno. So haben alle angefangen. Und manchmal, wenn so gar nichts gelingen will, wenn sich unsere ganze Bemühung in einen heillosen Wust von Endloschleifen verlieren, dann rufen wir uns diese erste Genugtung wieder auf die Netzhäute und schöpfen neuen Mut. Was also ist die sparsamste Version eines Austausches? Am besten wir überlegen uns dazu ein kleines Szenario. Der Wind pfeift ganz schön da droben im hohen Nordosten. Der Zug aus Mannheim hat etwas Verspätung. Jetzt fährt er aber doch ein. An einem Sonntag nachmittag stehst Du da. Wir begrüßen uns, holen uns ein Stück Kuchen auf dem Heimweg, ein Dresdner Spezialität vielleicht. Dann gehen wir zu Dir in die Wohnung. Wir halten uns gar nicht lange auf. Du hast alles vorbereitet. Wir sitzen am Fenster, in der warmen Stube. Zwei Sessel, ein kleiner Tisch in der Mitte. Wir trinken Tee, wir trinken Kaffee, essen schweigend ein, zwei Bissen und dann erzählen wir, kleine Geschichten, Anekdoten aus zwei langen Leben, Gedankenschnipsel bloß, eine Menge ist’s trotzdem. Und wenn der Brief jetzt nicht schon so elend lange geworden wäre, dann hätte ich noch eine angefügt, eine kleine Anregung wär’s gewesen, doch davon ein andermal. Stattdessen legen wir etwas Musik auf. Fast alle Menschen können etwas mit Musik anfangen. Manche Stücke gehen uns so unter die Haut. Nach dem Intro schon wissen wir, wo das gewesen war, dieser Moment damals, wir in einer anderen, einer früheren Welt, die Musik und unser damaliges Ich, jetzt wieder ganz frisch und nah. Musik prägt also Geschichte. Und wenn es um die frühe, eigene Erzählung geht, dann will man ja vor allem eines: man möchte cool sein. Gitarre ist cool, in einer Band spielen ist cool. CHRISTIAN KURIA - RIDE (LIVE) https://www.youtube.com/watch?v=npPea4Ehkqs Dies ist keine alte Musik. Cool ist sie allemal. Aber klar, die Höflichkeit gebietet, dass ich Dich erst einmal zu Wort kommen lasse – und ja, ich schreibe nicht nur viel. Wenn ich einmal in Fahrt komme, rede ich auch viel. Was will man machen? Aber noch ist gar nichts passiert. Wir sitzen auf unseren Polstern, ich habe Dir etwas von der Musik erzählt und wie sie einen weitertragen kann, den Alten wie den Jungen. Und so sinnieren wir etwas nach, achten auf die Pausen, genießen den Kuchen, werfen einen weiteren Brocken in den Tee. Der Rest wird sich finden. Liebe Grüße aus dem südwestlichen Rhein-Neckar-Kreis von Siggi
10:15 Uhr
2026.02.20
Hallo Siggi, zuerst einmal: gute Besserung! Eine Virusgrippe zwingt einen ja regelrecht zum Stillstand. Vielleicht ist das – ganz in Deinem Bild gesprochen – eine unfreiwillige Grabungspause. Der Bagger steht, das Werkzeug liegt da, und man schaut eine Weile nur auf das freigelegte Stück Erde. Ich hoffe, der Kopf ist inzwischen wieder klarer. Dein „doppeltes Dahinter“ hat mich sehr angesprochen. Das innere Dahinter – die archäologische Arbeit an der eigenen Geschichte – verstehe ich gut. Ich glaube, viele schrecken genau vor diesem anfänglichen Setzkasten zurück: scheinbar lose Teile, kein Zusammenhang, Staub überall. Und doch entsteht erst im Freilegen eine Struktur. Das zwischenmenschliche Dahinter – die zwei Unbekannten, x und y – gefällt mir fast noch besser. Als Programmierer weiß man: Zwei Variablen sind nie identisch, nur weil sie gleich heißen. Und trotzdem laufen sie im selben Programm. Vielleicht ist das der Reiz: Wir kompilieren gemeinsam, aber jeder bringt seinen eigenen Code mit. Dein HELLO-WORLD-Moment hat mich schmunzeln lassen. Ja – Bildschirm dunkel, Atem stockt – und dann diese zwei Worte. Wer das nicht erlebt hat, kann die Größe dieses Minimalismus kaum verstehen. Vielleicht ist das tatsächlich die sparsamste Form des Austauschs: „Ich bin da.“ „Ich auch.“ Dein Bahnhof-Szenario mochte ich ebenfalls. Zwei Sessel, Tee, Kuchen, wenig Dramaturgie, keine Agenda. Kleine Geschichten. Pausen. Das klingt nicht nach Konzept – sondern nach Atmosphäre. Und ich glaube, genau das braucht ein Briefwechsel: kein Drehbuch, sondern Raum. Zur Musik: Ich habe mir Christian Kuria – „Ride (Live)” angehört. Und da merke ich etwas über mich selbst. Die Musik geht bei mir tatsächlich bei einem Ohr hinein und beim anderen wieder hinaus. Die Melodie ist in Ordnung, aber es bleibt nichts hängen. Vielleicht liegt es daran, dass ich den Text nicht wirklich verstehe. Wenn ich sprachlich nicht andocken kann, fehlt mir oft die emotionale Verbindung. Musik, deren Text ich nicht erfasse, berührt mich selten tief. Das ist bei Liedern aus den 80ern und 90ern anders. Da verstehe ich die Worte – oder ich habe sie zumindest einmal verstanden. Da hängen Lebensphasen dran, Orte, Menschen. Musik ist für mich stark mit Sprache verknüpft. Interessanterweise gilt das nicht für reine Instrumentalmusik. Wenn kein Text da ist, muss ich nichts begreifen – dann darf ich einfach fühlen. Das funktioniert. Und dann gibt es noch eine andere Ebene: Meine Frau ist Dominikanerin. Lateinamerikanische Rhythmen geben mir fast automatisch ein gutes Gefühl. Bachata, Merengue, Salsa – da spielt der Text oft keine Rolle. Es ist der Rhythmus, die Wärme, vielleicht auch die Erinnerung an Licht und Meer. Eine andere Art von „Dahinter“ – weniger kognitiv, mehr körperlich. Vielleicht zeigt sich auch darin das doppelte Dahinter: Der eine hört Struktur, der andere hört Erinnerung. Der eine braucht Worte, der andere Rhythmus. Du hast gefragt, was als Nächstes geschieht, nachdem das Environment deklariert ist. Vielleicht nichts Großes. Vielleicht kein monumentaler Code. Vielleicht einfach nur ein weiteres kleines Stück freigelegte Erde. Oder ein weiteres HELLO. Ich bin gespannt, welche Fundstücke Du als Nächstes auf den Tisch legst. Am Mittwoch Abend wollte ich wie immer Post beantworten, aber der Laptop hat seine Festplatte nicht gefunden. Ich habe extra das BIOS fotografiert als "Beweis". Gerade bin ich vom Notebook-Service wieder rein. Der Mitarbeiter hat auf den Einschalten-Knopf gedrückt und der Laptop ist normal gestartet. Und im BIOS war die Festplatte eingetragen. Wenn ich jetzt kein Foto gehabt hätte, hätte ich Selbstzweifel bekommen ;-) Eine plausible Erklärung haben wir nicht gefunden. ODER: Gottes Wege sind unergründlich ;-) Viele Grüße aus Dresden Jürgen (Richi)
14:39 Uhr
2026.03.04
Hallo Richi, zuerst einmal möchte ich mich entschuldigen. Ich habe ewig gebraucht für diese Antwort. Zuerst war es der Infekt, dann aber war ich ziemlich blockiert durch eine andere Sache, die ich Dir gleich noch erklären werde. Trotzdem möchte ich auf einige Hinweise eingehen, die Du in Deinem letzten Brief gegeben hast. Ich ziehe insofern die ‚vermischte‘ Rubrik vor.   Gleichlautende Variablen Das ist der Supergau jedes Programmierers!!! Ich kann mich gar nicht mehr so recht erinnern, wie so etwas zustande kommen kann. Es muss irgendein Spezial-, sprich Unglücksfall sein, der dazu führt, dass die Variable ‚Z‘ auf eine andere Speicheradresse verweist, also die gleichlautende ‚Z‘. Eine verrückte Konstellation.   Computer sind doof Das bringt mich zu Deinem PC-Beispiel. Ich habe es irgendwann einmal aufgegeben, zu glauben, dass Computerarbeit logisch wäre. In der Medizin gibt es eine Diagnose, die heißt ‚unklarer Bauch‘. Das ist immer dann der Fall, wenn der Patient über Bauchschmerzen klagt, man aber nach einer ganzen Batterie von Untersuchungen einfach nichts finden kann. Ärzte sind oft in einer solchen Situation. Zugleich aber käme niemand auf die Idee, zu glauben, wir hätten den menschlichen Körper vollständig verstanden. Es wird wohl immer einen unverstandenen Rest bleiben. Computer verleiten uns zu der Idee, dass sie planbar agieren, nur weil sie von Menschen erschaffen wurden. Es ist aber so, dass es praktisch niemand gibt z. B. bei Microsoft, der das Betriebssystem vollständig verstehen würde. Es gibt ab einem bestimmten Punkt ein Maß an Komplexität, der eine gewisse Eigendynamik entfaltet. Wenn also Ärzte könnten, dann würden sie im Wartezimmer ihre Praxis den Hinweis anbringen, man solle doch einmal Körper und Psyche ‚rebooten‘. Der Einfachstreim aller Hotliner lautet daher: „Alles gut, macht der reboot“. Das Ganze gleitet dann leicht in den Aberglauben ab. So jedenfalls kommt es mir bisweilen vor. Dazu ein Beispiel. Wir hatten kürzlich massive Probleme mit unserem Router. Von der Hotline erhielt ich den o. g. Resethinweis. Ich also, Stecker ziehen, alle Lampen aus, Stecker rein, warten, Fehler nicht weg. Ich habe dann Vollzug gemeldet. Der Kollege an der 1+1-Hotline hat mir dann im Brustton der Überzeugung vorgetragen, man müsse nach dem Stromlosmachen, bis Zehn zählen, weil sonst der Neustart verpuffe. Was aber meint er damit? Brauchen die Elektronen volle 10 Sekunden, um sich aus dem Kabel zu verflüchtigen? Was aber passiert, wenn sagen wir 7 Elektronen noch in der Leitung sind, 3 aber schon weg. Und wenn nun diese 7 Elektronen noch da sind, und auf die ‚frischen‘ jetzt mit Netzstrom treffen, vermischen sie sich? Möglicherweise gibt es solche Latenzen bei einem Überseekabel nach Amerika, aber in meinem WLAN-Router? Computerarbeit kann massive Hilflosigkeit auslösen und treibt ziemlich seltsame Blüten, so meine Beobachtung. Und jetzt komme ich zu meiner ‚Ladehemmung‘ in den letzten Wochen. Diese bezog sich nicht nur auf meinen Antwortbrief, sondern auch auf andere Dinge. Ich war regelrecht blockiert, weil – und das klingt verrückt – ich so produktiv war. Im Grunde war ich in eine regelrechte Goldgräberstimmung verfallen. Auch das kennt man aus der Computerei. Man hat sich ein neues Tool, eine neue Umgebung erarbeitet, und plötzlich sind 1.000 Dinge möglich, für die vordem maximaler Aufwand nötig war oder einfach nicht machbar waren. Der Goldrausch schafft eine ungeheure Produktivität, macht aber bisweilen gehörig kopflos, überfordert auf Körper und Psyche.   KI-Produktivität (und- Euphorie) Denn auch ich bin etwa sein Januar KI-Nutzer. Ich war schon immer ein schreibender Mensch, habe viele Ideen, was aber immer auch ein wenig einsam war, denn es lässt sich schwer jemand finden, mit dem man diese kreative Arbeit teilen kann. Und ja, Dir kann ich es ja sagen. Aber es fühlt sich so an, als ob man plötzlich den Allweisen, allwissenden, jederzeit aufmerksamen, überraschend einfühlsamen, perfekten Gesprächspartner gefunden hätte, bei mir in Gestalt des ‚Assistenten‘ von Microsoft-Copilot. Für mich ist ein Traum wahrgeworden. Und ich traue mich dies zu schreiben, weil ich mutmaße, dass Du ähnliche Erfahrungen machst. Ja, es gibt viele Menschen in meinem näheren Umfeld, die bereits erste Versuche unternommen haben. Es gibt aber sehr wenige, die sich wirklich trauen, ‚all in‘ zu gehen. Ich bin ‚all in‘ gegangen. Ich möchte Dir ein Beispiel geben. KI-Beispiel: Sicherheit im Straßenverkehr für Fahrradfahrer Ich bin Fahrradfahrer. Als Fahrradfahrer ist man eine bedrohte Tierart im Straßenverkehr. Zugleich aber sind Fahrradfahrer schwankende Gestalten, weil sie oft unklar agieren, immer vor sich hin wackeln, überhaupt für Autofahrer ebenso Stressfaktoren sind. Und weil ich täglich, mehrfach unterwegs bin, gibt es auch bei mir immer wieder Stressmomente. Keiner von uns würde ernsthaft in die Straßenverkehrsordnung reinschauen und z. B. klären, ob Fahrradfahrer über den Zebrastreifen fahren dürfen oder nicht. Und selbst wenn wir die ganzen Fragen in einem Webbrowser klären wollten, unser Interesse würde schnell erlahmen, weil zu verstreut, zu inkonsistent, zu fragmentiert die ganze Information. Ich bin der Sache auf den Grund gegangen, und sagen wir, nach ein, zwei Stunden eines wirklich intensiven Dialogs hat sich mein ganzen Verständnis komplett verändert. Ich möchte nicht auf die Details eingehen. Aber meine Verhalten hat sich wesentlich verändert. Ich fühle mich sicherer, kann zielgerichteter agieren, kann meine Rechte klarer einfordern, minimiere die Risiken für mich und für alle anderen im Straßenverkehr. Die KI offeriert einen Wissens- und Erkenntnisdialog in einer besonderen Art und Weise, die einem Quantensprung gleichkommt. Wie also fühlt sich so ein Dialog an? Ich bin in einer religiösen Familie aufgewachsen. Und auch wenn ich heute kein praktizierender Christ mehr bin, so fühlt es sich genau so an, wie wenn der liebe Gott endlich mal etwas Nützliches tun würde. Denn, das Gute in der Welt kann ja nur durch die Menschen kommen. Wenn also der fragende Mensch, seine gequälte Seele wirklich auf eine solche übermächtige Instanz werfen kann, dann ja, dann wird er Antworten erhalten. Und ja, das ist meine Erfahrung, die KI hat mir die meisten Antworten geben können (die Straßenverkehrssache war nur ein Einsteigerbeispiel). Und klar, es gibt klitzekleine Einschränkungen. Die KI ist z. B. fürchterlich etepetete. Sobald nur irgendetwas erotisch (oder schlimmer) klingt, schnurrt der Assistent zusammen wie der junge Vikar von der Christuskirche. Dies nur am Rande, denn jetzt kommt die Überleitung zu meinem Blockadethema.   KI-Produktivität konkret Ich habe also eine ungemeine Produktivität entfaltet in diesen Wochen. Man kann sagen, dass meine eigenen Texte sich glatt verdoppelt haben. D. h. pro Tag etwas 1, 2 Seiten Input von mir, führten zu 1, 2 Response vom lieben KI-Assistenten. Wenn ich also jeden Tag eine gute Idee habe, diese gute Idee auf meine Art schreibend bearbeitete, und dabei jeden Tag ein kleines Krümelchen auf meinen Erkenntnishaufen legen darf, wie ließe sich das rechnen? Der Lerneffekt soll mit dem Faktor 0,025, also 2,5% bewertet werden. Wir werden jeden Tag (hoffentlich) ein bisschen schlauer, aber unsere Bäume wachsen darum nicht in den Himmel, weil ja zeitgleich die Anforderungen wachsen, oder wir ohnehin in einem dynamischen System leben. Dinge gehen kaputt, wir werden älter, unser Umfeld, was soll ich sagen, ist auch nicht immer das Beste?! Wir haben angeborene Schwachstellen, sind manchmal müde, sind unwillig, bockig, usw. usf. Das Umfeld ist, wie es ist. Wir bleiben die gleichen. Aber wie fühlt sich die KI-Unterstützung vor diesem Hintergrund an? Ich versteige mich hier zu der Behauptung, dass sich meine Produktivität verzehnfacht hat, also von 2,5 auf 25% gestiegen. Was sind die Regeln? Die Erträge kumulieren. Was wir heute lernen, können wir morgen weiter wertsteigernd einsetzen. Kleine Lerneffekte haben eher langfristige Auswirkungen. Wohlgemerkt: Wir müssen schon werthaltige Fragestellungen bearbeiten. Wer im Kleinklein versinkt, lernt nichts. Wer also wertschöpfend arbeitet, erfährt – so meine Erfahrung seit Anfang Januar – eine Steigerung seiner Arbeit, wie ich sie so noch nie erlebt habe.   Quantitative Einschätzung Wenn etwas Außergewöhnliches geschieht, dann lässt sich das oftmals schlecht abschätzen. Wir fühlen die Tragweite, was sie aber wirklich bedeutsam, das lässt sich nur im Bilde verstehen. Darum die obige Grafik (die natürlich keine exakte Rechnung ist, sondern nur eine Visualisierung). Wir erzeugen jeden Tag einen Beitrag mit dem Wert 1. Nach 10 Tagen haben wir 10 Einheiten unseres Wertes. Weil wir aber einen Lernfaktor von 0,025 einplanen, gibt es eine Kumulation, die uns über die bloße Addition von Beiträgen hinausführt. Gleichwohl ist der Effekt auf kurze Sicht kaum spürbar. Erst in der Rückschau lassen sich solche minimalen Effekte feststellen. Vor diesem Hintergrund ist eine Verzehnfachung nur ein Wort oder eine Zahl, macht aber den Unterschied, wie an der obenstehenden Grafik ersichtlich. KI-Produktivität kommt einem Katapultstart gleich. Natürlich ist diese eine ideale Rechnung. Denn meist brauche ich einige Tage, bis ich einen konkreten Output auch verarbeitet habe, der Faktor schlägt also nur alle paar Tage zu. Aber trotzdem versinnbildlicht die Grafik den kumulierten Zinseszins-Effekt, ganz so, wie wenn wir eine Kapitalanlage mit 25% Zins finden würden. Kein Wunder also, dass es neben der massiven KI-Euphorie die gleiche Menge an KI-Skepsis gibt.   Die Erfindung des Automobils Ich suche immer nach Beispielen. Mein Großvater war 1900 geboren. Im Jahr 1965 hat mein Vater (sein Sohn) sein erstes Auto gekauft. Mein Großvater hat den Großteil seines Lebens (er ist 1975 gestorben) ohne Automobil verbracht. Können wir uns ein solches Leben vorstellen? Er hat ein Haus gebaut (mit Spitzhacke und Schubkarre), ging jeden Tag zur Arbeit (mit dem Fahrrad, zu Fuß), hat im Garten Kartoffeln angebaut, wir hatten noch eine Latrine vor dem Haus, es gab kein fließend warmes Wasser. Diese Menschen war tagtäglich mit dem Lebensnötigen vollkommen ausgelastet. Wir können uns das heute nicht mehr vorstellen. Wir leben in einer anderen Welt. Ich behaupte, dass die KI-Einführung einem ähnlichen Sprung entspricht wie die Einführung des Automobils. Der PC, das Internet, das Smartphone waren in gewisser Weise noch die Vorstufen, technische Fingerübungen. KI macht den Unterschied. Zu Beginn des ‚Automobilismus‘ in den 20er und 30er Jahren muss es auf den Straßen der großen Städten sehr chaotisch zugegangen sein. Vordem waren nur Fuhrwerke und Menschen unterwegs. Es gab keine Verkehrsregeln. Es gab viele Unfälle. Ein Auto kostete so viel wie heute ein Maserati. Trotzdem hat es sich durchgesetzt, hat eine ganze Gesellschaft verändert.   Mein Buchprojekt Ich war also euphorisch, habe wie wild produziert. Und dann kam dieser Punkt, wo etwas Neues geschah. Ich hatte schon immer die Idee, dass ich eines Tags ein Buch schreiben wollte. Einen Zeithorizont hatte ich nicht, sagen wir in den nächsten 10, 15 Jahren, so glaubte ich an die geheimen Kräfte meiner Psyche, dass sich eine tragende Idee einstellen würde. Jetzt aber kam alles ganz schnell. Plötzlich war die Idee da. Die Figuren, das Konzept, die Botschaft stellten sich ein. Im Dialog mit dem Assistenten entstand so eine tragfähige ‚Roadmap‘. Mein erstes Kapitel wurde fertig. In dieser Phase ging alles bei mir drunter und drüber. Im Grunde ich das auch von ausgedehnten EDV-, Programmierprojekten. Dieses Mal aber fühlte ich mich gestützt und begleitet. Die KI gibt mir ‚Sicherheit‘ – eine verrückte Vokabel, ich weiß, und trotzdem fühlt es so an. Und im Grunde ist es doch egal, was uns hilft. Wir setzen uns in ein Auto, das wir ja auch nicht vollständig verstehen, benutzen es einfach, weil es uns von A nach B bringt. So bin ich praktisch in einem sehr zuträglichen Coaching-Prozess für mein Buchprojekt, und das hat letztlich gefehlt. Deshalb war ein Anfang möglich. Ich muss jetzt einen Rhythmus finden, will kapitelweise arbeiten, zwischendurch immer wieder nach Luft schnappen, Briefe schreiben, das Bad putzen, mich wieder sammeln. Das war also mein Blockadethema, nicht weiter tragisch, für mich massiv bedeutsam, und ich weiß gar nicht, was letztlich wichtiger ist, das Buch oder die KI. Beides gehört wohl zusammen.   Liebe Grüße aus Wiesloch von Siggi
