2026.02.12
Hallo Herr/Frau Barlag,
„Noch immer auf der Suche?“ – das klingt ein wenig so, als hätten Sie
selbst auch schon ein paar Runden gedreht hier.
Ja, ich bin grundsätzlich offen für einen Mailkontakt. Für mich ist ein
guter Austausch weniger eine Frage von Alter oder Hobbys, sondern eher
von Haltung: neugierig bleiben, ohne missionieren zu wollen.
Ich lebe in Dresden, habe viele Jahre als Softwareentwickler gearbeitet
und bewege mich heute viel im Spannungsfeld zwischen Technik und Mensch
– besonders im Bereich KI. Gleichzeitig genieße ich Dinge, die ganz
analog sind: gutes Essen, Reisen ins Warme im Winter, echte Gespräche
ohne Zeitdruck.
Mich interessiert immer der Weg eines Menschen:
Was hat ihn geprägt? Was beschäftigt ihn gerade?
Wenn Sie mögen, erzählen Sie doch ein wenig:
Was hat Sie dazu gebracht, hier zu schreiben – und was wünschen Sie sich
von einem Mailkontakt?
Herzliche Grüße
Jürgen
2026.02.13
Hallo Jürgen
Ich schlage vor, dass wir das höfliche "Sie" und "Herr ... " einfach weglassen, wie es bei Mailkontakten wohl üblich ist.
Ich heiße ebenfalls "Jürgen", Freunde nennen mich "Buddy" (weil ich dem Filmschauspieler "Bud Spenzer" optisch und in meinem Wesen angeblich ein wenig ähnlich bin).
Seit Jahren suche und pflege ich Mailkontakte "weltweit" - wobei die meisten früher oder später wieder "versiegen" - für mich kein Problem, zumal dann, wenn ich zuvor interessante und lehrreiche Lebenserfahrung ein wenig "abgreifen" darf. Ich hatte schon sehr
viele unterhaltsame "virtuelle" Freunde, einige Kontakte bestehen auch heute nach vielen Jahren immer noch.
Dresden hatte ich erstmalig 1990 (also kurz nach der sogenannten "Wende") kennen gelernt - als ich als ein westdeutscher "Militärberater" im damaligen "Ost-Berlin", das dort stationierte "Wachregiment 1 - Friedrich Engels" der gerade erst untergegangenen "NVA"
in die Geheimnisse der NATO-Truppen einführen durfte. Genossen hatte ich seinerzeit den Bereich der sogenannten "Elb-Terrassen" - der Rest der Stadt befand sich
noch
in einem sehr gewöhnungsbedürftigen Erhaltungszustand.
Meine besonderen technischen Interessen galten jahrzehntelang der "Waffentechnik" - angefangen bei sogenannten "Blankwaffen" bis hin zu "Nuklearwaffen".
"Gutes Essen" war stets eines meiner Leidenschaften und "Laster" - das sieht man mir auch an. Ich bin ein engagierter Hobbykoch - wobei ich ein wenig darunter "leide", dass nach Ansicht meiner "dbH" ("deutlich bessere Hälfte") "Kerle" in der Küche nichts zu
suchen haben. Aber ich hatte drei Jahrzehnte lang eine kleine Zweitwohnung im Emsland angemietet (in unmittelbarer Nähe meines dort angepachteten Jagdrevieres), in der ich meine Jagdgäste nach Lust und Laune "bekochen" durfte.
Ich blicke heute zufrieden auf ein sehr "erfülltes" Leben zurück (2 Väter - 3 Mütter - 9 Geschwister - 3 Töchter - 5 Enkel - 2 Urenkel) - und ich genieße sehr bewusst ein völlig stress- und sorgenfreies Leben.
Meine körperliche Leistungsfähigkeit lässt inzwischen altersgemäß (75 Jahre) deutlich nach - aber das ertrage ich mit großer Gelassenheit.
Alles Gute!
"Buddy"
Hallo Jürgen
Hier noch eine Ergänzung zur heutigen Mail, damit Du Dir ein besseres Bild machen kannst:
So sehe ich aus .... hier wohne ich in der 8. Etage, zusammen mit meiner Ehefrau und unserem kleinen Hund .... und hier siehst Du meinen derzeitigen "Arbeitsplatz" in meinem kleinen aber feinen "Refugium" innerhalb unserer Wohnung.
"Buddy"
2026.02.14
Hallo Buddy,
die förmliche Anrede war nur
meiner Unsicherheit geschuldet – aus „jbarlag“ war ja zunächst
nicht viel herauszulesen. Insofern: Danke für die Klarstellung 😊
Und „Buddy“ gefällt mir. Das Bild mit Bud Spencer hat Charme – ein
Name mit Substanz.
Du beschreibst deine langjährige
Faszination für Waffentechnik – von Blankwaffen bis hin zu
Nukleartechnik. Im Grunde ist es vielleicht gar nicht so
unterschiedlich zu meinem eigenen Zugang zu Technik:
Du hast dich intensiv mit Waffen beschäftigt, ich mit
Programmierung und Software. Beides sind hochspezialisierte
Felder, bei denen man verstehen will, wie etwas
wirklich
funktioniert –
nicht nur oberflächlich. Jeder hat eben sein Gebiet, in dem er
genauer hinschaut als andere.
Mit dem Kochen halte ich es
übrigens pragmatisch: Ich koche nur, wenn es unbedingt nötig ist –
und wenn ich koche, dann am liebsten so, dass es für drei Tage
reicht 😉
Dein Jagdrevier im Emsland klingt da deutlich genussvoller als
meine „Effizienz-Küche“.
Eine große Familie empfinde ich
immer als Reichtum. 2 Väter und 3 Mütter – das klingt nach einer
bewegten Lebensgeschichte. Das würde mich tatsächlich
interessieren, wie sich so etwas entwickelt. Solche
Konstellationen prägen ja oft mehr als jede berufliche Station.
Du schreibst, viele Kontakte
versiegen irgendwann – das sehe ich ähnlich gelassen. Für mich ist
Briefwechsel eine Form des gedanklichen Austauschs. Ich suche
keine Dauerbeschäftigung und auch keine bloße Unterhaltung,
sondern Einblicke in andere Lebenswege. Mich interessiert weniger
das Tagesgeschehen als die Haltung dahinter: Wie ist jemand zu dem
geworden, der er heute ist?
Wenn sich daraus ein längerer Austausch entwickelt – schön. Wenn
nicht, bleibt trotzdem etwas an Erfahrung zurück.
In diesem Sinne: Ich bin
gespannt, welche Kapitel deiner Geschichte du vielleicht noch
teilen magst.
Viele Grüße
Jürgen
Hallo Buddy,
der 8. Stock und das Gebäude erinnern mich an Cottbus, ein
schöner und stabiler Schreibtisch, und ein sympatischer Mann -
gefällt mir.
Von mir ein Bild mit meiner Frau - vor 17 Jahren ;-) Kam heut zum
Valentinstag
Schönen Abend wünscht Dir
Jürgen
2026.02.15
Hallo Jürgen
Wenn ich Dich richtig verstanden habe, dann bist Du an meiner Persönlichkeitsentwicklung interessiert.
Vorab sei gesagt:
Meine "leibliche Mutter" starb 2 Stunden nach meiner Geburt - sie war bei jener "Hausgeburt" verblutet.
Mein "leiblicher Vater" hatte nun mit mir 4 Söhne - und er war zunächst völlig überfordert. Er gab mich deshalb als Neugeborenen in die Obhut der Familie seines nächstälteren Bruders, der
hatte zu diesem Zeitpunkt 2 schon nahezu erwachsene Töchter. Wenige Monate später wurde ich dann durch ihn adoptiert.
Meine "Adoptivmutter" starb an "Krebs", als ich 8 Jahre alt war Mein (2.) Vater heiratete ein Jahr später seine 2. Frau (mein "3. Mutter"), von der er einige Jahre später wieder geschieden wurde.
Nachdem ich meine Schulzeit 1970 als Abiturient mit einem" überaus durchschnittlichen", also keineswegs überragenden Notendurchschnitt beendet hatte, fehlte mir jegliches Interesse an irgendeinem Studium (wo und was auch immer), welches mir mein Vater
sehr gerne
finanziert hätte! Ich wollte endlich "gefordert werden" - und ich interessierte mich ausschließlich für das Militär, was mein Vater absolut nicht verstand, da er sich seinerzeit als ein verheirateter Handwerksmeister aufgrund der Wehrpflicht
6 Jahre lang (1939 - 1945) "den Arsch für Adolf aufgerissen" hatte (wie er es nannte).
Meine nun folgende Karriere beim "Bund" war allerdings keineswegs in irgendeiner Weise "überragend" sondern vielmehr in jeder Beziehung "durchschnittlich"....
.... ich bin nun mal ein absolut "mittelmäßiger" Mensch .... ohne ausgeprägten Ehrgeiz, "begnadete Fähigkeiten" oder besonderes Gewinnstreben .... aber durch und durch zufrieden und ausgeglichen.
Hier also mal meine "Dienstzeit" im Überblick - hoffentlich nicht langweilig für Dich (?):
Nur wenige Tage nach Entgegennahme meines Abiturzeugnisses trat ich im Juli 1970
absolut wunschgemäß
meinen "Militärdienst" in Hamburg an ..... zunächst mit dem
vorläufigen
Status eines "SaZ" (Soldat auf Zeit / 2 Jahre):
Ich startete in der sogenannten
Panzer
artillerie als "Kanonier" - also im
niedrigsten Dienstgrad
der Artillerie (
A1
-besoldet =
niedrigster
Beamtentarif).
Das war ab sofort "meine Welt". Hier (auf einem Panzerwrack in der Mitte stehend) siehst Du, dass ich damals
noch
"schlank und rank" war.
So sah damals mein erstes "Dienstfahrzeug" aus - eine in den USA entwickelte und produzierte Panzerhaubitze des Typs "M 109", (in Deutschland modifiziert und leistungsgesteigert).
An diesem Geschütz erlernte ich erst einmal
schul
mäßig (also besonders gründlich) und danach
drill
mäßig (unter Zeitdruck und erschwerten Bedingungen, insbesondere auch nachts und unter "ABC-Schutz-Bedingungen)
alle
Tätigkeiten.
In
der
Zeit (Juli 1970 bis Juni 1971) erwarb ich (gerade erst 19-jährig!) zusätzlich die
militärische
Fahrerlaubnis für alle LKWs und Panzer.
Ab Januar 1971 wurde ich dann ein "Gefreiter"
(A2
-besoldet), ....
.... hier mal meine zeitgenössische "Gehaltsmitteilung" aus jener Zeit, die Dir zeigt, dass mein Einkommen seinerzeit noch "recht überschaubar" war.
Aber im Jahr 1971 war das für einen jungen Burschen wie mich ein akzeptables Einkommen, damit war ich zumindest "finanziell völlig unabhängig" von meinem Vater -was
ihm
(da vermögend)
nicht
wichtig war -
mir
persönlich (da stolz und selbstsicher) allerding
sehr wohl
!
Das war damals meine
Teil
einheit - eine sogenannte "Geschützgruppe". Ich sitze
links oben
auf dem Geschützturm.
Die Bundeswehr besaß seinerzeit etwa
600
dieser Waffen - sie waren
g
egebenenfalls mit
Unterstützung unserer US-Verbündeten
auch als "
Nuklearwaffen
kurzer Reichweite" einsetzbar.
Im Juli 1971, also nach 12 Dienstmonaten, wurde ich dann als "Fahnenjunker" (
A5
-besoldet) ein "Geschützführer" - und somit erstmalig als ein militärischer
Vorgesetzter
von immerhin sechs Soldaten. Ich war nun
voll verantwortlich
für eine dieser "Haubitzen".
Der in der Bundeswehr vergebene Dienstgrad "
Fahnenjunker
" wird übrigens nur an "
Offizier
anwärter" vergeben - er entspricht im Wesentlichen dem eines "
Unteroffiziers
".
Bereits
drei Monate
später wurde ich zum "Fähnrich" befördert (
A7
-besoldet). Dieser in der Truppe eher seltene Dienstgrad (ebenfalls nur für angehende Offiziere) entspricht dem eines "
Feldwebels
".
Ab Oktober 1971 nahm ich an der Heeresoffizierschule II (damals ebenfalls
in Hamburg
gelegen) an einer 15-monatigen Ausbildung zum
Berufsoffizier
teil.
Am 01.04.1972 wurde ich dort an dieser Schule nach nur 21 Dienstmonaten (und noch immer "minderjährig"!) zum "
Leutnant
" befördert (
A9
-besoldet) ....
.... und das bei gleichzeitiger Übernahme in das
Dienstverhältnis eines "Berufssoldaten
"! Ich war also nun quasi zu einem "
Bundesbeamten auf Lebenszeit
" ernannt worden, somit ab sofort so gut wie
unkündbar
! Der Dienstgrad "Leutnant" entspricht (zivil) dem eines "Inspektors".
Ich hatte nun bereits
bis zu meinem Lebensende
"finanziell ausgesorgt" - ein gutes Gefühl!
1973 besuchte ich dann zunächst einen sechsmonatigen sogenannten" Zugführerlehrgang" an der Artillerieschule in Idar-Oberstein (Hunsrück) .... und anschließend einen zweimonatigen physisch und psychisch
extrem belastenden
"Einzelkämpferlehrgang" an der
Kampftruppe
nschule in Hammelburg (Rhön).
Dann wurde ich endlich wieder
in der "Truppe"
eingesetzt - und zwar als ein sogenannter "Batterieoffizier", ....
.... zugleich der ständige
Stellvertreter des Chefs
....
.... in einer Einheit der sogenannten "
leichten
Feldartillerie", die seinerzeit noch ausgestattet war mit solchen schon damals "historischen" Feldhaubitzen des Typs "FH 105mmL", die bereits in der Zeit des II. Weltkrieges gebaut und durch die Amis gegen
unsere Wehrmacht eingesetzt waren.
Als ein ausgesprochener "Nostalgie-Fan" habe ich
diese
schon recht "betagten" Artilleriewaffen
ganz besonders
geschätzt!
Sie waren beispielsweise "nur" 2,5 t schwer und deshalb für den Lufttransport geeignet, um im Gefecht insbesondere auch unsere Luftlandetruppen zu unterstützen. Das übten wir zu Zeiten des "Kalten Krieges" immer wieder mal mit solchen Transporthubschraubern
des Typs CH-53 unserer sogenannten Heeresflieger.
Insgesamt ca. 50 derartiger Geschütze waren damals direkt unserem ranghöchsten Artilleristen des I. Korps (einem General!) unterstellt, um ggf. im Krieg innerhalb des Einsatzraumes "Niedersachsen"
zusätzlich
die dort eingesetzte "Brigade-" und "Divisionsartillerie" (das waren immerhin insgesamt mehr als 200
weitere
(großkalibrige) Artilleriegeschütze und zusätzlich ca. 10 Mehrfachraketenwerfer) zu unterstützen, wenn dort mal im laufenden Gefecht "der Kittel brennen" würde.
Das wäre für uns eine besonders spannende Aufgabe .... wir waren nun mal
besonders
"mobil" und in kürzester Zeit auch weit entfernt voll einsatzbereit!
Gelegentlich waren wir auch mit solchen
"Kampfzonentransportern"
des Typs C-160 Transall unserer Luftwaffe "unterwegs". Diese Flugzeuge konnten quasi auf jedem etwas größeren Acker oder Feld starten und landen .... ihr Laufwerk und ihre besonders
starken Motoren waren entsprechend dimensioniert - sie brauchten dazu nur 300 Meter "freies Feld".
1979 wurde ich dann der Batterie
chef
dieser Einheit und zugleich zum "Hauptmann" befördert (
A11
-besoldet). Dieser Dienstgrad entspricht in etwa dem eines zivilen Hauptkommissars bzw. Amtmannes, wobei
beim Militär
erfreulicherweise noch diverse sogenannte "
Erschwerniszulagen
" hinzukommen!
Ein Jahr später (1980) wurde meine Einheit
umgerüstet
- von den o.a. "
leichten
Feld
haubitzen
" (Kaliber 105 mm) auf solche "
schweren
Feld
kanonen
" (Kaliber 175 mm). Diese mächtigen Geschütze konnten ihre 76 kg schwere Granaten
bis zu 32 km weit verschießen. Das Kanonenrohr war stattliche
11
Meter lang!
Als Chef dieser Einheit arbeitete ich seinerzeit übrigens eng mit der "Nederlandse Koninlijke Landmacht" zusammen - die mit einer "Brigade" (ca. 2.000 Soldaten) den damals wohl gefährlichsten Abschnitt an der innerdeutschen Grenze (den sogenannten "Dannenberger
Zipfel") zu verteidigen hatten.
Ich hatte den Auftrag mit meinen Kanonen das Artilleriefeuer dieser
holländischen
Kampftruppe im Fall des "III. Weltkrieges" zu verstärken. Das war ein Job für echte "Draufgänger" (denn
draufgegangen
wären meine "Jungens" und ich dabei ziemlich sicher).
Wenn meine "Batterie" (
bei der Artillerie
heißt so traditionell eine "
Kompanie
"!) mit meinen 6 Geschützen (so wie hier auf diesem zeitgenössischen Foto) eine Salve schoss, dann hörte sich das noch 10 km entfernt an wie ein schweres Gewitter.
Okay, dieses sind nur fünf meiner Kanonen - die sechste wurde stets ca. einen Kilometer entfernt als "Einschieß-Geschütz" in Stellung gebracht und dort genutzt, um der feindlichen Aufklärungstruppe nicht etwa sehr frühzeitig den Standort meiner
gesamten
Batterie zu verraten.
Damals lernte ich dann als meinen "Kommandeur" diesen Mann (in der Mitte) kennen - ein "Ober
st
leutnant", der anschließend
mein mit Abstand bester Freund
und "Mäzen" wurde.
Diese sogenannte "Gesellschaftsuniform" hatte ich übrigens zutiefst verachtet .... nur die Schulterklappen (=Dienstgradabzeichen) und die kleine Ordensspanne unterschieden mich optisch von einem "Oberkellner".
1982 "lief ich dann zur Höchstform auf":
Ich übernahm
als Batteriechef
eine andere Einheit der sogen. "Korpsartillerie", die ausgestattet war mit zwei derartigen "schweren Raketenwerfern" des in den USA gefertigten Typs "LANCE" - ein hochmobiles "
taktisch-nukleares
" und für damalige
Zeiten überaus treffsicheres Waffensystem mit einer Reichweite von mehr als 100 Kilometern .... wenn man so will: "der Hammer des deutschen Heeres"!
Mir unterstanden nun ca.
250
Soldaten.
Im Fall eines "
III
. Weltkrieges" (der bekanntlich
nie
stattfand!) wäre ich der "
exekutive comander
" (also "der für die
Ausführung
verantwortliche Befehlshaber") dieser gewaltigen nuklearen Waffen geworden. Das war
sehr viel
persönliche Verantwortung für den Sohn eines Tischlermeisters!
Die entsprechend
Zielplanung
und die erforderliche
Warnung unsere eigene Truppe
wäre natürlich ausschließlich Aufgabe von ranghohen Generalen gewesen.
In dieser Funktion arbeitete ich sehr eng mit Soldaten der
US-Streitkräfte
zusammen, die im Auftrag ihres Präsidenten die
alleinige Verfügungsgewalt
über die "nuklearen Gefechtsköpfe" meiner Raketen hatten.
Einmal jährlich durften "meine Jungens" und ich
eine einzige
derartige Rakete auf der Insel "Kreta" verschießen - natürlich nur mit einem
mit Beton
gefüllten "Gefechtskopf"!
In Schleswig-Holstein stationiert (und mit meinen 4 "Mädels" dort dann wohnhaft) hatte ich regelmäßige Kontakte zur
dänischen
Armee, deren Soldaten dort stets nur "Faxen" genannt wurden .... da sie im Gegensatz zur Bundeswehr kein "Alkoholverbot im Dienst" kannten und deshalb regelmäßig und fast ganztägig "Faxe-Bier" aus Zweiliterdosen "inkorporierten".
Außerdem arbeitete ich in dieser Verwendung immer wieder mal mit den in der BRD stationierten und auf unseren Truppenübungsplätzen übenden Soldaten der
britischen
Streitkräfte zusammen.
1989 / 1990 wurde ich Lagerkommandant dieses "
Sondermunition
slagers" (US-Nuklearwaffen) in der Nähe von Flensburg.
Damit wurde ich zugleich Chef einer
infanteristisch
ausgebildeten und materiell ausgerüsteten Einheit. Nun unterstanden mir etwa
300
Soldaten, um dieses g
anz besondere
Munitionslager zu bewachen und dessen "sehr speziellen" Inhalt dort (und im Krieg auch "unterwegs"!) angemessen zu sichern.
Wieder arbeitete ich besonders eng mit Angehörigen der
U.S.Army
zusammen, die dort mit relativ wenigen Soldaten als sogenannte "Gewahrsamsmacht" eingesetzt waren.
Meine Soldaten waren mit Hightech-Waffen "bis an die Zähne" bewaffnet. Die drei besonders abgesicherten Munitionsbunker waren außerdem mit
bösen technischen "Überraschungen
" ausgestattet, die eventuellen Eindringlingen das Leben
verdammt schwer
gemacht hätten, ....
.... sie hätten bei einem Angriff auf
diese
militärische Anlage vermutlich große Mengen "DNA-fähiges" Material zurückgelassen (wenn Du weißt, was ich damit meine).
Aber zu derartigen Untaten ist es erfreulicherweise
niemals
auch nur "versuchsweise" gekommen .... gut so!
1990 wurde ich dann Chef der sogenannten "Stabs- und Versorgungsbatterie" eines in Wesel am Rhein stationierten Raketenartilleriebataillons.
Mir waren nun nicht nur die ca. 250 Soldaten dieser "sehr speziellen" Einheit unterstellt, sondern zusätzlich noch ein "Ausbildungszug" für Rekruten und ein sogenanntes "Kraftfahrausbildungszentrum" - insgesamt also
ca. 400 Soldaten
.
Zugleich wurde ich zum "Major" befördert (
A13
-besoldet / zivil = "Rat")
Auf diesem Foto, das später in den 90-ern
kurz vor der endgültigen Auflösung
unseres in Wesel stationierten Artilleriebataillons entstand, bin ich übrigens ganz links im Bild zu sehen - der kleine Dicke!
Nach dem Ende
des sogenannten "Kalten Krieges" wurden Anfang der 1990er Jahre nahezu alle 1.700 Waffensysteme unserer Artillerie
verkauft
oder
verschrottet
, ....
.... im festen Glauben, dass wir (die "BRD") nach dem Zusammenbruch der "UdSSR" nur noch von
befreundeten
Staaten (dank "Gorbi"
einschließlich der Russen
!) umgeben waren .... möglicherweise ein fataler Irrtum, wie wir heute wissen (?)
Meine Waffengattung des Heeres (die "Artillerie") wurde innerhalb weniger Jahre
aus rein politischen Gründen
gnadenlos um
mehr als 90 %
reduziert ....