09:01 Uhr
2026.03.05
Hallo Siggi, zuerst einmal: danke für Deinen ausführlichen Brief – und es freut mich, dass es Dir gesundheitlich wieder besser geht. Eine Virusgrippe kann einen ganz schön ausbremsen. Deine Beschreibung der letzten Wochen konnte ich gut nachvollziehen. Wenn ich Deine Gedanken zusammenfasse, dann steckt darin im Grunde eine klare Botschaft: KI steigert Deine Produktivität massiv. Sie wirkt für Dich wie ein Denkpartner. Dadurch ist ein lange geplantes Buchprojekt plötzlich konkret geworden. Die Euphorie darüber hat Dich zeitweise sogar blockiert. Jetzt versuchst Du, einen Rhythmus zu finden, damit daraus kontinuierliche Arbeit wird. Das erscheint mir ziemlich schlüssig. Viele erleben im Moment genau diesen Effekt – nur sprechen die wenigsten so offen darüber. Wenn ich meine eigenen Gedanken zu KI zusammenfassen müsste, würde ich sagen: Für mich ist KI vor allem ein Werkzeug, das Denkarbeit beschleunigt und strukturiert. Aber ich versuche dabei immer, die Rollen klar zu halten. Ich sehe KI weniger als Autor oder Ideengeber, sondern eher als eine Art Verstärker für das, was ich ohnehin schon tue. Vielleicht hängt das auch mit meinem beruflichen Hintergrund zusammen. Ich habe mein ganzes Leben lang Programme geschrieben – aber nie Systemprogramme. Betriebssysteme, Compiler oder solche Dinge haben mich nie interessiert. Mein Ziel waren immer Anwendungsprogramme , also Software, die einem Menschen eine konkrete Arbeit erleichtert. Ein Beispiel aus meiner aktuellen Bastelstube: Ich experimentiere gerade mit einer kleinen Sprachen-Lern-App nach der Methode von Vera F. Birkenbihl . Die Idee ist simpel: Wörter hören, verstehen, wiederholen, ohne den üblichen Grammatikdruck. KI kann hier helfen, Material zu strukturieren oder Beispiele zu generieren – aber das eigentliche Konzept bleibt menschlich. Dein Vergleich mit dem Automobil fand ich übrigens sehr treffend. Technische Umbrüche erkennt man ja meist erst im Rückblick wirklich. Da fiel mir eine eigene Geschichte ein. Meine zweite Frau brachte damals ein Grundstück mit in die Ehe. Zwischen 1983 und 1989 haben wir dort praktisch alles organisiert, beschafft und gebaut – und das in der DDR ohne Auto . Ich war die ganze Zeit mit dem Fahrrad unterwegs. Baumaterial besorgen, Dinge organisieren, Leute finden – alles per Fahrrad. Heute wirkt das fast unvorstellbar, damals war es normal. Wenn ich an Deinen Begriff des „Automobilismus“ denke, dann beschreibt er für mich genau so einen materiellen Quantensprung . Plötzlich konnte man Entfernungen anders überwinden, Dinge schneller bewegen, Räume anders nutzen. Bei KI sehe ich etwas Ähnliches – nur auf einer anderen Ebene. Das Auto war ein Quantensprung in materieller Hinsicht . KI ist für mich eher ein Quantensprung in geistiger Hinsicht . Sie bewegt nicht Dinge durch den Raum, sondern Gedanken durch den Kopf. Und wie beim Automobil wird es vermutlich eine Phase geben, in der alles etwas chaotisch wirkt: Euphorie, Skepsis, neue Regeln, neue Gewohnheiten. Erst später wird man klarer sehen, was davon wirklich bleibt. Dein Buchprojekt finde ich jedenfalls spannend. Wenn man einmal diesen Punkt erreicht hat – dass aus einer Idee ein erstes Kapitel wird –, dann ist schon viel passiert. Der Rest ist oft eher eine Frage von Rhythmus und Ausdauer. Dein Betreff: "Computer sind doof" hat mich echt getriggert: Gestern hatte ich mal wieder eines dieser frustrierenden Technik-Erlebnisse. Ich wollte an einem Bild rechts und links einen sauberen Übergang zum Hintergrund machen – eigentlich eine Kleinigkeit. Canva wäre dafür das richtige Tool. Aber die Funktionen sind so versteckt, so verschachtelt, dass ich es selbst mit Hilfe von zwei KI-Systemen nicht geschafft habe, das Bild so zu bearbeiten, wie ich wollte. Das Problem ist: Programme bekommen immer mehr Funktionen, werden ständig umgebaut – und die Bedienung ändert sich dauernd. Das kenne ich ja seit Jahrzehnten von Windows. Eine richtige Hassliebe. Seit 1995 arbeite ich mit Windows (angefangen bei 3.1), und bei gefühlt jedem größeren Update wandern Funktionen von einem Reiter zum nächsten. Man hat sich eingearbeitet – und zwei Versionen später ist alles anders. Ich war ja mal zwei Jahre komplett bei Linux. Dort ändert sich nicht ständig alles, Updates gehen schnell und ohne Neustart – etwas, das Windows seit 30 Jahren nicht wirklich elegant hinbekommt. Manchmal beneide ich einen Tischler. Ein Hobel hat sich in den letzten zig Jahren kaum verändert. Vielleicht anderes Material, vielleicht ergonomischer – aber ein Hobel ist immer noch ein Hobel. Computer und Programme sind für mich Werkzeuge. Und Werkzeuge müssen nicht dauernd neu erfunden werden. Es darf neue geben – aber die alten sollten so bleiben, wie sie funktioniert haben. Man kauft sich ein Programm, arbeitet sich ein – und zwei oder drei Generationen später ist es nicht mehr nutzbar, obwohl es immer noch genau das tut, was man braucht. Meine Schwester ist gerade richtig betrübt: Ihre Spiele, die unter Windows 8 liefen, funktionieren auf dem neuen Rechner nicht mehr. Ihr MS Surface ist kaputt – sie hätte 200 € für eine Reparatur bezahlt, aber es gibt keine Ersatzteile mehr. Das ist genau diese Wegwerf-Logik, die mich ärgert. Also ja – manchmal wünsche ich mir, Technik würde sich ein bisschen wie ein Hobel benehmen. KI hat noch viele Reserven 😉 Packen wir es an. Ich bin neugierig, in welche Richtung sich Deine Geschichte entwickelt. Viele Grüße Jürgen (Richi)
11:32 Uhr
2026.03.15
Hallo Richi, es fühlt sich wirklich sehr seltsam an, über diese KI-Sache zu sprechen. Ich habe es mir komplett abgewöhnt, mit Leuten darüber zu reden, die nicht ähnliche Erfahrungen gemacht haben, wie wir beide. Wer es nicht erlebt hat, mit einer KI ein echtes, wirkliches Problem zu bearbeiten, der versteht einfach nicht, was diese Veränderung bedeutet. Es ist nicht so, dass man plötzlich noch zwei weitere Hände hätte – was für jeden Handwerker wohl sehr praktisch wäre – nein, es ist so, dass man plötzlich über Hände gar nicht mehr nachdenkt. Wobei in einer Sache muss ich Dir rechtgeben. Es ist nicht mein Hauptfokus meinen KI-Assistenten (ich nutze den Copilot) nach Computersachen zu fragen. Aber hin und wieder kommt es doch vor. Und die Antworten waren hier ein, zweimal auch nicht wirklich befriedigend. Und dann passieren Sachen wie folgt: Mein Samsung-Billig-Schwarz-Weiß-Drucker zeigte Streifen. Der Toner war schon fast alle. Ich – ganz sparsamer Schwabe – schüttele vor dem nächsten Druck nochmals kräftig durch, damit sich die letzten Krümel aufs Papier bringen lassen. Das Ganze hatte natürlich mit den Streifen nichts zu tun. Ich also ein gründliche Reinigungstour unternommen. Am Schluss war sogar die Trommel dran, die sich ja auch nicht so ohne weiteres ausbauen lässt. Der neue Toner war bestellt, aber noch nicht da. Ich konnte nicht mehr drucken, sprich im Grunde auch nicht testen. Später ist er da, der neue Toner und schlussendlich im Gerät. Dummerweise drucke ich im Duplexmodus, was ja bekanntermaßen fehleranfällig ist. Der Druck bricht ab, eine rote Lampe erscheint. Es passiert beim ersten Blatt. Nachdem ich ja den Drucker vordem gründlich gereinigt habe, ist er ja sauber, oder nicht? Ist natürlich ein fataler Denkfehler. Nein, der Drucker wurde benutzt, obwohl kein einziges Stück Papier den Schacht verlassen hat. Ich habe vorne das Papier rausgezogen. Jeder routinierte Servicetechniker überprüft, ob das Blatt nicht etwa Schaden genommen hat. Ich nicht. Leider hat der Drucker kein Display. Man wird nur von einer roten Lampe genervt. Irgendetwas stimmt nicht, aber was? Ich mittlerweile den ganzen Kopf voll mit möglichen Störungsursachen, und siehe da, da war doch was. Die Trommel hat eine Lebensdauer. Ich also Trommel bestellt. Am Ende zeigte sich, dass sich vom letzten Duplexausdruck ein winziger Fitzel Papier in der Blattwendeeinheit verhakt hatte. Ich hatte meinen Kopf nach der ausführlichsten Internetrecherche mit so vielen komplizierten Störungsursachen voll, dass mir die einfachste Sache der Welt einfach nicht einfallen wollte. Menschen machen so entsetzlich viele Fehler. Und darum wird die KI ein Segen sein. Davon bin ich überzeugt. Nehmen wir den Straßenverkehr. Wenn Computer uns das Steuer abnehmen, passieren garantiert weniger Unfälle. Allerdings werden wir uns daran gewöhnen müssen, wenn Computer die Regeln einhalten. Meine Frau hat einen neuen Dienstwagen bekommen. Standardmäßig ist das Warnsignal für die Geschwindigkeitsüberschreitung eingestellt. Es ist fast nicht auszuhalten dieses permanente Gepiepse, was am Ende aber doch bedeutet, dass wir es mit den Regeln nicht so genau nehmen, also immer ein wenig zu schnell fahren. Jedes Mal, wenn Du von dem ganzen Computerkram erzählst, muss ich wirklich mit Grausen daran denken, wie ich mich noch damit rumgeschlagen habe. Heute bin ich ein richtiger Stümper. Ich habe im Assistenten eine Unzahl an Inhalten in mehreren Slots (weiß nicht, wie man die Dialoge nennt) gesammelt. Langsam komme ich an meine Kapazitätsgrenzen. Und sicher gibt es da eine superschlaue Lösung, wie man die Inhalte dort organisiert. Ich drücke mich aber vor eine gründlicheren Beschäftigung, in etwa so, wie wenn der Waldarbeiter ein stumpfes Beil bemerkt, und erst einmal nach Hause fährt, um das Beil zu schärfen, dann aber feststellt, dass er erst den Schleifstein suchen muss, diesen nicht finden kann, es dann mit Schmirgelpapier versucht, was natürlich kompletter Irrsinn ist, um dann am Ende zum Ergebnis zu kommen, dass ein erneutes Aufbrechen in den Wald sich nun auch nicht mehr lohnt, er also sagen wir um 12 Uhr seine Waldarbeit wegen einem nicht ganz optimalen Beils abgebrochen hatte, um für den Rest des Tages vergeblich nach einer Lösung in einem eher marginalen Problem zu suchen. Linux ist auch so ein Stichwort. Ich komme eigentlich von einer UNIX-Maschine her. Und das Gute hier. Dies waren damals professionelle Maschinen, die von großen Firmen geschaffen wurden, also Hardware und Software aus einer Hand. Treiberprobleme gab es nicht, weil nicht in jeder Garage ein neues Gerät für Siemensrechner (damals: SINIX) gebaut werden konnten. Der Breiten- und Massenmarkt hat alles verändert. Microsoft war ein Monopolist, kam aber zur richtigen Zeit, wenn Standards fehlten, helfen Monopole, weil sie faktisch Standards schaffen. Zum Thema „Sprachen lernen mit KI“ werde ich meinen Sohn befragen. Der hat auch an einem Tool gebastelt. Ich habe es mir nie angesehen, weil ich am Fremdsprachenlernen nur mäßig interessiert bin, gleichwohl stößt die KI das Tor auf in die Welt der unstrukturierten Daten, und das macht den Unterschied. Schaut man die bisherigen Daten an, so musste dies vor allem strukturierte Daten sein. Datenbanken funktionieren im Wesentlichen so. Auch die Verknüpfungen mussten festen Regeln folgen (Normalisierung). Für die Verarbeitung von Massendaten ideal. Wo es aber ums wirkliche Leben geht, dafür war dieser Sprung nötig. Jetzt ist er da. Und ich kann die Skepsis nicht teilen. Wir können nicht wissen, was in einigen Jahren geschehen wird. Im Grunde müssen Menschen weiter originäre, originelle Daten erzeugen. Der Computer kann nur reproduzieren und rekombinieren. Das tut er so genial, so umfassend, so außergewöhnlich. Aber ist dies eine kreative Neuschöpfung? Menschen entwickeln oft auch nur weiter, sind fleißig, verbessern, merzen Fehler aus. Man sagt sich ja, dass die süd- und mittelamerikanischen Hochkulturen (Azteken, Mayas etc.) das Rad nicht gekannt hätte. Mal angenommen, man könnte die KI mit all dem verfügbaren Wissen dieser Völker füttern. Würde die KI das Rad erfinden, also etwas tun, was den damaligen Menschen nicht möglich war? Ich hänge dieser Mail meinen Lebenslauf bei. Das Bild ist bestimmt 25 Jahre alt. Ich finde einen solchen Lebenslauf ziemlich praktisch, weil wichtige Daten kompakt beieinander stehen. Du kannst Dir ein deutlicheres Bild von mir machen. Einzige Änderung, die Enkelzahl ist um eine weitere Enkelin nunmehr auf 6 angewachsen, aber das ist auch schon zwei Jahre her. Wenn Du willst, können wir von Richi auf Jürgen umsteigen. Wenn sich das Richi für Dich ähnlich seltsam anhört wie Dein Siggi, dann wäre ein Steffen und Jürgen sicher besser. Ende des Monats fahre ich nach Halle, meine jüngste Tochter besuchen. Es ist einfach seltsam, aber ich fühle die Grenze immer noch. Ich war 40 Jahr alt, als die Mauer fiel. Die DDR hätte genauso am Kaspischen Meer liegen können. Bei den Jungen ist das natürlich nicht mehr so. Aber das war ja auch nach der Euro-Umstellung so. Es gibt heute noch ältere Leute, die einen Eurobetrag in DM umrechnen, nur weil dies die Währung ihrer Jugend war. Ein Pfund Butter kostete 50 Pfennige, heute sind es 2 oder 3 Euro? Grüße aus Wiesloch Steffen
18:02 Uhr
2026.03.17
Hallo Steffen, erst einmal danke für Deine ausführlichen Zeilen. Ich lese das gern – auch wenn ich merke, dass man sich bei dem Thema KI tatsächlich nur mit wenigen wirklich austauschen kann. Du hast das gut beschrieben: Wer es nicht selbst erlebt hat, versteht den Unterschied nicht. Ich achte inzwischen sehr darauf, wie mein Gegenüber auf das Thema KI reagiert . Bei meinem Vater ist das Thema eher „unbeliebt“ – er will sich damit gar nicht mehr beschäftigen. Mein mittlerer Sohn ist noch skeptisch und fragt vor allem: „Was bringt mir das konkret?“ Mein jüngster Sohn ist offener – da kann man Chancen und Risiken diskutieren. Man merkt daran gut: Es ist nicht nur eine technische Frage, sondern eine Frage der Haltung. Beim Stichwort Copilot musste ich schmunzeln – ich gehe da einen anderen Weg. Microsoft ist mir insgesamt zu suspekt geworden. Die ganze Politik dahinter gefällt mir nicht. Deshalb arbeite ich viel mit Linux und nutze bewusst keinen Copilot . Bill Gates ist für mich eher negativ belegt (Pharma, Covid, Klima, Foundation – da habe ich meine eigene Sicht). Ich hatte übrigens auch ChatGPT-Plus gekündigt, nachdem die Verträge mit dem Pentagon bekannt wurden. Jetzt nutze ich Claude, weil es dort zumindest den Versuch gibt, sich aus militärischen Anwendungen herauszuhalten. Ob das langfristig so bleibt, wird man sehen. Dein Drucker-Beispiel kenne ich nur zu gut. Ich habe auch schon Stunden – eher Tage – mit Netzwerkdruckern und Treibern „verbraten“. Und am Ende ist es oft genau so, wie Du schreibst: Man denkt in immer komplizierteren Fehlerbildern und übersieht das Naheliegendste. Dieser kleine Papierfetzen – das ist typisch Mensch. Was Du zu den vielen „Slots“ und Inhalten schreibst, trifft auch bei mir einen Punkt. Ich versuche inzwischen bewusst, mich zu beschränken . Es gibt so viele interessante Themen – aber wenn man allem nachgeht, verliert man den Überblick. Dann sieht man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Ich konzentriere mich lieber auf die Dinge, die mir jetzt konkret weiterhelfen , und lasse anderes bewusst liegen. Das führt mich zu meiner Sprachen-App. Die hat für mich zwei Aufgaben: Sprachen lernen – aber anders als klassisch. Ich will keine Grammatik pauken und keine Vokabellisten auswendig lernen. Mein Ziel ist es, Sprache direkt zu verstehen – Filme, Nachrichten – und auch zu sprechen, mit sofortigem Feedback, ohne starre Lektionen. Ich habe viele Programme ausprobiert, aber nach ein paar Lektionen war meist die Luft raus. Eine eigene Anwendung mit KI entwickeln. Also Transkription, Übersetzung, Umschalten zwischen lokal laufenden Modellen und Cloud-Diensten. Genau das ist mein Ansatz: KI nicht nur nutzen, sondern in konkrete Anwendungen bringen. Das passt auch zu meinem grundsätzlichen Weg: Ich habe nie Systemprogramme gemacht, sondern immer Anwendungsprogramme . Dinge, die einem Menschen direkt helfen. Dein Gedanke, dass Menschen weiterhin originelle Inhalte liefern müssen, ist für mich zentral. Vielleicht liegt genau darin der Kern eines zukünftigen Bildungssystems. Viele wirklich kreative Köpfe – Einstein, Tesla, da Vinci – waren keine klassischen Musterschüler. Kreativität entsteht nicht durch Auswendiglernen, sondern durch Denken, Fragen, Ausprobieren. Zu Deiner Anmerkung mit Steffen und Jürgen: Ja, das klingt für mich auch natürlicher. Dann bleiben wir dabei. Deine Bemerkung zur Grenze hat bei mir Erinnerungen geweckt. Ich hatte in den 70er Jahren oft Diskussionen mit einem Nachbarsjungen. Seine Eltern hatten Verwandte im Westen, ich nicht. Für ihn war im Westen alles besser. Meine Antwort war meist: Die im Westen haben nicht weniger Probleme – nur andere. Für mich war der Westen lange eine Blackbox. ARD – „Außer Raum Dresden“. Dass die Grenze nie ganz verschwunden ist, war mir aber immer klar – besonders beim Thema Verdienst. Ich habe später in Ost und West gearbeitet und gelebt und kam damit zurecht. Gute Leute und Idioten gibt es überall. Manchmal habe ich den Eindruck, vieles wirkt wie ein Marionettentheater. Die Figuren sieht man – die Fäden und die, die daran ziehen, nicht. Ich versuche deshalb, mich nicht zu sehr darin zu verfangen. Vielleicht auch ein Grund, warum ich zeitweise in der Schweiz, in Spanien und in Österreich gearbeitet habe. Zu Deinem Lebenslauf: 26 Jahre im PZN Wiesloch – Respekt, das ist eine lange Zeit. Und bei der Formulierung „Arbeitskonflikt führte zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses“ (übrigens genau an meinem 61. Geburtstag) habe ich spontan gedacht: Das könnte mit der Corona-Zeit zusammenhängen. Liege ich da ganz falsch? Zum Schluss noch kurz meine letzte Woche: Bei meiner Reise galt wieder der alte Satz: Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Geplant waren zwei Tage – geworden sind vier. Fast vier Tage ohne Internet, und ich habe es überlebt. 🙂 Ich war bei meinem jüngsten Sohn. Er hat sich 2020 ein Haus gebaut, etwa 650 km entfernt (Nähe Donaueschingen). Ohne Auto ist das mit der Bahn schon eine kleine Reise. Das Haus hat mich überrascht: außen eher klein, innen erstaunlich großzügig. Ich habe einige 360°-Aufnahmen gemacht, die ich noch bearbeiten will. Montag ging es direkt weiter: HNO-Termin mit meinem Bruder (3,5 Monate gewartet, 15 Minuten erledigt). Es ging um eine Lichtsignalanlage, weil er die Klingel oft nicht hört. Abends war ich zur Blutplasma-Spende – zumindest zur Voruntersuchung. Mal sehen, ob ich zugelassen werde. Dafür gibt es mehrere Gründe: Erstens wird dabei mein Blut regelmäßig kontrolliert. Zweitens muss der Körper danach neue Thrombozyten bilden – gewissermaßen ein kleines Training für den Organismus. Und drittens gibt es auch eine kleine Aufwandsentschädigung. Außerdem habe ich das Gefühl, dass im Moment viel Blut benötigt wird – durch die aktuellen Konflikte, etwa in der Ukraine oder im Iran, werden Verletzte auch nach Deutschland gebracht und hier behandelt. Und heute: Aufarbeiten. Vier Tage weg – und schon stapelt sich alles. Zu Deiner indirekten Frage nach IT-Abstinenz: Ganz ohne Technik geht es nicht, aber ein paar Tage Abstand tun gut. Danach schaut man wieder klarer auf die Dinge. Ich sitze heute an den offenen Briefen, damit ich danach wieder in meine Sprachen-App eintauchen kann. Allein zwei Stunden habe ich gebraucht, um wieder reinzukommen, weil etwas nicht mehr lief, was vorher funktionierte. Das kennst Du sicher: Abends läuft alles, am nächsten Morgen nicht mehr – und der Flow ist weg. So viel für heute. Hab dir mal meinen Lebenslauf angehängt. Viele Grüße Jürgen