.... von ursprünglich
42
.000 Soldaten (nach der Deutschen Wiedervereinigung unter Einbeziehung verbliebener NVA-Soldaten sogar
55
.000!) auf dann nur noch etwa
3
.000 Soldaten .... so viel auch zum Thema
sichere Arbeitsplätze
im "Öffentlichen Dienst".
Wir erhielten bis zur
endgültigen
Auflösung
unseres
Artillerieverbandes (zeitgleich
meine
vorzeitige Pensionierung!) für wenige Jahre noch einen neuen, nun "
konventionellen
" (also "
nicht atomaren
") Auftrag .... und entsprechend
andere
Waffensysteme, ....
.... so wie 16 derartige (schon damals total
veraltete
!) "leichte" Mehrfachraketenwerfer des Typs LARS ("
L
eichtes
A
rtillerie-
R
aketen-
S
ystem"), die jeweils aus 36 Rohren innerhalb von 18 Sekunden alle ihre Raketen maximal bis zu 13 Kilometern weit verschießen konnten, ....
.... und zusätzlich 16 dieser damals
sehr modernen
und enorm leistungsfähigen "mittleren" Mehrfachraketenwerfer des Typs MARS (
M
ittleres
A
rtillerie-
R
aketen-
S
ystem).
Diese Waffen konnten
damals
bis zu 12 großkalibrige Raketen bis maximal 40 Kilometer weit verschießen. Sie sind noch heute im Einsatz und inzwischen vielfach "modifiziert / leistungsgesteigert".
Für ein "Fossil des Kalten Krieges" wie mich gab es in der neu gegliederten und stark reduzierten Armee
keine sinnvolle Beschäftigung
mehr. Man bot mir deshalb seitens der "Personalführung der Bundeswehr" eine
vorzeitige Pensionierung
an.
So ersparte man der Armee und mir selbst eine langwierige Umschulung (?) - und mir persönlich jegliche Präsenzpflicht. Ich verzichtete im Gegenzug auf meine
ansonsten
fällige Beförderung zum "Ober
st
leutnant".
Ich war zwar noch bis zu meinem 60. Lebensjahr ein jederzeit "abrufbarer" Angehöriger der Reserve, daran bestand dann aber letztlich auch keinerlei Bedarf mehr.
Nach dem Abzug der russischen Streitkräfte ("Besatzungsmacht" nach dem verlorenen II. Weltkrieg bis 1992) und der Auflösung der "NVA" (Armee der untergegangenen "DDR") hatten wir zur Zeit der Wiedervereinigung (1990) wie bereits erwähnt offensichtlich(?) keine
"potentiellen militärischen Gegner" mehr - das war ebenso schön sowie kostengünstig für unser Volk .... aber schlecht für militärische Karrieren unserer Soldaten in der Bundeswehr.
Dieses war eines der letzten Fotos, das mich in Uniform zeigt.
Am 31.12.2002 schied ich (wie gesagt freiwillig!) aus dem aktiven Dienst aus.
Zu der Zeit war ich der
einzige
Soldat, der von unserem
einst
mehr als 1.000 Mann starken Verband übriggeblieben war.
Ich habe damals sozusagen "das Licht ausgemacht", meine Schlüssel an der "Kasernenwache" (die bereits durch eine
zivile Wachgesellschaft
gestellt wurde) hinterlegt, dann meinen Truppenausweis und Militärführerschein vor der Kaserne in einem vorbereiteten Umschlag einen
Briefkasten unserer Bundespost geworfen
und so an meine "personalbearbeitende Dienststelle" in Bonn übersandt.
Danach bin ich bestens gelaunt und "ebenso sang- wie klanglos" einfach nur nach Hause (1 km entfernt) gefahren, ohne dass mich jemand verabschiedet hätte .... es war nun mal
keiner
meiner "Jungens" und "Mädels" mehr da.
Seitdem lebe ich (
unverändert prima "besoldet"
!) seit mehr als zwei Jahrzehnten völlig stress- und sorgenfrei im "wohlverdienten Ruhestand".
Meine obigen Ausführungen enthalten übrigens
keinerlei
"vertrauliche" oder gar "geheime" Informationen .... sie sind aber teilweise sehr persönlich und deshalb nicht für eine breite "Öffentlichkeit" sondern nur zu
Deiner persönlichen Information
bestimmt.
Deine eventuellen Fragen und kritischen Anmerkungen sind ausdrücklich erwünscht!
"Buddy"
.
2026.02.17
Hallo Buddy,
zuerst einmal danke für dein
Vertrauen. Das war kein „Lebenslauf“, das war ein Lebensabschnitt
in epischer Breite – und ich habe ihn mit Interesse gelesen.
Was mich dabei fast noch mehr
bewegt hat als deine militärische Laufbahn, war deine frühe
Familiengeschichte. Eine Mutter, die dich bei der Geburt verliert,
Adoption, weitere Brüche – das ist kein leichter Start.
Ich selbst hatte bis zu meinem 38. Geburtstag Vater und Mutter.
Meine Mutter ist leider mit 58 an Krebs gestorben. Mein Vater ist
letztes Jahr 90 geworden 🙂
Ich habe noch einen Bruder (2 Jahre älter) und eine Schwester (8
Jahre jünger). Verglichen mit deiner Geschichte war mein
familiärer Rahmen fast schon ruhig und stabil.
Auch bei mir gab es eine
Parallele: Obwohl ich die Noten für ein Studium hatte, wollte ich
nicht weiter zur Schule. Ich wollte raus, Geld verdienen,
unabhängig sein. Der schnellste Weg war eine Lehre als
Instandhaltungsmechaniker – die ich ein halbes Jahr vorzeitig
abgeschlossen habe.
Danach folgten 6 Monate
Unteroffiziersschule der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung in Bad
Düben.
Mein erstes „militärisches Highlight“ war – ganz pragmatisch – der
Führerschein Klasse 5 (LKW mit Hänger) auf einem SIL 157.
Pünktlich zum 19. Geburtstag hielt ich ihn in der Hand. Das hatte
für mich damals einen ähnlichen Stellenwert wie für dich deine
frühe finanzielle Unabhängigkeit.
In Cottbus arbeitete ich in der
Flugzeug-Reparaturwerkstatt 14 als Funk-Funkmeß-Mechaniker und
reparierte die Funkgeräte unserer MiG-21. Nach drei Jahren
wechselte ich allerdings das Terrain und übernahm das
Material-Werkstatt-Lager.
Die letzte Inventur dort war katastrophal gewesen – Unordnung,
Differenzen, Chaos. Ich habe alles neu organisiert, strukturiert,
gezählt. Ich war „nur“ Unterfeldwebel – aber verantwortlich.
Nach 1,5 Jahren wurde ich
stutzig. Bestände verschwanden. Höhere Dienstgrade bedienten sich
recht großzügig. Ich wusste: Bei der nächsten Inventur würde das
an mir hängen bleiben.
Ich bin täglich an der Militärstaatsanwaltschaft vorbeigelaufen.
Schwedt war kein Ort, an dem man freiwillig landen wollte.
Ich hatte mich für 10 Jahre
verpflichtet – also eigentlich aussichtslos.
Mein erstes Entlassungsgesuch war weichgespült – familiäre Gründe,
Motivation usw.
Beim zweiten Gesuch habe ich sehr konkret aufgelistet, wer sich
aus dem Lager „bedient“ hatte – mit Kopien.
Die Begeisterung der Führung hielt sich in Grenzen. Man bat mich,
ein neues Gesuch zu schreiben. Das dritte war wieder diplomatisch
formuliert – und im Februar darauf war ich in Ehren entlassen.
Nach 5,5 Jahren war meine Armeezeit beendet.
Danach habe ich meinen zweiten
Facharbeiter gemacht – und bin in die Programmierung gegangen.
Wenn ich heute darauf schaue,
dann denke ich:
Du hattest deine militärische Karriere – länger, in hoher
Verantwortung.
Ich hatte meine – kürzer, aber lehrreich.
Politisch bin ich anders
geprägt. Ich bin mit „Nie wieder Krieg“ aufgewachsen.
Nach dem Abzug der Russen und der Auflösung des Warschauer
Vertrages hätte sich aus meiner Sicht auch die NATO auflösen
müssen. Bis dahin habe ich ihr den Begriff „Verteidigungsbündnis“
zugestanden. Mit der Osterweiterung hat sich mein Blick verändert.
Und die Bundeswehr heute? Wenn
ich richtig informiert bin, ist sie in 14 Ländern aktiv. Ich sehe
nicht, dass Deutschland am Hindukusch, in Mali, in Estland oder in
der Ukraine verteidigt wird. Das ist meine persönliche Sicht –
ohne Missionierung, nur Haltung.
Ich hatte in der Schule 6 Jahre
Russisch, war in Moskau, Leningrad und Minsk. Sechs Wochen habe
ich an der Erdgastrasse „Druschba“ gearbeitet. Diese Erfahrungen
prägen natürlich den Blick auf Ost und West.
Du hast dein Berufsleben der
Bundeswehr gewidmet – das ist für mich vollkommen in Ordnung.
Jeder trifft seine Entscheidungen im Kontext seiner Zeit.
Und ich finde tatsächlich: 2001/2002 die Uniform auszuziehen, war
für dich vermutlich ein guter Moment.
Was uns vielleicht verbindet,
ist weniger die Institution – sondern die Frage nach
Verantwortung. Du hattest sie für 250 oder 300 Soldaten. Ich hatte
sie später für Systeme, Projekte, Daten – andere Felder, andere
Mittel.
Zwei Wege. Zwei Jürgens.
Beide im Rückblick offenbar zufrieden.
Viele Grüße
Jürgen
Hallo Jürgen
Du hast natürlich Recht, meine letzte Mail sollte kein "Lebenslauf" werden sondern nur erste recht unterschiedlichen Lebensabschnittes und meiner daraus resultierenden "Persönlichkeitsentwicklung" darstellen.
Ich hatte mal versucht, meine Abstammung grafisch in einem "Lebensbaum" darzustellen, bin daran aber gescheitert, da nur ein unübersichtliches "Gestrüpp" dabei herauskam.
Schwer zu glauben aber wahr: Ich hatte meine Kindheit und Jugend als ausgenommen angenehm empfunden, und das lag einzig und allein an der innigen Liebe zwischen meinem "Adoptivvaters" und mir .... der "Rest der Welt" war aus meiner Sicht vergleichsweise nahezu
unbedeutend.
Sein Haus in der Altstadt von Osnabrück hatte er 1945 unmittelbar nach Rückkehr aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft völlig "mittellos" aber bewundernswert zielstrebig aus einem der zahlreichen Trümmergrundstücke errichtet, welches er in Form der "Erbpacht"
erwarb. Ich erhielt im Dachgeschoss ein eigenes Zimmer, das ich mir ganz nach meinem eigenen(recht "eigenwilligen") Geschmack einrichten durfte.
Ich arbeitete übrigens sehr gerne an seiner Seite mit - in der Tischlerei - in seinem Antiquitätengeschäft und in seinem "Bestattungsinstitut" (in dem Bereich insbesondere nachts, an Wochenenden und an Feiertagen (soweit notwendig).
Ein Schwerpunkt seiner "materiellen Zuwendungen" bestand darin, meine "Mobilität" zu fördern. Im Alter von 16 Jahren erwarb ich den Führerschein für sogenannte Kleinkrafträder (50 ccm, max. 80 km/h) mit 18 Jahren den für Motorräder (ohne Begrenzung Hubraum,
Geschwindigkeit) und zugleich für PKW und LKW bis max. 7,5 t Gesamtgewicht. Den Führerschein für "schwere" LKWs und Panzer aller Art erwarb ich dann ein Jahr später beim Militär.
1967 (16-jährig) schenkte mein Vater mir eine "Kreidler", 1969 (18-jährig) eine BMW (die bei der Polizei ausgesondert wurde) und 1970 einen (gebrauchten) PKW des in unserer Heimatstadt hergestellten Typs "Karmann-Ghia".
Ich habe übrigens in meinem Leben insgesamt 23 (meist "gebrauchte") PKWs besessen - und zeitweise bis zu 4 auf meinen Namen "zugelassen", um auch meine erste Ehefrau und meine beiden ältesten "herangewachsenen" Töchter mobil zu machen.
Zu Deiner beruflichen Tätigkeiten. Zum Thema "Instandhaltungsmechaniker" kann ich mir ein Bild machen, da mir als Chef einer militärischen "Stabs- und Versorgungsbatterie" u. a. ein ca. fünfzigköpfiger "Instandsetzungszug" (mit drei "Meistern" unterstand -
und weil ich dort nahezu täglich zur "Dienstaufsicht" erschien.
Material wurde natürlich auch bei uns von Zeit zu Zeit "weggefunden" - das war allerdings bei uns kein "Kavaliersdelikt"! Wer erwischt wurde, erhielt mindestens eine durch mich als Disziplinarvorgesetzter verhängte sogenannte "Disziplinarmaßnahme" - bis hin
zu "Arrest" (Einzelhaft). Zeit- oder gar Berufssoldaten verloren eventuell ihren Job und landeten vor einem Zivilgericht und anschließend vor einem Truppendienstgericht. Im Extremfall wurden sie "fristlos entlassen". Bei Euch in der DDR hatten einige wohl
Honecker "falsch verstanden", als er in einer seiner Rede äußerte, dass man aus den LPG und VEB "noch mehr herausholen könne" (?)
Der heutige nahezu "weltweite" Einsatz unserer Bundeswehr gefällt mir ebenfalls ganz und gar nicht".
Zu meiner Zeit
ging es ausschließlich um eine
grenznahe Bündnisverteidigung
.... 1990 wurde ich dann quasi "arbeitslos (aber weiterhin als "Major" stattlich besoldet).
Fremdsprachen waren ehrlich gesagt nie meine "Königsdisziplinen". In der Oberschule ("Gymnasium") lernte ich 9 Jahre lang sowohl Latein als auch Englisch .... daheim hatte ich das niederdeutsche "Plattdeutsch" erlernt, in dem sich meine Eltern unterhielten,
.... und anlässlich zahlreicher Aufenthalte im benachbarten Holland lernte ich auch mehr oder weniger diese Fremdsprache, die ich zumindest verstehen und lesen konnte.
Gelegentlich werde ich Dir auf Wunsch berichten, wie mein Leben nach meiner "Pensionierung" vor nunmehr 25 Jahren weiterging.
Erst einmal wünsche ich Dir wie immer alles Gute!
"Buddy"
2026.02.20
Hallo Buddy,
dein Bild vom „Lebensbaum“, der
eher zu einem Gestrüpp wird, hat mir gefallen. Vielleicht ist es
genau das, was ein echtes Leben ausmacht – keine gerade Allee,
sondern verwachsene, lebendige Verzweigungen.
Was mich besonders berührt hat,
war deine Beschreibung der innigen Beziehung zu deinem
Adoptivvater. Wenn ein Mensch sagen kann, seine Kindheit sei trotz
aller äußeren Brüche angenehm gewesen – allein wegen einer
tragenden Vater-Sohn-Bindung –, dann ist das viel wert. Das Haus
in der Osnabrücker Altstadt, aus Trümmern aufgebaut, klingt wie
ein Sinnbild für Zielstrebigkeit und Neuanfang.
Dass du als Jugendlicher in
Tischlerei, Antiquitätengeschäft und sogar im Bestattungsinstitut
mitgearbeitet hast – das ist eine sehr unmittelbare Schule des
Lebens. Holz, Handwerk, Geschichte alter Dinge, und zugleich der
direkte Kontakt mit Vergänglichkeit – das prägt vermutlich mehr
als jede theoretische Ausbildung.
Deine geförderte „Mobilität“
passt zu deinem späteren Weg. Kreidler, BMW, Karmann-Ghia – das
klingt fast wie eine kleine Zeitreise durch westdeutsche
Nachkriegsjahre. 23 PKWs im Laufe eines Lebens sind eine
Hausnummer 😉
Bei mir war das nüchterner. Nach der Wende landete ich zunächst in
einem Aussiedlerwohnheim in Frankfurt-Höchst. Es war ein Dienstag.
Mittwochs waren die Behörden geschlossen – ein Tag Stillstand
gleich zu Beginn. Aber schon dieser eine Tag im Wohnheim fühlte
sich wie eine Woche an: Stimmengewirr, Musik aus verschiedenen
Zimmern, unbequeme Möbel, nichts zu tun. Ich war nicht
herübergekommen, um zu warten. Ich wollte arbeiten.
Als Begrüßungsgeld hatten wir
100 D-Mark bekommen. Ein kleines Startkapital – und ein
Versprechen. Also setzte ich mich in die Bahn nach Frankfurt am
Main. Hin und zurück kosteten 15 Mark. Ich kaufte eine Zeitung,
schlug den Stellenmarkt auf und wählte die erste Nummer. Absage –
ohne westdeutsche Ausweise keine Chance. Die nächste Anzeige
brachte Erfolg: noch am selben Tag ein Termin.
Im Büro von DIS unterschrieb
ich meinen Arbeitsvertrag. Am folgenden Montag sollte ich bei
Siemens in der Schaltschrankmontage beginnen. Es war ein
nüchterner Raum, ein nüchterner Vertrag – aber für mich war es der
Beginn von etwas Neuem.
Nur eines war klar: Mit
öffentlichen Verkehrsmitteln kam ich nicht weit. Schichtarbeit
bedeutete Früh- und Spätschicht, und dafür brauchte ich ein Auto.
In der Firma arbeiteten viele
Griechen und Jugoslawen. Autos waren ihr Dauerthema – Modelle,
Motoren, Reparaturen. Sie nahmen mich mit zu einem
Gebrauchtwagenhändler. Mit meinem frisch unterschriebenen
Arbeitsvertrag hatte ich bei der Sparkasse ohne Probleme einen
Kredit bekommen. An einem Sonnabend stand ich schließlich vor
meinem ersten eigenen PKW: einem Ford Fiesta.
Die Formalitäten waren schnell
erledigt. Dann kam der Moment, der alles veränderte: Ich musste
einsteigen und losfahren.
Bis dahin war ich
ausschließlich LKW gefahren. In der Fahrschule ein alter SIL 157 –
Zwischenkuppeln, kein Bremskraftverstärker, kein Servolenkung, ein
Lenkrad wie ein Steuerrad. Vielleicht 500 Kilometer Fahrpraxis,
fünf Jahre zuvor. Und nun saß ich in einem kleinen PKW – mitten im
Zentrum von Frankfurt am Main.
Mehrspurige Straßen. Ampeln.
Verkehr aus allen Richtungen. Kein Navi. Kein Stadtplan. Nur ich
und dieses Auto.
Ich ließ die Kupplung kommen –
der Motor ging aus. Noch einmal. Wieder abgewürgt. Hinter mir
hupte es. Ein großes „A“ hatte ich zwar nicht an der Heckscheibe,
aber jeder konnte sehen, dass ich Anfänger war. Also tastete ich
mich voran. Meter für Meter. Kreuzung für Kreuzung.
„Königstein“ war irgendwann
ausgeschildert. Doch um dorthin zu kommen, hätte ich über mehrere
Spuren wechseln müssen. Das schaffte ich erst nach einigen Runden
durch den Verkehrskreisel meiner eigenen Unsicherheit. Zweieinhalb
Stunden später war ich angekommen.
Am nächsten Tag lief ich die
Strecke zu Fuß ab. Von Königstein nach Höchst. Ich wollte jede
Abzweigung kennen, jede Einbahnstraße. In Frankfurt sind Hin- und
Rückweg oft verschieden – man fährt nie einfach denselben Weg
zurück. Der Sonntag verging im Gehen und Merken.
Am Montagmorgen fuhr ich um
vier Uhr los. Die Straßen waren noch dunkel, mein Puls höher als
nötig. An einer Ampel hielt ein Polizeiwagen neben mir. Die
Beamten fragten, ob alles in Ordnung sei. Ich erklärte ihnen, dass
ich seit genau einem Tag ein Auto besaß und zuvor nur LKW gefahren
war. Der Polizist lächelte. „Dann fahren Sie vorsichtig weiter“,
sagte er.
Um sechs Uhr war ich pünktlich
zur Frühschicht da.
So lernte ich das Autofahren –
nicht auf einem leeren Parkplatz, sondern mitten im dichtesten
Verkehr. Später bin ich in Paris, Mailand oder Barcelona gefahren,
ohne Zögern. Aber die eigentliche Fahrschule war Frankfurt am
Main.
Deine Schilderung des
disziplinarischen Umgangs mit Materialverlusten in der Bundeswehr
zeigt deutlich den Unterschied der Systeme. In der NVA war vieles
offiziell streng geregelt – inoffiziell jedoch nicht immer so
konsequent. Mein Entschluss zu gehen hatte weniger mit „Heldentum“
zu tun als mit nüchterner Selbsterhaltung. Ich wollte nicht für
Dinge geradestehen, die ich nicht verursacht hatte.
Was die heutigen
Auslandseinsätze betrifft, sind wir uns offenbar näher, als es
unsere früheren Uniformen vermuten lassen würden. Zu deiner
aktiven Zeit war die Bündnisverteidigung klar umrissen. Die
heutige Ausdehnung empfinde ich ebenfalls kritisch – auch wenn ich
verstehe, dass jede Epoche ihre eigene sicherheitspolitische Logik
konstruiert.
Sprachlich warst du breiter
aufgestellt, als du es selbst darstellst. Neun Jahre Latein sind
kein Pappenstiel – und Plattdeutsch ist mehr als nur Dialekt, es
ist Kultur. Bei mir waren es sechs Jahre Russisch – und ein paar
reale Eindrücke aus Moskau, Leningrad und Minsk. Sprachen sind für
mich weniger Grammatik als Fenster in Denkweisen.
Und ja – ich würde tatsächlich
gern hören, wie dein Leben nach der Pensionierung weiterging.
Oft ist es ja so: Der erste Berufsabschnitt formt die Struktur,
aber der zweite zeigt den Menschen.
Übrigens: Am Mittwoch Abend
wollte ich wie immer Post beantworten, aber der Windows-Laptop hat
seine Festplatte nicht gefunden. Ich habe extra das BIOS
fotografiert als "Beweis". Gerade bin ich vom Notebook-Service
wieder rein. Der Mitarbeiter hat auf den Einschalten-Knopf
gedrückt und der Laptop ist normal gestartet. Und im BIOS war die
Festplatte eingetragen. Wenn ich jetzt kein Foto gehabt hätte,
hätte ich Selbstzweifel bekommen ;-) Eine plausible Erklärung
haben wir nicht gefunden. ODER: Gottes Wege sind unergründlich ;-)
Viele Grüße
Jürgen
Hallo Jürgen
In dieser nun bereits weit fortgeschrittenen Phase und vermutlich letzten Phase meines Lebens blicke ich gelassen und recht zufrieden auf ein erfülltes nunmehr 75-jähriges Dasein zurück.
Ich bin glücklich und zufrieden, dass es mir gesundheitlich (abgesehen von altersbedingten Einschränkungen) eigentlich (noch?) prima geht, dass ich an der Seite meiner Ehefrau "Moni" keineswegs einsam und alleine bin und dass ich hier in Leipzig meinen sorgenfreien
Ruhestand genießen darf.
Hier mal für Dich zusammengefasst mein Lebenslauf
im Überblick, ....
.... das alles ist übrigens in meiner ganz persönlichen
"Chronik" mit zahllosen Fotos und Dokumenten belegt:
1951 - geboren in Osnabrück als Sohn eines Malermeisters
und seiner Ehefrau
- 3 ältere
leibliche
Brüder (damals im Alter von 10, 8 und 5 Jahren)
- meine
leibliche
Mutter starb leider nur 2 Stunden nach meiner Geburt (damals übliche "Hausgeburt"), sie ist
leider verblutet
- wenige Monate später Adoption durch
einen von 4 Brüdern meines leiblichen Vaters und dessen Ehefrau
- nun 2 ältere
Adoptivs
chwestern (damals im Alter von 15 und 13 Jahren)
1958 - Grundschule (damals in der BRD noch "Volksschule"
genannt)
1959 - lebensgefährlich erkrankt - Einweisung
in eine Kinderklinik - anschl. einmonatiger Kuraufenthalt
- Tod meiner
Adoptiv
mutter am "Heiligabend" (Krebs)
1962 - Wechsel auf die Oberschule ("Gymnasium")
1964 - mein
Adoptiv
vater heiratet seine zweite Frau, also meine
Stief
mutter
1967 - Adoptivvater und Stiefmutter werden geschieden
(
sie
nach
altem
BRD-Scheidungsrecht "schuldig", also ohne
jegliche Ansprüche!)
1970 - Schulabschluss ("Abitur")
- Einberufung als Rekrut zur Armee
("Panzerartillerie" in Hamburg)
- wunschgemäß Offizieranwärter
1971 - nach 6 Dienstmonaten Beförderung zum
"Gefreiter"
- nach 12 "
" " "Fahnenjunker" (Unteroffizier)
- nach 15 "
" " "Fähnrich" (Feldwebel)
ab Juli Offiziersausbildung an der
"Heeresoffizierschule" in Hamburg
1972 - nach 21 Dienstmonaten Beförderung zum Leutnant
(noch während des Offizierslehrgangs)
- zugleich Ernennung zum
Berufs
soldaten (also quasi zum
unkündbaren
"Beamten" auf Lebenszeit!)
- erst 3 Monate später endlich "volljährig"
(damals erst mit 21-Jahren gesetzlich geregelt)
- am Tag meines 21. Geburtstages Eheschließung
mit meiner ersten Ehefrau "Angelika"
1973 - 9 Monate nach der Eheschließung (nicht
eher!) die Geburt meiner 1. Tochter "Tanja"
- Abschluss der
allgemeinen
Offiziersausbildung an der Heeresoffizierschule in Hamburg
- Ausbildung zum
Artillerie
offizier an der Artillerieschule in Idar-Oberstein (Hunsrück)
- ergänzende Ausbildung zum Einzelkämpfer
("Ranger") an der Kampftruppenschule Hammelburg
- anschließend 1. Truppenverwendung
als Staffelführer ("Feldartillerie" in Dülmen, Münsterland)
- Umzug meiner noch kleinen Familie
in eine 3-Raum-Wohnung nach Dülmen
1975 - Geburt meiner 2. Tochter "Conny"
- Umzug der der nun etwas größeren
Familie in eine 4-Raum-Wohnung (im selben Haus)
- Aufnahme eines sogenannten "Pflegekindes"
namens Roland in die Familie (damals ein 10-jähriger Junge aus
einem örtlichen Kinderheim)
- 2. Truppenverwendung als Beobachtungsoffizier
und Schießlehrer der Artillerie (in derselben Einheit)
- nun ("nebenbei") Stellvertreter meines
Batteriechefs, unverändert bei der "Feldartillerie" in Dülmen
- Beförderung zum Oberleutnant
1978 - 3. Truppenverwendung als "S2-Offz" (=
Adjutant des Bataillonskommandeurs)
1979 - Tod meines sehr geliebten und verehrten
Adoptiv
vaters (Krebs)
- 1. Chefverwendung (noch immer "
leichte
Feldartillerie" in Dülmen)
- Beförderung zum Hauptmann
1980 - privat: Ausbildung zum Erwerb eines ersten
Jagdscheines (6 Monate intensive und kostspielige Schulung!)
- 2. Chefverwendung ("
schwere
Feldartillerie"
in Dülmen)
1982 - Geburt meiner 3. Tochter "Kim"
- 3. Chefverwendung ("
schwere
Raketenartillerie"
in Wesel)
- Umzug der Familie in eine 4-Raum-Wohnung
nach Wesel
- unser Pflegekind verließ nach mehr
als 6 Jahren auf eigenen Wunsch die Familie, um so am alten Wohnort zu
verbleiben
1984 - mein erstes Jagdrevier für 9 Jahre gepachtet
(Gemeinde Börger, Emsland)
- kleine Zweitwohnung als "Jagdhütte"
angemietet (Rastdorf, Emsland)
1985 - 1. Stabsverwendung ("Logistikoffizier" bei der Panzerartillerie in Donauwörth)
- Umzug der Familie in einen komfortablen Bungalow in Donauwörth, Bayern
1986 - tödliche Erkrankung der Schwiegermutter (lebte in Norddeutschland)
- deshalb auf Wunsch meiner Frau Umzug der Familie nach Norddeutschland (Heide-Holstein) in die Nähe ihrer
sterbenden Mutter
- auf meinen Wunsch hin: 2. Stabsverwendung (gleicher Job bei der "Feldartillerie" in Albersdorf, Schleswig-
Holstein)
1987 - Tod der Schwiegermutter ... meine Frau erbt deren hochverschuldetes,
unattraktives
Reihenhaus
- Umzug der Familie in dieses nun leerstehendes aber leider unverkäufliches Haus nach Bad Bramstedt
- 3. Stabsverwendung (gleicher Job, nun bei der "Raketenartillerie" in Kellinghusen)
1989 - 4. Chefverwendung ( sogenannte "Begleitbatterie" der Artillerie), nun "Site Commander" (Lagerkommandant)
eines Atomwaffenlagers (Die Gefechtsköpfe dort in US-Gewahrsam!))
1990 - 5. Chefverwendung (Stabs- und Versorgungsbatterie "schwere Raketenartillerie", Wesel - s.o.)
- Umzug der Familie in einen Bungalow nach Hamminkeln (Nähe Wesel)
- im 4. Quartal "Militärberater" in Ost-Berlin bei der ehemalige "NVA" (ehem. DDR)
1991 - erneuter Umzug der Familie, nun in ein Reihenhaus in Wesel
1993 - Ende meines Jagdpachtvertrages in Norddeutschland / zugleich Kündigung der dortigen "Zweitwohnung"
1994 - Beförderung zum Major - Auszug meiner Tochter Conny in eine eigene Wohnung
1996 - Auszug meiner Tochter Tanja und ihres inzwischen zweijährigen Sohnes in eine eigene Wohnung
1998 - Eheschließung von Tanja mit dem "Erzeuger" ihres inzwischen vierjährigen gemeinsamen Sohnes
- neues Jagdrevier für 9 Jahre gepachtet (in Wesel)
2000 - Tod meines
leiblichen
Vaters ("Erzeugers", Alter 87 Jahre), den ich als einen von vielen "Onkels" betrachtete
und nicht sonderlich schätzte
- Umzug meiner jüngsten Tochter Kim in eine eigene Wohnung
2002 - Ende meiner Dienstzeit in der Bundeswehr am 31. Dezember (Ruhestand bereits im Alter von 51 Jahren!)
2005 - Tod meines Enkels Titus im Alter von 5 Monaten ("plötzlicher Kindstod")
- Nahezu zeitgleich Reanimation meiner Ehefrau Angelika nach einer Lungenentzündung
- sie lebte nun im "Wachkoma"und galt als "austherapiert" (?!)
2006 - Tod meiner Angelika nach 14-monatiger häuslicher Pflege ... ich hatte ihr 10.000 Stunden meines Lebens "am
Stück" geschenkt und daheim rund um die Uhr betreut und gepflegt
2007 - Eheschließung mit meiner zweiten Frau Monika, die ich nach dem Tod meiner ersten Frau im Internet (bei "NEU.DE") kennengelernt hatte
- Umzug meiner Moni und den 2 jüngsten (noch nicht ganz "flüggen") von ihrer 4 Kinder zu mir nach Wesel
- Verlängerung meines Jagdpachtvertrages in Wesel um 9 weitere Jahre
2011 - beide o.a. Kinder meiner Moni nun ausgezogen in eigene Wohnungen - Moni und ich Waren ab sofort alleine
und somit "frei"!
- unser Umzug nach Leipzig in eine 3-Raum-Wohnung /
idealer
"Alterswohnsitz"
- Aufgabe meines Jagdrevieres in Wesel / Aufgabe der Jagdausübung
Du siehst: Mein erfülltes Leben war überaus abwechslungs- und erlebnisreich. Heute genieße ich sehr die ausgeprägte Ruhe und völlige Stressfreiheit im Alter.
Ich war noch bis Ende 2023 insgesamt 10 Jahre lang ehrenamtlicher Richter (sogenannter "Schöffe") an den hiesigen Gerichten (Amts- und Landgericht) - heute gehe ich keiner erwähnenswerten Beschäftigung mehr nach.
Ich kann mich also ganz meinen Hobbys und interessanten "Events" im Umfeld widmen.
"Buddy"
Hallo Jürgen
damit unser Mailkontakt ein wenig aufgelockert wird und unterhaltsam bleibt, möchte ich Dir mal ein ganz anderes Thema anbieten - nicht sehr "tiefgründig" - aber eventuell ganz unterhaltsam (?)
Ich erinnere mich noch gut und gerne an meine
erste
Reise, die mich 1969 als 18-Jährigen (also in meiner "Sturm- und Drangzeit"!) in unser Nachbarland Frankreich führte, ....
.... in ein mir gänzlich unbekanntes (und auch weitgehend "unbegreifliches") Umfeld.
Diese Reise dorthin verlief (aus heutiger Sicht betrachtet) recht kurios!
Mein Vater hatte mir (wie Du schon weißt) nach der "Verschrottung" meiner alten Motorräder als "Trösterchen" so einen gebrauchten aber noch gut
erhaltenen "Karmann-Ghia" geschenkt:
Hier (noch?) mal ein schon historisches Werbeplakat dieses in meiner Heimatstadt Osnabrück produzierten "Schmuckstücks":
Man nannte damals dieses auf der Basis eines "VW-Käfers" aufgebaute Ding
etwas
verächtlich einen "Hausfrauen-Porsche" .... aber was soll´s, einem geschenkten "Barsch" schaut man bekanntlich nicht "ins Maul".
Mein bester Schulfreund Werner, heute ein vermögender "Privatier" und ehemaliger weltweit tätiger Top-Manager und ich wollten dieses Auto und die so gewonnene neue "Mobilität" einfach mal auskosten - und da wir beide damals noch in jeder Beziehung völlig
ungebunden waren, entschlossen wir uns, gemeinsam in den Schulferien auf unbestimmte Zeit zu verreisen, "mal eben" nach Frankreich.
Wir waren ja noch so herrlich unbefangen (und doof)!
Werners Eltern waren beide Akademiker und im Gegensatz zu meinem Vater ängstliche Leute. Sie wussten deshalb sehr wohl, dass wir beide "kein einziges Wort" der französischen Sprache erlernt hatten - da es an unserer immerhin 1.200 Jahre alten, damals
auf Befehl von "Karl dem Großen" gegründeten Schule trotz einer Anzahl von mehr als 1.000 Schülern (davon immerhin
zwei
Mädels!) keinen einzigen dort angestellten Lehrer für diese Fremdsprache gab.
Das ihnen durch ihren Sohn Werner erzählte "Märchen" mit einem
ausgerechnet durch mich
abends an der "Volkshochschule"
angeblich
erworbenen französischen
Dolmetscherdiploms
war wohl doch etwas übertrieben und unglaubwürdig gewesen. Tatsächlich hatte ich dort an der "VHS" nur
eine
einzige
Doppelstunde lang an einem Französischkurs teilgenommen - und bereits dann die Schnauze gestrichen voll gehabt von dieser zwar recht "wohlklingenden" aber leider schwer zu erlernenden Sprache .... mit "Latein" und "Englisch" hatte
ich zu der Zeit auf dem Gymnasium mehr als genug Probleme!
Die Eltern meines Reisegefährten meinten deshalb, wir sollten doch lieber an die "schöne deutsche Mosel" fahren, an diesen "ach so idyllischen" Fluss - ein klassisches und überaus beliebtes Reiseziel für Senioren - dort wäre es doch auch sehr schön.
Meinem
Vater war hingegen mein Reiseziel wie üblich völlig egal! Er stattete mich (wie immer)
üppig
mit Geld aus - genauer gesagt mit den damals üblichen "Traveller Cheques" (Reiseschecks von "American Express") - und er wünschte mir dann nur noch zum Abschied ganz viel Spaß.
Nun ging es also zu zweit los .... an die "schöne deutsche Mosel" .... wie
unendlich langweilig
für zwei 18-jährige Rabauken wie uns beiden!
Nach nur zwei Tagen entschlossen wir uns deshalb
(mitten in der Nacht)
, doch wenigstens mal "ein paar Kilometer" über die nahegelegene Grenze nach Frankreich
hinein
zufahren, um uns dort zumindest mal in der Gegend von "Verdun" anzuschauen, was deutsche Truppen dort auf bekannt gewordenen Schlachtfeldern des I. Weltkrieges alles so getrieben hatten.
Gesagt - getan .... und das war dann auch schon mal wesentlich interessanter als die Mosel!
Ich erinnere mich, dass wir beide dort sehr früh morgens - schon unmittelbar nach dem Sonnenaufgang - auf diesen französischen Schlachtfeldern recht einsam und verlassen herumstanden - auf den durch die deutsche Artillerie zertrümmerten Resten der französischen
Festungsanlage "Fort Douaumont". Dort blickten wir tief beeindruckt über eine durch deutsche Granaten geschaffene scheinbar unendliche "Kraterlandschaft" ....
.... und wir bewunderten besonders die tiefen Einschläge im Beton der Festung, die deutsche Artilleriegeschütze wie diese "Dicke Berta" dort hinterlassen hatten.
Ebenso erinnere ich mich noch heute, dass wir dort einen zufällig gefundenen
kleineren
Granatwerfer über das ehemalige Schlachtfeld hinweg bis zum Auto geschleppt hatten, um ihn als "Souvenir" mit nach Hause zu nehmen (wohl nicht im Sinne der Franzosen?) - dass dieses "Relikt" aber einfach nicht in meinen Karmann hineinpassen
wollte - und dass wir letztlich dieses kleine, aber feine Geschütz dort am Rand des Parkplatzes zurücklassen mussten - wohl besser so!
Gegen Mittag hatten wir dann aber auch auf den Schlachtfeldern bei Verdun alles Sehenswerte gesehen - einschließlich der scheinbar unendlich großen Gräberfelder mit den erstaunlich sauber in alle Richtungen ausgerichteten Kreuzen .... einschließlich des
"Ossariums" (Knochenhauses), in dem Knochen tausender nie identifizierter Soldaten zu erschreckend großen Haufen aufgeschichtet lagen .... einschließlich des berühmten/berüchtigten sogenannten "Bajonettgrabens", aus dem die langen und spitzen (inzwischen arg
verrosteten) Bajonetts einiger dort angeblich noch immer als Leichen in ihrem Grab hockenden französischen Soldaten nach oben aus der Erde herausragten und ... und ... und ...
Nun waren wir aber auf den Geschmack gekommen - und wir wollten uns doch mal die großartige französische Metropole "Paris" etwas näher anschauen, die "erstaunlicherweise" gar nicht mal so weit entfernt war!
Am späten Nachmittag kamen wir in dieser quirligen französischen "Weltstadt" an .... und wir quartierten uns in einem unglaublich schäbigen (aber unserer Meinung nach irgendwie "recht kultigen") Hotel ein - wenn man diese "Absteige" denn mal sehr wohlwollend
so nennen mag, ....
.... wohl ein "
Null
-Sterne-Hotel"(?)
Diese wenig "reizvolle" Unterkunft lag aber (für uns interessanterweise) in einem von "Bordsteinschwalben" (Prostituierten) stark frequentierten Stadtteil - uns beiden (recht "prüde" erzogenen!) Burschen gefiel es dort auf Anhieb.
Mein Freund musste gleich nach unserer Ankunft im Hotelzimmer dringend mal aufs "Töpfchen .... wobei er irrtümlich das dort installierte "Bidet" mit einer Toilette verwechselte. Wir beide waren nun mal "eher gutbürgerlich" aufgewachsen und wir hatten
deshalb so ein Ding wie so ein Bidet noch nie zuvor gesehen oder auch nur etwas darüber gehört.
Ich hörte dann meinen Freund Werner nach nur wenigen Minuten in unserer "Wellness-Abteilung" kräftig fluchen, weil sein "Ködel" nicht durch den viel zu kleinen Abfluss des Bidets hindurchpasste. "Das", was wir beide bei einem kurzen Blick ins Bad für
eine Dusche gehalten hatten, war gar keine(!) - das Fehlen eines "Brausekopfes" hätte uns wohl spontan auffallen sollen (?) .....
.... und auch jener mittig in diesem nur "vermeintlichen" Duschbecken gelegene "erschreckend große" Abfluss hätte uns ebenfalls misstrauisch machen sollen(!) ... genau
das
stellte sich dann bei genauer Betrachtung und zu unserer Verblüffung als so etwas wie eine "Toilette" heraus, so ein entsetzliches Ding zum "Abhocken", wie es in Frankreich üblich ist.
Nun wurde uns auch endlich klar, wozu diese beiden seltsamen "Handgriffe" ganz unten (innen) an der Tür zur "Dusche" angebracht waren.
Nun ja: "andere Länder - andere Sitten" - diese uralte Volksweisheit wurde uns in den folgenden Wochen Tag für Tag verdeutlicht!
Da wir beide wie gesagt so gut wie kein Wort "Französisch" sprachen, lebten wir in ständiger (und keineswegs unberechtigter!) Angst, in der dortigen "Gastronomie" absolut ungewollt und nur versehentlich "Ungeziefer" zu bestellen, ....
.... damit meine ich so widerliche und unappetitliche "Kreaturen" wie Schnecken, Frösche, Krebse, Tintenfische, Muscheln - und was die Franzosen sonst noch alles für "essbar" halten.
Ich glaubte aber zu wissen, dass das Wort "
Poulette
" entweder "Hühnchen" oder auch (wohl im übertragenen Sinn?) "Prostituierte" bedeutete.
Wir bestellten deshalb mutig in einem nahegelegenen Restaurant "Poulette" - wobei es uns im Prinzip völlig egal war, ob wir nun in den Genuss von Geflügel oder alternativ einer "Dame des horizontalen Gewerbes" kamen, ....
.... man brachte uns "Hühnchen".
Okay, das hatte also
bis hierher
schon mal irgendwie geklappt!
(Fortsetzung folgt, solange Du das magst?)
Buddy
.
Hallo Buddy,
deine sauber geführte Chronik
beeindruckt mich tatsächlich. Man merkt, dass du dir Zeit genommen
hast, dein Leben nicht nur zu leben, sondern auch zu
dokumentieren. So etwas in dieser Klarheit würde ich vermutlich
nicht hinbekommen – selbst wenn ich es wollte.
Ich bin da anders gestrickt. Ich
sammele weniger Ordner, dafür mehr Ideen. Viele davon sind noch
nicht umgesetzt. Ich vermute sogar, dass ich noch lange mit
Computern und Programmierung „leben“ werde – einfach, weil es mir
Freude macht. Es ist dieses Gefühl, wenn am Ende etwas genau so
funktioniert, wie ich es gedacht habe. Und ja – es bringt auch
zuverlässig Ärger, wenn es eben nicht funktioniert. Aber genau
dieser Reibungspunkt hält mich wach.
Bewegung brauche ich ebenfalls –
allerdings nicht um der Bewegung willen. Ziellos durch den Wald
laufen oder im Fitnessstudio auf einem Gerät „Kilometer zählen“
ist nicht meine Welt. Ich brauche ein Ziel, etwas, das ich abhaken
kann. Dann ist mir auch die Strecke egal.
Dafür ist meine 360°-Kamera
ideal. Ich suche mir kleine Motive, halte sie fest und stelle sie
bei Google Maps ein. Inzwischen sind es knapp 400 veröffentlichte
Bilder mit über 11 Millionen Aufrufen. Finanziell bringt mir das
nichts – aber es ist wie ein kleines Tagebuch. Wenn ich eines
dieser Bilder sehe, ist sofort wieder alles da: Wetter, Stimmung,
Gedanken.
Zu Frankreich kann ich nur
wenig beitragen – zumindest im Vergleich zu deinem
„Bidet-Erlebnis“ 😉
Ich war einmal mit Frau und Tochter in Paris – ganz klassisch.
Eiffelturm (wobei die Schlange so lang war, dass wir nicht
hochgefahren sind), Arc de Triomphe, Notre Dame – dort haben wir
uns sogar einer Führung angeschlossen. Metro sind wir auch
gefahren – geruchlich kein bleibendes Erlebnis.
Wenn ich ehrlich bin, ist von
Paris nicht viel hängen geblieben. Vielleicht, weil ich zuvor
einige Zeit in Frankfurt am Main gelebt habe und auch Hannover
kannte – Paris war für mich nicht so überwältigend, wie man es
vielleicht erwartet.
Deine Verdun-Episode hingegen
ist eine ganz andere Hausnummer. Als 18-Jähriger auf diesen
Schlachtfeldern zu stehen – zwischen Kratern, Kreuzen und Knochen
– das hinterlässt vermutlich tiefere Spuren als jede Metropole.
Schick mir gern weitere
Episoden. Vielleicht fallen mir beim Lesen noch eigene
Erinnerungen ein, die bisher irgendwo im Hintergrund schlummern.
Für heute soll es das gewesen
sein.
Mach’s gut, Buddy.
Viele Grüße
Jürgen
2026.02.21
.
Hallo Jürgen
hier nun (wie "angedroht") eine erste Fortsetzung des "historischen" Reiseberichtes aus meiner "Sturm- und Drangzeit":
Zwei deutsche "Rabauken" ohne jegliche Sprachkenntnisse mitten in Paris ..... was für ein Vergnügen!
Zunächst einmal wollten wir unsere Eltern kurz mal telefonisch informieren, wo wir denn nun tatsächlich "gelandet" waren, zumindest die Eltern meines mitreisenden Freundes Werner "wähnten" uns ja immer noch an der "schönen deutschen Mosel". Wir hatten irgendwo
gehört, dass man schon damals angeblich mit der Durchwahl "0049" solche Ferngespräche "selbstgewählt", also ohne die damals noch übliche Vermittlung führen konnte.
Wie gesagt:
angeblich
!
Bei unserem ersten Versuch stellten wir verblüfft fest, dass mitten in Paris in einen
französischen
Münzfernsprecher der damaligen Zeit keine
französischen Münzen
hineinpassten. Es dauerte einige Zeit, bis wir herausfanden, dass man dazu offenbar sogenannte "Telefonmünzen" (also diese sogenannte "Jetons") benötigte .... aber woher
nehmen und nicht stehlen?