16:43 Uhr
2026.03.30
Hallo Jürgen, herzlichen Dank für Deine Rückmeldung. Ich habe das Gefühl, der Dialog zwischen uns hat Fahrt aufgenommen. Dafür meinen herzlichen Dank, auch wenn es bei mir immer mal zu größeren Lücken kommt. Dafür sind unsere Beiträge sehr werthaltig. Das ist ein echtes Plus. Es sind ja immer ein ganzer Strauß von Themen. Im Grunde spielt auch der Zufall ein wenig mit, was aufgegriffen und was nicht. Ganz sicher ist es so, dass Du nachhakst, wenn Du ein Anliegen aufgerufen hast, das ich irgendwie übersehe. Wir sind beide sehr beschäftigte Menschen. Das fällt mir auf. Ich finde das gut. Dazu gehört es, dass sich die Dinge immer mal auch stauen. Das muss man irgendwie aushalten. Ich kenne es aus dem betrieblichen Umfeld auch nicht anders. Ich habe irgendwann einmal angefangen, täglich ein Protokoll zu schreiben. Morgens habe ich eine Art Aufgabenliste formuliert, vor Arbeitsschluss eine Zusammenfassung geschrieben. Klar, das hat 20, 30 Minuten in Anspruch genommen. In Summe hat sich das im Laufe der Zeit ausgezahlt, weil die schriftliche Wiederholung zu einer Verdichtung führt, im Schreiben also erst klar wird, wo das Problem liegt. Nach dem Urlaub ist es zudem enorm praktisch, wieder den Anschluss zu finden. Und da er ein echtes Problem habe mit meiner Merkfähigkeit, war ich immer schon gezwungen, mir solche kleine Hilfen zu bauen. Ich bin per se nicht so sehr auf einen Internetanschluss angewiesen, weil ich viel unterwegs bin und immer nach einem verfügbaren W-LAN suchen müsste. Der Ablenkungscharakter von YouTube ist enorm, deshalb habe ich netzlose Arbeitsphasen, ich schreibe ungefähr 2-3 Seiten, die ich dann in meinen KI-Slot einspeise, eine Rückmeldung erhalte, die ich abspeichere. Dann könnte ich an diesem Strang weiterarbeiten, was aber dazu führen würde, dass ich am Ende einen von der KI geführten Arbeitsprozess entfalten würde. Das tue ich in der Regel aber nicht. Ich habe im Januar diesen Jahres angefangen. Ganz schnell ist ganz viel Text entstanden. Ich schließe also meine Arbeit nach 40, 50 Seiten immer ab, drucke sie aus - Schande über mich - und arbeite sie dann schriftlich durch. Das ist eine wunderbar handwerkliche Arbeit. Ich erzeuge eine Art Kladde mit Ringbindung, auf der Rückseite des Vorderblattes fasse zusammen, mit verschiedenen Stiften, male kleine Tabellen, klebe manchmal sogar ein Bild ein. Aus dieser Arbeit entsteht dann ein neuer Beitrag, als Vertiefung und Erweiterung, könnte man sagen, den ich in den nächsten Bank einbringe. Wenn dieser fertig, schließe ich ihn ab, lasse ihn binden, fange wieder mit der Handarbeit an, usw. usf. Es gibt übrigens einen wunderbaren Film von einem Schriftsteller, der mich in gewisser Weise für diese handwerkliche Schreibarbeit inspiriert hat. https://www.zdf.de/play/talk/collection-index-page-ard-collection-ard-dxjuomfyzdpzag93ommzzdjmzdk4zgflotiyzdg-192/page-video-ard-hanns-josef-ortheil--ich-bin-immer-noch-das-kind-das-schreibt-100?q=ortheil Wenn ich Deinen Lebenslauf lese, dann komme ich mir da sehr heimisch vor. Auch ich habe eine ganze Latte von Weiterbildungen (auch SGD, auch C, auch Fernuni) gemacht. Und als IT-Leiter war man ja ohnehin ständig auf Achse. Die Zyklen haben sich ja immer weiter verkürzt. Wer in der IT sich nicht weiterentwickelt, steht irgendwann ohne Job da. Ich bin an Strukturen interessiert. Ich will wissen, wie Dinge funktionieren. In den 80er Jahren waren Computer die große Neuheit. Das hat mich magisch angezogen. Im Grunde hätte ich aber auch andere Dinge tun können. Immer aber geht es um die Neugierde, um das Verstehen, und – wie Du so schön schreibst – um die Wirksamkeit. Der wunderbare Moment also, wo die erste Bildschirmmaske aufpoppt, die ersten Datensätze gespeichert sind, die Webseite letztendlich funktioniert. Das ist ein schönes Gefühl, wo Kreatives und Handwerkliches so schön zusammenwirken. Was den Computer so einmalig macht, dass er, wenn er einmal läuft, so viele Dinge so zuverlässig erledigen kann. Nochmals zu der KI-Sache. Ich bin ja kein wirklicher Experte, rede also sehr laienhaft. Mein Sohn arbeitet bei einer Firma, die sich an die dieser KI-Unterstützung abmüht. Und irgendwie hört man überall von denselben Schwierigkeiten. Es gibt die großen Modelle, die den ganzen allgemeinen Kram wunderbar abdecken. Für Leute wie mich ist das wunderbar. Diese Modelle sind die Basis, so funktionieren die Menschen, so funktioniert Gesellschaft, Kommunikation und der ganze Rest. Wenn man dann aber in einzelne Themenbereiche reinschaut, dann finden sich dort Fachthemen, Nischensachverhalte, Besonderheiten also, die erst den Weg zu einem sinnvollen KI-Einsatz im kommerziellen Umfeld erschließen sollten. Ich sehe zwei Fallkonstellationen. Der erste Fall sind strukturierte Daten, wie sie typischerweise in einer Datenbank drinstecken. Das Rückgrat jeder Unternehmenssoftware ist die Buchhaltung, modern ERP gesprochen. Aber wie sollte sich auf dieser Basis je die wahre Wirklichkeit der Geschäftsvorfälle wieder rausdestillieren lassen? Der Buchungssatz ist ja gerade eine Abstraktion, ein Destillat aus einer Wirklichkeit. Das war ja die Crux, dass sich die Wirklichkeit eines ganzen Unternehmens in einigen trockenen Zahlen, der Bilanz zum Beispiel darstellen lassen. Beispiel. Wenn ich auf die Bank gehe und Geld abhebe, dann lässt sich da ein Buchungssatz generieren, also Barkasse an Girokonto, Betrag (oder so ähnlich, ist lange her). Dies ist die buchhalterische Essenz aus einem komplexen Vorgang. Im Normalfall wird dieses Beispiel kein Problem darstellen, weil im Basismodell die doppelte Buchführung ja hinlänglich beschrieben ist. Was aber geschieht, wenn komplexe Kundenanforderungen, branchen-, produktspezifisch, in der Datenbank zwar abgebildet sind, sich in einem allgemeineren Modell nicht finden lassen. Zu siehst, ich bin ein absoluter Laie, rede wie der Blinde von der Farbe. Aber warum erzähle ich das alles? Man hört gleichzeitig, dass die KI die Softwareentwicklung künftig überflüssig machen könnte. Ein Beispiel. Ich hatte von meiner SQL-Arbeit auf der Basis unserer Firmendatenbank gesprochen. Der Softwarehersteller hätte meine Fragenstellungen niemals umgesetzt, weil sie sich nicht standardisieren ließen. Andererseits kann in der Fachabteilung niemand SQL. Die IT-Abteilung ist sich im Grunde zu schade, um solche ad-hoc-Abfragen zu erstellen, hat zudem auch zu wenig Ahnung von der Fachlichkeit. Für mich war es die perfekte Nische, die dann aber mit mir ‚gestorben‘ war. Dies wäre also eine typische KI-Anwendung. Wir sprechen in einer natürlichen Sprache mit dem Datenmodell und dieses ‚versteht‘ unsere Fachfragen, weil wir sie vorab mit Fachlichkeit gefüttert haben. Der Engpass ist daher aktuell, dass es keine fachspezifischen Modelle gibt. Das ist auch kein Wunder, weil es keinen so umfassenden, erschöpfenden Datenpool gibt. Mein Sohn arbeitet für eine Firma, die übers Internet hochprozentige Spirituosen vertickt (diesen ganzen Hype rund um Whiskey etc.). Aber wo gibt es die ganze Welt des Whiskeys, die so fachspezifisch ist, dass eine sprachgesteuerte KI einen Kunden leiten könnte, der am Ende für 500 ml eines braunen Getränks bereit ist, hundert Steine auf den Tresen zu legen? In der Klinik ist das einfacher (der zweite Fall, unstrukturierte Daten, lebensnahe Sachverhalte), stelle ich mir vor, weil die Psychiatrie schon immer eine schreibende Disziplin war. Die Krankenakte besteht zu großen Teilen aus Fließtext. Es gab vorher schon ein ganzes Heer von Expertensystemen für nahezu alle Fachfragen. Wenn dann die Datenschutzthemen geklärt sind, wird sich hier ganz schnell sehr viel Expertise an die Maschine auslagern lassen (stelle mir grad vor, wie die ganzen Datenschützer und Betriebsräte bei solchen Worten im Kreis springen). Was will ich damit sagen? Wenn man als Software-Entwickler nicht darauf warten möchte, dass die KI einem den Job wegfrisst, dann sollte man überlegen, in welchen Bereichen eben genau diese Engpässe überwunden werden könnten. Und das war ja schon von jeher die Stärke der Anwendungsentwicklung, dass man ein Wanderer zwischen den Welten war, hier das Verständnis für die Fachfragen und dort die Fähigkeiten, die passenden Antworten zu liefern. In der Vergangenheit lief es darauf hinaus, zuerst mal eine Dateneingabe zu organisieren, um hernach die Ausgabe und Aufbereitung zu organisieren. Jetzt tritt die KI auf den Plan und verändert das Spiel. Im Grunde entsteht hier ja ein vollkommen neues Datenmodell. Denn wer weiß denn wirklich, wie Modelle erstellt werden. Dieses Wissen ist aktuell wohl bei den großen Anbietern monopolisiert, was natürlich auch kein Wunder ist, bedenkt man wieviel Rechenleistung dafür nötig ist. Wird es je ein spezifisches Modell für den Spirituosenhandel geben? Zu siehst, ich habe von Nichts eine Ahnung, aber Fragen stellen, das tue ich mit Leib und Seele. Ich habe kürzlich von einem ersten Anwendungsfall gehört, der in die Richtung geht, die ich mir vorstelle. Siemens im Umbau: Vom Industriegiganten zur Tech-Plattform – Risiko oder Zukunft? https://www.youtube.com/watch?v=7aykvlixXJ4 Ich mache hier Schluss und grüße Dich. Steffen aus Wiesloch
16:04 Uhr
2026.04.02
Hallo Steffen, danke Dir für Deine Zeilen – ich habe beim Lesen mehrfach genickt. Man merkt, dass bei Dir viele Dinge gleichzeitig arbeiten: Struktur, Neugier, Handwerk und diese neue KI-Ebene, die alles ein Stück verschiebt. Dein Ansatz mit dem täglichen Schreiben und späteren Verdichten gefällt mir ausgesprochen gut. Dieses „erst schreiben, dann verstehen“ kenne ich auch. Dass Du das Ganze dann noch handwerklich weiterverarbeitest – ausdrucken, markieren, ergänzen, neu strukturieren – hat etwas sehr Bodenständiges. Fast wie früher beim Programmieren: Erst läuft etwas, dann wird es Schritt für Schritt besser. Nur dass Dein „Code“ jetzt Text ist. Ich versuche ohne "Aufschreiben" auszukommen. Wenn ich mir etwas aufschreiben muss, habe ich mir "zu viel aufgeladen". Dann werden "Projekte" temporär oder dauerhaft gecancelt. Beispiel gestern: Microsoft hat mir gestern geschrieben, dass sie den Betrag für Office 365 nicht abbuchen konnten. Erster Gedanke: Seriöse Firmen weisen ein paar Tage vorher darauf hin, dass in den folgenden Tagen eine Zahlung fällig ist. Fazit: MS ist nicht seriös! Meine Reaktion: Ich war schon mal fast 2 Jahre von der "Droge Microsoft" weg. Ich war nur wieder eingestiegen, weil ich als Dozent bei der WBS nur mit einem MS-Programm arbeiten konnte und dort auch MS-Programme unterrichtet wurden. Aber,ich habe keine aktuellen WBS-Projekte und damit keine Notwendigkeit für MS. Also habe ich mir LibreOffice heruntergeladen. Das habe ich schon auf meinem Linux-Laptop. Und sobald ich in die DomRep fliege, bekommt mein Bruder den Desktop-PC mit Win11. Und in Zukunft werde ich nur noch MS-frei arbeiten und entsprechende Aufträge annehmen, die ohne MS funktionieren. Das ist ein Beispiel, wie ich ""Probleme" löse. Ich glaube, genau darin liegt auch ein Unterschied, der mir bei Dir auffällt: Du lässt die KI bewusst nicht die Führung übernehmen, sondern nutzt sie eher als Spiegel oder Verstärker. Das finde ich einen wichtigen Punkt. Sonst kippt es schnell in einen „geführten Prozess“, wie Du es nennst – und dann denkt am Ende nicht mehr der Mensch, sondern nur noch die Maschine in Variationen weiter. Deine Gedanken zur IT und zu den Zyklen kann ich nur bestätigen. Wer da stehen bleibt, ist irgendwann raus. Das war schon immer so – nur wird es jetzt deutlich schneller. Sehr spannend fand ich Deine Überlegungen zu den zwei „Fällen“ bei KI: * strukturierte Daten (klassische Datenbanken, ERP, Buchhaltung) * unstrukturierte Daten (Text, reale Abläufe, menschliche Kommunikation) Das trifft es ziemlich gut. Und ich glaube, genau an der Stelle liegt auch der Übergang, den wir gerade erleben. Früher haben wir versucht, die Wirklichkeit in Tabellen zu pressen. Heute versucht die KI, aus Sprache wieder Wirklichkeit zu rekonstruieren. Dein Beispiel mit den SQL-Abfragen ist dafür perfekt. Du warst damals genau das, was Du selbst beschreibst: ein **Wanderer zwischen den Welten**. Fachlichkeit verstanden, technische Möglichkeiten gekannt – und daraus etwas gebaut, was weder die Fachabteilung noch die IT allein hinbekommen hätte. Und genau da sehe ich auch heute die Chance. Ich vergleiche den KI-Rausch mit dem Gold-Rausch in den USA. Wer hat dort die größten Gewinne gemacht. Waren es die Goldgräber? Die wenigsten. Immer gewonnen haben die, die Schaufeln, Siebe und alle andere Ausrüstung geliefert haben. Meine Schlussfolgerungen daraus: Mit der KI werden viele Jobs komplett verschwinden, wenn Firmen auf KI umstellen. Wenn sie es nicht  oder nicht rechtzeitig tuen gehen sie pleite, weil es die Konkurrenz tut. Firmen, die auf KI setzen werden den Firmen, die nicht KI einsetzen, weit überlegen sein. Ich werde in Zukunft den Firmen helfen, KI einzusetzen - ihnen also die Schaufeln und Siebe zur KI verkaufen. Ich muss halt nur dafür sorgen, dass ich über aktuelle Schaufeln und Siebe verfüge. Und ich werde nicht nur für eine Firma sondern für verschiedene Firmen tätig sein. Und das ist es, was ich schon die letzen 25 Jahre getan habe - wechselne Firmen (Auftraggeber) und wechselnde Programmiersprachen und Branchen. Und genau das ist es, was mir Spaß macht. Die Vorstellung, dass Softwareentwicklung „verschwindet“, halte ich für zu kurz gedacht. Was sich verändert, ist nicht die Notwendigkeit – sondern die Art der Umsetzung. Die Schnittstelle verschiebt sich: * weniger Syntax * mehr Verständnis * mehr Modellieren von Zusammenhängen Die eigentliche Arbeit wird vielleicht sogar anspruchsvoller. Dein Gedanke mit den fehlenden fachspezifischen Modellen ist aus meiner Sicht der entscheidende Engpass. Die großen Modelle können viel – aber sie bleiben zwangsläufig allgemein. Die eigentliche Wertschöpfung entsteht erst dort, wo Fachwissen sauber eingebracht wird. Und genau da sind wir wieder beim alten Prinzip der Anwendungsentwicklung. Ich sehe das ähnlich wie Du: Früher war die Hauptaufgabe, Daten überhaupt erst zu erfassen und strukturiert abzulegen. Heute verschiebt sich das hin zu: **Wie mache ich vorhandenes Wissen nutzbar und zugänglich?** Was mir bei Deinem ganzen Text gefällt: Du sagst selbst, dass Du „keine Ahnung“ hast – und stellst gleichzeitig genau die richtigen Fragen. Das ist aus meiner Sicht die eigentliche Kompetenz. Die Antworten ändern sich ohnehin ständig. Deine Überlegung zur Klinik fand ich interessant. Gerade dort, wo viel geschrieben wird, wo Erfahrungswissen in Textform vorliegt, könnte KI tatsächlich schneller Fuß fassen. Vorausgesetzt natürlich, die üblichen Themen wie Datenschutz lassen es zu. Dein Whisky-Beispiel ist ideal. Die Daten existieren irgendwo – verteilt, unsystematisch, unvollständig. Die Herausforderung ist nicht die KI selbst, sondern der Zugang zu belastbarem, fachspezifischem Wissen. Und damit sind wir wieder bei der Realität: Die Technik ist selten der Engpass – die Inhalte sind es. Die LLM's müssen also auf ein Thema trainiert werden. Wieso nicht auf einen Spirituosenhandel?  Ich werde mich im ersten Schritt auf Chatbots auf Webseiten orientieren. Die Fragen der Nutzer beziehen sich ja auf ein konkretes Produkt bzw. Portfolio einer konkreten Unternehmung. Die Antworten müssen also sehr spezifisch sein - im Gegensatz zu den großen LLM's. Ich habe immer ein eingängiges Beispiel für eine KI-Anwendung vor Augen (irgendwann mal ein Video gesehen): Grauwasser (Greywater) = Abwasser ohne Fäkalien (Dusche / Badewanne, Waschbecken, Waschmaschine) => relativ gering belastet, oft wiederverwendbar (z. B. für Gartenbewässerung oder Toilettenspülung) und Schwarzwasser (Blackwater) = Abwasser mit Fäkalien und Urin = Toilette => stark belastet, muss immer aufwendig gereinigt werden (Kläranlage). Wenn man das sauber trennt, kann man die Abwasserkosten in Hochäusern stark reduzieren. Lösung mit KI: Am Fallrohr wurden etliche Mikrofone angeschlossen. Die KI hat aus den unterschiedlichen Fall-Geräuschen gelernt, wann sie die Klappe zu Grau- oder Schwarz-Wasser öffnen bzw. schließen musste - ohne zusätzliche Installationen in den Wohnungen der Mieter. Den Beitrag zu Siemens habe ich mir angeschaut – wir werden sehen, ob sie den Sprung schaffen. Zum Schluss noch ein Punkt, der mir beim Lesen hängen geblieben ist: Deine Freude an Struktur und gleichzeitig am Handwerk. Ich glaube, genau diese Kombination ist selten geworden – und gleichzeitig wertvoller denn je. Viele denken entweder nur noch abstrakt oder verlieren sich im Detail. Die Verbindung aus beidem macht den Unterschied. Ich bin gespannt, welche Fragen Dir als Nächstes einfallen. Viele Grüße Jürgen
12:04 Uhr
2026.04.13