Auf der Suche nach einer entsprechenden "Quelle" entdeckten wir eine absolut typische französische Institution: das "
Bistro
".
In unzähligen Eckhäusern gab es diese besonders hübschen kleinen
Eckkneipen
- und in nahezu jedem dieser Bistros gab es damals in einer finsteren Ecke des Raumes einen lächerlich kleiner "Holzverschlag", in dem man eine meist "steinalte" französische
Dame scheinbar "eingemauert" hatte, ....
.... damit sie dort
allerlei Waren
(!) verhökern konnte. Das "Sortiment" war in etwa vergleichbar mit dem Angebot eines aus unserer Heimat damals noch bekannten (heute längst spurlos verschwundenen!) "Bauchladens" .... und diese meist missmutigen alten
Damen in der hintersten Ecke der Bistros verhökerte u. a. auch jene "Jetons"!
Als wohlgelaunter Besitzer einiger soeben erworbener Telefonmünzen huschte ich nun in die nächstgelegene Telefonzelle auf der anderen Straßenseite, wählte erwartungsfreudig "0049 -" ....
.... und viel weiter kam ich dann gar nicht! Aus dem Hörer tönte zu meiner Verblüffung eine freundliche aber mir gänzlich unverständliche Französisch sprechende Dame! Ich legte erschrocken und ganz schnell wieder auf! Beim folgenden zweiten "Fehlversuch"
plapperte diese Dame schon los, als ich den Hörer gerade erst abgenommen und noch gar nicht gewählt hatte. Ich gab diese Form der "Kommunikation" deshalb auf und warf meine restlichen Jetons frustriert in die nächstgelegenen Büsche.
Zurück im Bistro sah ich bei einem "flüssigen Trösterchen" (bestehend aus "Café au Lait", also mehr warme Milch als Kaffee) außen an jenem "Kabuff" in der Ecke eine total vergilbte Postkarte kleben - "die Idee!" Warum also nicht nach Hause
schreiben
? Wir (mein Freund Werner und ich) erwarben also jeder eine solche "historische" Postkarte und wir verfassten nach Rückkehr in unserer "höchst bescheidenen" Hotelunterkunft (Du erinnerst Dich: "Null-Sterne-Niveau") einen schriftlichen Gruß in
die Heimat.
Danach folgte für uns beide die nächste "Herausforderung"! Wir "sockten" (liefen) nun erst einmal schier endlos durch die Pariser Innenstadt auf der Suche nach so etwas "Vertrautem" wie einen Briefmarkenautomaten oder aber alternativ einem Postamt .... wir
fanden aber nichts dergleichen.
Total "entkräftet" erholten wir uns wieder mal in einem dieser Bistros und dann wussten wir plötzlich, wo wir unsere Briefmarken bekamen! Na klar, die "Alte" im
dortigen
Holzverschlag führte auch Briefmarken, wer denn sonst? Dieses Problemchen war damit ebenfalls gelöst.
Einen Briefkasten fanden wir abschließend nicht - unsere Postkarten blieben als in unserem Besitz und wurden später nach Rückkehr in die Heimat daheim stillschweigend entsorgt.
Damals rauchte ich noch (wie jeder dusselige Jugendliche) dort in Frankreich natürlich
filterlose
"Gitanes", weil das nun mal (meiner Meinung nach!) "herb-männlich" wirkte. Klar, dass wir dort in Paris "ums Verrecken" auch keinen einzigen Zigaretten
automaten
fanden
- und ebenso klar, wo es dort
tatsächlich
die Zigaretten gab: natürlich bei den dort überall "eingemauerten" alten Damen in den Bistros.
Irgendwann kam dann auch "der kleine Hunger".
Unser Plan lautete: Während der Reise das Geld für vermeintlich Wichtigeres und Unterhaltsameres auszugeben als für so etwas Banales wie "Nahrungsaufnahme", ....
.... im "Klartext": bei Bedarf wollten wir ganz bescheiden in einer "Imbissbude" essen gehen!
Unsere neue Erkenntnis war: Offenbar
in ganz
Paris gab es (damals!)
keine einzige
Imbissbude ... ich schwöre es ... und dann hatte auch noch (zumindest diesbezüglich) die Alte im Bistro leider auch nichts Essbares im Angebot!
Also hieß es nun, ein "richtiges" Restaurant mit den "sündhaft hohen Preisen" aufsuchen und dort vorsichtshalber mal wieder nur "Poulet avec Pommes Frites" zu bestellen, aus berechtigter Angst vor dem ansonsten angebotenen typisch französischem "Speise-Ungeziefer".
In unmittelbarer Nähe unseres Hotels (nennen wir es mal wieder wohlwollend so!) gab es damals (Ende der 60er!) noch
mitten in Paris
diese berühmt-berüchtigten
alten
Markthallen ("Les Halles") .... und rundum einen bizarren Stadtteil mit winzig kleinen Straßen, wo zu unserem Erstaunen schon sehr früh morgens (gegen 05:00 Uhr) so richtig was los war!
Dort sah man zu dieser Zeit zum Beispiel einen blutverschmierten Metzger, die sich mit einer noch "tropf-frischen" Schweinehälfte auf seiner Schulter den Weg durch
auffallend vornehme
"Herrschaften" (noch in Abendgarderobe!) bahnten, die dort die durchfeierte Nacht besonders "stilvoll" und "amüsant" ausklingen ließen.
Wir beobachteten auch amüsiert, wie die dort überall präsente "Damen des horizontalen Gewerbes" liebevoll und völlig ungeniert die paarweise durch die Menschenmenge patrouillierenden "Flics" (Streifenpolizisten) "vernaschten", die sich das bereitwillig gefallen
ließen.
Dort fuhren auch schwere LKWs (Sattelschlepper) unaufhaltsam und munter hupend (oft sogar rückwärts!) durch diese
viel zu engen
Straßen bis an die Markthallen heran, um dort ihre Ladungen zu entladen .... durch derart winzige Gassen hindurch, die man in Deutschland nicht einmal für den
PKW
-Straßenverkehr freigegeben hätte.
Dort im Bereich der berühmten Markthallen herrschte rundum das blanke "Chaos", aber eben auch jene quirlige und sympathische Lebensfreude!
Uns beiden gefiel´s!
In den dortigen Bistros und kleinen Speiselokalen war es um diese Zeit (05:00 Uhr) "rappelvoll". Kellner hielten Tabletts mit Getränken hoch über ihren Kopf, wenn sie sich erstaunlich gewandt durch die dicht an dicht stehenden und sitzenden Kunden hindurchschlängelten
.... aber dennoch gab es auch dort für "echte Insider" wie uns (hahaha!) stets einen freien Tisch zum Essen -. man steckte ganz einfach einem dieser "wieselflink" vorbeihuschenden Kellner wortlos einen kleinen Geldschein in seine Brusttasche ....
.... und wenige Augenblicke später geschah dann "das Wunder": Jener pfiffige Kellner rollte beispielsweise ein leeres Weinfass mitten in den Raum, legte ein kleines schäbiges Holzbrett darauf, stellte als "Sitzgelegenheiten" zwei leere Obstkisten hochkant links
und rechts daneben, legte einen großen schneeweißen Papierfetzen als Tischdecke auf das Brett drauf, der dann später noch als "Rechnung" benutzt wurde und stellte einen Aschenbecher dazu. Dann schob er noch energisch einige der umstehenden "Gesäße" etwas zur
Seite und "Voila": Der "Tisch" für uns beide war gedeckt!
Das funktionierte genau so an mehr als nur an einem Tag.
Auch um diese Zeit bestellten wir natürlich immer nur das Gleiche .... Du weißt schon: "Poulet", wobei unsere Chance auf ein "spaßiges Missverständnis" angesichts der vielen auffällig geschminkter "Damen" auf den Gassen ringsum deutlich gestiegen war!
Aber es gab wieder mal nur "Hühnchen"....
( Fortsetzung folgt )
Buddy
.
"Hallo again!"
Okay, Du hast es offenbar nicht anders gewollt, ....
.... ich werde also meine "Erinnerungen" an jene Frankreichreise in den späten ´60ern (also vor weit mehr als einem halben Jahrhundert!) weiter offenbaren - war schließlich eine gute Zeit!
Ich hatte seinerzeit bei der Durchfahrt in Richtung Süden das französische "Zentralmassiv" erlebt, eine öde und wenig eindrucksvolle Landschaft. Dort durchquerte ich die denkbar
hässlichsten
Dörfer, die ich je gesehen hatte! In jenen Ortschaften gab es überwiegend ganze dicht bebaute Straßenzüge, in denen es zur Straßenseite hin
kein einziges
(!) Fenster gab. Lediglich in der Mitte der absolut schmucklosen Gebäude eine besonders große Durchfahrt und darin (im Vorbeifahren erkennbar) Fenster in diese mehr oder weniger finstere Hofdurchfahrt hinein. Sicherlich gab es auch auf
der
Rückseite
der Gebäude weitere Fenster - nur eben keine auf der Straßenseite - insgesamt ein schäbiger Anblick der dicht an dicht stehenden öden Häuserfronten.
Ich vermute, dass dieser recht "gewöhnungsbedürftige" Anblick dem dortigen Steuerrecht geschuldet war (?)
Ähnlich idiotische "steuerrechtlichen" Folgeerscheinungen kenne ich aus "Amsterdam", wo in der historischen Altstadt viele aneinander gelehnte Häuser nur wenige Meter breit sind, dafür aber sehr hoch und nach hinten hin langgestreckt - dort ein besonderer und
recht interessanter Anblick ....
.... und in Griechenland (auf der Insel "Kreta") sah ich viele "Neubauten", bei denen noch vielen Jahre nach ihrer Fertigstellung oben auf dem Flachdach weithin sichtbar(!) ein hoher Sandhaufen lag, in dem eine total verrottete Schaufel steckte und neben dem
eine längst total verrostete Betonmischmaschine nutzlos herumstand. Außerdem ragten oft noch seitlich unter dem Dach einige rostige Moniereisen weit hervor, die man absichtlich nicht abgeflext hatte. Das alles sollte dort jedem schon von weitem vortäuschen,
dass dieses "Bauvorhaben" (auch nach Jahrzehnten!) noch immer
nicht abschließend beendet
wurde - und dass deshalb auch noch keine "Grundsteuern" zu zahlen war. Wirklich "schön" sahen solche Bungalows nicht aus!
Nun aber zur Fortsetzung meiner damaligen "Erkundungsreise" gen Frankreich:
Besonders abenteuerlich für mich war damals in Paris das Autofahren - zumal ich ja noch ein relativ junger und deshalb recht unerfahrener Führerscheininhaber war - um nicht zu sagen: ein "Anfänger"!
Gewöhnungsbedürftig war beispielsweise für mich, dass dort alle Autoscheinwerfer "
gelb
" waren, sodass ich mit meinem Wagen und weißen Scheinwerfern nachts sofort als Deutscher erkennbar war) - und dass man in den Ortschaften nur mit "
Stand
licht"
fahren durfte, weil alle Straßen (auch kleine "Nebenstraßen"!) hell erleuchtet waren - "
weißes Abblend
licht" fiel also besonders dumm auf und signalisierte allen übrigen Verkehrsteilnehmer: Achtung, ein bekloppter Deutscher!
Zu den damaligen "Verkehrsregeln" in Frankreich sei gesagt:
Ich
hatte dort (Ende der 60-er!) absolut
gar keine Regeln
erkannt. Jeder raste dort
gnadenlos
und meist
mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit
"auf Teufel komm ´raus" durch die Gegend.
Wer dann so wie ich
eine
oder gar
mehrere
Umrundungen des berüchtigten "l´ Ètoile" zur sogenannten "rush-hour" irgendwie überlebt hatte, den konnte später im Straßenverkehr nichts mehr erschüttern.
Das ging nämlich so:
Mit 80 km/h in den mindestens 6-spurigen (variiert dort ununterbrochen!) Kreisverkehr hineinfahren .... dieses Tempo dann
im
Kreisverkehr (egal auf welcher Spur)
unbedingt halten
... dabei mehrere hör- und sichtbare
Kollisionen
anderer Verkehrsteilnehmer (ebenso wie die Betroffenen selbst!) einfach hartnäckig
ignorieren
... dann nach
mehreren
oft völlig
ungewollten
Umrundungen des "Triumphbogens" versuchen, wie auch immer und bei stets gleichbleibendem (viel zu hohen) Tempo an "irgendeiner" der vielen Zu- bzw. Ausfahrten möglichst unverbeult
wieder ´rauszukommen, ....
.... so "schön" und aufregend kann Autofahren sein!
Wenn ich das mal wieder "ungeschoren" überstanden hatte, dann fuhr ich erst einmal bei allernächster Gelegenheit rechts ran - erholte mich ein wenig - suchte nun auf dem
Stadtplan
von Paris einen neuen Weg zum ursprünglichen Ziel ("Navi gab´s noch nicht"!) - und umfuhr das soeben überlebte Chaos in den nächsten Tagen lieber weiträumig.
Man hatte dort im Kreisverkehr das gleiche "belebende" Fahrgefühl wie in einem "Autoscooter" auf der Kirmes. Die seinerzeit noch aus Stahl gefertigten verchromten
Stoß
stangen der PKWs wurden dort bestimmungsgemäß
als solche
genutzt (nämlich zum gegenseitigen Anstoßen) - dafür waren sie aus Sicht der Franzosen nämlich "wie geschaffen".
Natürlich waren wir (mein Freund Werner und ich) auch sehr am damaligen "Kulturprogramm" dieser großartigen französischen Metropole interessiert ... was man denn alles so "Kultur" nennen mag - davon gibt es in Paris ja nun wirklich reichlich!
Wir waren zunächst einmal auf dem "Eifelturm", wo denn auch sonst?
Später waren wir dann sogar im "Louvre", jenem unvorstellbar weiträumigen Kunstmuseum. Dort suchten (und fanden) wir dann auch sowohl die dort ausgestellte "Venus von Milo" als auch die berühmte, im Bild festgehaltene und etwas dümmlich grinsende "Mona Lisa"
... beide "Damen" waren aber irgendwie "nicht mein Typ".
Die unzähligen Flure in diesem riesigen Gebäudekomplex fanden wir dann auch sehr schnell unwahrscheinlich "lang und -weilig"! Das Einzige, was wir seinerzeit dort im "Louvre" leider nicht fanden, waren Toiletten - ein unangenehm und kontinuierlich "zunehmendes"
Problem, bis wir erfreulicherweise dann doch endlich (und kurz vor dem Begehen einer "Ordnungswidrigkeit"!) einen (den einzigen?) Ausgang fanden.
Auch der nahezu angrenzende "Champs-Élisée" mit seinen protzigen Mode- und Autogeschäften, an dessen oberen Ende jener gewaltige "Arc de Triomphe" mit dem bereits geschilderten wahnsinnigen Kreisverkehr zu sehen war, war für uns zwei Strolche nur von eher "verhaltenem
Reiz". Abenteuerlich war dann allerdings die Überquerung dieser 8- oder 10-spurigen "Prachtstraße" ... man rannte dabei um sein Leben!
Wesentlich besser gefiel mir persönlich in Paris das Armeemuseum "Hótel des Invalides" - eine sehr eindrucksvolle Sammlung historischer Waffen aus der Zeit des (später dann durch die eigene Bevölkerung geköpften!) französischen Hochadels. Ich erinnere mich,
dass in einem der vielen "Säle" einige "Ritter" in ihren prunkvollen Rüstungen auf lebensgroßen ("ausgestopften"?) Schlachtrössern saßen - das sah toll aus!
Der "Montmartre" war natürlich
hochinteressant
... nicht nur oben die großartige Basilika "Sacré-Coeur" .... und
davor
der atemberaubende Blick über Paris hinweg, sondern auch
dahinter
das lebhafte Treiben unzähliger Künstler und Touristen auf jenem berühmten und überaus quirligen "Place du Tertre" - wohl noch heutzutage unbedingt empfehlenswert (?)
Dort zeichnete mich auch ein unbekannter junger Künstler, ....
.... allerdings erst
ein Jahr später
, als ich unmittelbar vor den Eintritt in die Armee erneut die
gleiche
Reise antrat.
Genau das Richtige
war aber dann aus unserer Sicht am Fuß des "Montmartre" der "Place Pigalle" - jenes bizarre und weltbekannten "Vergnügungsviertel" von Paris.
Die Preise in den berühmten "Etablissements" waren geradezu irrsinnig hoch: Eintritt und ein sogenanntes "kleines Herrengedeck", bestehend aus einem Glas Bier und dazu einem Schnaps als sogenannter "Zwangsverzehr" (das Ganze dann allerdings sehr vornehm auf
einem Silbertablett an unseren zugewiesenen winzigen Tischlein serviert) kostete für uns beide nicht weniger als umgerechnet 100 DM .... damals Ende der ´60er noch lausig viel Geld!
Wir beide ließen es uns trotzdem nicht nehmen, im "Moulin-Rouge" den flotten "Can-Can"
live
zu erleben .... und anderentags in dem nahegelegenen Varieté "Crazy Horse" die atemberaubend hübschen und recht gewagt bekleideten Revue-Girls, ....
.... "man gönnte sich ja sonst nichts"!
Irgendwann wurde ich dann auch mal spät abends aus einem der unzähligen Bistros (im Umfeld dieses "Place Pigalle") durch eine recht ansehnliche "Dame" "nach allen Regeln des Handwerks" förmlich "abgeschleppt". Sie wollte mir wohl ihre "Briefmarkensammlung"
(oder sowas?) zeigen und bei der Gelegenheit ein wenig "Französisch" beibringen.
Genau hatte ich das nicht verstanden, weil ich ja nun mal die französische Sprache keineswegs beherrsche, aber ich war ihr quasi "willenlos" ausgeliefert ... und ich forderte meinen Freund Werner deshalb auf, mal "kurz" auf meine Rückkehr zu warten.
Ich will es hier mal aus Gründen des Anstandes und gehörigen Schamgefühls lieber kurz machen: Meine französischen
Sprach
kenntnisse aus der "VHS"- Doppelstunde wurden an jenem Abend zwar
nicht
wesentlich erweitert, aber irgendetwas geriet dort "bei ihr daheim" wohl irgendwie außer Kontrolle ... egal: Ich hatte ab sofort ein neues Hobby gefunden!
Als ich dann
sehr viel später
in jener Nacht ziemlich "abgebrunftet" zu meinem immer noch geduldig wartenden Freund zurückgefunden hatte (ich hatte schließlich den Autoschlüssel in der Hosentasche!), fiel ich "erschöpft" ins Auto und schlief dort unverzüglich
auf dem als "Liegesitz" umgebauten Beifahrersitz tief, fest und "glücklich" ein.
Werner "revanchierte" sich für diese lange Wartezeit auf seine Weise!
In unserer Bude (als "Hotel" konnte man das -wie gesagt- nun mal nicht bezeichnen) angekommen, ließ er mich einfach im Auto tief und fest schlafend zurück. Er kramte dort kurz entschlossen unsere paar Sachen zusammen, zahlte mitten in der Nacht (oder war es
doch schon früh morgens?) unsere "Zeche" und packte unsere Utensilien in meinen Wagen. Währenddessen ließ er mich die ganze Zeit auf dem Beifahrersitz weiter tief schlafen ....
.... und er fuhr dann ohne weitere Rücksprache mit mir einfach los, wohin auch immer (?)
Als ich viele Stunden später (unterwegs) endlich wieder wach wurde, um "dem kleinen Jürgen" mal das großartige "Gastland" zu zeigen, fuhr Werner immer noch stur mit dem "Karmann-Ghia" durch Frankreich .... durch seltsam langweilige Landschaften ... durch jene
unglaublich hässlichen Dörfer .... wortlos immer weiter "irgendwo" hin. ....
.... es war inzwischen längst hell geworden.
Das Ziel dieser spontanen "Reisefortsetzung" wollte er mir auch jetzt absolut noch nicht nennen. Als wir unterwegs an diversen Hinweisschildern und Ortsschildern vorbeikamen, waren bei mir alle Klarheiten beseitigt! Ich las darauf Ortsnamen, von denen ich noch
nie etwas gehört hatte.
Nun nahm ich den "Kraftfahr-Atlas" aus dem Handschuhfach (ja, damals gab es so etwas noch, ein "Navi" war nun mal noch gar nicht erfunden!) und schlug darin die Straßenkarte mit "Paris und Umgebung" auf .... dadurch wurde ich aber auch nicht klüger.
Werner meinte nur verdrossen: "Weiter im Süden!"
Auf dem südlichen Anschlussblatt fand ich die Orte auch nicht, die ich auf den Schildern gelesen hatte, ....
.... Werners Kommentar lautete stur: "Noch weiter im Süden"!
Auf dem dann folgenden Anschlussblatt wurde dann unten alles "blau" - wir waren offenbar nur noch wenige Kilometer vom Mittelmeer entfernt! Er war also offensichtlich nachts
hunderte
von Kilometern gefahren, ohne das mit mir abzusprechen .... ich fand das spontan großartig!
Wir verbrachten nun zwei wundervolle und überaus ereignisreiche Wochen in "Saint Tropez" .... damals noch ein recht "verschlafenes" und mickeriges Küstenstädtchen an der "Cote d´Azur" ....
noch
so etwas wie ein "Geheimtipp" .... und gerade erst bekannt geworden als Wohnsitz der hinreißenden französischen Schauspielerin Brigitte Bardot und ihres deutschen Ehemannes (und "Playboys") Gunter Sachs.
Unsere "artgerechte Ernährung" bestand übrigens auch weiterhin nahezu ausschließlich aus "Poulet avec Pommes Frites". Bei einer Stippvisite in Marseille bestellte ich einmal ganz mutig und zur Abwechslung die dort traditionelle
"Bouillabaise" - weil mir der Name dieser "Fischsuppe" irgendwie vertraut vorkam - eine besonders schlechte Idee!
Nur gut, dass wir vor jenem Lokal unmittelbar am Rand des Marseiller Hafenbeckens saß, die dort herumflatternden Möwen mochten offenbar diesen "Müll", der in dieser gottverdammten Suppe "herumdümpelte" - und der mir bei genauerer Betrachtung fast meinen Magen
"auf Links" drehte.
Leider gibt es nur noch sehr wenige Fotos von dieser Reise .... fotografiert wurde damals sowieso sehr wenig.
Kürzlich habe ich im Internet zufällig
den
Song wiederentdeckt, der seinerzeit von morgens bis abends in dem von uns bevorzugten französischen Radiosender lief. Diese "schmissige" Melodie tönte täglich unzählige Male unterwegs in meinem "Karman-Ghia"
und sie ging mir anschließend als "Ohrwurm" lange Zeit nicht mehr aus dem Kopf. Auch dieses "akustische Fundstück" will ich Dir nicht vorenthalten (Anhang!).
Zu den wenigen "zeitgenössischen" Bildern im Anhang:
Hier machen wir (Werner sitzend und ich liegend) unterwegs irgendwo in der französischen Provinz einen "Boxenstopp".
Gelegentlich
übernachteten wir sogar unterwegs in diesem Fahrzeug. Dazu nahmen wir dann zunächst die beiden Vordersitze mit jeweils einem einzigen Handgriff heraus - trennten mit einem weiteren Griff die Rückenlehne vom eigentlichen Sitz - legten dann die
beiden Teile zurück in den Wagen (Sitzfläche gedreht) - und wir hatten so in Verbindung mit der kleinen Rückbank zwei ausreichend große provisorische "Liegeflächen", um uns nachts ausstrecken zu können .... Decken und Kissen hatten wir zur Genüge dabei.
Hier stehen Werner und ich oben auf dem Eifelturm. Dieses Foto wurde ebenso wie das obige Foto per "Selbstauslöser" gemacht ... also ein Vorläufer der heutigen "Selfies".
In der Nähe unseres "Hotels" führe ich hier
mal wiede
r notwendige Reinigungsarbeiten an bzw. in meinem Vergaser durch. Das damals in Frankreich erhältliche Benzin war leider erbärmlich verschmutzt!
Man achte auf die optimale Sicherung meiner Brieftasche mit Hilfe einer Kette ... Taschendiebe hatten bei mir keine Chance!
Man sieht außerdem links hinter meinem PKW auf einen "Zipfel" der historischen, längst abgerissenen (aber bei "Insidern" unvergessenen!) ehemaligen
Markthallen
("Les Halles") von Paris.
Hier bereiten Werner und ich inmitten der "Carmague" (ein riesiges Sumpfgebiet im "Rhone-Delta") auf einem kleinen Gaskocher eine "aus der Heimat" mitgeführte Konserve zu ... vermutlich so etwas wie "Makkaroni" oder dergleichen ... als Abwechslung zu den nahezu
täglich verzehrten "Poulets avec Pommes Frites". Mal zwischendurch war das so etwas wie eine echte Delikatesse!
Dieses Foto wurde ebenfalls per Selbstauslöser geschossen .... wir waren nämlich dort im Umkreis von vielen Kilometern garantiert die einzigen "Kreaturen".... mit Ausnahme unzähliger Insekten, an die ich mich aber nur ungern erinnere.
Fortsetzung (und endlich Abschluss) folgt!
Buddy
.
.
Hallo Jürgen
Wie bereits gesagt: In Frankreich sah Ende der 60-er für mich
vieles
sehr seltsam aus.
Ich erinnere mich nicht nur mit gehörigem Grausen an diese bereits geschilderten, dort üblichen und für mich äußerst gewöhnungsbedürftigen "Hocktoiletten" - sie waren aber eigentlich nur das "kleinere Übel".
Wenn ich dort unterwegs in einem dieser vielen unglaublichen hässlichen Dörfer mal dringend auf die Toilette musste und (so wie ich damals) in einem kleinen Bistro (am Ortsrand gelegen) naiv danach gefragt hatte, dann machte der Wirt nur eine ausladende Handbewegung
in Richtung der "Landschaft" ringsum und meinte so etwas wie: "Tout camps disponible!" - was übersetzt wohl so viel heißt wie : "Alle Felder stehen Ihnen zur Verfügung!"
Ganz schlimm
wurde es "im Notfall" auf unserem Campingplatz an der Cote d`Azur. Dort gab es eine Reihe von insgesamt 10 Toiletten - zunächst einmal 9 der ortsüblichen "
Hock
toiletten" - alle schön nebeneinander - und dann leider (
als letzte
Toilette
in der Reihe) ausnahmsweise für Touristen eine uns "ach so vertraute" Toiletten
zum Sitzen
. Bei der musste man dann allerdings "sehr sehr tapfer" sein!
Das Problem war: Derartige "Porzellanprodukte" waren zwar
uns
deutschen Touris bekannt - den meisten Franzosen aber offensichtlich nicht! Ein "waschechter" Franzosen setzen sich "dabei" nun mal nicht hin. Wenn er aber unglücklicherweise "unter Druck"
diese
letzte
(eigentlich nur für uns "Touris" gedachte!) Toilette erwischten, dann steigt er gnadenlos mit beiden Füßen auf den Rand derselben und kackten dann nicht mehr ganz "zielsicher" aber ungeniert hinten auf den Rand der Toilette .... so etwas
sieht dann echt nicht mehr gut aus!
Einen Tag lang war ich damals mit meinem Freund Werner in der berühmt-berüchtigten französischen Hafenstadt "Marseille", ....
.... weil ich damals den idiotischen Plan hatte, nach dem Schulabschluss
eventuell
in die "französische Fremdenlegion" einzutreten. Dort in Marseille gab es ein entsprechendes Musterungsbüro und Informationszentrum - dieses wollte ich mir schon mal unverbindlich
anschauen .... wie gesagt: eine blöde Idee Ende der 1960er Jahre!
Marseille war damals ein besonders "heißes Pflaster"! In
fast
allen Stadtteilen waren die Häuser erstaunlicherweise vergittert, will sagen:
Alle
Fenster im Bereich des Erdgeschosses und des ersten Obergeschosses waren mit kräftigen Eisengittern gesichert. Das sah dort so aus wie eine riesige Ansammlung von Gefängnissen oder Irrenanstalten.
Alle Ladengeschäfte waren außerdem nachts (nach
sehr spätem
"Ladenschluss") mit stabilen Metall-Jalousien ebenfalls eindrucksvoll und wohl recht wirksam gesichert. Das alles ergab ein insgesamt sehr "ungewöhnliches" Stadtbild!
Dafür gab es natürlich eine Ursache.
Gegen Abend entdeckten wir dann das
unvergitterte
"Neger- und Araberviertel" von Marseille, ein bizarrer sowie durch und durch krimineller "Biotop" in Hafennähe, den man
so
in einem zivilisierten mitteleuropäischen Staat
nicht
vermutet hätte.
Mein Freund Werner und ich fanden es dort
besonders spannend
- und wir durchstreiften stundenlang total fasziniert gerade
diesen
Stadtteil .... nicht ohne auf unsere "Eigensicherung" zu achten! Wir waren nicht ganz unbewaffnet - ich hatte (wie unterwegs üblich) meine 7,65er "Walther PPK"-Pistole in der Schulterhalfter ... und wir blieben DORT stets zusammen auf nur einer
Straßenseite - wobei man dort eigentlich auch bei Wohlwollen nicht von einer "Straße im eigentlichen Sinn" reden konnte. Wir waren ziemlich vorsichtig, weil wir beide ja nicht etwa lebensmüde, sondern nur sehr neugierig waren auf diese uns "völlig fremde Welt"!
Die meisten "Anwohner" hockten dort mit ihrer ganzen Sippe
vor
ihren Häusern (auch mal wieder so eine recht "gewagte Bezeichnung" für die dortigen Ruinen) - mitten auf der "Straße" auf Obstkisten statt Stühlen herum, weil sie es vermutlich drinnen in
ihren Buden vor Gestank und Ungeziefer nicht aushalten konnten (?)
Dort, wo man eigentlich in Häusern "Fenster" vermuten würde, gab es meist nur finstere mehr oder weniger "viereckige Löcher" in den Außenwänden, "Wohnhöhlen" wäre wohl eine sehr viel zutreffendere Bezeichnung gewesen als "Häuser".
Da wir zu dem Zeitpunkt immer noch vorsichtshalber Tag für Tag das gleiche "Geflügel" ("Poulette avec Pommes Frites") aßen und ich dieses schon längst nicht mehr auf meinem Teller sehen konnte und wollte, bestellte ich mir (wie bereits erwähnt) an jenem Tag
am Hafen eine typische "Bouillabaisse", also die dort traditionell angebotene "Fischsuppe"- eine saublöde Idee! Als ich nun fröhlich mit meinem Löffel darin herumrührte, tauchten darin so unappetitliche Dinge auf wie ein abgetrennter Fischkopf, ein toter Krebs,
Reste eines kleinen Tintenfisches und weitere "Ingredienzen", deren Art und Herkunft ich mir gar nicht vorstellen mochte, ....
.... wohl all das, was bei uns in Deutschland auf einem Fischkutter üblicherweise als wertloser "Beifang" aussortiert und wieder über Bord geworfen wird, hoffte ich zumindest bis damals. Selbsternannte Feinschmecker nennen so einen Müll (ironisch?) "Früchte
des Meeres". Zumindest die dortigen Möwen mochten diesen Fraß.
Für mich gab´s danach zum Essen wieder einmal "Poulette".
Dort in Frankreich gab es damals auch keine "normalen" Tankstellen. Vor zahlreichen "Kfz-Reparatur-
Klitschen
" (den irreführenden Begriff "Kfz-
Werkstatt
" vermeide ich bewusst!) stand meist unmittelbar am Straßenrand eine verbeulte, total verdreckte
Zapfsäule herum, die in aller Regel durch eine dazu passende uralte (oft schon zahnlose) französische Dame mit einer Handpumpe betrieben wurde.
Nach jeder Betankung war es dann nur eine Frage der Zeit, wann der arme Motor meines "Karman-Ghia" wieder mal anfing zu stottern. Ich musste dann deshalb stets irgendwo am Straßenrand den Vergaser meines arg geplagten PKWs teilweise zerlegen und provisorisch
reinigen, ....
.... danach sah ich immer aus wie ein Schwein. Ich habe diese ungewollten "Boxenstopps" abgrundtief gehasst!
Auf unserem Campingplatz bei St. Tropez gab es am Strand ein sogenanntes "Strand-Café" (unmittelbar vor unserem Zelt gelegen), in dem
leider
jeden Abend bis tief in die Nacht hinein ein schottischer "Dudelsack- Spieler" herumkrakeelte .... "Musizieren" konnte man dazu wirklich nicht sagen! Ich habe diesen Kerl irgendwann gehasst .... und ich hätte ihm sehr gerne eine seiner Pfeifen
ausgerupft und anschließend dort hinein geschoben, wo die meisten Schotten es vermutlich gar nicht so gerne haben - aber er war dummerweise ganz offensichtlich größer und stärker als ich.
Egal: Meine besondere Aufmerksamkeit galt dort ohnehin nur der an der Bar dieses Strand-Cafés arbeitenden weiblichen Bedienung - eine durchaus reizvolle, recht raffiniert geschminkt und gekleidete Französin .... offensichtlich auch eine recht "paarungsfreudige"
Dame , die heftig mit mir flirtete und die mir mit jedem Glas Rotwein immer attraktiver erschien.
Eines Nachts blieb ich dann bis zur Schließung dieser Strandbar dort und begleitete die Dame (wie sich das für einen "Gentleman" gehört!) im Morgengrauen zu einem Wohnwagen, in dem sie untergebracht war. So weit, so gut!
Am nächsten Morgen (bzw. wohl eher Mittag) hätte ich dann fast einen Schock erlitten: Die "Dame", die mich in ihrem Wohnwagen weckte, sah ich nun erstmalig
völlig ungeschminkt
... und sie sah nun plötzlich aus wie ihre eigene "Mutti". Ich konnte so etwas als ein noch völlig unerfahrenes "Bübchen" einfach nicht begreifen .... und ich verabschiedete mich umgehend! Anschließend war ich
deshalb
den ganzen Tag lang ziemlich verwirrt und dachte aus gegebenem Anlass über so ein bedrückendes Thema wie "Gerontophilie" (also "Unzucht mit Greisen") nach.
Das Strand-Café und diesen Wohnwagen betrat ich danach nie wieder, ....
.... aber eines musste man diesen Französinnen einfach mal lassen: "Zurechtmachen" konnten sie sich!
So, genug "geplaudert"
aus längst vergangenen Zeiten
.
Ich würde übrigens heute alles
genau so
wieder machen und erleben wollen - nur diese "Bouillabaisse" würde ich dabei lieber weglassen.
Buddy
.
2026.02.23
.
Hallo Jürgen
Als ein besonderes Vergnügen genieße ich immer wieder mal den Besuch etwas anspruchsvolleren "Trödel- und Antikmärkte", wie sie hier in Leipzig von Zeit zu Zeit in einer der Messehallen eingerichtet und betrieben werden.
Hier einige Beispiele, was ich dort an "herrlich unnützen" Sachen in den vergangenen Jahren erworben habe, wobei mir das "Feilschen" besonders viel Vergnügen bereitet und ganz einfach "dazugehört!"
Hier siehst Du einen (angeblichen?) asiatischen "Schierlingsbecher", also einen "Giftbecher", der laut Verkäufer einst als Hinrichtungsmethode für "hochrangige" Delinquenten genutzt wurde, sowie ....
- eine Streichholzschachtel aus Messing
-. eine Schnitzerei aus Elfenbein oder Knochen (?)
- sowie einige ein Fossil (versteinerte "Ammoniten")
.... oder auch diese durch aufwendige "Einlegearbeiten" verzierte Holzschachtel.
Ich mag auch solche militärischen Helme, ....
- rechts vorne ein typischer "
US
-Vietnam-Helm"
- links daneben eine preußische "Pickelhaube" (leider nur eine Kopie)
- ganz links (kaum einsehbar) ein typischer deutscher Stahlhelm aus der Zeit des II. Weltkrieges
- und in der Mitte hoch aufragend
mein
ehemaliger Stahlhelm der Bundeswehr sowie
meine
ehemalige "ABC-
Schutzmaske.
Auf diesem Bild siehst Du eine Ansammlung sehr unterschiedlicher "Relikte" aus der Zeit des I. Weltkrieges ....
und zwar überwiegend sogenannte "Grabenkunst", wie sie in den Schützengräben an der Front während der oft tagelangen "Feuerpausen" (zwecks Vertreibens der Langeweile?) als "Andenken" aus einfachsten Mitteln (teils recht kunstvoll!) gefertigt wurden, ....
- links eine Skulptur, aus einem großen Granatsplitter und diversen religiösen "Devotionalien" hergestellt
- daneben die (natürlich entschärfte!) Granate eines französischen Geschützes
- im Hintergrund die Kartusche einer "Haubitze", auf der ein aus Blei gefertigtes "Wappen" befestigt wurde
- rechts daneben diese reich verzierte Kartusche eines französischen Geschützes
- ganz rechts ein aus Teilen diverser Granaten gefertigter Kerzenständer
- links davor ein aus einer halbierten Handgranate gefertigter Aschenbecher (darin diverse Granatsplitter)
- sowie liegend ein Brieföffner, dessen Griff aus einem Granatsplitter besteht,
- ein Armreif, gefertigt aus dem "Kupfer-Führungsband" einer Artilleriegranate
- eine tausendfach geprägte und ausgegebene zeitgenössische Medaille mit der Aufschrift "Gold gab ich für Eisen"
- und im Vordergrund einen
eisernen
Fingerring mit der Aufschrift "Vaterlandsdank 1914" (damals sehr häufig als "patriotische Handlung" im Tausch gegen einen
echten Gold
ring als "Dank des Kaisers" erhalten ausgegeben).
Auf diesem Bild siehst Du links ein Relief der "Heiligen Barbara" ("Schutzheilige" der Artilleristen, Feuerwehr und Taschendiebe), ....
.... und an der Wand meines "Refugiums" hängend drei Dolche, die zu Zeiten der "Nazis" zu deren militärischen "Ausgehuniformen" getragen wurden, ....
- oben "Luftwaffe"
- in der Mitte "Marine"
- unten "Heer".
Diese drei Dolche aus der Zeit des II. Weltkrieges tragen zwar das in der
deutschen Öffentlichkeit(
und nur dort!
) streng
verbotene sogenannte "Hakenkreuz", ....
.... aber ich lege in diesem Zusammenhang Wert auf die Feststellung, dass ich die damaligen "Nazis" und unsere heutigen "Neo-Nazis" hasse wie die Beulenpest!
Von ursprünglich ca. 80 voll funktionsfähigen Flinten, Büchsen, Pistolen und Revolvern besitze ich heute nur noch drei mir besonders "vertraute" Schusswaffen - die in sogenannte "Deko-Waffen" umgebaut wurden:
Dazu gehört dieses ursprünglich in der BRD entwickelte und gefertigte Sturmgewehr des Typs "G3", mit dem ich 1970 als junger Soldat ausgestattet wurde und das dann drei Jahrzehnte lang (neben einer Pistole) mein "treuer Begleiter" war.
Außerdem gehörte ein derartiges Maschinengewehr stets zur Ausstattung meines bei Gefechtsübungen genutzten Dienst-Kfz (wahlweise ein Schützenpanzer oder ein geländegängiger PKW)
Dieses "Sturmgewehr" des ursprünglich in der UdSSR gefertigten Typs "AK47" wäre eines meiner beliebtesten "Beutewaffen" geworden - es wurde weltweit (u.a. auch in der ostdeutschen "NVA" eingesetzt - und es handelt sich dabei um ein aus meiner Sicht
ausgezeichnete
militärische "Handwaffe".
So viel erst einmal zum Thema "Sammelleidenschaften". Es gibt eine Vielzahl anderer Sammlungen, die ich im Laufe meines Lebens als willkommene Freizeitbeschäftigung angelegt und gepflegt habe.
Buddy
.
2026.02.24
.
Hallo Jürgen
Eine alte und hinlänglich bekannte "Volksweisheit" besagt, dass "Homo Sapiens" von Natur aus (und in erster Linie) nicht nur ein "Jäger", sondern auch ein "Sammler" ist. Die meisten unserer Zeitgenossen sind offenbar längst über derartige "
Urtriebe
"
hinweg .... ich nicht!
Wie Du schon weißt, habe ich in der Vergangenheit intensiv die Jagd ausgeübt - und dabei zahllose Tiere einer "artgerechten" Ernährung zugeführt ....zugegeben, ein besonders zwiespältiges Thema, das ich deshalb
nur auf Wunsch
vertiefen würde.
Näher eingehen möchte ich aber auf das alternative Thema "
Sammeln
".
Schon als Kind hatte ich Interesse, bunte
Bierdeckel
und
Streichholzschachteln
zu sammeln - außerdem sammelte ich eine beträchtliche
Anzahl von
Münzen
unserer Nachbarländer, die bei Rückkehr von einem Aufenthaltes an der Grenze nicht in "D-Mark" zurückgetauscht wurden ....
.... und natürlich (wie damals absolut üblich)
Briefmarken
.
Später (als Jugendlicher) erwarb ich dann
Orden
,
Ehrenzeichen
, Militaria (
Uniformen
, militärische
Helme
) sowie Blankwaffen (
Säbe
l,
Dolche
,
Bajonette
und
Kampfmesser
).
Besonderes Interesse galt aber der (An-)Sammlung von
Schusswaffen
aller Art - bereits im "zarten Alter" von 12 Jahren besaß ich meine erste "scharfe" Pistole, eine 7,65er "Walther PPK", die einst einem Wehrmachtsoffizier gehört hatte, die sein Sohn in
einem Versteck des Vaters gefunden und dann an mich "verhökert" hatte.
Munition
aller Art gehörte ebenso zu meiner "Beute".
"
Mineralien
" aller Art gehörten ebenfalls dazu - und sie faszinieren mich noch heute!
Außerdem wurden die Wände meines "Kinderzimmers" zunehmend mit
Tierpräparaten
und "Kuriositäten" (
menschlicher Schäde
l, brasilianischer "
Schrumpfkopf
" etc.) vollgehängt.
Heute sammle ich lieber
Bücher
, wertvolle
Gläser
, aus Zinn oder Messing gefertigtes
Geschirr
oder
Skulpturen
sowie Bilder.
Viele meiner Mitmenschen betrachten das als ein "harmlose Form des Schwachsinns" - ich kann mit derartiger Kritik problemlos leben!
"Buddy"
.
Guten Abend Buddy,
ein Brief zum Thema Frankreich ist noch in Arbeit ...
Zu deinen Sammlerobjekten ... Hast Du die alle in deiner Wohnung?
Gruß Jürgen
Brief folgt ;-)
H
allo Buddy,
die Unterscheidung zwischen „Jäger“ und „Sammler“ ist ja
tatsächlich tief im Menschen verankert. Manche leben es aus,
andere sublimieren es – du hast es offenbar immer sehr bewusst
getan.
Zum Thema Jagd:
Ich finde, eine gute Forstwirtschaft sorgt für einen gesunden
Wald. Und ein gesunder Wald braucht ebenso einen ausgewogenen
Tierbestand. Wenn Förster und Jäger verantwortungsvoll handeln und
Schonzeiten respektieren, ist das für mich vollkommen in Ordnung.
Das ist für mich eher Regulierung als „Trophäen-Denken“.
Beim Sammeln bin ich einen anderen Weg gegangen. Ich habe mich
bewusst gegen größere Sammlungen entschieden – schlicht, weil ich
viel unterwegs war und vermutlich auch weiterhin beweglich bleiben
möchte. Wer Platz und Zeit hat, kann sammeln. Wer mobil bleiben
will, sammelt eher Erfahrungen als Gegenstände.
Und was das „Schwachsinn“-Argument betrifft:
Andere verbringen Stunden vor Spielautomaten, trinken sich
regelmäßig die Sinne weg oder sitzen täglich stundenlang vor dem
Fernseher. Dagegen erscheint mir ein bewusstes, ausgewähltes
Sammeln fast schon kultiviert.
Bei dir merkt man, dass du auswählst, dass es Prinzip hat. Du
freust dich daran, du kennst die Geschichte deiner Stücke. Das ist
etwas anderes als bloßes Horten.
Mein Bruder ist da das Gegenbeispiel. Er hat nie etwas
weggeworfen – und zusätzlich noch gesammelt. In seiner Wohnung
konnte man sich nur auf einem schmalen Pfad vom Korridor zur
Küche, zum Bad und zum Bett bewegen. Alles andere war vollgestellt
und gestapelt. Kein freier Tisch, kein Stuhl, kein Überblick.
Vor allem aber: Er hat die Dinge nie wieder angesehen. Nur
gestapelt und aufgehoben.
15 Laptops, 30 Festplatten, zahllose technische Geräte – die
meisten längst defekt. Er ist 67. System gab es keines.
Das ist für mich der Unterschied:
Sammeln mit System und Freude – oder Horten ohne Struktur und ohne
Wiederbegegnung.
Du scheinst zur ersten Kategorie zu gehören.
Viele Grüße
Jürgen
2026.02.25
.
Hallo Jürgen
Im Anhang mal ein kurzer Video-Spot zu Deiner Aufheiterung!
"Buddy"
.
.
Hallo Jürgen
Die zahllosen Themen, die wir "Oldies" später mal aufgreifen und vertiefen können, werden sich vermutlich eher zufällig aus unseren zuvor angesprochenen Lebenserfahrungen ergeben. Es ist deshalb nicht einfach für mich, vorherzusehen, was Dich eventuell interessieren,
langweilen oder gar abstoßen würde - und bei welchen Themen ich eventuell ungewollt und unzweckmäßiger Weise "sehr dünnes Eis" betreten würde.
Ich habe mir in der Vergangenheit schon so manch einen Mailkontakt "versaut", indem ich mich beispielsweise sehr offen bezüglich meiner ganz persönlichen Einstellung zu "Religion" oder "Politik" geäußert hatte .... ich kann nun mal nicht meine Klappe halten,
wenn ich gelegentlich "ganz anderer Meinung" bin.