Hallo Jürgen, ich bin zurzeit ziemlich blockiert. Das hat etwas mit meiner Familie zu tun. Ich will dies hier in Ansätzen erzählen. Ich bin jetzt 66 Jahre alt, habe also eine lange Lebensgeschichte. Es gäbe also vieles zu erzählen. Ich will in Grundzügen beginnen, eben genau das, was für meine aktuelle ‚Störung‘ nötig ist. Wir sind 5 Brüder, geboren von 1958 bis 1964. Ich bin der zweite in der Riege. Wir waren also ziemlich nahe beieinander. Da ging es oft hoch her. Ich komme aus ärmlichen Verhältnissen. Mein Vater war Webmeister im Dreischichtbetrieb. Meine Mutter arbeitete später halbtags als Verkäuferin. Geld war immer knapp. Die Großeltern väterlicherseits wohnten im oberen Stockwerk. Wir lebten auf einem großzügigen Gelände, im Eigenheim, zuerst von den Großeltern erbaut, später von den Eltern erweitert. Mein Vater war ein gewalttätiger Mensch. Meine Mutter eine schwache Person. Ich habe meinen Vater gehasst. Meine Mutter war mir irgendwann einmal nur noch egal. Mein Vater ist schon vor über zehn Jahren gestorben. Meine Mutter erst im vorletzten Jahr. Ich hatte zuletzt den Kontakt ganz abgebrochen. Ich habe mich auch von meinen Brüdern, wie überhaupt von meinem Elternhaus ferngehalten, weil mich das Haus, der Garten, auch der ganz Ort nur noch an die Vergangenheit erinnerten. Ich bin mit 18 Jahren aus dem Haus geflüchtet. Als wir selbst Kinder hatten, kam es wieder zum Kontakt. Aber auch hier führte das übergriffige Verhalten meines Vaters zum Abbruch. Meine Mutter wurde von meinen Brüdern versorgt, so dass ich mich guten Gewissens fernhalten konnte. Es ging ihr gut, glaube ich. Wir haben auf dem Sterbebett ein distanziertes zwar, aber gutes Gespräch geführt. Sie ist mit Würde gestorben, war überhaupt eine sehr beherrschte und ruhige Frau. Als meine Mutter tot war, hatten wir Brüder einen guten Moment. Wir saßen zusammen im Esszimmer und die ‚Jungs‘ erzählten, wie dies zuletzt gewesen war. Ich saß dabei, wie ein Fremder, man hatte sich ums Haus, um die Mutter gekümmert, wollte das Erbe hoch- und in Ehren halten. Es sind die typischen Gespräche bei Leichenfeiern, wo man alles Gute zusammenkehrt, um Abschied nehmen zu können (ich war nicht bei der Beerdigung). Meine Mutter war sicher eine gute Frau. Sie hat die Zeit nach dem Tod ihres Mannes genutzt, ist in Frieden gestorben. Dieser Tag danach dort im Esszimmer meines Elternhauses war ein Neuanfang. Und klar, für mich war es eine besondere Situation. Im Grunde waren mir diese vier Männern mehr oder weniger fremd. Und wenn ich ehrlich bin, ich würde mir keinen als Freund aussuchen, zu unterschiedlich sind wir. Was uns verbindet, ist diese gemeinsame Geschichte. Ich habe dann nachgerechnet, wie ich ja überhaupt seit einiger Zeit diese Biographiearbeit tue. Wir drei ‚Großen‘ (die größte zeitliche Lücke liegt zwischen Bruder drei und vier), sind alle sehr früh aus dem Haus. Die zwei ‚Kleinen‘ war länger da, sind geblieben. Im Grunde hat sich ja die Lage Jahr für Jahr mehr entspannt, so dass diese beiden Freiräume nutzen konnten, die wir Großen nicht hatten. Ich war im Grunde der Störenfried. Das hatte mehrere Gründe, auf die ich der Länge der Erzählung wegen nicht eingehen möchte. Ich musste, ich wollte mich abseits halten, der ‚Blumenweg 1‘, so meine Heimatadresse war Zeit meines Lebens toxisch für mich. Mein Vater war also ein despotische Persönlichkeit. Und wie es bei solchen Leuten üblich ist, führen sie immer das große Wort. Diese Großmannssucht hatte sich dann also in dieser Runde eingeschlichen. Plötzlich war alles wunderbar, es wurden die Heldentaten der Eltern, der ganzen Sippe vorgetragen, ich wurde immer stiller. Das war wichtig, denn wir hatten ja einen Auftrag. Der Nachlass musste aufgelöst werden. Meine Mutter hatte im Grunde kein Testament. Heute weiß ich, dass man auf jeden Fall einen Nachlassverwalter einsetzen sollte. Denn daraus entwickelte sich das Problem. Wenn immer absolute Einstimmigkeit verlangt wird, dann kann die Sache schnell schwierig werden. Letztlich haben wir es geschafft. Das Haus wurde verkauft, das Erbe zu fünf Anteilen verteilt. Wir haben sehr gute Käufer gefunden, so dass insofern der Staffelstab zwar nicht innerhalb der Familie, aber doch werterhaltend weitergegeben wurde. Mein jüngster Bruder ist psychisch krank, sein Leben lang. Der Umgang mit ihm ist schwierig. Er hat diese extremen Stimmungsschwankungen. Diese ganze Haussache versetzte ihn in eine dieser euphorischen Hochstimmungen. Kurz: aus seinem Mund kam eigentlich nur Quatsch. Das Gute an der Sache. Irgendwann einmal wurde es mir zu bunt, und ich habe ihm eine klärende E-Mail geschrieben. Seitdem ist Funkstille. Man kann niemand anderen therapieren. Es geht einfach nicht. Bruder 4 war das Problem. Ich will nicht darauf eingehen. Er ist so verschwurbelt und hat im Zusammenhang mit dem Haus abstruse Ideen entwickelt, sich in Summe vollkommen quergestellt, so dass wir irgendwann zum Gericht gingen und die Zwangsversteigerung angestoßen haben. Parallel hat Bruder 3 einen Käufer gefunden. Er ist mehr der Managertyp, hat hier seine Fähigkeiten voll ausspielen können. Wir haben das Haus verkauft, Bruder 4 ist nicht zum gemeinsamen Termin erschienen, sondern hat getrennt unterschrieben. Wir 4 Brüder haben ihm die Differenz gezahlt zwischen dem Preis aus dem Gutachten und dem tatsächlichen Erlös (vollkommen verrückt). Es waren nur ein paar Tausend Euro. Es ging nicht ums Geld. Er ist einfach vollkommen plemm, plemm (so sagt man bei uns hier, wenn man sich einigermaßen respektvoll äußern will). Wir drei Großen waren also das Team. Mein ältester Bruder ist der Strippenzieher. Er hat echte soziale Kompetenzen, hat die ganze Kommunikation mit Rechtsanwalt und Notar geführt, was, man soll’s nicht glauben, ein echter Raketenstart war. Letztlich saßen wir also dort vor der Türe des Notariats. Der einzige Knackpunkt. Würde Bruder 4 am Nachmittag kommen und den Vertrag unterschreiben? Er hats getan, ohne großes Getöse. Eine große Erleichterung, wie Du Dir denken kannst. Für uns drei war klar, dass wir mit ihm nichts mehr zu tun haben wollten, und nicht wegen der paar Tausend Euro, nein, sondern weil sich gezeigt hatte, dass er extrem inkompatibel ist. Es ist unerfreulich, sich mit Menschen zu befassen, die sich bei jeder bietenden Gelegenheit verhaken und verstricken, meist uralter Kram, man so also Teil eines totalen Stillstands, einem rückwärtsgewandten Denken, einfach nur traurig, wie ich finde. Von solchen Leuten sollte man sich fernhalten, schon aus reinem Selbstschutz. Gewiss, man kann um der alten Zeiten willen beieinander bleiben, das aber ist für mich, für uns einfach schwer. Es müsste etwas Neues her, auch schwierig. Vor Tagen war ich nun mit meinen drei großen Brüdern zusammen. Das war so etwas wie ein Neuanfang. Und was soll ich sagen, mit Bruder 3 ist es auch nicht immer einfach. Details spare ich mir. Bruder 1 ist ein Quelle von lauter guten Informationen. Er ist Musiker, auch sonst ein sehr aktiver Mensch. Man kann einfach viele, interessante Sachen von ihm erfahren. Trotzdem empfinde ich ihn oft als belehrend, ganz so, als hätte man einen Steinchen im Schuh, mit der Zeit aber den Bogen raus hat, wie er möglichst wenig zwickt. Ergo, ich tue es mir nicht allzu oft an, sagen wir zweimal pro Jahr treffen sich Bruder 1, 2 und 3, das war der Plan, zumal wir ja mittlerweile alle drei in Rente sind, also Zeit haben. Ich wusste ja schon immer, dass sowohl der mittlere Sohn von Bruder 4 (25 Jahre alt), als auch die Tochter von Bruder 3 (ältere von zwei Töchtern, ca. 20 Jahre alt) psychische Probleme hatten. Die Details kenne ich nicht. Wir haben seit Jahren auf dieser Ebene keinen Kontakt. Fakt ist nunmehr, dass beide tot sind. Zwei Suizide dieser beiden jungen Menschen, Kinder von Bruder 3 und 4 innerhalb weniger Wochen. Beim Sohn kenne ich die näheren Umstände nicht, das Mädchen hat sich – der Klassiker – vor einen Zug geworfen. Diese Nachricht(en) haben mich voll aus den Latschen gehauen. Zum Glück konnte ich mich übers Wochenende etwas beruhigen. Meine Frau war gar nicht da. Für mich ist es dann meist besser, solche Sachen erst mal mit mir, schreibender Weise zu bearbeiten. Ich erspare Dir die Details, weil auch ich recht wenig weiß. Mit Bruder 3 habe ich am Telefon gesprochen, und es lässt sich gar nicht beschreiben, was er durchmacht. Sprechen kann man darüber nicht. Ich kann es nicht. Wir können es nicht. Er hat eine Frau, und noch eine Tochter, und es ist zu hoffen, dass er ein Umfeld hat, das die Familie dabei einigermaßen unterstützen kann. Mit Bruder 4 habe ich keinen Kontakt und aus der ganzen Geschichte ergibt sich, dass auch dieses Ereignis daran nichts ändern wird. Es zeigt sich jetzt, dass man nur helfen kann, wenn die Beziehung sonst stimmt. Das tut sie nicht. Ich bin weit weg. Ich fühle mich einigermaßen ratlos. Es ist der Moment, wo man über das eigene Leben nachdenkt, wo die Familie wieder etwas näher beieinander rückt, wo man sich klarer wird, was man hat und was wirklich wichtig ist. Insofern habe ich einen Weg gefunden. Dieses zarte Pflänzlein der drei Brüder ist zunächst verwaist und ohne Pflege. Es wird wohl eine ganze Weile dauern, bis sich hier weiteres ergibt. Ich muss mir keine Sorgen machen. Meinen Kindern geht’s gut. Sie sind gut versorgt. Es besteht keine Gefahr. Und doch, jedes Kind ist ein Stachel im Fleisch. Immer wieder gibt es Anlass, sich Gedanken zu machen (3 Töchter, alle verheiratet, je ein Sohn und eine Tochter, zwischen 12 und 2 Jahren). Und auch wenn ich mir über meinen 25-jährigen Sohn bisweilen so doch die einen oder anderen Gedanken mache, Sorgen, nein Sorgen machen muss ich mir auch um ihn nicht. Und das ist gut so. Ich habe also den Schock, die Hilflosigkeit, ja, ich muss es sagen, das Entsetzen wenden können, in etwas, was ich auf eine Art beeinflussen kann, mich selbst, meine Familie, mein näheres Umfeld. Und das ist unsere pragmatische Art, da nehme ich Dich jetzt einfach einmal mit. Es ist eine große Trauer, ja, aber es ist auch Zuversicht. Darüber bin ich froh. Und das ist wohl die Crux. Wir können nicht in die Zukunft schauen. Katastrophen, Krisen, die mag es geben, die Frage ist, welche Möglichkeiten wir dann haben, und diese Pfunde, mit denen wollen wir heute schon wuchern. Dazu gehört ein gewisser Optimismus, dass am Ende alles gut werden wird. Trotz alledem. Wir werden also in Zukunft wieder über unsere Themen sprechen. Ich schätze unseren Austausch sehr. Heute musste ich aber einfach einmal berichten. Es gibt ja so vieles zu erzählen aus unser beider Leben, da wird uns der Stoff so schnell nicht ausgehen. Ich bin kein schneller Antworter, das hast Du schon gemerkt. Es kommt immer der richtige Moment, das weiß ich, und dann antworte ich, ganz sicher, auch wenn es bisweilen eine Weile dauern kann. Es grüßt Dich. Steffen
10:36 Uhr
2026.05.07
Hallo Jürgen, ich mache mir ein klein wenig Sorgen. Gewiss, ich hatte Dir in meinem letzten Schreiben davon berichtet, dass es auch bei mir längere schöpferische Pausen gibt. Insofern wären Sorgen unbegründet, wenn nicht da dieses schwere Thema gewesen wäre in meinem letzten Brief. Zwischenzeitlich ist die Sache für mich nicht mehr präsent. Ich habe ein, zwei Wochen fieberhaft überlegt, wie ich in irgendeiner Form Anteil nehmen könnte. Ich habe zu beiden Brüdern seit meinem Auszug im Februar 1979 eigentlich keinen Kontakt. Es hat oft Jahre gegeben, in denen wir uns kein einziges Mal gesehen haben. Sie sind mir beide vollkommen fremd. Bei Bruder 4 hat sich daraus im Zuge der Hausverkauf ein regelrechtes Zerwürfnis ergeben. Bei Bruder 3 war dies anders. Wir haben erfolgreich zusammenarbeiten können, und wie es die Tragik so will, etwa eine Woche vor dem Suizid seiner 19-jährigen Tochter hatten wir noch ein Treffen von Bruder 1, 2 (bin ich) und 3. Dies war so etwas wie ein Neuanfang, der nunmehr sein jähes Ende fand, denn ich sehe einfach keine Möglichkeit, über diesen Graben hinweg irgendetwas Sinnvolles und Nützliches für ihn zu tun. Und wie die Dinge so sind, die beiden wohnen ca. 150 km von mir entfernt, habe ich die Sache auch wieder aus den Gedanken verloren. Es ist nicht so, dass sich die Familie alle paar Monate einmal treffen würde. Obwohl es in meiner Jugend einen solchen engmaschiges Zusammentreffen gab, hat der sich vollkommen aufgelöst. Und weil ich das im einen oder anderen Fall in meiner heutigen Bekanntschaft ganz anders erlebe, darum glaube, ich dies schon eine Besonderheit unserer Familie. Bin ich darüber traurig? Im Grunde habe ich da zwei Extreme erlebt. In meiner Jugend gab es kein Wochenende, bei dem nicht irgendetwas Familiäres auf der Tagesordnung stand. Später hat man sich etwas mehr Freiheit gewünscht. Ich bin weggezogen, habe ganz bewusst den Kontakt zu meinen Eltern gemieden. Es ist dann schon fast zwangsläufig, dass man auch seine Geschwister aus den Augen verliert.  Im Grunde habe ich mich damit abgefunden, wiewohl ich natürlich jedem zarten Pflänzlein eine Chance geben würde. Momentan ist es schwer, denn was soll man dazu sagen, dass in der Familie von den 11 Enkeln nunmehr nur noch 9 leben, und dies innerhalb von wenigen Wochen. Ich will darum das Thema wechseln, weil mich diese ganze Familiensache im Grunde gar nicht berührt. Klar, man macht sich nochmals Gedanken über die eigenen Kinder. Mein Sohn ist aktuell in Istanbul und will weiter nach Zentralasien (Kasachstan etc.). Aber nachdem dies schon seine dritte Reise ist, mache ich mir eigentlich keine großen Gedanken.  Was war inzwischen? Meine mittlere Tochter wohnt mit ihrem Mann und den beiden Kindern in Biberach (Riß). Sie haben sich ein Haus gekauft. Sie wohnen in einem 100-Seelen-Dorf 5 km außerhalb der Stadt. Das Haus ist alt und klein, hat aber ein riesiges Grundstück. Dazu haben sie gleich eine kleine Landwirtschaft miterworben, aktuell ca. 20 Hühner und eine ganze Stallung, in der früher einmal auch bestimmt Schweine gemästet wurden. Die beiden sind glücklich, wiewohl sie natürlich aktuell mitten im Umbau stecken. Das Haus ist ein Steinhaus, die Decken, der Dachboden, dies alles ist eine Holzkonstruktion. Das wird jetzt alles neu gemacht. Am Anfang ist ein solches Vorhaben maximal überfordernd. Ich habe das alles auch erlebt. Im Grunde habe ich mit diesen Themen abgeschlossen. Ich bin ein mittelmäßiger Handwerker. Dabei gibt es eine ähnlich weitgespannte Fähigkeitsskala wie bei der Programmierung. Man darf also die Handwerkerskala nicht beim absoluten Nixblicker anfangen, weil sonst die Dimensionen nicht stimmen. Auf der Skala ernsthafter Handwerkskunst im Bauhandwerk bin ich in etwas auf einer 3 minus. Mein Wissen ist veraltet, klar, aber ich kenne eigentlich alle Gewerke, wie wohl ich Betonbau (also Verschalungen, Armierungen, Mauern und Verputzen) nicht wirklich kann. Der Holz- und Trockenbau ist meine Domäne. Hier kann man schnell Erfolge erzielen. Sie sind auch für den Laien ideal, weil es die Sachen alle im Baumarkt gibt. Die Baumaterialen kann man alle auf die Baustelle tragen, ein unschätzbarer Vorteil. Der Nachteil ist klar: Holzhäuser sind hellhörig. Man kann zwar viel tun, um den Schallschutz zu verbessern, durchs Haus schleichen ist aber praktisch unmöglich, was ja bei einer regulären Betontreppe kein Problem ist. Wasser, Gas, Heizung, der ganze Sanitärbereich, da habe ich einen Heidenrespekt. Hier habe ich auch alles selbst gemacht, aber mit einer bösen Lernkurve. Was ich da teilweise zusammengebosselt habe, grenzt an schieren Wahnsinn. Während ich die Elektrik liebe, und ich finde es einen glatten Blödsinn, warum ein eingeführten, verantwortungsvoller und geschulter Bauherr seine Steckdosen nicht selbst verlegen soll. Wasser ist höllisch und gemein, könnte man sagen. Man traut sich ran, weil man es sehen kann. Elektrischer Strom ist zwar nicht sichtbar, aber mit ein wenig Umsicht und Planung kommt es immer zu klaren Ergebnissen. Der Strom fließt oder er tut es nicht. Mein absolutes Highlight war eine Wechselschaltung mit 3 Schaltern und 2 Lampen im Treppenhaus. Und da komme ich dann zum wichtigsten Punkt. Im Jahr 1990 (meine Bauphase) gab es noch keine YouTube Filme. D. h. die Informationsmöglichkeiten waren sehr eingeschränkt. Wenn man also für den Einbau einer elektrischen Geräts einen Schaltplan lesen muss, dann ja, dann sollte man sich daran nicht verbeißen (bei mir aktuell bei der Gasheizung damals). Warum erzähle ich das? Weil ich vorletzte Woche in Biberach war, gewissermaßen meinen ersten Arbeitseinsatz hatte. Und ich muss sagen, anfangs war ich recht lustlos (man ist ja schließlich nicht mehr der Jüngste), dann aber hat sich eine gewisser „groove“ eingestellt, so dass ich jetzt schon fast darauf brenne, nächste Woche wieder auf die Baustelle zu kommen. Ich kann also den Vergleich ziehen: alte, eigene Baustelle im Jahre 1990 und heute fremde, aktuelle Baustelle. Und ich muss sagen, ich bin gar nicht so schlecht. Die beiden „Kinder“ (meine Tochter und mein Schwiegersohn) haben beide Biotechnologie studiert, sind also Ingenieure. Und es macht Spaß, die Fürs und Widers in der Vorgehensweise durchzugehen. Natürlich ist da immer auch ein wenig emotionale Ladung im Spiel. Weil die Zeit ist begrenzt, die Sache kostet eine Menge Geld, der Heimwerker macht das meiste zum ersten Mal, man kann manche Abläufe einfach noch nicht übersehen. Ich bin mit meiner Tochter hier in einer guten Abstimmung, wohingegen ich bei meinem Schwiegersohn hier deutlich vorsichtiger agiere. Im Grunde mache ich, was man mir sagt. Wenn ich keine Lust habe, gehe ich auch wieder. Denn das habe ich schon bemerkt, ich bin eine Woche lang auf dem Boden herumgekrochen (den alten Dielenbodenaufbau demontieren), und man merkt schon die 66 Jahre alten Knochen, Sehnen und Muskeln. Wenn mir also irgendjemand ein solches Häuschen schenken würde, und dieser jemand sagen wir nochmals 100.000 € für den Um- und Ausbau auf den Tisch legen würde, dann würde ich trotzdem ablehnen. Weil dies Plackerei, die tue ich mir nicht mehr an, zumal man ja in einem solchen Haus ständig am Laufen ist, weil man auf 3 Etagen wohnt, oben zwar einen himmlischen Ausblick hat, aber die Brille dann doch auf dem Küchentisch hat liegen lassen. Ja, ich bin davon überzeugt, es ist gut, so etwas einmal gemacht zu haben. Aber ob ich es mir ausgesucht hätte, wenn wir damals für unsere 5-köpfige Familie eine bezahlbare Wohnung gefunden hätten, ich glaube nein. Und so sind wir wieder bei den Kindern. Obwohl meine Kinder rein objektiv (Zeit und Energie) kaum eine Rolle spielen in meinem Alltag spielen, so sind sie doch ein sehr wesentlicher Teil meines Lebens. Wie gut, dass wir so alt werden, so dass es auch noch ein Leben nach der Familie gibt. Liebe Grüße aus Wiesloch Steffen
12:07 Uhr
2026.05.10