Du solltest wissen, dass mich der sogenannte "Mainstream" noch nie interessiert hat - und dass ich die Meinung meiner Mitmenschen zwar geduldig zur Kenntnis nehme, aber keineswegs immer bereitwillig teile. Ich war schon immer gerne "etwas anders als die Anderen"
- und ich habe bei Diskussionen immer wieder bereitwillig die Rolle des "Advocatus Diaboli" eingenommen - um dann "allein gegen alle" die Diskussionsteilnehmer in Wallung zu bringen .... mein Ding!
Einige Besonderheiten:
Ich habe schon als kleines Bübchen keine Schokolade und sonstigen Süßigkeiten geschätzt. Wer mich kannte und mochte, der brachte mir lieber eine Frikadelle, einen Rollmops oder ein Stück Obst mit.
Ich habe auch nie in meinem Leben "Bier" gemocht - der herbe Geschmack des Hopfens war und ist mir absolut zuwide!. Andere (insbesondere hochprozentige) "Alkoholika" sind ebenfalls absolut nicht mein Ding. Natürlich sehe ich mich in Gesellschaft immer wieder
mal gezwungen, aus irgendeinem Grund mit "anzustoßen".... das bringt mich nicht etwa um .... aber ein gutes Mineralwasser ist mir sehr viel lieber als jedes noch so "kostbare" alkoholische Getränk. Ich hatte mich im Laufe meines Lebens jahrzehntelang in Kreisen
von Soldaten und von Jägern bewegt - also in Personengruppen, die nicht gerade dafür bekannt sind, dass sie "ins Glas zu spucken" ... aber ich wurde als "Nichtalkoholiker"
klaglos
akzeptiert.
Entschuldige bitte, aber ich bin mal wieder vom eigentlichen Thema abgeschweift.
Hier also mal einige
mögliche
(?) Themenbereiche, die mir spontan einfallen:
Ausflugsziele / Urlaubsreisen
heimische Natur (Fauna, Flora, Biotope)
schönes Wohnen
ehrenamtliche Tätigkeiten
Tagesablauf im Ruhestand
Fitness im Alter
Impressionen Leipzig
Geschichte Deutschlands
aktuelle Nachrichten / Tagespolitik
Flüchtlingspolitik
Begegnungen mit außergewöhnlichen Mitmenschen
Technikmuseen
Jagdausübung
Essgewohnheiten
Musikgeschmack
Deine ergänzenden / abweichenden Themenvorschläge sind ausdrücklich erwünscht!
"Buddy"
.
2026.02.26
Hallo Buddy
soso, das gefällt dir?
OK. mir auch.
besonders das Baby-Lachen hinterher :-)
2026.02.28
Hallo Buddy,
du wartest sicher schon länger auf eine Antwort. Ich hatte vor
zwei Tagen damit angefangen und wollte noch einmal darüber
schlafen. Am Tag darauf – also gestern – war die Festplatte wieder
nicht zu erreichen. Das ist sehr ärgerlich, weil ich jetzt alles
noch einmal neu schreiben muss.
Ich würde mich glücklich schätzen, jemanden zu finden, mit dem
ich über alle Themen sprechen kann. Wichtig ist mir: Ich möchte
niemanden missionieren und auch von niemandem missioniert werden.
Wenn mir ein Thema nicht zusagt, sage ich das. Es kann auch sein,
dass ich noch eine Begründung liefere, weshalb es für mich nicht
interessant ist. Wenn das akzeptiert wird, habe ich kein Problem
damit. Dasselbe Recht hast du natürlich auch: alles anzusprechen –
und Themen, über die du nicht sprechen möchtest, aus welchem Grund
auch immer, abzulehnen beziehungsweise die Diskussion darüber zu
beenden.
Nehmen wir ein Beispiel:
Die Erde ist eine Kugel oder flach.
Variante 1: Du sagst mir, ich möchte über dieses Thema überhaupt
nicht diskutieren, das ist mir zu blöd.
Variante 2: Du sagst, über dieses Thema habe ich schon lange
gesprochen, ich habe aus dem und dem Grund diese Meinung – und das
ist gut so.
Beide Varianten würde ich selbstverständlich akzeptieren, wobei
mir Variante 2 etwas lieber wäre, damit ich einen Anhaltspunkt
habe und dich besser verstehe – unabhängig davon, ob ich zustimme
oder nicht.
Variante 3: Wir lassen uns auf das Gespräch ein. Mein Ziel wäre
herauszufinden, was aus deiner Sicht für oder gegen eine Kugel und
was für oder gegen eine flache Erde spricht. Stichwort: Rolle des
„Advocatus Diaboli“. Einfach Ideen austauschen. Im konkreten Fall
würde ich anstreben, herauszufinden, wie man das eine oder andere
mit unseren Mitteln beweisen könnte. Der einzig wirklich sichere
Beweis wäre wohl, wenn ich selbst mit einer Rakete in den Weltraum
fliege und mir das von oben anschaue. Alles andere kann
theoretisch ein Fake sein. Da die Wahrscheinlichkeit recht gering
ist, dass wir noch in den Weltraum fliegen, werden wir vermutlich
zu keinem endgültigen Ergebnis kommen. Wichtig ist: Ich erwarte
nicht, dass du meine Meinung teilst.
Im Kindergarten habe ich gerne mit Holzklötzen Türme gebaut. Auf
Höhe der fünften oder sechsten Reihe habe ich einen Stein quer
gelegt – das war mein sogenannter Trittstein. Dann habe ich den
Turm so hoch gebaut, wie es ging oder wie die Steine gereicht
haben. Und dann bin ich auf den Trittstein getreten und habe mich
riesig gefreut, wenn alles zusammengekracht ist. Danach habe ich
neu gebaut.
Ich betrachte mein Leben oft auch als einen Turmbau: Stein für
Stein, Ebene für Ebene. Mein Turm ist inzwischen ziemlich hoch.
2007 war ich das erste Mal längere Zeit ohne Festanstellung, weil
ich mir die Kniescheibe gebrochen hatte. Das Arbeitslosengeld habe
ich über zwei Jahre gestreckt, Spanisch gelernt und in der
Dominikanischen Republik meine Frau kennengelernt.
Und was macht man, wenn man unter Palmen in der Hängematte liegt,
mit einem Laptop auf dem Bauch und einer guten Internetverbindung?
Man schaut YouTube-Videos. Und dann stolpert man über Inhalte, bei
denen man denkt: Was ist hier los? Zwei Häuser stürzen ein und es
bleibt kaum Schutt, sondern zwei tiefe Gruben. Ein drittes
Hochhaus mit Stahlskelett stürzt in Fallgeschwindigkeit wegen
eines Bürobrands ein. Die Mondlandefähre wirkt wie aus einem
Hobbykeller mit Goldfolie.
Aus Langeweile schaut man ein Video nach dem anderen. Aus
heutiger Sicht sage ich: Irgendwer hat 2007 in meinen Lebensturm
einen Trittstein eingebaut – und ich bin aus Versehen darauf
getreten. Alles stürzte ein. Heute habe ich das Gefühl, dass
wahrscheinlich vieles nicht so ist, wie es scheint. Es geht tief
zurück in die Vergangenheit, und etliches dreht sich um. Darüber
würde ich gerne mit jemandem sprechen beziehungsweise schreiben.
Zu deinen Themenvorschlägen stehe ich grundsätzlich positiv. In
Bezug auf deine Frankreich-Geschichte ist bei mir nicht viel
hängen geblieben. Wir waren damals mit Frau und Tochter in Paris,
hatten das Firmenfahrzeug, das ich auch privat nutzen durfte, am
Straßenrand geparkt – in einer Einbahnstraße auf der linken Seite.
Der Seitenspiegel auf der Fahrerseite zeigte also zum Gehweg. Als
wir nach ein paar Stunden zurückkamen, war der Spiegel
eingetreten. Und Paris ohne linken Seitenspiegel war kein
Vergnügen.
Die Metro war ziemlich dreckig. Dass wir Notre Dame und den
Eiffelturm besucht haben, hatte ich dir, glaube ich, schon
geschrieben. Auf der Champs-Élysées haben wir etliche Geschäfte
angeschaut – meine Welt ist das nicht. Ich weiß gar nicht mehr, ob
wir mehrere Tage dort waren und in einem der Hotels, wie du es
beschrieben hast, übernachtet haben. Insgesamt schaue ich mir
lieber Filme an, die in Paris spielen, oder Fotografien. Mehr
bleibt bei mir zu Paris nicht hängen.
Später sind wir noch einmal mit dem Wohnmobil durch Frankreich
gefahren – aber das erzähle ich dir in einem anderen Zusammenhang.
Das passt besser zu unserer Spanien-Reise.
Dass dich der Mainstream nicht interessiert, finde ich gut. Seit
2007 habe ich keinen Fernseher mehr und schaue oder höre auch
keine Nachrichten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Allein die
Auswahl der Themen sagt mir schon viel. Und dass man dann noch
erfährt, was man zu denken hat – das brauche ich nicht.
Du magst keine Schokolade – okay. Die Dominikanische Republik ist
bekannt für Kakao- und Kaffeeplantagen. Deshalb gibt es bei uns
Kakao und Kaffee ungezuckert – nicht in Mengen, aber täglich.
Gestern Abend hat mir mein Vater ein halbes Hähnchen mit einem
Bier spendiert. Ich kaufe fast nie Alkohol. Aber ab und zu trinke
ich zum Essen ein Glas Wein oder Bier. Ich genieße es wegen des
Geschmacks, nicht wegen der Wirkung.
So, jetzt schicke ich es lieber gleich ab, bevor wieder etwas
schief geht.
Ein schönes Wochenende wünscht dir Jürgen
2026.03.01
.
Hallo Jürgen
Hier zunächst ein paar kurze Anmerkungen zu Deiner freundlichen Mail:
Problem mit der EDV habe ich gelegentlich auch - und ich werde dann meist zur "hilflosen Person. Aber meine Moni hat sich sehr intensiv mit diesem Thema ("EDV") beschäftigt - und sie kann mir deshalb meist helfen. Ich selbst bin zu wenig interessiert und deshalb
ehrlich gesagt zu faul, mich selbst ein wenig intensiver diesbezüglich weiterzubilden.
Einen sogenannten "Kindergarten" habe ich in meinem Leben nur einen einzigen Tag lang besucht - und ich fand es dort entsetzlich langweilig. Mein Vater hat mich dann auf Wunsch "begnadigt" - gut so!
"YouTube-Videos" interessieren mich absolut nicht.
Zweifel an sogenannten "Realitäten" habe ich eher selten - und ich gehe der "Sache" dann durch Gespräche mit meinen Mitmenschen oder alternativ durch "Studium" in der Literatur oder auch im Internet auf den Grund.
Die Geschäfte im Bereich des Pariser "Champs-Elysee" habe ich seinerzeit als unendlich langweilig empfunden,
"Notre Dame" habe ich nur von außen gesehen - alle "sakralen" Gebäude langweilen mich nun mal.
Du nutzt keinen Fernseher? Ich interessiere mich täglich für "Nachrichten" und gelegentlich für "Talkrunden" und Dokumentationen. Spielfilme und sogenannte "Unterhaltungssendungen" interessieren mich hingegen so gut wie gar nicht.
Kaffee genieße ich zweimal täglich - eine Tasse morgens "zum Wachwerden" und eine weitere Tasse nachmittags im Anschluss an einen erholsamen "Mittagsschlaf" - jeweils mit Zucker und Kaffeesahne "verfeinert". Kakao (insbesondere warm) mag ich ebenfalls, den
trinke ich aber nur selten.
Wein, Bier und insbesondere "sonstige Alkoholika" meide ich, so gut es geht. Früher ließ ich mich "in Gesellschaft" dazu nötigen, wenigstens an einem Glas lustlos zu nippen - heute (im hohen Alter) bin ich darüber "erhaben" und sage einfach nur "Nein, danke!".
Betrunken war ich noch nie! Ein Glas (hochwertigen) Mineralwassers ist mir stets sehr viel lieber - Mitmenschen, die mich kennen und schätzen, wissen das.
Genug geplaudert. In einer folgenden Mail möchte ich Dir erläutern, wie mein ereignisreiches und erfülltes Leben nach dem Ende meines Berufslebens (im "zarten Alter" von nur 51 Jahren) weiterging.
"Buddy"
.
.
Hallo Jürgen
Es könnte sein, dass meine bisherigen Ausführungen bei Dir den Eindruck erweckte haben, dass ich sozusagen als ein "Glückskind" zur Welt gekommen bin - und dass das sogenannte "Schicksal" (was auch immer das sein mag?) mir stets Kummer und Sorgen erspart
hat - dem ist aber leider nicht so!
Ich möchte Dir deshalb "vertraulich" aus einer sehr speziellen und arg belastenden Phase meines Lebens berichten:
Zum Thema Betreuung und Pflege meiner erkrankten
ersten
Ehefrau "Angelika" sei vorab gesagt:
Ihr viel zu früher Tod im Alter von nur 56 Jahren hat
dieses
insgesamt etwa 30-jährige Kapitel in meinem Leben im Jahr 2006 überaus brutal und endgültig geschlossen.
Ich selbst bin seinerzeit
sehr traurig,
aber völlig ungebrochen (und deshalb "
gefestigt
") aus dieser dunklen und überaus entbehrungsreichen Phase meines Lebens hervorgegangen.
Das war geschehen:
Bereits
in den 1990-ern
hatte meine "Angelika" erste Anzeichen einer weltweit
sehr seltenen
und deshalb leider
weitgehend unerforschten
Krankheizt gezeigt (das sogenannten "Evans-Syndrom"), es war eine Auto-Immunerkrankung mit blutkrebsähnlichen (aber nicht identischen!) Symptomen,
eine
unheilbare
und früher oder später
tödlich verlaufende
Krankheit.
Da sie sich seinerzeit in dem durch uns angemieteten Reihenhaus und "ihrem Gärtchen" hinter dem Haus besonders wohl fühlte - und weil meine Karriereaussichten aufgrund der Dir bereits bekannten drastischen Reduzierung meiner Waffengattung "Artillerie"
nun völlig nebensächlich (um nicht zu sagen "unbedeutend") geworden waren, verzichtete ich ab sofort auf jede weitere Förderung und Beförderung, ....
.... um so 12 Jahre lang (bis zum absehbaren "Ende" meiner Dienstzeit) auf meinem dortigen "Dienstposten" als "Major" verbleiben zu dürfen.
Ende
2002
ging ich dann vorzeitig (wie Du ja auch schon weißt finanziell
sehr gut
"versorgt") in den vorzeitigen Ruhestand.
Es folgten (leider
nur noch
) zwei wundervolle Jahre, die ich mit meiner Angelika gemeinsam in vollen Zügen genießen durfte.
Im Februar 2005
kam es, wie es leider kommen musste:
Angelika erlitt eine Lungenentzündung, der ihr bereits stark geschädigtes Immunsystem
nichts
mehr
entgegensetzen konnte.
Nach nur wenigen Tagen
auf der Intensivstation eines örtlichen Krankenhauses erlitt sie nachts einen Herz- und Atemstillstand.
Die sofort durch den anwesenden Chefarzt der Anästhesie erfolgte "Reanimation" dauerte leider viel zu lange (ca.
45
Minuten!) ... dadurch erlitt sie aufgrund unzureichender Blutzufuhr und einer viel zu geringen Sauerstoffversorgung sogenannte "hypoxische Hirnschäden", die leider zu einem sogenannten Wachkoma" führten.
Obwohl sie unverzüglich in eine entsprechend hoch qualifizierte
Spezialklinik
verbracht wurde, wachte sie
nie wieder
aus diesem erbärmlichen Zustand des Wachkomas auf.
Nach zwei Monaten galt sie als "austherapiert" - und der dortige Chefarzt (ein Professor) fragte mich "unter vier Augen", dass er nun alle lebenserhaltenden Maßnahmen beenden wolle und sie dann "einschlafen" würde. Ich versicherte ihm glaubwürdig (und
noch immer "unter vier Augen"!), dass
er
sie in
dem
Fall nur um wenige Stunden überleben würde.
Er gewährte meiner Frau daraufhin noch
zwei weitere Wochen
in seiner Klinik, damit ich mich entweder um ein sehr spezielles und ebenso seltenes wie kostspieliges Pflegeheim (ca. 5.000 EUR monatlich!) zu kümmern - oder alternativ
daheim
ein "Pflegezimmer" einrichten zu können.
Für diese
zweite Variante
entschied ich mich, da ich ja inzwischen beruflich völlig ungebunden war.
Der Professor ordnete dann ("zähneknirschend" und
abschließend)
an, dass
sein
Pflegepersonal mich in einem zweiwöchigen "Crash-Kurs" so gut wie irgend möglich in der sehr speziellen Pflege meiner Frau ausbilden solle - was dann auch (überwiegend
nachts
!
)
in jener Klinik geschah, weil das dortige Pflegepersonal dafür tagsüber zu wenig Zeit fand. Für mich als einem "nachtaktiven" Menschen war das kein erwähnenswertes Problem.
Als dann genau zwei Wochen später meine Frau ohne weitere Rücksprache daheim quasi "angeliefert" wurde, hatte ich ein besonders schönes Zimmer im Obergeschoss unserer Wohnung mit tatkräftiger Unterstützung meiner ältesten Tochter und ihres Mannes als ein
"Pflegezimmer" eingerichtet - und mit der erforderlichen umfangreichen "Technik" ausstatten lassen ... meine entsprechenden Investitionen beliefen sich auf mehr als 20.000 EUR!
Von nun an (also April 2005) betreute und pflegte ich Angelika ununterbrochen - "rund um die Uhr" - ich schenkte ihr 10.000 Stunden meines Lebens!
Da bei allen Wachkomapatienten ständige Erstickungsgefahr durch Aspirationsprobleme besteht und sie deshalb "absaugpflichtig" sind, war meine 24- Stunden-Präsenz
unerlässlich
.
Nur stundenweise wurde ich gelegentlich durch unsere älteste Tochter "Tanja" vertreten, die ich entsprechend "angelernt" hatte. Ich konnte so beispielsweise notwendige
Bankgeschäfte
und
Behörden
angelegenheiten regeln,
Einkäufe
tätigen - oder an monatlich einmaligen Zusammen- künften einer regionalen
"Selbsthilfegruppe
" teilnehmen -
das
waren
wahre
Experten in Sachen "Wachkoma"!
Ich konnte so auch ganz einfach mal ein bis zwei Stunden in meinem Jagdrevier verbringen .... mehr "Auszeit" ging nicht - insgesamt 14 Monate lang!
Im Juni 2006
musste ich dann leider aufgrund ihrer "vernichtend" schlecht gewordener Blutwerte
zähneknirschend
zulassen, dass meine Angelika erneut in ein örtliches Krankenhaus eingeliefert wurde. Dort erlitt sie
bereits nach nur zwei Tagen
erneut eine Lungenentzündung - und sie starb noch
am Tag dieser Diagnose
gegen Mitternacht.
Während der 14-monatigen Pflegezeit
wurde ich unterstützt durch Ergo- und Physiotherapeuten (je 2 x wöchentlich 30 Minuten lang) sowie durch einen Logopäden 1 x wöchentlich mit gleichem Zeitansatz. Unser "Hausarzt" kam nur
dreimal in 14 Monaten
.... alles andere, insbesondere eine Unzahl von Verordnungen erledigte wir telefonisch.
Blut (zur Kontrolle) wurde meiner Frau
monatlich
daheim durch seine Assistentin abgenommen.
Zweimal wöchentlich
nahm ich außerdem die Dienste eines mobilen "Pflegedienstes" in Anspruch, aber eigentlich nur, um ggf. bei eventuell auftretenden und mir noch unbekannten Problemen eine fachkundige Beratung zu erhalten.
Etwa 15 unterschiedliche Medikamente verabreichte ich täglich selbst, darunter auch subkutane und intramuskuläre Injektionen.
Wenn ich mal
im Haus
unterwegs war, um z.B. im Keller Wäsche zu waschen, im Erdgeschoss in der Küche zu kochen oder ich mich evtl. im Bad aufzuhalten, dann war ich stets
ununterbrochen per
Funk mit meiner Frau verbunden, um ihr bei plötzlich auftretenden "Aspirationsproblemen" sofort zur Hilfe zu eilen.
Ansonsten hatte ich mich mit meinem eigenen Bett und Schreibtisch
in ihrem Pflegezimmer
so eingerichtet, dass ich quasi ständig an ihrer Seite war.
Kontakte "nach außen" hielt ich zunächst nur telefonisch - doch dann entdeckte ich
erstmalig
die Vorzüge des
Internets
als "Fenster zur Welt". Ich erwarb nun eine entsprechend "internetfähige" PC-Ausstattung und ließ eine leistungsstarke DSL-Verbindung installieren, eine großartige Sache!
So konnte ich dann auch meine Tätigkeit als "ehrenamtlicher Geschäftsführer" einer in meiner Geburtsstadt ansässigen "GbR" (familiäre "
G
esellschaft
b
ürgerlichen
R
echtes") aufrechterhalten.
Diese insgesamt sechzehnmonatige Erkrankung und Pflege meiner ersten Frau kostete unsere
privaten
Krankenversicherung, der
gesetzlichen
Pflegeversicherung und der "Beihilfestelle" der
Bundeswehr
insgesamt nicht weniger als etwa 170.000 EUR ...
mir
war es das wert!
Da sich damals nahezu alle meine vorherigen "Kontaktpersonen" (aufgrund deren Hilflosigkeit?) zurückgezogen hatten, war ich nach dem Tod meiner Angelika zunächst einmal sehr einsam, aber auch "frei". Ich habe deshalb bewusst keinerlei Versuche unternommen,
längst "eingeschlafene" Kontakte wiederzubeleben - alle Beteiligten (einschließlich vieler Familienangehörige) waren mir
völlig egal
geworden!
Ich beschloss deshalb
nur wenige Monate später
, mal wieder einen gründlichen "Schlussstrich" unter mein bisheriges Leben zu ziehen - und deshalb zusammen mit einer interessierten
neuen
weiblichen Internetbekanntschaft nach Andalusien (südliches Spanien, dort Atlantikküste) auszuwandern ... und ich fing sogar schon fleißig an, meinen Haushalt nach und nach aufzulösen und meine diversen, teilweise sehr umfangreichen Sammlungen deutlich
zu reduzieren, ....
.... doch dann kam
mal wieder
alles anders als geplant.
Buddy
.
2026.03.02
.
Hallo Jürgen
Der Tod meiner ersten Frau "Angelika" kam nicht unerwartet, da sie nach mehr als einem Jahr nicht aus dem Koma
erwacht war.
Uta war tatsächlich eine prima umgestaltete "Transe", also ein ehemaliger Mann, nun aber scheinbar ein weiblich
erscheinendes "Wesen" -
wirklich nicht mein Ding!
Unsere "Beziehung" war damit schlagartig beendet!
.