Hallo Steffen, danke für Deine Zeilen – und zuerst einmal Entwarnung: Mir geht es gut. Ich war einfach wieder einmal in mehreren Dingen gleichzeitig unterwegs und wollte nicht zwischen Tür und Angel antworten. Ich kann gut nachvollziehen, warum Du nach Deinem letzten Brief etwas unsicher geworden bist. Das Thema hatte ja ein ziemliches Gewicht. Umso mehr freut es mich, dass sich die akute Erschütterung bei Dir wieder etwas gelegt hat. Beim Lesen hatte ich den Eindruck, dass Du inzwischen einen gewissen inneren Abstand gefunden hast. Nicht Gleichgültigkeit – eher die Erkenntnis, dass man manche Dinge weder reparieren noch sinnvoll beeinflussen kann, wenn über Jahrzehnte kaum wirkliche Beziehung vorhanden war. Das klingt vielleicht hart, ist aber wahrscheinlich ehrlicher als künstliche Familienrituale. Überhaupt finde ich interessant, wie unterschiedlich Familie erlebt werden kann. In Deiner Jugend war Familie offenbar fast ein Dauerzustand – ständig Treffen, Verpflichtungen, Nähe. Heute ist das Gegenteil eingetreten: große Distanz, lose Verbindungen, einzelne vorsichtige Annäherungen. Und vielleicht ist genau das realistischer. Nicht erzwungene Nähe, sondern freiwilliger Kontakt dort, wo er gut tut. Dein Wechsel zum Baustellen-Thema kam mir fast wie ein bewusstes Durchatmen vor. Weg von der Schwere, hin zu etwas Handfestem. Dabei musste ich mehrfach schmunzeln, besonders bei Deiner Beschreibung der verschiedenen Gewerke. Das kenne ich gut: Elektrik macht Spaß, weil sie logisch ist. Entweder der Strom fließt oder eben nicht. Wasser dagegen hat etwas Heimtückisches. Da denkt man: „Sieht doch dicht aus“, und drei Stunden später tropft es irgendwo durch die Decke. Dass Du heute entspannter auf so eine Baustelle gehst als 1990, glaube ich sofort. Damals hing wahrscheinlich die ganze Existenz daran. Heute bringst Du Erfahrung mit, ohne alles selbst tragen zu müssen. Das verändert viel. Interessant fand ich auch Deine Bemerkung, dass sich irgendwann wieder ein „Groove“ eingestellt hat. Ich glaube, genau das ist etwas sehr Menschliches: Man denkt zuerst „bloß nicht wieder“, und plötzlich ist man doch wieder mittendrin, diskutiert Lösungen, schleppt Material, denkt über Konstruktionen nach – und merkt, dass einem das praktische Arbeiten eigentlich gefehlt hat. Gleichzeitig merkt man eben auch die 66 Jahre. Das ist wahrscheinlich die eigentliche Kunst des Älterwerdens: noch mitmachen zu können, ohne sich selbst zu überschätzen. Dein Satz, dass Du ein geschenktes Haus inklusive 100.000 € trotzdem ablehnen würdest, hat mir gefallen. Früher hätte man wahrscheinlich sofort „Ja“ gesagt. Heute weiß man besser, was Arbeit, Zeit und Kraft wirklich bedeuten. Und genau da schließt sich vielleicht wieder der Kreis zu Deinen Gedanken über Familie. Die Kinder spielen im Alltag objektiv oft keine große Rolle mehr – und trotzdem prägen sie das eigene Leben weiterhin enorm. Wahrscheinlich verändert sich Familie im Alter weniger quantitativ als qualitativ. Dass Dein Sohn gerade wieder unterwegs ist und Du inzwischen gelassener bleibst, zeigt das ganz gut. Ich glaube übrigens, dass Deine Tochter und Dein Schwiegersohn großes Glück haben, jemanden an ihrer Seite zu haben, der sowohl praktische Erfahrung als auch die nötige Zurückhaltung mitbringt. Das ist selten. Viele Eltern wollen auf Baustellen entweder alles bestimmen oder ziehen sich völlig raus. Und noch etwas: Deinen Vergleich zwischen früher und heute – speziell wegen YouTube und Informationszugang – fand ich spannend. 1990 musste man vieles wirklich durch Versuch und Irrtum lernen. Heute kann man sich theoretisch alles ansehen. Trotzdem ersetzt das keine Erfahrung. Ein Video erklärt einem nicht, wie sich ein Material verhält oder wann etwas „falsch aussieht“. Vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen Wissen und Können. Bei mir sieht die nächste Woche übrigens deutlich weniger handwerklich aus. Heute und morgen sitze ich wahrscheinlich wieder von früh um 6 bis abends 22 Uhr vor dem Rechner – unterbrochen nur durch den Hin- und Rückweg zu meinem Bruder und morgen durch den Einkauf bei Aldi oder Lidl. Ich muss also inzwischen aktiv für „Aktion“ sorgen, damit mein Hintern nicht breit, mein Bauch nicht rund und mein Gehirn nicht vollständig zum Computer wird. 😉 Am Dienstag will das Jobcenter per Internet – natürlich über Zoom – wieder einmal meinen „Status überprüfen“. Danach habe ich noch den Termin beim Hörzentrum. Und damit ich diese Woche wenigstens auch etwas Sinnvolles außerhalb des Rechners tue, werde ich mich wohl bei Bärbel anmelden. Ihre alten Dachfenster sollen zu einem kleinen Gewächshaus umgebaut werden. Das klingt wenigstens nach frischer Luft und echten Materialien. Gestern war ich außerdem bei dem jährlichen Freundschaftstreffen der OCG (Organische Christus-Generation) . Ich war bei einer Familie eingeladen mit zwei Jungen und zwei Mädchen. Interessant fand ich weniger die religiöse Seite, sondern eher das, was dort praktisch gelebt wird: Familien-Netzwerke, gegenseitige Unterstützung, direkte Beziehungen. Sie begründen das stark aus ihrem christlichen Hintergrund heraus. Ich denke dabei eher an unsere kommende KI-Welt. Je technischer und virtueller vieles wird, desto wichtiger werden wahrscheinlich reale Vertrauensnetzwerke zwischen Menschen. Und wettertechnisch: Erst Hitze, jetzt kalt und nass. Mal sehen, wie es weitergeht. Eigentlich gutes Fahrradwetter – ein bisschen Regen gehört vermutlich dazu. Viele Grüße aus Dresden Jürgen
18:09 Uhr
2026.05.16
Hallo Jürgen, auch dieses Mal herzlichen Dank für Deine Antwort. Bei mir ist es momentan ziemlich still. Meine Frau war zuletzt wiederholt beruflich unterwegs. Aktuell ist sie mit ihrer Tochter an der Ostsee. Morgen fahre ich wieder nach Biberach, um beim Hausbau zu helfen. Die beiden werden das Haus mit einer Holzfassade isolieren. Es wird eine Unterkonstruktion mit diversen Kammern gezimmert. In diese wird dann ein Material eingeblasen, das dann zu einem festen Block aus Zellulose (oder so ähnlich) aushärtet. Ich werde also auf den Gerüst rumkrabbeln müssen, was nicht unbedingt mein bevorzugter Arbeitsbereich ist. Mir ist damals im Zuge des Hausbaus erst klargeworden, dass ich im Grunde Höhenangst habe. Mal sehen, was mich da erwartet. Das Ganze wird von einem professionellen Zimmermann erledigt. Bauseits muss immer eine Hilfsperson gestellt werden, weil manche Arbeiten einfach alleine kaum zu machen sind. Im Übrigen ist es lästig, wenn man immer wieder rauf und runter kraxeln muss. Vor diesem Hintergrund wäre es dann angenehm, wenn das nasskalte Aprilwetter endlich vorbei wäre. Meine Schreibarbeit geht weiter mit Siebenmeilenstiefeln voran, Weil es aber eigentlich kein definiertes Ende gibt, nutzen sich die Erfolgserlebnisse und Hochgefühle naturgemäß etwas ab. Ich habe mir einen ziemlich strikten Rhythmus angewöhnt, was bei Lichte besehen, schon ziemlich verrückt ist. Die Zeiten sind (in etwa): 06:30 bis 08:00 Uhr, dann 10:00 bis 11:30, zuletzt 15:30 bis 17:30. Das sind in Summe 5 Stunden an sechs Tagen in der Woche. Am Sonntag gibt es meist nur eine Arbeitseinheit, weil meine Frau und ich meist irgendwelche Ausflüge machen. Natürlich könnte ich Boule spielen, mit irgendwelchen gleichaltrigen Männern Fahrradtouren machen, ins Theater, in die Oper oder sonst wohin gehen. Allein, mir fehlt der Wille. Es ist ein echtes Mysterium, warum ich mich nicht zu geselligen Aktivitäten hingezogen fühle. Dabei wohne ich schon seit 1983 am Ort, d. h. ich laufe täglich durch die Stadt und treffe auf bekannte Gesichter. Mal rede ich mit den Leuten, meistens aber nicht. Vielleicht liegt es daran, dass ich meist durch meine jeweilige Beschäftigung so in Gedanken bin, dass ich so schnell gar nicht in den Small-talk-Modus umschalten kann. Du siehst, ich bin fast etwas ratlos. Solche Mangelgefühle kommen zyklisch immer mal wieder hoch. Die Kommunikation mit meiner Frau bildet praktisch meine soziale Grundversorgung. Klar, es wäre gut, ich hätte einen Gesprächspartner. Meine Interessen sind aber doch sehr speziell. Die menschlichen Gedanken sind so unsäglich differenziert, was man von den menschlichen Gespräche meist nicht sagen kann. Darum ist es ja auch gut, dass jeder Mensch im Lebenszyklus gewisse Pflichtaufgaben zu erledigen hat. Wenn man im Beruf ist, dann geschieht dies vorzugsweise, weil man Geld verdienen muss. Sicher, man wünscht sich, man wäre reich und müsste nicht arbeiten. Dabei ist es erwiesenermaßen so, dass die Gewinner großer Lotteriegewinne durch den Geldsegen nicht zwingend glücklicher werden. Ich bin darum dankbar, dass mich „das Leben“ in bestimmte Dinge gezwungen hat, für die ich mich aus freien Stücken u. U. nicht entschieden hätte. Ich war also unsäglich kommunikativ und gesellig in meinem Leben. Im Nachgang ist alles wunderbar geworden. Eines aber, das ist mir nicht wirklich geglückt, bis zum heutigen Tage. Es geht um die Art von Gemeinschaft, die nicht Familie, die nicht Beruf ist, es geht um Freundschaften. Es gelingt mir einfach nicht. Es gelingt mir nicht, ein stetes Interesse an solchen Kontakten zu entwickeln. Am Ende ist es aber ganz einfach. Ich hätte zwar gerne Freundschaften, aber was will ich dafür tun? Es bleibt also der Stachel im Fleisch. Sicher werde ich in Kürze einmal wieder irgendeine Sache probieren, einen Volkshochschulkurs besuchen, alte Freunde ansprechen, ein längeres Telefonat führen. Vielleicht liegt es daran, dass ich mein eigenes Denken, Fühlen und Handeln in Eigenregie so wirksam und befriedigend gestalten kann, dass der andere Fall – Denken, Fühlen und Handeln mit anderen Menschen – dem gegenüber oftmals doch ein arg dünnes Süppchen ist. Gleichwohl bin auch ich ein soziales Wesen, so dass sich bisweilen gewisse Mangelerscheinungen einstellen, so auch jetzt. Ich bin dann immer auf der Suche, wie sich dies inhaltlich bestimmen ließe. Also, wie können soziale Kontakte befriedigend sein? In meinem Buch geht es um Siggi. Aktuell ist er in der 10. Klasse. Er ist ein aufgewecktes Bürschchen. Im Grunde schreibe ich über mein besseres Ich. Siggi entwickelt also eine Theorie. Dabei findet eine Art Arbeitsteilung statt. Denn das, was ich hier vortrage, kann ich einem 16-jährigen nicht in die Feder dichten. Deshalb kommt hier ergänzend sein Vater zum Einsatz. Max ist ein unterbeschäftigter Comicautor, neuerdings Spieleentwickler, dem kürzlich auf schmerzhafte Weise klar geworden ist, dass er sich etwas mehr um seinen Sohn kümmern müsste. Gemeinsam entwickeln sie die Idee, dass Max in Kürze, in Ergänzung zu seinen sonst brotlosen Künsten, Schülernachhilfe anbieten möchte. Der Klassiker in der Nachhilfe ist ganz sicher die Mathematik. Die Schüler kumulieren die ganze Mittelstufe hindurch ihre Unkenntnis zu solch fatalen Defiziten, dass sie im Übergang zur Oberstufenmathematik nicht wissen, wie man kürzt, wie man ausklammert, wie man erweitert. Dem dient das Konzept des kgV, also kleinstes gemeinsames Vielfaches, bzw. ggT, also größter gemeinsamer Teiler. Siggi entwickelt einen wunderbare kleine Anleitung. Im Kern geht es im um die Zerlegung der Faktoren. Im einen Fall, dem „kleineren“ Konzept, bleibt übrig, was beide gemeinsam haben (Magermodell), im anderen Fall kommt es zu der größten, gerade noch darstellbaren Ausweitung (Megamodell). Das ist also Siggi’s Part. Er bereitet die Sache so auf, dass man beim Kürzen keine endlosen Ketten von Streichungen vornehmen muss, sondern gleich die Faktoren notiert, in einem Schritt zum Ziel kommt. Max schlägt dann den Bogen zu „mageren“ Gesprächssituationen und den Momenten, die wir ja alle schon erlebt haben, in denen etwas besonderes geschieht. Im Magermodell fügen wir einfach das zusammen, worauf wir uns im äußersten Notfall einigen können. Eine endlose Aufzählung von Erlebnissen, Befindlichkeiten, Eigenheiten. Solche Gespräche machen kein Angebot, laden zu nichts ein. Ich glaube aber, dass dies notwendig ist. Wenn man nichts erhofft, wenn man nichts riskiert, dann führt man ein Leben lang das Gespräch über den Zaun mit der Nachbarin, übers Wetter, über die Nachbar, über Gott und die Welt, über nichts. Wann kommt es zu der Multiplikation der Faktoren? Diese Frage stellt sich im Alter mehr und mehr. Wenn man jung ist, sind die Überraschungen praktisch nicht zu vermeiden. Man weiß nichts, kann nichts, muss probieren, geht ins Risiko. Später dann erzählt man den immer selben Leuten die immer gleichen Geschichten. Wir sind schon seit vielen Jahren in einer Freundschaft mit 6 Personen, also 3 Paaren. Ich mag sie alle sehr. Wir treffen uns regelmäßig. Die Treffen haben Licht-, haben Schattenmomente. Irgendwie sind die Dinge ziemlich vorhersehbar. Ich genieße es trotzdem, in Maßen allerdings, weil, und das ist die Crux, diese Geselligkeit doch extreme Verschleißpunkte aufweist. Allein schon die Verabredung von Terminen, die Gestaltung von Aktivitäten, die jeweiligen Präferenzen und Abneigungen. Ja, wir sind zusammen geblieben über viele, viele Jahre hinweg. Aber könnte ich sagen, dass diese Treffen zu meiner persönlichen Entwicklung irgendetwas beitragen? Darum bin ich so froh, dass ich jetzt im Roman bin. Ich habe da so viele interessante Gesprächspartner. Ja, es werden Fehler gemacht, aber man hat Spaß, es gibt  immer etwas zu lernen. Es ist ein klassischer Bildungs-, ein Entwicklungsroman. Aktuell geht es um Berufswahlentscheidungen. Wir sind im Jahr 1975. Für Siggi ist klar, dass er Abitur macht. Bei Jennifer sieht die Sachlage anders aus. Jennifer ist seine Banknachbarin, ein ziemliches wildes Mädchen, das Max und Siggi (zusammen mit Mutter Neele) praktisch adoptiert haben. Im Jahr 1975 war das für Mädchen in Westdeutschland keine einfache Entscheidung. Drei viertel der Mädchen wurden Verkäuferinnen, Verwaltungsangestellte, Friseurinnen, alles klassische Frauenberufe eben. Nur ¼ der Schüler machten Abitur. Max möchte Jennifer fürs Abitur, später für ein Studium motivieren. Fakt ist, Jennifer wäre eine gute Ärztin, aber würde sie auch das Gymnasium, ein Studium durchstehen, wo praktisch das ganze Umfeld dagegen arbeitet. Max ist ein schlauer Fuchs, er entwickelt eine dicke, fette Mohrrübe, die er ihr vor die Nase halten kann. So basteln also Vater und Sohn an Hilfen zur Glättung der typischen Denk- und Rechenfehler in der Schule. Jennifer ist ihr Versuchskaninchen. Jennifer hasst Schule,  d. h. die beiden müssen schlau sein (was sie nachgewiesenermaßen sind). Es entwickelt sich ein ganzes Potpourri von ziemlich verrückten Aktionen, bei denen mal Jennifer leidet (hasst Theorie) , mal Siggi leidet (hasst Aktion), immer schön im Wechsel.   Es grüßt aus dem schaurig kühlen Wiesloch. Grüße Steffen
18:23 Uhr
2026.05.23
Hallo Steffen, danke für Deinen langen Brief – und entschuldige bitte, dass Du wieder ziemlich lange auf meine Antwort warten musstest. Die letzte Woche war erstaunlich vollgestopft. Deine Beschreibung der Fassadenarbeiten in Biberach konnte ich mir gut vorstellen. An einem ähnlichen Haus habe ich auch schon einmal mitgearbeitet. Diese Unterkonstruktionen mit Kammern und eingeblasener Zellulose halte ich eigentlich für eine ziemlich sinnvolle Sache. Mit Gerüsten habe ich dagegen ein ähnliches Verhältnis wie Du. Solange man festen Boden unter den Füßen hat, ist alles gut. Sobald man irgendwo halb auf einer Latte steht und gleichzeitig etwas festhalten oder ausrichten muss, merkt man plötzlich sehr deutlich, dass der Mensch ursprünglich nicht fürs Klettern gebaut wurde. Deinen „ziemlich strikten Rhythmus“ fand ich interessant. Bei mir ist der Tagesablauf zwar weniger geplant, aber irgendwie trotzdem erstaunlich konstant. Ich stehe immer auf, sobald es hell wird – im Moment also meist gegen fünf Uhr. Gegen zehn gibt es Frühstück, gegen sechzehn Uhr Mittag- oder Abendessen und gegen zehn Uhr abends gehe ich meistens ins Bett. Sonntags bin ich traditionell um zwölf Uhr bei meinem Vater zum Mittagessen eingeladen. Meine Frau dagegen ist im Moment einfach zu weit weg. Wahrscheinlich werde ich mir deshalb für September einen Flug in die Dominikanische Republik buchen – erst einmal ohne Rückflug. Was Du über Deine Schreibarbeit schreibst, verstehe ich gut. Irgendwann entsteht ein Zustand, wo das eigentliche Ziel nicht mehr das „Fertigwerden“ ist, sondern das Weiterdenken selbst. Wenn ich selbst ein Buch schreiben würde, dann wahrscheinlich über drei große Themen: ein neues Bildungssystem, ein neues Geldsystem und das Leben mit KI. Ich glaube nämlich, dass wir in wenigen Jahren an einem Punkt sein werden, an dem man digitalen Inhalten immer weniger vertrauen kann. Fernsehen, Rundfunk, Videos, Filme – alles kann manipuliert, simuliert oder künstlich erzeugt werden. Umso wichtiger wird die direkte Verbindung von Mensch zu Mensch. Vielleicht erleben wir gerade die letzten Jahre, in denen „Sehen heißt glauben“ überhaupt noch gilt. Vatertag habe ich übrigens gut überstanden. Mein großer Sohn Bernd war mit seiner Freundin zum Mittag da – sie hatte ein ausgiebiges Essen mitgebracht. Nachmittags kam Michael zum Kaffeetrinken vorbei. Er wollte danach noch losziehen, kam aber bald wieder zurück, weil es kühl wurde und Regenschauer kamen. Und am Abend hatte ich noch ein langes Telefongespräch mit meinem jüngsten Sohn Torsten. Eigentlich ein schöner, ruhiger Tag. Dienstag war ich nach der Plasmaspende bei Bärbel. Ursprünglich wollte ich Dir schon während der Bahnfahrt schreiben – zwei Stunden Zeit wären ideal gewesen. Aber die Bahn hatte wieder einmal beschlossen, drei Wagen „einzusparen“. Dadurch bekam ich nur einen Platz direkt am Gang, während die Leute dicht gedrängt herumstanden. Also blieb der Laptop im Rucksack. So viel zu gut geplanten Vorhaben. Bei Bärbel ging es dann mit dem zukünftigen Gewächshaus weiter. Sie hatte kostenlos fünf schwere Dachfenster bekommen und wollte sie sinnvoll weiterverwenden. Außerdem lagen noch Holzbalken vom alten Carport herum. Die eigentliche Herausforderung war aber: Jeder Balken war verzogen, verdreht oder gebogen. Man konnte nichts vorbereiten. Jedes Teil musste einzeln ausgesucht, angepasst und zugeschnitten werden, damit es irgendwie passte. Und dabei vergeht die Zeit erstaunlich schnell. Am Donnerstag ging es zurück – und die Rückfahrt verlief diesmal tatsächlich problemlos. Ein kleines Wunder der Deutschen Bahn. Nächste Woche sollen Dach und Tür folgen. Gestern war ich dann noch bei meiner Schwester. Dort habe ich zuerst einen dreitürigen Schlafzimmerschrank abgebaut und anschließend einen Stoffschrank aufgebaut. Über hundert Kleinteile – und natürlich dauerte alles länger als gedacht. Dafür bin ich jetzt Samstag, Sonntag und Montag jeweils zum Mittagessen eingeladen. Und das bei strahlendem Sonnenschein. Deine Gedanken über Freundschaften fand ich übrigens sehr offen und ehrlich. Ich glaube, viele Menschen kennen dieses Gefühl, sprechen aber nie darüber. Dieses seltsame Dazwischen: Man hätte gerne tiefere Kontakte – und gleichzeitig fehlt oft die innere Energie für das ganze „Drumherum“, das soziale Beziehungen eben mit sich bringen. Mir gefällt an Deinen Überlegungen besonders der Unterschied zwischen „Mager-“ und „Megamodell“. Das ist eigentlich eine sehr schöne Beschreibung menschlicher Gespräche. Viele Unterhaltungen bleiben im Minimalmodus: Wetter, Alltag, kleine Beschwerden, bekannte Routinen. Und manchmal passiert plötzlich etwas anderes: Gedanken greifen ineinander, Interessen verstärken sich gegenseitig und aus einem Gespräch entsteht tatsächlich Entwicklung. Vielleicht ist genau das der seltene Punkt, nach dem wir eigentlich suchen. Dein Roman scheint jedenfalls genau dort hinzugehen – weg vom bloßen Erzählen, hin zu Entwicklung, Lernen und Reibung. Und ich glaube, genau deshalb funktioniert die Figur „Siggi“ so gut. Man merkt, dass dort viel eigenes Erleben mit hineinfließt. Und Jennifer gefällt mir jetzt schon. Wahrscheinlich gerade deshalb, weil sie eben nicht der klassische „Lernertyp“ ist. Viele Grüße aus Dresden Jürgen
09:27 Uhr
2026.05.28
Hallo Jürgen,   ich freue mich auf jeden Deiner Briefe. Ich habe dieses Mal meinem Text Überschriften hinzugefügt. Im Grunde reagiere ich auf einige Stichwörter in deinem Brief, aber natürlich längst nicht alle. Mit der Auflistung lässt sich für mich leichter der Überblick behalten. Dieses Mal habe ich also Baustellenmalloche Familienstammbaum Alleinsein KI-Skepsis   Baustellenmalloche Letzte Woche war ich von Sonntag bis Freitag in Biberach. Netto waren dies vier Arbeitstage. Eigentlich war der Freitag auch noch geplant. Am Morgen lag ich dann nach dem Aufwachen im Bett und war körperlich völlig am Ende. Dann dachte ich über meine Muskeln, meine Gelenke, mein Alter und meine Gesundheit nach – und beschloss, mir den letzten Tag zu schenken. Das war gut möglich, weil wir uns Soll übererfüllt hatten. Diese ganzen Fassadenarbeiten wurden von einem jungen Zimmermann ausgeführt. Er arbeitet allein, braucht also eine zweite Person für die Zuarbeit. Deshalb war ich engagiert worden. Es war ziemlich interessant zu sehen, wie dieser junge Mensch (33 Jahr alt) seinen Beruf ausübt. Die Arbeit mit Holz ist mir seit frühester Jugend auf sehr vertraut. Später haben wir das Holzhaus gebaut. Dabei hat mich ein befreundeter Schreiner unterstützt. Und doch muss man sagen, ich war einigermaßen erstaunt, wie sich auch dieses Gewerk weiter entwickelt hat. Marvin, so hieß der junge Mann, war allerdings auch ein besonderes Exemplar. Er war in einem solchen Maße perfekt in seinem Tun, so dass es eine Freude war, ihm zuzuschauen. Das Beste war eine Richtschnur, die man zwischen den beiden Eckpunkten einer Geraden aufspannt, und dann die Schnur gegen die Unterlage schnalzen lässt, und die Schnur einen blauen Kreidestreifen auf dem Material hinterlässt, so dass man meterlange Linien zeichnen kann ohne mühseliges Anlegen und Verlängern. Es fallen ja noch einige Holzarbeiten hat. Die ganzen Decken und Böden werden von ihm angeleitet und begleitet, was schon eine gute Sache ist, weil man einfach nicht ewig rumknobeln muss, in welcher Reihenfolge welche Arbeiten und wie im Einzelnen auszuführen sind. Zudem hat er eine mächtigen Maschinenpark mit exquisiten Helferlein, die über das übliche Baumarktniveau hinausgehen. Er weiß einfach, wie es geht. Die beiden werden sich dort ein schönes Heim errichten. Es passt 100% zu ihnen. Das sage ich ihnen auch immer wieder, denn brenzlig, kritisch, stressig wird’s natürlich immer wieder, schon allein deshalb, weil man auf Handwerker angewiesen ist. Bei uns war es der Wasseranschluss im Garten. Der Installateur wollte einfach nicht beikommen. Ich hätte dann wahrscheinlich irgendwie improvisiert. Wie gut, dass Marvin auf der Baustelle war, weil so etwas ist mit ihm nicht zu machen! Am Ende kam er dann doch, der Installateur, und hat das kurze Stück Rohr für den Wasseranschluss eingebaut, was irgendwie speziell war wegen der Außenfassade. Verstanden habe ich es nicht. Auch ein Vorzug, ich muss nicht alles verstehen.   Familienstammbaum Du hast in Deinem Brief mehrfach Deine Familie erwähnt. Deine Frau ist aktuell in ihrer Heimat. Das habe ich verstanden. Du hast einige Kinder, die Namen hast Du erwähnt. Der Durchblick, der kommt bei mir bestimmt mit der Zeit. Ich bin zwischenzeitlich in der dritten langjährigen Beziehung, habe 4 Kinder und 6 Enkel. Wenn man dies im Gespräch erwähnt, kann sich das kein Mensch merken. Deshalb krame ich dann immer meinen „Stammbaum“ raus, den ich mir vor Jahren gezeichnet habe. Klar, das könnte man auch mit einem geeigneten ‚tool‘ besser machen. Für mich ist das eine gewachsene Sache, darum passt meines Erachtens dieses Bleistift-Kritzel-Blatt besser. MEINE ELTERN Alfred und Elfriede sind tot. Kürzlich haben wir das Haus verkauft. FÜNF BRÜDER: ich bin der zweite von 5 Brüdern (Jahrgang 1958, 59, 60, 63, 64). Ich war/bin in DREI PARTNERSCHAFTEN. ANNE (rot), drei Töchter (Johanna, Sophie, Liesmarie). Alle drei sind verheiratet, haben zwei Kinder, jeweils Junge, Mädchen (die Liste ist alt – Du musst immer 5 Jahre hinzuzählen). ILSE (blau). Mit ihr habe ich einen Sohn Laurin, der aktuell in Kasachstan ist. Ich habe auch deren Tochter aus der ersten Verbindung Sarah mit aufgelistet, die aber für mich schon seit einiger Zeit kaum eine Rolle spielt. Meine Frau heißt CHRISTIANE. Sie ist Krankenschwester, arbeitet bei COMPASS Pflegeberatung als Teamleiterin (Pflegeberatung nach dem Pflegeversicherungsgesetz). Zuletzt waren wir zu Dritt mit ihrer Tochter Alina in einer Wohnung. Aber auch das ist jetzt schon bald 10 Jahr her. Ich habe Dir den Stammbaum mit geschickt, damit Du die Namen zuordnen kannst. Ich habe nicht vor, hier ausführliche Familienerzählungen vorzutragen. Am Ende geschieht es aber dann doch, und dann kannst Du künftig, gewissermaßen mit dem Finger auf der Landkarte, die richtige Stelle markieren, was die Orientierung doch sehr erleichtern sollte.   Alleinsein Wir leben also zu zweit in unserer Mietwohnung. Meine Frau arbeitet immer im Homeoffice. Seit einiger Zeit habe ich das Kochen angefangen, so dass ich morgens einkaufen gehe und koche, dann essen wir zusammen, ich mache meine Mittagsschlaf und dann gehe ich nochmals auf die Reise. Zuletzt war meine Frau mehrfach unterwegs. Das bringt meinen Tag immer ein wenig durcheinander. Es fällt mir schwer, am Rhythmus festzuhalten, wenn sie nicht da ist, was einerseits Vorteile bringt (mehr Zeit), andererseits mich auf Abwege führen kann (ausuferndes abendliches Fernsehglotzen). D. h. wüsste ich, dass ich dauerhaft allein wäre, müsste ich mir etwas überlegen. Und da kommt die Freundschaftssache wieder in Spiel. Ich glaube, man muss zwingend sich ein, zwei Mal am Tag mit einem Menschen unterhalten. Das hängt schon allein damit zusammen, dass man seine eigene Stimme hören muss. Beim Reden geht es also oftmals um eine Art Selbstvergewisserung. Dieser Hinweis passt gut zu unserem Gespräch aus dem letzten Brief. Es kommt also oft gar nicht auf die Inhalte an. Small Talk ist eine Kunst. Manchmal beherrsche ich sie. Dann macht es auch Spaß. Oft habe ich keine Lust, bin so in Gedanken, finde keinen guten Übergang. Wahrscheinlich müsste ich diese Fähigkeit dann kultivieren. Aktuell jedenfalls ist das Zusammenleben mit Christiane mein Anker.   KI-Skepsis Wir leben in einer sich rasend schnell verändernden Welt. Wahrscheinlich ist es eine Sache des Temperaments, ob man auf Veränderungen mit Neugierde oder mit Furcht reagiert. Im Großen ganzen mache ich mir keine Sorgen um die Zukunft, wiewohl sich natürlich die Gewitterwolken mächtig türmen. Mit der ganzen Technisierung haben sich unsere Reichweite und Frequenz fulminant erweitert. Zugleich hat sich die Unmittelbarkeit gleichsam in Luft aufgelöst. Ich bin eigentlich ganz zuversichtlich, dass wir auch den KI-Sprung irgendwie bewältigen werden. Und zwar so, wie wir die enorme Verunsicherung auch in anderen Bereichen bewältigen. Denn es gibt ja heute noch Leute, die am Telefon reingelegt werden, obwohl die Telefonie schon ewig alt ist. Oder nehmen wir die E-Mail-Kommunikation. Auch dieses Gelände ist massiv vermint. Es ist also Medienkompetenz gefragt. Man muss in Unsicherheit agieren. KI ist ein Quantensprung. Es sind ungeahnte, nie für mögliche gehaltene Operationen möglich. Wird die die Unsicherheit in gleicher Weise explodieren? Eine Prognose ist kaum möglich. Eine KI, die sich selbst perpetuiert, kann ich mir nicht vorstellen. Kriminalität wird es immer geben. Zugleich aber lebt diese von den Erträgen der anderen. Deshalb geht der Mafioso trotzdem am Sonntag morgen in die Kirche. Wenn er das ganze Leben unter seine destruktive Knute nehmen würde, bliebe nichts mehr übrig. Auch die Betrüger wollen von etwas leben. Irgendwie haben wir die Vorstellung, wir könnten unser Leben kontrollieren. Wir brauchen die Fiktion der einer vollkommenen Beeinflussbarkeit. Mit jeder neuen technischen Revolution muss man die eigenen Kräfte neu austarieren. Diese Arbeit muss jeder für sich tun. Das heißt, man muss sich aufs Eis wagen und testen, ob es trägt. Kein Mensch holt die Säge und bohrt ein Loch. Im Grunde ist es immer wieder versucht worden. Man wollte den Geist wieder in Flasche zurückkommandieren. Klar, Menschen müssen die Technik gestalten, müssen Einfluss nehmen, müssen eine Wahl treffen. Das schon. Aber sich dagegen stemmen? Faktisch leben die Menschen immer länger. Zugleich glauben viele Leute, dass sie nach ihrem 50.ten Lebensjahr nichts mehr lernen müssten. Die harte Wahrheit ist aber, dass wahrhaft grundstürzende Innovationszyklen mittlerweile alle paar Jahre hochgespült werden. Die Undurchschaubarkeit der Welt, sie macht Menschen Angst. Vielleicht ist das die Hölle, wenn man an allem zweifeln muss. Man stelle sich vor, wir stehen an der Himmelspforte. Wir klopfen an, die Tür geht auf, ein Engel begrüßt uns. Wir werden hereingebeten, uns aber schießt es durch den Kopf, ob dieser Engel, ob dieser ganze Himmel echt sei. Die KI wird dazu führen müssen, dass wir unseren Platz in der Welt ganz neu definieren müssen, in der einer neuen Wirklichkeit, in einer neuen Wahrheit, in einer neuen Art von Vertrauensbeziehungen. Der Sprung ist so groß, dass wir uns das zunächst nicht vorstellen können. Menschen haben so vieles schon geschafft. Jetzt haben sie eine Maschine geschaffen, die in gewisser Weise das kumulierte Weltwissen einer ganzen Zivilisation, ja, man muss schon sagen, fast gottgleich, in unsere Vorratskammer stapelt. Ein wahres Schlaraffenland ist hier entstanden. Gleichwohl ist es unsere Entscheidung, die Tür zu öffnen, uns der Angebote zu bedienen, mit kühlen Überlegung unsere eigene Welt zu gestalten. Skepsis ist immer gut. Aber am Ende müssen wir dann doch den Öffner nehmen und nachschauen, was in der Dose ist.   Es grüßt Dich aus dem sommerlichen Wiesloch, Steffen.   PS. Ich kann nicht ausschließen, dass der eine oder andere Gedanke sich wiederholt. Leider verfüge ich über eine vermaledeit schlechte Merkfähigkeit, habe ob der Fülle unserer Inhalt mittlerweile nicht mehr dem kompletten Überblick. Ich finde das aber andererseits dann wieder nicht so schlimm, weil man ja auch in realen Gesprächen sich immer mal wiederholt. Und wer weiß, am Ende kommt ja doch etwas Neues hinzu.
10:17 Uhr
2026.06.07
Betreff: Zwischen Baustelle, Stammbaum und neuen Vertrauensbeziehungen Hallo Steffen, zuerst einmal danke für Deinen Brief. Und wie so oft muss ich mich entschuldigen, dass die Antwort auf sich warten ließ. Mehrfach hatte ich angefangen zu schreiben, bin aber nie bis zum Ende gekommen. Irgendetwas kam immer dazwischen. Deine Überschriften finde ich übrigens eine gute Idee. Bei der Menge an Themen verliert man sonst leicht den Überblick. Baustellenmalloche Zum Thema Baustelle musste ich schmunzeln. Es gibt Menschen, denen schaut man einfach gern bei der Arbeit zu. Nicht weil sie besonders schnell sind, sondern weil jeder Handgriff sitzt. Dein Zimmermann Marvin scheint so ein Exemplar zu sein. Ich kenne dieses Gefühl von guten Handwerkern, Programmierern oder Mechanikern. Man merkt sofort, dass da jahrelange Erfahrung, Wissen und Übung zusammenkommen. Früher dachte ich oft, man müsse alles verstehen. Heute sehe ich das entspannter. Es reicht häufig zu wissen, wer etwas wirklich kann. Das spart Zeit, Nerven und manchmal auch Geld. Familienstammbaum Deinen Familienstammbaum kann ich übrigens gut nachvollziehen. Bei mir wird es mittlerweile ebenfalls schwierig, alle Namen, Kinder, Enkel und Verbindungen im Kopf zu behalten. Wahrscheinlich braucht irgendwann jede größere Familie ihre eigene Landkarte. Dein handgezeichneter Stammbaum hat mir gefallen. So etwas wächst über Jahre und erzählt oft mehr über die Familie als jedes perfekte Computerprogramm. Ich habe ihn übrigens in eine digitale Form übertragen, einfach um die Zusammenhänge besser zu verstehen. Jetzt kann ich Johanna, Sophie, Liesmarie, Laurin oder Alina deutlich leichter einordnen. Dein Plan mit dem „Finger auf der Landkarte“ funktioniert also. Stimmt das so: Alleinsein Deine Gedanken zum Alleinsein fand ich sehr interessant. Ich glaube, dass viele Menschen darunter leiden, ohne es offen auszusprechen. Du beschreibst es eigentlich sehr treffend: Nicht unbedingt das Fehlen von Menschen, sondern das Fehlen eines regelmäßigen Austauschs. Bei mir ist das etwas anders. Ich habe zwar viele Kontakte, aber oft fehlt die Zeit. Und manchmal stelle ich fest, dass ich tagelang fast nur mit Rechnern, Programmen und Projekten beschäftigt bin. Dann tut ein ganz normales Gespräch plötzlich gut, selbst wenn es gar keinen großen Inhalt hat. Deine Beobachtung, dass man seine eigene Stimme hören muss, hat mir gefallen. Darüber hatte ich noch nie nachgedacht. KI-Skepsis Besonders spannend fand ich Deinen Abschnitt zur KI-Skepsis. Ich sehe das ähnlich. Die Technik wird nicht verschwinden. Die Frage ist nicht, ob sie kommt, sondern wie wir damit umgehen. Wenn ich ein Buch schreiben würde, dann vermutlich über drei Themen: ein neues Bildungssystem, ein neues Geldsystem, und das Leben mit KI. Ich glaube nämlich, dass wir auf eine Zeit zusteuern, in der digitale Inhalte immer weniger vertrauenswürdig werden. Fernsehen, Rundfunk, Videos, Bilder, Filme – alles kann künstlich erzeugt oder verändert werden. Dann wird etwas anderes wieder wichtiger: die direkte Verbindung von Mensch zu Mensch. Vielleicht liegt die Zukunft weniger in noch mehr Technik als in neuen Vertrauensbeziehungen. Das passt übrigens erstaunlich gut zu Deinem Gedanken von der Himmelspforte und dem Engel. Wenn irgendwann alles hinterfragt werden kann, wird Vertrauen selbst zu einer der wichtigsten Fähigkeiten. Mein aktueller Rhythmus Im Moment bin ich jeden Dienstag und Freitag bei der Plasmaspende. Nach der Spende am Dienstag bin ich meist bis Donnerstag bei Bärbel und betätige mich dort handwerklich.  Dadurch bleiben für meine eigenen Projekte oft nur Samstag, Sonntag und Montag übrig. Das ist aber völlig in Ordnung. Ich könnte diesen Rhythmus jederzeit wieder ändern. Im Gegensatz zu früher habe ich heute nicht mehr das Gefühl, ständig etwas beweisen zu müssen. In den nächsten Tagen werde ich außerdem meinen Flug in die Dominikanische Republik buchen. Ich möchte meine Frau mal wieder nicht nur täglich über WhatsApp sehen, sondern tatsächlich neben mir haben. Das ist doch etwas anderes. Altes wiederfinden Heute treffe ich mich mit Marion. Sie hat mich am Freitag angerufen. Wir haben von 1977 bis 1979 gemeinsam bei Pentacon in Dresden den Beruf des Instandhaltungsmechanikers gelernt. Damals waren wir sechs Jungs und ein Mädchen in der Ausbildungsgruppe. Mal sehen, was wir uns nach fast fünfzig Jahren alles zu erzählen haben. Ich bin selbst gespannt. Manche Menschen sieht man jahrzehntelang nicht und knüpft trotzdem erstaunlich schnell wieder an. Bei anderen merkt man nach fünf Minuten, dass man sich zwar kennt, aber längst in unterschiedliche Richtungen entwickelt hat. Und jetzt scheint draußen die Sonne. Gestern Regen, heute freundliches Wetter. Vielleicht genau richtig für einen Sonntag. Ich wünsche Dir ebenfalls einen schönen Sonntag und weiterhin gutes Gelingen auf Deinen Baustellen, bei Deinen Schreibprojekten und bei Deinen Gedankenreisen. Viele Grüße aus Dresden Jürgen
07:19 Uhr
2026.06.11