2026.03.04
Hallo Buddy,
zunächst danke für deine
Offenheit. Was du über die Pflege deiner Angelika geschrieben
hast, ist nichts, was man „einfach so“ liest. 10.000 Stunden – das
ist keine Floskel, das ist Hingabe. Unabhängig von allen
weltanschaulichen Fragen: Diese Verbundenheit hat Spuren
hinterlassen. Ich bin inzwischen der Auffassung, dass der Geist in
irgendeiner Form weiterlebt – und dass eine so intensive
Begleitung für beide Seiten Bedeutung hat, auch über das Sichtbare
hinaus.
Meine Mutter ist mit 58 Jahren an
Blutkrebs gestorben – genau am 30. Geburtstag meiner Schwester, am
21. Juni. Seitdem ist dieser Tag für uns immer doppelt belegt:
Sommeranfang, Geburtstag – und Todestag. Mein Vater hat sie über
zwei Jahre durch die Chemotherapie begleitet und gepflegt. Wir
Kinder haben vieles gar nicht richtig mitbekommen, weil wir unser
eigenes Leben hatten – und weil meine Mutter zu stolz war,
Schwäche zu zeigen.
Seit
dem Tod meiner Mutter habe ich ein anderes Verhältnis zur
Medizin und auch zu ‚offiziellen‘ Erzählungen. Ich habe über die
Jahre zu oft erlebt, dass Dinge lange als sicher galten – und
später korrigiert wurden.
Ich will damit nicht
behaupten, ich hätte die Wahrheit gepachtet. Aber ich bin
skeptischer geworden und prüfe mehr.
Bei Krebstherapien
empfinde ich das besonders: Man hofft, man vertraut, man
entscheidet – und im Nachhinein bleibt oft die Frage: War das
wirklich der beste Weg für genau diesen Menschen?
Zu einem ganz anderen Thema –
Nachrichten.
Wenn ich einschalte, höre ich fast täglich Variationen derselben
Muster: die bösen Russen, die heldenhaften Ukrainer, die EU plant
irgendetwas, der „Friedenspräsident“ Trump, der menschengemachte
Klimawandel, das böse CO₂, islamistische Terroristen, Krypto nur
für Geldwäsche. Irgendeines dieser Themen ist garantiert immer
dabei – und da bin ich raus. Das tue ich mir nicht an.
YouTube nutze ich anders. Dort
weiß ich von vornherein: Alles kann manipuliert sein. Also muss
ich mitdenken, vergleichen, querlesen. Das empfinde ich als
Training. Außerdem kann man Jahre zurückgehen und schauen, wer
wann was gesagt oder prognostiziert hat.
Das heißt aber ausdrücklich
nicht, dass ich finde, du solltest keine Nachrichten mehr schauen
und nur noch YouTube konsumieren. Im Gegenteil – gerade der
Austausch unterschiedlicher Informationsquellen macht Gespräche
interessant.
Angesichts deiner – wenn ich
richtig rechne – rund 35 Jahre bei der Armee bin ich tatsächlich
neugierig:
Wie schätzt du das Verhältnis Ukraine–Russland ein?
Konkret: Wie siehst du die mittelfristigen Aussichten für Russland
und für die Ukraine?
Mich würde deine Einschätzung
interessieren – und danach würde ich meine schildern. Und dann
warten wir einfach zwei oder drei Jahre und schauen, was daraus
geworden ist. Ohne Rechthaben-Wollen, eher als gedankliches
Experiment.
Zur EDV: Ich gelte zwar als
„Profi“, aber es gibt Tage, da möchte ich das Gerät am liebsten
aus dem Fenster werfen. Insofern sind wir da vielleicht gar nicht
so weit auseinander 😉Heute hatte ich mal wieder eines dieser
frustrierenden Technik-Erlebnisse. Ich wollte an einem Bild rechts
und links einen sauberen Übergang zum Hintergrund machen –
eigentlich eine Kleinigkeit. Canva wäre dafür das richtige Tool.
Aber die Funktionen sind so versteckt, so verschachtelt, dass ich
es selbst mit Hilfe von zwei KI-Systemen nicht geschafft habe, das
Bild so zu bearbeiten, wie ich wollte.
Das Problem ist: Programme bekommen immer mehr Funktionen, werden
ständig umgebaut – und die Bedienung ändert sich dauernd. Das
kenne ich ja seit Jahrzehnten von Windows. Eine richtige
Hassliebe. Seit 1995 arbeite ich mit Windows (angefangen bei 3.1),
und bei gefühlt jedem größeren Update wandern Funktionen von einem
Reiter zum nächsten. Man hat sich eingearbeitet – und zwei
Versionen später ist alles anders.
Ich war ja mal zwei Jahre komplett bei Linux. Dort ändert sich
nicht ständig alles, Updates gehen schnell und ohne Neustart –
etwas, das Windows seit 30 Jahren nicht wirklich elegant
hinbekommt.
Manchmal beneide ich einen Tischler. Ein Hobel hat sich in den
letzten zig Jahren kaum verändert. Vielleicht anderes Material,
vielleicht ergonomischer – aber ein Hobel ist immer noch ein
Hobel.
Computer und Programme sind für mich Werkzeuge. Und Werkzeuge
müssen nicht dauernd neu erfunden werden. Es darf neue geben –
aber die alten sollten so bleiben, wie sie funktioniert haben. Man
kauft sich ein Programm, arbeitet sich ein – und zwei oder drei
Generationen später ist es nicht mehr nutzbar, obwohl es immer
noch genau das tut, was man braucht.
Meine Schwester ist gerade richtig betrübt: Ihre Spiele, die unter
Windows 8 liefen, funktionieren auf dem neuen Rechner nicht mehr.
Ihr MS Surface ist kaputt – sie hätte 200 € für eine Reparatur
bezahlt, aber es gibt keine Ersatzteile mehr. Das ist genau diese
Wegwerf-Logik, die mich ärgert.
Also ja – manchmal wünsche ich mir, Technik würde sich ein
bisschen wie ein Hobel benehmen.
Zum Thema Kindergarten:
Meine Mutter war gelernte Kindergärtnerin – ich war in ihrer
Gruppe. Mein Vater war viele Jahre Lehrer. Vertretungsweise hatte
ich sogar Unterricht bei ihm, unter anderem in Zeichnen und
Geschichte. Meine Schwester ist Lehrerin für Geographie und
Geschichte.
Wir haben einmal über die
Zukunft des Lehrerberufs gesprochen. Sie war überzeugt, dass
Lehrer auch im KI-Zeitalter unverzichtbar bleiben. Ich habe ihr
nicht gesagt, dass ich das heutige Schulsystem grundsätzlich
anders sehe. Es war nie darauf ausgelegt, selbstständig denkende
Kinder hervorzubringen. Und schon das Wort „erziehen“ ist
schwierig – Gras wächst schließlich auch nicht schneller, wenn man
daran zieht.
Was Paris betrifft: Bei den
Geschäften auf der Champs-Élysées stimme ich dir zu – langweilig.
Wenn ich mit meiner Frau in Dresden im Zentrum bin, schlendert sie
durch die Läden, und ich sitze bei Hugendubel zwischen den
Bücherregalen. Nach zwei oder drei Stunden treffen wir uns wieder
– beide zufrieden. Jeder hat gemacht, was ihm Freude bereitet.
Deine „Brautschau“-Episode ist
übrigens filmreif. Dass deine drei Töchter dich so aktiv
verkuppeln wollten, hat Charme. Und die Episode mit „Uta“ wirst du
sicher nicht vergessen. Umso schöner, dass es mit Monika so gut
passt.
Ich selbst bin mit meiner
dritten Frau sehr glücklich. Am 12. März fahre ich mit meiner
zweiten Frau von Dresden aus zu meinem jüngsten Sohn nach Hüfingen
– das ist ja doch ein Stück.
Mein Jüngster hatte sich
ursprünglich für die Offizierslaufbahn verpflichtet, erlitt dann
aber einen schweren Motorradunfall und ist seitdem nicht mehr voll
tauglich. Die Armee hat ihm immerhin noch das Studium finanziert.
Heute ist er in der Wirtschaftsinformatik gelandet – und hat ein
eigenes Haus gebaut, das ich bislang noch nicht gesehen habe.
Darauf freue ich mich sehr.
Man sieht: Unsere Lebenswege
kreuzen sich immer wieder an unerwarteten Stellen.
Viele Grüße
Jürgen
2026.03.05
.
Hallo Jürgen
Ich bin kein Experte für völkerrechtliche Entwicklungen - und ich bin bei entsprechenden Reportagen und Kommentaren in unseren sogenannten "öffentlich-rechtlichen Medien" gleichermaßen interessiert wie skeptisch.
Die Ukraine hat nach dem Verfall und der Auflösung der ehemaligen "Sowjetunion" ihren Platz in Europa offenbar noch nicht gefunden. Sie tendiert zweifellos aufgrund ihrer geschichtlichen (Fehl-?)Entwicklung und ihrer Bevölkerung eindeutig in Richtung russischer
Hegemonie - möchte sich aber mit Blick auf diverse (insbesondere wohl "wirtschaftliche") Vorteile gerne den westeuropäischen Ländern angliedern ..... wobei diese Bestrebungen dort mit verhaltener Begeisterung und einem gesunden Misstrauen gesehen und behandelt
werden. Die Zukunft der Ukraine ist meines Erachtens völlig offen!
Zum Thema "Kindergarten" kann ich nicht viel beitragen. Meine erste (verstorbene) Ehefrau war Anfang der 70er Jahre (als ich sie kennenlernte) als eine sogenannte "Staatlich anerkannte Erzieherin" in Hamburg tätig, bei bis zu dreißig Kindern in der Gruppe ein
anspruchsvoller und anstrengender Beruf, der meine Hochachtung verdient. Aufgrund meines schon damals recht stattlichen Einkommens war sie dann nach der Geburt(1973) unserer ältesten Tochter nie wieder in diesem oder einem anderen Beruf tätig - sie genoss
sehr bewusst ein Leben als "Hausfrau und Mutter".
Dass Dein Sohn einen schweren Motorradunfall hatte und deshalb beruflich eingeschränkt war tut mir aufrichtig leid.
Ich habe in meiner militärischen Dienstzeit insgesamt zehn der mir unterstellten Soldaten mit "militärischen Ehren" beigesetzt. Acht von ihnen starben als
Motorrad
fahrer im öffentlichen Straßenverkehr -
ausschließlich in ihrer Freizeit
- mehrere bei "gewagten" Überholvorgängen durch den Aufprall mit entgegenkommenden Kfz. Keiner meiner (
insgesamt
weit mehr als tausend) unterstellten Soldaten
wurde "
im Dienst
" schwer verletzt oder gar getötet!
Buddy
.
.
Hallo Jürgen
hier mal zu Deiner Unterhaltung eine Anekdote aus der Zeit meines "bewegten" Berufslebens
in unserer Armee:
Ein
besonders kurioses
Ereignis in meinem Leben war 1978 die Verleihung jenes
jordanischen Ritterkreuzes
- und damit die "Erhebung" zu einem sogenannten "Ordensritter"!
Das alles geschah im Auftrag des damaligen und inzwischen verstorbenen
jordanischen
Königs "Hussein".
Nun sollte man so etwas aus der zeitlichen Distanz heraus mal
etwas sachlich
(um nicht zu sagen "amüsiert"!) bewerten:
So ein eindrucksvoller Orden wie ein "Ritterkreuz" ist genau betrachtet auch nur ein kleines, hübsch geformtes Stück Metall - und die zugleich überreichte "Verleihungsurkunde" ist nichts als ein Stück sehr sorgfältig (in diesem Fall "arabisch" beschriftetes)
Stück Papier.
Es ist aber auch
eine ganz besondere
Ehre, die mir damals als ein Oberleutnant zuteilwurde .... "sowas"
auf seinen Namen
besitzt eben nicht jeder! Deshalb bin ich darauf auch ein wenig stolz .... obwohl es eigentlich
nicht
sonderlich "aufwendig" war, so einen Orden und Titel zu erwerben.
Zur eigentlichen "Geschichte":
In den 70-ern diente ich als junger Artillerieoffizier in einem
besonderen
Bataillon der deutschen Bundeswehr, das
so
materiell ausgestattet
einmalig
in der bundesdeutschen Armee war. Wir waren mit insgesamt 18 (auch damals schon "
historischen
"!) Geschützen aus der Zeit des II. Weltkrieges ausgestattet, die sich aufgrund ihres relativ geringen Gewichtes ("nur" 2,5 Tonnen) und der relativ
"handlichen" Munition (Granatgewicht "nur" 15 kg) insbesondere dazu eigneten, per Lufttransport mit Kampfzonentransportern oder Transporthubschraubern rasch über große Entfernungen verlegt zu werden .... wenn denn mal wieder in einem Krieg wieder irgendwo
"der Kittel brennen würde".
Diese Geschütze waren damals
einzig und alleine
dazu geeignet, in Friedenszeiten mit einer dafür entwickelten sogenannten "Manövermunition" (d.h.: Munition
ohne
Geschosse!) bei Bedarf "
Salut
" zu schießen.
Diesen
Bedarf
gab es immer wieder mal bei der Ankunft von Staatsgästen in unserem Land ... aber
nur solche
, die in ihrem Land die jeweiligen
Staatsoberhäupter
waren. Die internationale Diplomatie kennt diesbezüglich
traditionsreiche "Rituale"
, die auch heute noch durch fast
alle Staaten der Welt
beachtet und praktiziert werden .... und dazu gehört die klassische Begrüßung des eingeladenen Staatsoberhauptes mit "militärischen Ehren".
Diese sehen (weltweit!) im Wesentlichen so aus:
Das Flugzeug eines solchen bedeutenden Staatsgastes wird
ab Überfliegen
der Landesgrenze des Gastlandes "abgeholt" und ab dort links und rechts von zwei unserer Jagdflugzeuge eskortiert (begleitet), das stellt einen "
symbolischen
Schutz" des Gastes
dar.
Jedes ausländische Staatsoberhaupt (selbst der Papst) wird unmittelbar beim Verlassen
seines Flugzeuges mit
21 Schuss "Ehren-Salut"
begrüßt ... und genau
das
war damals in den ´70-ern nicht selten
meine
Aufgabe und somit auch die meiner "Jungens".
Der Staatsgast betritt dann am unteren Ende der Gangway seines Flugzeuges das "Gastland" (üblicherweise auf einem "roten Teppich") und wird dort auf dem Flughafen durch das Staatsoberhaupt des Gastlandes (bei uns bekanntlich der "Bundespräsident")
persönlich
empfangen und begrüßt.
Nach der Begrüßung schreiten
beide
Staatsoberhäupter
gemeinsam
eine militärische Ehrenformation ab ....
bei uns (ebenfalls "traditionell") bestehend aus ca. 300 angetretene Soldaten unseres "Wachbataillons". Das stellt dann ebenfalls einen "
symbolischen
Schutz" im Gastland dar.
Musikalisch begleitet
wird das dann durch das ebenfalls angetretene "Stabsmusikkorps der Bundeswehr".
Die deutsche Bundesflagge (durch das "Wachbataillon" mitgeführt und präsentiert) wird dabei durch den Gast
gegrüßt / geehrt.
Die
verantwortlichen militärischen Führer,
also der Führer der Lufteskorte,
der Chef der Salutbatterie
und der Kommandeur des Wachbataillons" werden anschließend gelegentlich
stellvertretend
für alle dort beteiligten Soldaten
geehrt
, da sie dem anreisenden ausländischen Staatsgast auftragsgemäß eine
große Ehre
erwiesen hatten.
Ich selbst habe in den 1970-ern nicht wenige unserer Staatsgäste bei ihrer Ankunft auf
dem Flughafen Köln-Bonn
mit Salutschüssen
"standesgemäß" begrüßt - unter anderen: den Marschall Tito (Jugoslawien) ... den den Staatspräsidenten Breschnew (UdSSR) ... den Staatspräsidenten Jimmy Carter (USA) ... den Staatspräsi-denten Nyerere (Tansania)
... Königin Elizabeth (Großbritannien) ... die Staatspräsidenten Arap Moi (Kenia)
.... den Staatspräsident Giscard d´Estaing (Frankreich) .... den Könige Hussein (Jordanien) .... König Khaled (Saudi-Arabien) - und andere mehr, an die ich mich heute nicht mehr erinnern kann.
"Bedankt" haben sich dafür übrigens
nur wenige
von ihnen: Marschall Tito ließ seinerzeit uns "Artilleristen eine Kiste "Sliwowitz" zukommen ... Queen Elizabeth ehrte meinen "dienstältesten Unteroffizier" mit einer wertvollen Silbermedaille ... König
Khaled ließ meine Frau und mich zum offiziellen Empfang des damaligen Diplomatischen Korps in seine Bonner Botschaft einladen - und der jordanische König Hussein ehrte mich als Einheitsführer (
ebenfalls stellvertretend für uns alle
) sogar recht "königlich"
mit einem echten Ritterkreuz -
allerdings "nur"
5
.(!) Klasse, das war in Deutschland damals ein sehr seltener und deshalb begehrten Orden.
Fortsetzung folgt (sofern Du wegen mangelnden Interesses nicht "abwinkst").
Buddy
.
.
Hallo Jürgen
Hier nun die Fortsetzung meiner letzten Mail - einige "zeitgenössische" Aufnahmen aus den 1970er Jahren und die Ablichtung von Dokumenten aus dieser längst vergessenen Phase meines Lebens:
Eines meiner sechs Geschütze bei einem (von vielen!) "Salutschießen".
So sah es aus, wenn meine Haubitzen im Bereich des Flughafens Köln-Bonn anlässlich des Empfangs eines Staatsgastes in Stellung waren ....
.... und so, wenn alle Vorbereitungen abgeschlossen waren und es endlich "losging".
Hier marschiert gerade das "Wachbataillon der Bundeswehr" auf .... vorweg das Ende einer Kompanie (100 Soldaten) in "
Heer
esuniform" - in der Bildmitte eine weitere Kompanie in "
Marine
uniform" .... und nachfolgend die Spitze einer dritte Kompanie
in "
Luftwaffen
uniform".
Hier siehst Du die Entfernung meiner Geschütze zum Flughafengebäude, vor dem anschließend das Flugzeug des Staatsgastes zum Stehen kommt - näher heran an das Gebäude durften wir nicht mehr, nachdem bei einem früheren Salutschießen einige Scheiben durch den
Luftdruck zersprungen waren.
Auf diesem Bild siehst Du mich bei der Ordensverleihung .... warum die dazugehörige Urkunde direkt daneben abgebildet ist, bleibt ein Geheimnis meines Computers (?)
Hier siehst Du eine Übersetzung der Urkunde, die erst viele Jahre später angefertigt wurde als ich endlich einen Araber kennengelernt hatte, der die sogenannte "Koranschrift" (in der die Urkunde verfasst wurde) übersetzen konnte.
Hier mal ein "zeitgenössischer militärischer Befehl", der den militärischen Teil so eines Staatsempfangs regelte, ....
.... und hier die sehr viel später übersandte "Genehmigung", den mir verliehenen Orden auch tatsächlich in der Öffentlichkeit tragen zu dürfen - bei uns in Deutschland "muss halt alles seine Ordnung haben" (!)
Hier mal ein anderes (späteres) Salutschießen für das damalige Staatsoberhaupt Saudi-Arabiens, ....
.... bei dem ich dann anschließend zusammen mit meiner "dbH" ("
d
eutlich
b
esseren
H
älfte") zum "Empfang" eingeladen wurde - gemeinsam mit etwa 100 weiteren Gästen des sogenannten "Diplomatischen Korps", eine Veranstaltung, bei der man deutlich erkannte, dass man nicht bei "armen Leuten" zu Gast war!
Wie immer viel Spaß beim Betrachten dieser Bilder!
Buddy
.
2026.03.06
Hallo Buddy,
deine Geschichte mit dem
jordanischen Ritterkreuz ist wirklich eine interessante Anekdote.
Man merkt, dass du in deiner Dienstzeit an einigen besonderen
Situationen beteiligt warst – Staatsbesuche bekommt man ja nicht
alle Tage aus nächster Nähe mit.
Eine Frage ist mir dabei gleich
eingefallen:
Wie laufen eigentlich diese
21 Schuss Ehren-Salut
genau ab? Werden
die Schüsse nacheinander abgefeuert oder mehrere gleichzeitig? Ich
habe so etwas zwar schon im Fernsehen gesehen, aber nie wirklich
darauf geachtet, wie das technisch organisiert ist.
Beim Thema Militärmusik fiel mir
noch etwas ein: Mein Ex-Schwiegervater war im
Musikkorps der NVA
. In
der Familie wurde das immer scherzhaft „bei den
Musik- und Tanzstreitkräften der
NVA
“ genannt. Ein liebevoller Spitzname, der wohl auch
unter Soldaten ganz gern benutzt wurde.
Zu deiner Bemerkung über
Motorradfahrer musste ich schmunzeln. Ich selbst habe
nie Motorrad gefahren
.
Mein Gedanke war immer: Bei einem Unfall ist der Motorradfahrer
fast immer der Dumme – egal, wer eigentlich Schuld hat. Für mich
gilt deshalb: Alles, was schneller als ein Tourenfahrrad ist, ist
auf zwei Rädern zu schnell. Also entweder
Fahrrad oder vier Räder
.
Beim Thema
Kindergarten und Schule
habe ich inzwischen eine etwas grundsätzliche Meinung entwickelt.
Ich glaube, dass unser ganzes System – Kinderkrippe, Kindergarten,
Schule, Studium – irgendwann einmal stark überdacht werden muss.
Vieles daran wirkt heute noch so, als wäre es ursprünglich darauf
ausgelegt gewesen, möglichst gut funktionierende Arbeitskräfte
oder Soldaten für Industrie und Staat hervorzubringen. Wenn man
sich manche Entwicklungen anschaut, könnte man fast meinen, dass
sich daran bis heute gar nicht so viel geändert hat. Deine
Erfahrungen mit jungen Soldaten und Motorradunfällen erinnern mich
ein wenig daran, wie sehr junge Menschen manchmal in Strukturen
hineingezogen werden, die sie selbst kaum hinterfragen.
Zum Thema Ukraine:
Deiner Einschätzung „Die Ukraine
hat ihren Platz in Europa noch nicht gefunden“ stimme ich voll zu.
Meiner Ansicht nach wurde und wird die Ukraine von den USA und
Europa stark ausgenutzt – als Testgebiet für neueste Waffentechnik
und möglicherweise auch für andere Interessen, etwa Genforschung
oder Rohstoffausbeutung.
Meiner Meinung nach hatte und
hat die Ukraine keinerlei realistische Chancen, militärisch etwas
gegen Russland zu gewinnen. Viele der gelieferten Waffen aus
Großbritannien, Frankreich, Deutschland oder anderen EU-Ländern –
letztlich von europäischen Steuerzahlern bezahlt – werden im Krieg
zerstört. Je länger sich der Krieg hinzieht, desto weniger wird am
Ende von der Ukraine übrig bleiben. Es wird viele Jahre dauern,
bis diese Wunden überhaupt ansatzweise geschlossen sein können.
Mich erinnert diese Situation
ein wenig an historische Beispiele aus dem Zweiten Weltkrieg.