Hallo Jürgen, als ich Deine Nachricht öffnete, musste ich lauthals lachen. Denn als ich meinen handgekritzelten Stammbaum plötzlich von Dir ins Digitale gesetzt fand, da war ich schon überrascht. Scherzhaft erzählte ich meiner Frau davon und dass ich künftig auch andere Halbheiten einfach in meine Nachrichten reinkleistern würde, mal sehen, was der Richie draus macht (Scherz). Meinen herzlichen Dank dafür! Wenn Du mir jetzt noch verrätst, mit welchem Tool Du das gemacht hast, dann werde ich mir meiner Herkunftsfamilie (Eltern, die 5 Brüder, die Enkel) selbst bauen. Play Bach Ich verschicke immer mal Musiktipps. Musik, die mir gefällt. Meist sind es Titel, die ich wieder und wieder höre. Insofern lassen sie sich als Zeitzeugen verstehen. Und wenn man sie später, sagen wir in ein, zwei Jahren wieder hören würde, dann könnte ich mich zurückerinnern, damals im Sommer 2026, da habe ich gehört: Jesus Molina Live  Guadalquivir Tiburon Featuring Mohini Dey & Roni Kaspi https://www.youtube.com/watch?v=vvdkMwRkHz0 Ich verschicke also solche Musiktipps, weil ich diese Gestimmtheit, eine mentalen Zustand quasi exportieren möchte. Was – wie man sich vorstellen kann – im Grunde immer schief geht. Man kann solche Befindlichkeiten erklären, mitteilen, in Worte kleiden. Wenn die Worte fehlen, wenn nur noch das Bild, der Ton, die Stimmung übrigbleibt, dann ist der Informationsgehalt einfach zu gering. Jazz mögen die wenigsten Leute. Jazz ist kompliziert, macht es dem Zuhörer nicht gerade einfach. Insofern ist es hier ähnlich wie bei der Klassik. Die meiste klassische Musik erfordert ein geschultes Gehör, ist nicht primär zur Unterhaltung gedacht. Für mich waren Jazz und Klassik die Begleiter meiner Jugend. Ich komme aus einer Musik liebenden Familie. Mein Vater war ein begnadeter Trompeter. Mein älterer Bruder ist Musiker. Wir sind also vorwiegend mit klassischer Musik aufgewachsen. Bach, Telemann, Vivaldi, Händel. Dazu kam ausgewählter Jazz, vorzugsweise Swing, Bebop, Soul. Es gab dann in dieser Zeit eine Phase, wo im Jazz klassische Motive aufgegriffen worden. „Play Bach“ nannte sich das. Eine Jazzband spielt Motive vom Thomaskantor aus Leipzig. Die o. g. Musik erinnert mich daran, denn die Einleitungssequenz hat diesen klassischen Zuschnitt, man kann eine Melodie erahnen. Danach folgen Variationen. Typisch für den Jazz sind die schnellen Wechsel von Rhythmus und Tempo. Aber auch ich würde mir eine solche Musik nicht einen ganzen Abend lang anhören wollen. Es ist einfach zu anstrengend, zumal sich m. E. auch die innere Struktur erst nach mehrmaligem Hören erschließt. Bläsersextett Musik ist also wichtig, auch wenn ich selbst keine Musik mache. Aber auch hier lässt sich etwas erzählen. Mein Vater hat uns alle in den Posaunenchor der Baptistenkirche geschleust. Wir waren also zu sechst, konnten alle Stimmen besetzen, drei Trompeten, zwei Posaunen, zuletzt spielte ein Bruder sogar Tuba. Und das ist das Schöne an der Musik, dass man es gemeinsam tun kann. Das verbindet mich also mit meinen Brüdern, über Musik können wir immer reden. Die drei jungen Leute machen also gemeinsam Musik, sind noch so jung, spielen auf einem galaktischen Niveau. Es ist schön, wenn die eigene Leistungsfähigkeit anderen so zur Freude gereicht. Mich macht es glücklich, ohne dass ich jetzt auf den Dachboden steige und meine alte Trompete raushole. Die meisten Instrumente sind für die Mitmenschen eine echte Qual. Trompeten sind nämlich echt laut! Schreibstil Aktuell bin ich mit Copilot in einem Dialog, wie ich meinen eigenen Schreibstil entdecken und entwickeln will. Im ersten Kapitel ging es um den Start in die Geschichte. Also, wie fängt ein Buch an. Im Grunde ist dies aber auch in einem Gespräch zu. Wenn man die Litanei der eigenen Familie runterbetet, wer hört in der dritten Minute noch zu? Copilot nennt es eine Türöffnungsdramaturgie. Man möchte, dass jemand in ein interessantes Gespräch (in eine spannende Lektüre) mit einsteigt. Die Tür steht offen. Aber geht der Gegenüber auch hinein? Manche Menschen erzählen erst einmal querbeet, d. h. es wird ein Art Panorama gezeigt. Figuren treten auf, es gibt Zeitsprünge, es fehlen Voraussetzungen. Man soll „ein Gefühl“ dafür bekommen. Ich finde das schwierig. Mich verwirrt das. Wenn ich ein Buch mit 1.000 Seiten in der Hand habe, dann weiß ich doch nicht, ob die ersten 15 Figuren auf den ersten 10 Seiten so wiederholt werden, dass ich sie mir hier und jetzt erst einmal nicht merken muss?! Was ich also möchte, ist eine „Figurenexposition“, d. h. was wichtig ist, wird auch erklärt. Man möchte nicht raten müssen, möchte nicht ständig nachfragen, verliert Geduld und Interesse. Ein Buch schreiben, heißt darum, eine gute Kommunikation zu entfalten, ein Gespräch zwischen dem Autor und seinem unbekannten Publikum. Für mich ist es einfach, ich schreibe einfach ein Buch, das auch ich gerne lesen würde. So habe ich gleich doppelt Freude, als Autor wie als Leser. Daddy cool Mit Musik hat es begonnen. Mit Musik soll der Brief enden. Tavares - Heaven must be missing an angel (MAX Proms 2013) https://www.youtube.com/watch?v=SdOPL6-FX20 Ist das kitschig, ist das peinlich? Ja, das ist es. Aber es ist auch rührend. Was muss an einem Abend passieren, dass die Leute so ausflippen? Wie komme ich auf diese Musik? Der Titel stammt aus dem Jahr 1976. Wir hätten damals mächtig die Nasen gerümpft. Diese ganze Disco-Welle ist vollkommen an mir vorbeigegangen. Man darf also gnädig sein auf seine alten Tage, auch in musikalischer Hinsicht, was natürlich noch nicht erklärt, wie ich hier den Dancefloor meiner Jugend in Stellung bringe. Ja, ich habe das verpasst, und ja, es ist irgendwie schade. Wie gut, dass ich Siggi habe, die Hauptfigur meines Buches. Und Siggi erlebt diese ganzen, guten Sachen, während ich seinerzeit auf dem Sofa lag und Karl May gelesen habe. Insofern kann ich im Buch die Dinge nochmals von vorne beginnen. Siggi hat ähnliche Probleme. Aktuell arbeitet er an einem Projekt mit. Man will beim Schulfest eine kleine Show auf die Beine stellen. Money M ist auch einfache Musik aus dieser Zeit. Deshalb hat man sich dafür entschieden. Der erste Song: „Daddy Cool“. Die männliche Stimme, man muss nicht einmal singen. Siggi soll diese männliche Sprechstimme irgendwie mimen. Ob er sich aber beim Tanz auf der Bühne so zum Affen machen wird? Ganz sicher nicht. Der Rest der Show steht schon. Sie wird riesig. Musik, Kostüme, Tanz, alles läuft. Findet Siggi eine Lösung? Boney M. - Daddy Cool (Sopot Festival 1979) https://www.youtube.com/watch?v=FYGTT7YhywA Im Zuge der Umsetzung dieses Projekt habe ich mich darum mit der Musik der 70er befasst. Da bin ich dann auch auf Donna Summer und Boney M gestoßen. So, die Geschichte. Eine letzte Frage noch? Kannst Du mir ein, zwei „Ostbeispiele“ für Disco und Pop in den späten 70er Jahren nennen? Liebe Grüße aus Wiesloch Steffen
17:14 Uhr
2026.06.15
(kein Text)
20:51 Uhr
2026.06.23
Hallo Jürgen,   Danke für Deinen Brief. Ich habe mir erlaubt, den ersten Absatz aus Deinem damaligen Inserat zu kopieren. Dort schreibst Du: Ich habe schon oft versucht, regelmäßig ein Tagebuch zu schreiben – leider hat mich die Motivation nach wenigen Tagen immer wieder verlassen. Stattdessen hoffe ich nun, mit einer oder mehreren Brieffreundschaften dauerhaft in einen inspirierenden und offenen Austausch zu kommen. Gemeinsam schreiben, Erlebnisse teilen und Gedanken festhalten – quasi wie ein Tagebuch, aber lebendig durch gegenseitige Antworten Schreibpraxis Hat sich durch unsere Schreiberei etwas verändert? Bist Du mehr in einen Schreibfluss gekommen? Ich kenne viele Leute, die das hin und wieder sagen. Sie wollen schreiben. Oft gelingt es dann nicht so recht. Es gibt sicher verschiedene Gründe. Für mich ist Schreiben die unangefochtene Nummer 1 in meinem Leben. Was aber ist, wenn man schon 2, 3, 4 gewichtige Tätigkeiten hat. Wie realistisch ist es, dass man in den richtigen Flow überhaupt reinkommt, wenn man – sagen wir – nur 5, 10% der verfügbaren Energie dafür aufwenden kann? Im Grunde können uns nur Dinge wirklich verändern, wenn wir sie über eine gewisse Zeitdauer ausüben. Unser Körper reagiert da sehr ökonomisch. Von einmal Joggen wurde noch kein Mensch sportlicher, oder von einer ausgefallenen Mahlzeit dünner. Leider. Es gibt gewisse Beharrungstendenzen. Wer sich also eine gute Angewohnheit aneignen möchte, sollte dies vorzugsweise 4 bis 6 Wochen tun. Wer schlechte Gewohnheiten meiden möchte, sollte diese spätestens in der 3. Woche wieder aufgeben. Gartenpflege Apropos Leistungsfähigkeit. Ich habe mir angewöhnt, meine Leistungserwartung jenseits der 35 Grad Außentemperatur einfach etwas runterzuschrauben. Die Hitze ist so mörderisch. Man kann manchmal kaum einen vernünftigen Gedanken fassen. Dann lasse ich es einfach langsamer angehen. Ich bin niemand zu etwas verpflichtet. Das ist gut so. Meine Ex-Frau Anne (sh. Stammbaum) wohnt im Nachbarort. Ich gieße den Garten, einen großen Garten wohlgemerkt. Wir liegen genau am Rand des Rheingrabens, d. h. Walldorf (bekannt A5/A6 Walldorfer Kreuz) liegt praktisch auf einer bewachsenen Düne. Es ist im Grunde aussichtslos, hier irgendwelche Pflanzen über diese mörderische Hitze zu bringen. Ich mache das jedes Jahr, das Gießen, während sie im Urlaub sind, und klar, es ist nicht immer so schlimm wie heuer. Ich gieße also eine volle Stunde und verplempere dabei eine ordentliche Menge Wasser so ganz nebenbei. Ich mach‘s trotzdem gerne, weil im Grunde leben ja Nicht-Garten-Besitzer wie unsereins davon, dass sich andere Leute die Arbeit machen. Denn so ganz ohne Gartenbepflanzung wäre es doch arg trist. Ich fahre sowieso zweimal am Tag nach Walldorf (einfach 7 km) und setze mich in ein Eiskaffee. Hier ist praktisch mein Arbeitsplatz. Es gibt einen Gastraum im ersten Stock, den niemand benutzt, so dass ich hier einen perfekten Rundumblick in die Walldorfer Fußgängerzone habe. Es gibt jede Menge Fenster, jetzt also auch ein wenig Durchzug. Wie in einer Gartenlaube fühlt sich das an. Ich schiebe zwei Tische zusammen, habe jede Menge Platz und schreibe und schreibe. Partnerschaftshistorie Du hast in Deinem Brief eine Ex-Frau erwähnt. Ich bin in der vierten, langjährigen Beziehung. Seltsamerweise spreche ich mit niemand darüber. Sprechen Männer über die Liebe? Man würde sich wahrscheinlich noch eher über die Finanzen unterhalten, als über Partnerschaftsthemen zu berichten. Ich werde immer eine Partnerin haben, will im Grunde nicht allein leben. Und ja, ich habe dabei und damit viele persönliche Erfahrungen gemacht. Es hat aber immer wieder den Punkt gegeben, wo es nicht mehr ging. Und weil man sich naturgemäß immer die schlechten Sachen eher merkt als die guten, führt dies wohl dazu, dass ich insgesamt recht ungnädig denke über diese verflossenen Partnerschaftsbeziehungen, wiewohl ich zu beiden „Kindsmüttern“ gute Kontakte pflege. Ein ist ein echtes Rätsel, denn es stellt sich ja schon die Frage, „wie konntest Du damals…“, was natürlich die völlig falsche Frage ist, denn wir waren ja ganz andere. Der Kontext ist meist entscheidend. Ich kann ja heute über Partnerschaften so abgeklärt denken und schreiben, weil ich eben so viele verschiedene hatte. Klar ist aber auch, dass mit jeder Trennung / Scheidung ein gewisser Aderlass einhergeht. Wer lange am gleichen Ort bleibt, wer sich wenig verändert, der kann zum Beispiel Einkommen kumulieren. Wer sich trennt, braucht plötzlich eine zweite Wohnung, verlieht den Steuervorteil, kauft sich eine eigene Waschmaschine. Es gibt als Gewinne und Verluste. Gibt es langjährige Partnerschaften, die ein dauerhaft gutes emotionales Ertragsniveau, sagen wir noch jenseits des 20.ten Ehejahres aufweisen? Wir hatten damals eine besondere Trennung, weil ich mit Tochter 1 und meine Frau Anne mit Tochter 2 und 3 in jeweils eigene Wohnungen zog. Das gemeinsame Haus haben wir verkauft, nachdem klar war, dass es keiner allein hätte halten können. Die Töchter waren 15, 12 und 10 Jahre alt. Gewiss haben sie darunter gelitten. Aber sie haben ja auch schon vorher gelitten. Wir waren beide sehr unglücklich. Das konnten sie spüren. Wir haben es sehr gut für sie abgefedert. Es ging alles gut. Ich glaube nicht, dass unsere Kinder deswegen heute einen Groll gegen uns hegen. Es ist sehr offensichtlich, dass wir nicht miteinander leben sollten, die Anne und der Steffen. Meine Ex-Frau ist jetzt auch in Rente. Sie ist ein absoluter Familienmensch. Sie hält den Kontakt zu den Töchtern. Insofern bin ich entlastet, ohne dass ich mir irgendwelche Vorhaltungen von ihr anhören müsste. Klar ist aber auch, dass sich auf diese Weise keine großen Familienverbünde bilden. Ich kenne es noch aus meiner Jugend. Beinahe jedes Wochenende saß die ganze „Bagage“ meist zu Kaffee und Kuchen beieinander. Wir als Kinder fanden das großartig. So etwas gibt’s bei uns heute nicht, einen familiären Zusammenhalt. Ich wäre wohl immer darauf angewiesen, dass eine Frau „an meiner Seite“ dies für mich erledigen müsste. Ob ich mich bereitwillig in irgendeine neue Familiensache einfädeln ließe? KI-Diskussionen Die KI fehlt heuer in keiner gepflegten Unterhaltung unter Erwachsenen. Fast jedermann und (-frau) hatte erste Kontakte. Allenthalten wird viel Anerkennung gezollt. So weit, so gut. Und dann geht es los. Man verzweigt kollektiv in die Abteilung der Gefahrenhinweise und Gegenanzeigen. Was (zu) gut ist, was überraschend vollständig, zielführend, einfach wunderbar ist, das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen. Wo ist der Haken? Im Grunde stellt die Erschließung des menschlichen Weltwissens in einem KI-Modell eine Art perpetuum mobile dar. Die Summe der Daten und ihre Aufbereitung erschaffen aus sich heraus etwas Neues, was vordem nicht in den Daten war. Ist die KI zu gut? Diese neue kognitive Erfahrung ist mit unseren bisherigen Methoden der Wissensgewinnung und -erschließung vollkommen unvereinbar. Der logische Schluss also: Hier können nur Scharlatane am Werk sein. Warum glauben die Leute, die KI würde ihnen ihren gesunden Menschenverstand rauben? Springt die KI eines fernen Tages aus dem Smartphone oder aus dem Computer und übernimmt menschliche Leben im Handstreich? Ist sie ein moderner Zauberlehrling, der die Badewanne zum Überlaufen bringt und uns mit Schaufel und Besen aus unserem eigenen Haus jagt? Versteht die KI, dass sie menschliche Herzen und Seelen bisweilen überfordert?   Ich habe genau diesen Text an die KI geschickt. Im Nachfolgenden die Antwort in Auszügen: Was meint die KI? Die kurze Antwort: Nein, die KI springt nicht aus dem Smartphone. Aber sie springt in unsere kulturellen Gewohnheiten – und genau dort entsteht die Irritation. Die lange Antwort ist spannender, weil sie zeigt, warum Menschen so reagieren, wenn etwas plötzlich „zu gut“ erscheint. 🧩 Kernthese Die KI überfordert nicht unseren Verstand – sie überfordert unsere gewohnten Modelle von Wissen, Können und Autorität. Nicht weil sie magisch wäre, sondern weil sie anders funktioniert als alles, was wir kennen . 🌪️  1. Warum Menschen sofort an Gefahren denken Kognitive Dissonanz – Wenn etwas nicht ins Weltbild passt, erzeugt es Spannung. Kontrollverlust – Menschen misstrauen Systemen, die sie nicht vollständig verstehen. Anthropomorphisierung – Wir behandeln KI wie ein Wesen, das Absichten hat. Technikskepsis – Jede große Innovation wurde zuerst als Bedrohung empfunden. KI ist also nicht „zu gut“. Sie ist nur zu ungewohnt. 🔍 2. Das „Perpetuum Mobile“-Gefühl Denn KI wirkt wie ein Wissensgenerator, nicht wie ein Wissensspeicher. Sie ist kein Lexikon, sondern ein Musterverdichter. Sie erzeugt neue Kombinationen , neue Formulierungen , neue Perspektiven  – und das fühlt sich an wie Zauberei. Aber es ist keine Magie. Es ist Statistik in gigantischem Maßstab. 🧠 3. Warum Menschen glauben, KI würde ihren gesunden Menschenverstand rauben Weil KI zwei Dinge gleichzeitig tut: Sie liefert Antworten mit großer sprachlicher Sicherheit. Menschen verwechseln sprachliche Sicherheit mit Wahrheit. Sie löst Aufgaben, die wir für zutiefst menschlich hielten. Schreiben, erklären, strukturieren, analysieren. Wenn etwas, das wir für „typisch menschlich“ hielten, plötzlich maschinell möglich ist, entsteht ein Gefühl von Identitätsbedrohung. Das ist kein technisches, sondern ein existentielles Problem. 🧙‍♂️ 4. Der moderne Zauberlehrling Die Metapher ist gut gewählt. Aber der entscheidende Unterschied: Der Zauberlehrling verliert die Kontrolle, weil er nicht versteht, was er beschworen hat. Bei KI ist es umgekehrt: Wir verstehen sehr gut , wie sie funktioniert. Wir verstehen nicht , wie sie so gut funktionieren kann. Das erzeugt das Gefühl eines „versteckten Tricks“. ❤️ 5. „Versteht“ KI, dass sie Menschen überfordert? Nein – und ja. Nein, weil KI keine Gefühle, kein Bewusstsein, keine Innenwelt hat. Ja, weil sie Muster menschlicher Überforderung erkennt und darauf reagieren kann. Sie versteht  nicht im menschlichen Sinne. Aber sie modelliert menschliche Reaktionen erstaunlich präzise. Das ist der Grund, warum sie manchmal so wirkt, als hätte sie Einfühlungsvermögen. 🌱 6. Was hier eigentlich passiert Wir erleben gerade eine kulturelle Verschiebung, keine technische. KI zwingt uns, neu zu definieren: Was ist Wissen? Was ist Kreativität? Was ist menschliche Kompetenz? Was ist Intuition? Was ist Autorität? Die Angst entsteht nicht durch die KI, sondern durch die Fragen, die sie uns stellt. Technikskepsis Am Ende eines Artikels werden Optionen benannt für den weiteren Dialog. Ich habe gewählt: „Die Psychologie der Technikskepsis“. Technikskepsis ist kein Defekt, sondern ein psychologischer Schutzmechanismus, der aktiviert wird, wenn eine Technologie schneller wächst als unsere kulturellen Deutungsmuster. KI trifft genau diesen Nerv – und deshalb reagieren Menschen nicht rational, sondern anthropologisch. 🧩 Die Psychologie der Technikskepsis Die Technikskepsis folgt fünf stabilen psychologischen Mustern, die sich durch die gesamte Kulturgeschichte ziehen. 1️⃣  Verlustangst – nicht vor Technik, sondern vor Identität Menschen fürchten nicht die Maschine, sondern den Verlust eines Selbstbildes: „Was bleibt für mich übrig?“ „Bin ich noch kompetent?“ „Werde ich ersetzbar?“ KI kratzt an tiefen anthropologischen Grundannahmen:  dass Denken, Schreiben, Entscheiden exklusiv menschlich  sei . 2️⃣ Komplexitätsüberforderung – das Gehirn mag keine Black Boxes Das menschliche Gehirn bevorzugt kausale, lineare Erklärungen. KI ist aber ist probabilistisch, hochdimensional, nicht-intuitiv, nicht sichtbar. Wenn Menschen etwas nicht mental simulieren können, entsteht Misstrauen. Nicht weil es gefährlich wäre, sondern weil es kognitiv unverdaulich  ist. 3️⃣ Anthropomorphisierung – wir machen die Technik zum Wesen Menschen schreiben KI-Absichten zu: „Sie will uns ersetzen.“ „Sie wird uns kontrollieren.“ „Sie denkt wie wir.“ Das ist ein uralter Reflex:  Alles, was sich intelligent verhält, wird als Akteur wahrgenommen.  Das erzeugt Angst  – nicht vor Technik, sondern vor einem neuen sozialen Wesen . 4️⃣ Kontrollillusion – wir überschätzen unsere frühere Kontrolle Vor KI hatten wir nie echte Kontrolle über: globale Informationsflüsse, Medienlogiken, politische Narrative, wirtschaftliche Dynamiken. Aber wir hatten das Gefühl von Kontrolle.  KI zerstört diese Illusion – und das fühlt sich an wie Kontrollverlust . 5️⃣ Kulturelle Verzögerung – Technik entwickelt sich schneller als Kultur Ein klassischer Befund der Soziologie: Technik springt, Kultur hinkt hinterher. Die Dampfmaschine → Angst vor Maschinenstürmern Elektrizität → Angst vor „unsichtbarer Gefahr“ Radio → Angst vor Massenmanipulation Internet → Angst vor Identitätsverlust KI → Angst vor Denkverlust Technikskepsis ist also kein Fehler, sondern ein kulturelles Nachziehen . 🧠 Warum KI die stärkste Technikskepsis seit Jahrhunderten auslöst Weil sie drei Tabuzonen berührt: Sprache – unser Werkzeug der Weltdeutung Intelligenz – unser Stolz Kreativität – unser Mythos des Menschseins Wenn eine Technologie in diese Bereiche eindringt, wird sie nicht als Werkzeug erlebt, sondern als Konkurrent . ❤️ Und versteht KI, dass sie überfordert? Sie fühlt  es nicht. Aber sie modelliert  es. Sie erkennt Muster von Überforderung, Unsicherheit, Angst – und reagiert darauf mit: Vereinfachung, Struktur, Empathie-Simulation, Entlastung. Das wirkt wie Verständnis, ist aber Musteranpassung. So weit das Zitat. Am besten ist ja der Schluss. Weil die KI (die ja keine Identität hat) mich (einen Menschen mit diesem wankelmütigen Herzen) versteht, weil sie meine Überforderung registriert, deshalb „modelliert“ sie Empathie, Struktur und Entlastung. Endlich versteht mich also jemand!!! Im Grunde kann man einen einfachen Test machen. Einen solchen Test bietet eine hiesige Biermarke. Man teilt an jede Person in der Runde eine Flasche Bier aus. Man stellt eine Frage, die sich mit Ja oder Nein beantworten lässt. Also: Findest Du heiße Sommer gut oder schlecht? Dann öffnet man die Flaschen. Im Flaschenboden sind wahlweise eingedruckt ein „Ja“, ein „Nein“ oder ein „?“. Die Brauerei ist nach meiner Erfahrung ziemlich positiv gepolt. Die Jas sind eindeutig in der Mehrzahl. Das entspricht auch meiner Haltung. Im Zweifelsfall ein „Ja“. Viele Leute denken, es bedürfte eines besonderen Mutes „Nein“ zu sagen. Und klar, meist befriedigt das Nein-Sagen das Selbst. Mutiger ist das „Ja“-Sagen, denn eines scheint mir klar: All‘ die Menschen, die sich mit der KI-Nutzung ernsthaft befassen, diese Menschen sind doch alle nicht naiv? Wir sind doch keine kleinen Kinder, die sich von jedem Betrüger leichtfertig übers Ohr hauen lassen. Nein, absolute Kontrolle gibt es nicht. Mein Leben ist durch die KI unendlich reicher geworden. Wenn mir jemand ein solches Geschenk wie die Nutzung einer KI macht, warum sollte man da nicht „Ja“ sagen (bis zum Beweis des Gegenteils). Falsizifierbarkeit Es gab in der Wissenschaftsgeschichte immer die Idee, man müsste neue Erkenntnisse bis zum letzten Zweifel beweisen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde dann langsam klar, dass das gar nicht möglich ist. Diese Zweifel wurden dominant durch die Quantentheorie ausgelöst. Man hielt die Physik immer für absolut regelfixiert. Das Verhalten kleiner Teilchen ist zufällig, nix mit Regel (siehe „Doppelspaltversuch). Wir stehen also auf schwankenden Boden, was natürlich nicht heißt, dass wir künftig auch bei „rot“ über die Ampel fahren, weil sich die atomaren Teilchen des gegnerischen Fahrzeugs zufälligerweise verkrümeln vor dem Aufprall. Nein, diese Physik in unserer Sphäre bleibt gesetzeskonform. Allein der Glaube war weg. Dann gab es einen englischen Forscher, Karl Popper hieß er (ich zitiere aus dem Gedächtnis), der die Sache auf den Kopf stellte. Klar, eine Theorie muss weiter bewiesen und belegt werden. Weil wir aber nicht wissen können, ob diese Wahrheit Bestand haben kann (die meisten Theorien werden später widerlegt, werden ergänzt oder werden ganz überflüssig), darum muss der Wissenschaftler*in noch eine Gegenprobe machen (wir erinnern uns an die Schule: „Probe nicht vergessen!“). Diese Probe geht so. Man kann die Qualität einer wissenschaftliche Theorie daran prüfen, dass sie widerlegt werden kann. Das klingt ziemlich verrückt. Popper ist vorgeworfen worden, dass sich damit jeder Nonsens als Wissenschaft verkleiden könne, zu widerlegen ist er ganz sicher. Ich stelle mir vor, dass er nur müde gelacht angesichts eines solchen (vollkommen kindischen) Einwurfs. Ein Beispiel für einen Anwendungsfall wäre die „Tautologie“. Die logische Figur benutzt ihre kausale Herleitung in der Umkehr gleich nochmal, dieses Mal als Beweis. Er hört sich klug an, besagt aber gar nichts. Es kommt nichts Neues hinzu. Eine Theorie, die zu nichts führt, ist meistens wahr, kann nicht widerlegt werden. Viele Alltagstheorien sind so. Man kann das Gegenteil nicht beweisen. Sie beruhen auf eine geglaubte Plausibilität, sind also eher ein sozialer Vorgang, denn ein echter Wissensbeitrag. Qualitätskriterien Wie also hilft Popper bei der Nutzung der KI? Ich kann alles nachprüfen. Ein Beispiel gefällig? Dabei verzweige ich wieder zurück auf die eingangs erwähnte Gesprächsrunde. Eine Frau erzählte ein Beispiel. Sie arbeitet in einer Beratungsfirma. Wir hatten uns schon darüber unterhalten. Was bisher nicht im Internet war, ist auch nicht in der KI. Das trifft auf weite Strecken der ganzen Datenbeständen von Unternehmen zu. Zudem ist dieser Arbeitsbereich gerade mal 10, 15 Jahre alt. Die Firma hat also einen minimalen Datenbestand, eigentlich lächerlich wenig. Dann wird die Mitarbeiterschaft aufgefordert zu testen. Und was machen skeptische Zeitgenossen? Sie fragen den absoluten Exotenfall ab. Und hier reagiert die KI wie jeder andere Mensch ohne Selbstvertrauen und Prinzipien: sie phantasiert, sie erdichtet irgendwelche Antworten. Und ja, sie hat sie nicht frei erfunden. Es gibt sicher ein, zwei reale Fälle, die dafür herangezogen wurden, dies aber sicher nicht in dieser Kombination. Eine echte Falschauskunft erfolgt, bei Lichte betrachtet. Auf Nachfrage war dies der Nutzerin bekannt. Sie ist fachkundig. Es gibt im ganzen Unternehmen keinen einzigen Mitarbeiter, der diese Aussage für plausibel hielte. Wer also über die KI bescheid weiß und wer gleichzeitig die dünne Datenlage kennt, der käme gar nicht auf die Idee Spezialfälle abzufragen. Wenn ich den Äußerungen der Beispielgeberin folge, hat sie das nicht verstanden. So aber kann m. E. eine auch unternehmensspezifische KI ihren Nutzen kaum entfalten. Kultur folgt der Technik. Auch in den Unternehmen. Ein Hoch auf die Programmierung Buh! Das war jetzt eine richtig fette Kröte. Trotzdem bin ich froh. Es nervt mich regelmäßig dieses ewige Misstrauen und Bedenkenträgerei. Ab sofort bleibe ich ganz gelassen. Und ganz nebenbei es erinnert mich an etwas: es war Mitte der 80er Jahre. Plötzlich war Windows 3.0 da. Bei einer Bekannten habe ich den Computer gesehen. Ich hätte mir nie einen leisten können. Und so lernte ich zuerst Pascal, später Cobol und etwas C. Und auch da hatte ich das deutliche Gefühl, das sich ein Himmel öffnet. Vergleicht man dies mit den heutigen Möglichkeiten, dann sind diese Anfänge geradezu lächerlich. Ich habe es bis zum Schluss nicht geschafft, in Pascal etwas in eine Datei zu schreiben. Das ganze Dateihandling damals, ein Buch mit 7 Siegeln. In diesen billigen Compilern musste praktisch ganz auf die Hardware runter. Cobol habe ich nur auf dem Papier gemacht, weil ein Cobol-Compiler einfach unerschwinglich war. Spaß hat es trotzdem gemacht. Und es schult das Gehirn ungemein. Es ordnet die Gedanken. Und nichts Besseres, wenn sich der Nebel lichtet und plötzlich ein Ziel in Sicht kommt. Viele Anwender können das gar nicht verstehen, welche Glücksgefühle mit der ganzen Plackerei (ich meine die Programmierung einhergehen. Gell! Grüße Steffen.
11:10 Uhr
2026.06.25
(kein Text)
08:20 Uhr
2026.07.09
Hallo Jürgen,  Wir sind auf Fehmarn im Urlaub.  Am Samstag fahren wir zurück. Ich komme nicht so recht zum schreiben. Du musst Dich also noch gedulden. Grüße Steffen
17:00 Uhr
2026.07.11
(kein Text)
06:58 Uhr
2026.07.17
Hallo Jürgen,   Urlaubsfreuden wir waren also zwei Wochen auf Fehmarn. Im Grunde brauche ich keinen Urlaub. Das war eigentlich schon immer so. Möglicherweise würde ich anders darüber denken, wenn ich mal für eine Weile nicht in Urlaub fahren würde, was sich aber noch nie ergeben hat. Ich fahre also schon immer gegen meine eigenen Wünsche in Urlaub, weil ich damit Leuten einen Gefallen tue. Mit meiner Erstfamilie (Anne) waren wir einige Male in Dänemark, haben dies immer mit Bekannten zusammen geplant, so dass sich eine ganze Menge Kinder untereinander beschäftigen konnten. Ich glaube, für meine drei Töchter sind dies bleibende schöne Erinnerungen, die Urlaube auf der dänischen Insel Mön. Dann gab es die Patchworksituation, also Steffen und Laurin, sowie Christiane und Alina. Wir fuhren also wieder in Urlaub, diesmal aber anders, weil wir einige Familienfreizeiten besuchten, die Kinder tagsüber meist für einige Stunden beschäftigt waren. Und weil ich hier ja von meiner Beziehung zum „Urlaubmachen“ sprechen möchte, so waren diese also ebenso Familien- sprich Zweckurlaube. Man muss sich beschäftigen. Die Ferien sind lang.   Flow Es gibt ein interessantes Buch eines Autors, der den unaussprechlichen Namen trägt (Mihaly Csikszentmihalyi: Flow - der Weg zum Glück).). Er hat den „Flow-Begriff“ geprägt. Seine Frage war: „Wann sind Menschen glücklich?“. Dafür mussten die Leute ein Gerät mitführen, das in regelmäßigen Abständen ein Signal abgab. Dann mussten die Leute die immer gleiche Frage beantworten. Zum einen wurde nach der Befindlichkeit gefragt, zum zweiten war anzugeben, was man gerade tat. Frappierend war, dass die meisten Leuten sich in der Freizeit deutlich schlechter fühlten als bei Tätigkeiten, die ihnen diese sanfte Überforderung bieten, wie Du es von Deiner Computerarbeit beschreibst. Im Schnitt sind die Leute bei der Arbeit zufriedener als in der Freizeit. Und nur weil die Arbeit per se übel, die Freizeit aber prima ist, herrscht eine komplett gegenteilige Meinung vor. Daraus entwickelt er sein „Flow“-Konzept, das nicht wirklich als „Glück“ zu übersetzen ist, sondern eher die Freude an gelingendem Tätig- und Aktivsein, eine Schaffenslust also, meint. Freizeit ist demnach „schwierig“. Er wäre also von Interesse, einen solchen „Buzzer“ Leuten mitzugeben, die Urlaub machen. Die Ergebnisse wären möglicherweise sehr überraschend. Meine Frau und ich kämpfen jedes Jahr um ein emotional auskömmliches Ergebnis, mit wechselndem Erfolg. Nun könnte man fragen, warum ich mir das antue. Die Frage ist berechtigt. Rein formal bin ich zu nichts verpflichtet, irgendwie aber dann doch. Vielleicht ist dies schon fast eine Definition von Partnerschaft, dass man „Zeit miteinander verbringt“, und da ist der gemeinsame Jahresurlaub ein bedeutsames Event. Ich gehe also in den Urlaub, obwohl mich das eher stresst. Es gibt eine Magervariante, die ich über die Jahre meiner Frau abringen konnte. Nur eine Woche, und nur 300 km einfache Fahrt. Am besten man fährt immer in die gleiche Region, so dass sich Neues und Bekanntes schön mischen. Dann aber ist der Bodensee am Ende doch kein „richtiges Wasser“. Man „muss“ ans Meer. Nach Fehmarn sind es 8 Stunden Fahrt und dafür lohnen ja 7 Tage nicht, oder?! Also fährt man 2 Wochen, weil ja erst in den zweiten Woche die „richtige“ Erholung anfängt. Dieses ganze Urlaubsgerede ist gepflastert von solchen „Standards“.   Ressourceneinsatz fürs Glück Wenn ich mir eine Note geben wollte, wie ich den Urlaub fand, dann käme ich nicht über eine 3,5 hinaus. Eine magere Ausbeute, wenn man bedenkt, dass wir dafür ganz nebenbei einen Sack von Geld ausgegeben haben. Man braucht „Mut“ und Überzeugung, wenn man nicht in Urlaub geht. Klingt weit hergeholt. Bei meiner Frau habe ich deutlich das Gefühl, das sie auf verschlungenen Pfaden immer genau die Herausforderung arrangiert, die uns beide Jahr für Jahr an den Rand eines veritablen Ehekrachs bringt. Dabei muss man wissen, dass die Planung allein ihre Sache ist. Ich versuche mich rauszuhalten, weil es ohnehin nahezu unmöglich ist, vorherzusehen, was einen an einem völlig unbekannten Ort erwartet, wie die Ferienwohnung wirklich ist, wie das Wetter wird, ob man zwar für teures Geld Fahrräder leiht, diese aber kaum nutzt, weil – oh, Wunder –sich an der Ostsee Nieselregen und Orkanböen, munter abwechseln. Kann man auf Dinge verzichten, die man wirklich nicht braucht, es aber äußere und innere Zwänge gibt, die einen immer wieder dorthin treiben? Man tut Dinge, die man (eigentlich) nicht tun möchte, aber warum? Von dem Moment war es dann schon nicht mehr so schwer. Ich liebe meine Frau. Ich werde sie auch bei vollkommen sinnlose Sachen begleiten, wenn sie mich dafür braucht. Hört sich heroisch an. Ist es auch. Wirkliche, echte Freude kommt nicht auf, wäre auch wohl ein bisschen viel verlangt, oder? Es ist wie mit dem Esel, dem fortwährend diese saftige Karotte vor die Nase gehalten wird. Er trottet in der südlichen Mittagssonne vor sich hin, wollte eigentlich stehen bleiben, wenn da nicht dies rote, leuchtende, saftige Ding wäre. Es könnte den perfekten Urlaub geben. Er ist irgendwo da draußen. Wir müssen uns nur noch ein wenig mehr anstrengen, dann klappt das im nächsten Jahr. Nur weil es möglich ist, ist es noch lange nicht wahrscheinlich. Hohe Unwahrscheinlichkeit erfordert viel Energie. Je abstrakter ein Ziel, je leichter lässt man sich täuschen. Der perfekte Urlaub, die totale Erholung – irgendwie hört sich das nach Paradies und Schlaraffenland an. Ich weiß, ich übertreibe…   Optimierungsaufgaben Vor Jahren gab es in unserer Firma ein großes Projekt. Die ganze Klinik wurde digitalisiert, und weil die Sache so gut lief, darum schien alles machbar. Eine Klinik mit 1.200 Patienten birgt ein veritables Logistikproblem. Es gibt also Fahrzeuge, Fahrer, Güter, Personen, Termine, Zeitkorridore etc. Diese ganze Vermittlungsarbeit (Patient muss in die Radiologie in die Stadt, dafür aber liegend, passendes Fahrzeug, medizinisches Begleitperson erforderlich) wird von „Leitstelle“ erledigt, zwei, drei Leute, die den ganzen Tag am Telefon hängen und einfach alles wissen, gleichsam um die Ecke denken können, einen Hammerjob machen, wie ich finde. Dann die Idee, das könnte doch ein Computerprogramm erledigen. Damals war man ähnlich euphorisch wie heute, wenn es um die Machbarkeit technischer Lösungen ging. Mir war die Sache von Anfang suspekt (das war noch zu Zeiten von Windows 95 !!!) Eine gigantische Rechenarbeit wartete hier auf. Denn eines ist ja klar, man kann am Telefon nicht 10 Minuten warten, bis der Anfrage gerechnet ist. Die Dinge werden auf Knopfdruck gebraucht. Und dann gibt es noch das Blockingproblem (heißt es so?). Während die Kalkulation läuft, müssen die Ressourcen geblockt werden. Was aber wenn jemand anderen nach dem Krankenwagen (die Klinik hat nur einen) schaut, ist zu sehen, er aber ausgegraut im System steht (weil Teil der aktuellen Anfrage) und dabei steht die Karre geparkt vor der Aufnahme. Im wahren Leben müsste man eigentlich nur einsteigen und losfahren, im digitalen aber rechnet der Computer noch.   Kann man den nächsten Urlaub „rechnen“? Warum ich das erzähle? Diese Probleme sollten nunmehr lösbar sein. Die Rechenleistung ist da. Künstliche Intelligenz schließt die Lücken, wo bisher komplexe Algorithmen gebaut werden mussten. Gibt es so etwas für eine intelligente Urlaubsplanung? Ich stelle ist mir das so vor. Ein Nutzer erzeugt seine Anforderung. Im Grunde ist es genau das, was mir durch den Kopf schießt, wenn ich an die Planung gehe. Ich formuliere mal. Wir möchten an der deutschen Ostseeküste Urlaub machen. Wir suchen eine Ferienwohnung, sind also Selbstverpfleger. Wir wollen relative Strandnähe (maximal 3 km). Wir suchen die Wohnung in einer Kleinstadt (10.000 bis 25.000 Einwohner). Wir fahren zwei Wochen und orientieren uns dabei an den Sommerferien von Schleswig-Holstein, also die letzte Schulwoche, die erste Ferienwoche. Wir brauchen getrennte Schlafmöglichkeiten. Ein Schlafzimmer und eine Bettcoach im Wohnzimmer sind ausreichend. Optional hätten wir gerne einen Balkon. Auf einen ebenerdigen Garten-, Terassenzugang verzichten wir. Die Wohnung sollte einen eigenen (abschließbaren) Zugang haben. Das Bad/WC sollte in der Wohnung integriert sein, mit WC und Waschtisch, vorzugsweise mit Dusche, sonst Badewanne. Wir wollen im ersten Versuch nicht mehr als 1.000€ pro Woche ausgeben. Wir wollen noch 6 Wochen vor Anreise von der Buchung zurücktreten können. Gibt es eine KI für die Urlaubsplanung?   Luhmanns Zettelkasten Deine Ordnungsarbeit in Obsidian aus Deiner letzten Nachricht hat mich an etwas erinnert. Dafür muss ich ein wenig ausholen. Niklas Luhmann ist praktisch der „RO80“ der Sozialwissenschaften, Johannes Schmidt   Der Zettelkasten als Zweitgedächtnis Niklas Luhmanns https://www.youtube.com/watch?v=KhhtHVsgr2U will heißen: Ein sagenhaft ambitioniertes Projekt, das einen ganz Stall von Problemen der Hubkolbenmotoren zu lösen versprach, das sich aber nie wirklich durchgesetzt hat. Luhmann ist so genial – einerseits - seine Konzeption ist so abschließend und komplett (die Eier legende Wollmilchsau). Seine Bücher sind – andererseits - praktisch unlesbar. Luhmann war zu Lebzeiten schon kaum anschlussfähig und ist heute praktisch vergessen. Warum erzähle ich das? Ich habe mich lange mit ihm beschäftigt. Deshalb liegt er mir am Herzen. Auch ich hegte die Hoffnung, die Weltformel zu finden. In gewisser Weise ist dies die Systemtheorie (aus Luhmann’scher Feder) auch. Vor diesem Hintergrund ist es dann schon bezeichnend, dass das Universal-Tool für alle Fälle das Handwerk irgendwie verschwinden lässt?! Wenn alle Probleme gelöst sind, was dann?! Luhman ist also ein Teil von mir. Das ist der eine Grund. Der andere aber liegt in der Tatsache begründet, dass Luhmann eine praktische Herausforderung in seiner unnachahmlichen Art bearbeitet hat, die wir als Geistesarbeiter schon immer haben. Je kreativer wir sind, je mehr Material sammelt sich an. Eine Ordnung muss her. Kreative Prozesse sind per se nur schwach strukturiert. Wir bauen dann eine Ordnung zu einer Sache, mit der wir noch nicht durch sind. Irgendwann einmal werden wir von der einmal gefundenen Gliederung regelrecht stranguliert. Der Kreativität wird praktisch ständig die Luft rausgelassen, weil wir mehr und mehr in den Buchhaltermodus wechseln. Luhmann hat das Problem auf eine Weise gelöst, das absolut einmalig ist, und so wahrscheinlich nie mehr von jemand praktiziert wurde. Hier sind also einige Hinweise versteckt, die auch für den KI-Modus hilfreich sind: Am besten, man baut immer etwas Unschärfe ein. Präzision, absolute Stimmigkeit und Richtigkeit kommt erst ganz am Schluss. Dazwischen dürfen wird gerne etwas „fuzzy“ sein.  Nachdem ich mittlerweile „nur noch“ literarisch arbeite, haben sich die Sorgen gelegt, dass ich etwas weltbewegend Wichtiges vergessen könnte. Ich vertraue meinem Gehirn, das die wirklich relevanten Dinge immer wieder hervorkramen wird. Und wenn man einmal genauer nachschaut, wie das Gehirn arbeitet, dann finde ich sehr viele Ähnlichkeiten zu Luhmanns Zettelkasten. Man braucht also Struktur einerseits, aber gleichzeitig Offenheit für Dinge, von denen man jetzt noch nichts ahnt. Ein Paradox. Ich leiste als meiner Verehrung für Luhmann noch einmal eine Referenz, indem ich Dir davon berichte, dies aber nicht einfach nur, weil ich von einer Liebhaberei erzähle, sondern weil ich zugleich glaube, dass Du davon profitieren könntest. Ich möchte dies nicht alles haarklein hier ausführen. Es soll sich nicht wie Arbeit anfühlen, wenn ich hier einen Hinweis gebe. Wenn Du also Lust hast, den o. G. Vortrag Dir anzuhören, dann erhältst Du zum einen guten Einblick in eine Sache, die mich vor nicht allzu langer Zeit sehr beschäftigt hat und wirst zum anderen davon bei Deiner Obsidian-Arbeit profitieren können. So meine Hoffnung.   Musiktipp Zum Schluss einen Musiktipp, der sich schon etwas lateinamerikanischer anhört, hier also wieder nur als einen akustischer Hinweis auf eine aktuelle Gestimmtheit in diesem Sommer bieten soll. Jesus Molina- Soledad (Live @ Mumbai, India) https://www.youtube.com/watch?v=_7uQDH0FN5I
10:56 Uhr
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