Hitler hätte nach Stalingrad aufgeben können, tat es aber nicht.
Spätestens nach der Schlacht um die Seelower Höhen hätte er den
Krieg beenden können, bevor Deutschland vollständig zerstört
wurde.
1945 wurden sogar Jugendliche
noch zur Flak eingezogen und verheizt. Selbst nachdem Städte wie
Hamburg, Magdeburg oder Dresden in Schutt und Asche lagen, wurde
weitergekämpft. Erst als sowjetische Truppen in Berlin den
Reichstag erreichten und dort ihre Flagge hissten, war der Krieg
faktisch entschieden.
Einen ähnlichen Ablauf sehe ich
heute in der Ukraine.
Aber wechseln wir lieber das
Thema, bevor es zu schwer wird.
Hier scheint heute endlich
einmal die
Sonne
,
wolkenloser Himmel. Nach den grauen Tagen tut das richtig gut. Ich
überlege, nachher noch eine kleine Runde rauszugehen – ein
bisschen Bewegung und vielleicht ein paar Fotos machen.
Was machst du bei dem schönen
Wetter?
Viele Grüße
Jürgen
2026.03.07
.
Hallo Jürgen
Ich denke gerade über einen alternativen Themenbereich nach, in dem wir beide vermutlich reichlich "Lebenserfahrung" gesammelt haben - und über die wir uns per Mail "virtuell" unterhalten könnten.
Hier mal ein Vorschlag:
Besondere Ereignisse in unserem Leben sind oft mit „Begegnungen“ verbunden ... genauergesagt: mit Kontakten zu Personen, die zufällig unseren Lebensweg kreuzen, die deutlich „anders sind als die Anderen“ und die deshalb einen bleibenden Eindruck bei uns
hinterlassen.
Gelegentlich erinnert mich ein „Stichwort“ daran – und an gemeinsame Erlebnisse mit ihnen.
Dann lehne ich mich gerne in meinem „Chefsessel“ zurück, schließe die Augen und denke weit zurück. Diese Erinnerungen schreibe ich meist auf, sie werden dann Teil meiner ganz persönlichen „Chronik“, ….
…. die dadurch zusätzlich zu den zahllosen Fakten und „zeitgenössischen“ Dokumenten an chronologisch richtiger Stelle etwas aufgelockert wird.
Da war zum Beispiel in den 1990er Jahren der überraschende Besuch jener sehr attraktiven Russin .... die nicht nur Mitglied der "Duma" (russisches Parlament) war ... und die nicht nur eine erklärte "Freundin" des extrem trinkfesten russischen Präsidenten
"Jelzin" war .... sondern die auch noch großartig "duftete". Bei einem Besuch in unserer Wohnung "freundete sie sich" spontan mit meiner (ersten) Frau an, ....
.... oder ein älterer
Indio
aus Cusco (Peru) ... der seinerzeit der "dienstälteste" katholische Erzbischof der Welt war. Nur zufällig lernte ich ihn bei einer sogenannten "Soldatenwallfahrt" in Lourdes (Südfrankreich) persönlich kennen und schätzen.
Etwa ein Jahr später besuchte er mich dann ein Jahr später einigermaßen überraschend in Deutschland, sowohl in der Kaserne als auch daheim, ....
.... oder ein
Jude
.... ein Offizierskamerad von mir war ... der in Israel geboren war ... und der dort häufig zu Besuch war. Seine Mutter war eine Überlebende des "Holocaust". Mitte der 1990er Jahre besuchte diese dann zum ersten Mal seit einem
halben Jahrhundert ihre
ehemalige
deutsche Heimat, um ihren Sohn und seine Familie zu besuchen. Dann geschah das Unfassbare ... unmittelbar nach der Landung auf dem Flughafen "Köln-Bonn" wurde diese ältere und ehrenwerte Dame verhaftet, ....
.... oder ein hochrangiger
schottischer
Offizier („Colonel“). Er war ein echter „Gordon Highlander“. Ich lud ihn auch zu uns nach Hause ein. Bei dieser Gelegenheit wollte meine Frau endlich mal wissen, was ein Schotte tatsächlich so unter dem
Rock („Kilt“) trägt - und was er sonst noch so im Pelzbeutel („Sporan“ genannt) vor seinen „Kronjuwelen“ mitführt, ....
.... oder ein
mongolischer
Generalstabsoffizier - mit dem ich Erlebnisse in meinem damals angepachteten Jagdrevier teilte .... sowie auf der kleinen, aber feinen Nordseeinsel „Spiekeroog“ ... und im Nachbarland „Holland“. Er gab mir im Gegenzug
eine Einladung in die "Mongolei", die die ich jedoch ablehnen musste, ....
.... oder die mehrfachen, äußerst erotischen (
nicht
etwa "unanständigen“!) Begegnungen mit einer Bäckersfrau ... als ich noch völlig „ungebunden“ in jungen Jahren war. Wie heißt es doch so schön: „War noch jung - war noch fit - machte jeden Blödsinn
mit!“, ....
... oder mein schmerzhaftes Erlebnis mit einer nahezu riesigen
Stute
namens „Larissa“. Sie war ein sogenanntes „Shire Horse“
.... oder mit unserem „Haushecht“ namens Helmut der in unserem damals recht großen Gartenteich lebte ....
.... und … und … und …
Diese Anekdoten sind wahre Begebenheiten, die das Leben geschrieben hat - und nicht etwa frei erfundenen Kurzgeschichten! Dazu würde meine Fantasie nicht ausreichen.
Du hast Interesse? Dann werde ich gerne die eine oder andere dieser Anekdoten „ausgraben“ und anschließend als Leseprobe zukommen lassen.
Buddy
.
.
Hallo Jürgen
Bei einem offiziellen "Salutschießen" werden traditionell alle 21 "Platzpatronen" unmittelbar hintereinander in einem zeitlichen Abstand von ca. fünf Sekunden abgefeuert.
Bei einem Verkehrsunfall, bei dem ein Fahrradfahrer beteiligt ist, wird häufig (völlig "losgelöst von dessen Verhalten") der Fahrer eines
motorisierten
Unfallgegners (egal ob LKW, PKW oder Krad) "schuldig" gesprochen .... damit dessen gesetzlich geforderte Kfz-Versicherung für teilweise erheblichen Folgekosten aufkommen .... entsprechend unversicherte Fahrradfahrer haften vermutlich so
gut wie nie .... oder hast Du andere Erkenntnisse?
Bei schönem Wetter wie heute genieße ich in der Regel einen kurzen Spaziergang in unserem ruhigen Stadtteil. Gelegentlich fahre ich auch mit dem PKW an den Stadtrand und genieße dann einen Gang entlang eines der Seeufer oder alternativ den Wald.
Wie sieht es bei Dir aus?
Buddy
.
2026.03.08
Hallo Buddy,
danke für deine Erklärung zu den
Salutschüssen
. Wenn ich
das richtig verstanden habe, werden also alle 21 Schuss
nacheinander abgefeuert, etwa im Abstand von fünf Sekunden. Das
ist ja insgesamt länger als eine Minute. Ich muss gestehen, dass
ich mich nicht erinnern kann, jemals wirklich alle 21 Schüsse
bewusst gehört zu haben. Im Fernsehen sieht man manchmal zwei oder
drei kurz hintereinander, aber live habe ich das nie so
vollständig wahrgenommen.
Zum Thema
Verkehrsunfälle mit
Fahrradfahrern
muss ich gestehen, dass ich mir darüber
bisher kaum Gedanken gemacht habe. Wenn man darüber nachdenkt,
wirkt das System tatsächlich etwas einseitig: Fahrradfahrer sind
weder versicherungspflichtig, noch brauchen sie eine
Fahrerlaubnis, noch haben sie ein Punktekonto in Flensburg. Da
liegt es nahe, dass bei einem Unfall oft automatisch der
motorisierte Unfallgegner in der Verantwortung gesehen wird –
einfach weil dort eine Versicherung vorhanden ist, die mögliche
Schäden regulieren kann.
Bei
schönem Wetter
gehe ich grundsätzlich
auch gern raus. Allerdings brauche ich immer einen kleinen Anlass
oder ein Ziel. Einfach nur losgehen, einmal um den See laufen oder
eine Strecke hin und wieder zurück ohne konkreten Zweck – damit
habe ich irgendwie meine Schwierigkeiten. Jetzt, wo du mich danach
fragst, fällt mir ein, dass ich eigentlich mal wieder meine
360-Grad-Kamera
hervorholen und überprüfen sollte. Wenn ich die dabeihabe, habe
ich automatisch einen Grund, draußen nach interessanten Motiven zu
suchen. Dann wird aus einem Spaziergang gleich eine kleine
Entdeckungstour.
Dein vorgeschlagenes Thema
„Begegnungen im Leben“
finde ich sehr spannend. Deine kurzen Andeutungen klingen ja schon
fast wie der Anfang eines ganzen Geschichtenbandes. Die Beispiele,
die du erwähnt hast – von der russischen Politikerin über den
schottischen Offizier bis hin zum mongolischen General – machen
neugierig.
Mir selbst fallen spontan gar
nicht so viele außergewöhnliche Begegnungen ein. Aber ich habe die
Erfahrung gemacht, dass Erinnerungen oft erst wieder auftauchen,
wenn jemand anderes eine Geschichte erzählt. Insofern bin ich
gespannt auf deine Anekdoten – vielleicht wecken sie bei mir auch
die eine oder andere Erinnerung an eigene Erlebnisse.
Hast du eigentlich schon einmal
darüber nachgedacht, solche Geschichten
als Buch
zusammenzustellen? Deine
Chronik scheint ja bereits eine ganze Sammlung an Material zu
enthalten.
Viele Grüße
Jürgen
2026.03.09
.
Hallo Jürgen
Hier mal eine von vielen
wahren
Anekdoten - ein Teil meiner ganz persönlichen "Chronik":
1996 war es mal wieder so weit: In der Bundeswehr wurde ein "Doofer" gesucht, dem man einen "Sonderauftrag" zumuten durfte .... und da gab es ein merkwürdiges
"Auswahlverfahren", aus dem
ich
ständig als "Sieger" hervorging.
Die "Entscheidungsträger" (meine unmittelbaren Vorgesetzten!) setzten sich bei einem leckeren Kaffee zusammen und fragten sich in dumpfer Verzweiflung, wem
sie diesmal einen soeben hereingekommenen "Scheiß-Auftrag" erteilen sollten. Bei ihrer Suche nach einem "Opfer" gingen sie dann gerne mal
streng alphabetisch
vor .... und das ging dann etwa so: "
A
": da kennen wir leider keinen ... "
B
": na klar, "
Barlag
" ... wie
immer
! Wer denn sonst?
Aber ganz von vorne:
Die Bundesregierung lud immer wieder mal ausländische
Offizier aus aller Welt
ein, bei uns in Westdeutschland an unserer in Hamburg gelegenen "Führungsakademie" an einer besonders hochwertigen, zweijährigen "Generalstabsausbildung" als ein sogenannter "Gasthörer" teilzunehmen. Zuvor durften diese "Staatsgäste"
am sogenannten "Bundessprachenamt" (in Hürth)
perfekt "Deutsch"
lernen ... ebenfalls auf Kosten unseres Landes.
Nun war es so, dass ein
Mongole
(ein Oberstleutnant der dortigen Streitkräfte und Generalstabsoffizier - also wohl ein
künftiger
General?) irgendwie "in der Luft hing". Sein
Sprachenlehrgang
in Hürth endete ein paar Tage
vor
Pfingsten, sein dann nachfolgende
Generalstabslehrgang
in Hamburg begann aber erst ein paar Tage
nach
Pfingsten, .... was also tun mit so einem "Nachkommen von Dschingis Khan"?
Unser Verteidigungsministerium delegierte das Problem wieder mal kurzerhand an das I. Korps in
Münster
.... dort sollte man nun umgehend eine möglichst "geräuschlose" Lösung finden ....
die
"Münsteraner" delegierten das Problem "erbarmungslos" an die ihnen unterstellte 7. Panzerdivision in
Düsseldorf
....
diese
(ohne lange Nachzudenken!) an das ihnen in Dülmen (Westfalen) stationierte Artillerieregiment 7 .....
die
dann an das ihnen unterstellte Raketenartilleriebataillon 150 in
Wesel
.... und unser "pfiffiger" Kommandeur beauftragte nun
seinen ganzen Stolz
(nämlich mich!) mit der Durchführung - und er selbst meldete sich kurzentschlossen (und somit unerreichbar!) in den Urlaub ab.
Ich schildere Dir das nur so ausführlich, damit Du mal siehst, wie "herrlich unkompliziert" so etwas beim Militär geregelt wird. "Den Letzten beißen die Hunde"
.... oder wie man in der französischen Fremdenlegion sagt: "Si tu ne veut pas, tu dois!" (auf Deutsch: "Wenn Du nicht
willst
, dann
musst
Du eben!")
Dieser Mongole sah übrigens auch so aus, wie man sich "Dschingis Khan" vorstellt ..... und er war aber eigentlich ganz "lieb".
Er hatte zuvor tatsächlich ausgezeichnet Deutsch erlernt - und er war ein besonders aufgeweckter, vielseitig interessierter Kerl .... so ganz nach meinem
Geschmack - ich mochte ihn auf Anhieb!
Aber wie "bespaßt" man so einen asiatischen "Überraschungsgast"
einige Tage lang
, wenn man (so wie ich damals) eigentlich ins eigene Jagdrevier, damals im norddeutschen "Emsland" gelegen fahren möchte? Ganz einfach, man nimmt ihn einfach mit!
Ich hatte dort
nicht nur
ein
Jagdrevier
angepachtet, sondern auch eine recht schlichte und deshalb preiswerte Ferienwohnung im ausgebauten Dachgeschoss eines Bauernhauses auf Dauer angemietet .... sozusagen als meine "Jagdhütte".
Im Gegensatz zu einer "traditionellen" aus Holz gebauten "Jagdhütte" im Wald des eigenen Jagdrevieres gab es hier Strom, Wasser, ein Bad, Fernsehen, eine
Küchenzeile, Kühlschrank, Heizung und andere Annehmlichkeiten - also nicht stilecht" aber relativ komfortabel.
Dort quartierten wir uns nun erst einmal ein. "Wir", das waren in diesem Fall nicht nur der Mongole und ich, sondern auch meine Tochter Conny (daheim meist
"das Aas" genannt - ein passionierter weiblicher "Wilderer" und "Raubfischer") - und zusätzlich ihre ziemlich bratzige aber unzertrennliche "beste Freundin".
Mein asiatischer Kamerad war ebenso wie ich ein passionierter Jäger, also lud ich ihn auf einen gemeinsamen Abendansitz auf eine meiner "Ansitzkanzeln" ein. Er war hocherfreut und geradezu überwältigt.
Das war meine dortige "Lieblingskanzel" (selbst gebaut!) .....
..... und so sah mein gepachtetes Jagdrevier von dort oben aus.
Ausgerechnet an diesem Abend kam einer meiner "Lieblingsböcke" vorbei, ein pechsch
warzer
Rehbock, also eine relativ seltene "Fehlfarbe". Ich drückte dem Mongolen nun mein "Geschütz" in die Hand und gab ihm dieses besondere Tier zum Abschuss frei,
klappte auch prima! Der Asiate hatte vor Freude "Pipi in den Augen", mich persönlich hatte dieser ganze "Spaß" gerade mal 3,00 DM gekostet, eine Patrone im Kaliber .300 Winchester Magnum ....also, was soll´s?
Die "Arschkarte" hatte natürlich der arme Rehbock .... er war zur falschen Zeit am falschen Ort!
Am nächsten Tag fuhren
wir vier
dann gemeinsam über die nahegelegene Grenze ins nahegelegene Nachbarland "Holland". Dort gab es "denkwürdige" Erlebnisse, die diesen kurzen Auslandsaufenthalt recht "unterhaltsam" werden ließen:
Im Bereich der "Loosdrechtsen Plassen" mietete ich drei Paddelboote für uns an, um die dortige Gegend vom Wasser aus zu "erkunden" .... meine Tochter und
ihre etwas "biestige" Freundin waren nun zusammen in einem der Boote .... der Mongole und ich jeweils in einem
eigenen
Boot. Das war eigentlich "eine gute Idee" -
dachte
ich zumindest!
So sieht es dort im Zentrum Hollands aus ....
.... und das war unsere "Route" in Richtung eines der zahllosen Seen.
Unterwegs jammerte mein Gast dann unentwegt herum:
Sehr schön
hier, aber
fu(r)chtbar
gefährlich!"
Zuerst dachte ich, er wolle mich verscheißern .... aber mitten auf einem See wurde ich eines Besseren belehrt! Er klammerte sich verzweifelt an einem der
dort aus dem Wasser ragenden Pfähle fest und er weigerte sich nun standhaft, auch nur
einen einzigen Meter
mit seinem Boot weiterzufahren. Es war übrigens die Verankerung einer Aal-Reuse, deren besonders lebhaft zappelnden "Inhalt" (in der letzten Kammer dieser Falle!) ich den Dreien zuvor gezeigt hatte.
Er (der Mongole) konnte nicht schwimmen, wie er mir
an dieser
Stelle "schamhaft" gestand. Angeblich gibt es kein Gewässer dort in seiner mongolischen Heimat, um so etwas zu erlernen! Ich hätte ihm an dieser Stelle eventuell zu seiner Beruhigung sagen sollen, dass die dortigen "Plassen" (Seen) selten
tiefer als einen Meter sind .... aber ich wollte ihm die Spannung nicht nehmen. Stattdessen erinnerte ich ihn an seinen tapferen Vorfahren "Dschingis Khan" - und irgendwie schafften wir es dann auch (er mit zahlreichen Schweißperlen auf der Stirn!) bis zum
"Bootsanlieger" zurück.
Dort kam es dann allerdings unerwartet "ganz dicke"!
Etwa zehn Meter
vor dem Ziel
alberten meine Tochter und ihre Freundin so lange mit dem Paddelboot herum, bis ihr Boot schließlich schließlich
kenterte
und vor unseren Augen in einer typischen "Gracht" ( holländischer "Entwässerungskanal" )
versank
. Die schon "betagte" Holländerin, die uns diese drei Boote vermietet hatte, sah dabei vom Anleger aus zu, wurde "fuchsteufelswild" - und stieß
wirklich "böse"
holländische Flüche aus (die von uns Vieren Gott sei Dank
nur ich
verstand!).
Der Mongole verlor nun endgültig die Nerven,
kroch
am Anlieger angekommen aus seinem Boot heraus und dann auch noch
auf allen Vieren
an der noch immer fluchenden Holländerin vorbei -
über den ganzen Bootsanleger,
.... während die beiden Mädels nach ihrem inzwischen gesunkenen Paddelboot in der Gracht tauchten .... natürlich voll bekleidet (!) Ich saß etwas abseits
noch immer in
meinem
Boot, hielt angesichts der "dramatischen Szene" die Hände vor das Gesicht - und behauptete verzweifelt: "
Die
kenne ich alle nicht!"
Nach dieser "erfrischenden Episode" fuhren wir weiter ins nahegelegene Amsterdam.
Da die beiden Mädels ohnehin andere Pläne hatten (sie murmelten was von "Coffieshop", hatten evtl. Durst?) verabredeten wir Zeit und Treffpunkt am späten Abend. Außerdem nahm ich diesen beiden noch immer
klatschnassen
"Grazien" das Versprechen ab, dass sie uns (den Mongolen und mich!) bitte
auf gar keinen Fall
anzusprechen sollten, wenn wir uns "unglücklicherweise" irgendwo in Amsterdam
zufällig
begegnen würden , sie waren mir zu dem Zeitpunkt nämlich irgendwie etwas "peinlich und lästig" geworden!
Dann stimmte ich erst einmal "meinen Mongolen" wieder
versöhnlich (
um nicht zu sagen "
glücklich"
) als wir beiden anschließend (nun zu zweit) in das berühmt-berüchtigte "Rotlichtviertel" von Amsterdam eintauchten. Ich nannte es gerne mal scherzhaft das "
Armen
viertel", weil es dort abends überall
nur diese hübsche rote "
Not
beleuchtung" gibt ... und weil viele dort lebenden "sehr freundlichen Mädels" sich dort offenbar nicht einmal Gardinen vor den Fenstern leisten können (?) .... und weil sie außerdem offensichtlich nicht einmal "etwas Ordentliches"
anzuziehen hatten (?)
In Amsterdam ist eben auch nachts "was los", .....
..... und das sind dort solche sehr freundlichen Damen, die offenbar "nichts Ordentliches" anzuziehen haben.
In meinem Stammlokal, das ich bereits seit den ´60-er Jahren sehr schätze - und das noch heute unverändert durch die etwas in Verruf geratenen "Hells Angles"
betrieben wird, waren mein exotischer Gast und ich dann wieder "dicke Freunde". Er war nun erwartungsgemäß von "Amsterdam" total begeistert und meinte nur: "Zwar nicht sehr dezent hier - aber
seeeehr
schön!"
Meine o. a. "Stammkneipe" dort in Amsterdam ....
..... und dort der etwas ungewöhnliche
Wandschmuck
- ein echtes "Milwaukee-Feineisen" (eine "Harley-Davidson").
Einen Tag später lud ich meinen Gast dann "alternativ" auch noch zu einem Tagesausflug auf meine Lieblingsinsel "Spiekeroog" ein .... sie war in weniger als
einer Stunde von meiner "Jagdhütte" aus zu erreichen.
Klar, dass er dort auch
nicht
im Meer baden wollte .... pure Angst!
Diese Insel gefiel ihm dennoch prächtig, .....
.... nur das viele Wasser dort "war irgendwie nicht sein Ding".
Bevor er dann einige Tage später seine Weiterreise nach Hamburg (zur dortigen "Führungsakademie der Bundeswehr") antrat, erfuhr ich
zufällig
in einem kameradschaftlichen Gespräch, dass
er
bei einem " Monatseinkommen" von lediglich ca.
300 DM
, (also 150 EURO - in der
Mongolei
war das angeblich
viel Geld
!) und einem zusätzlichen etwa gleichhohen "Taschengeld" ("spendiert" durch unsere BRD als sein "Gastgeber") nicht genug Rücklagen bilden konnte, um zwei Monate später
so wie vermutlich alle übrigen Lehrgangsteilnehmer im dann 4- wöchigen Urlaub zu seiner Familie in seine ferne Heimat zu fliegen.
Der Hin- und Rückflug in die "Mongolei" kostete damals ca. 1.800,- DM - er hatte nach eigenen Angaben aber nur 800,- DM angespart.
Nun - ich hatte damals in der Kaserne gerade 1.000 DM "Schwarzgeld" im Tresor herumliegen (von einem sehr vermögenden "Sponsor" als "Siegesprämie" bei einem
durch ihn erdachten "Infanteriewettkampf" erhalten!), die dort "eigentlich" sowieso nicht sein durften. Ich schenkte dem Mongolen dieses Geld
einfach mal so
beim Abschied .... er konnte es kaum glauben!
Ach ja: Er hatte mich schon
zuvor
(also unmittelbar nach unserer "Bockjagd"!) spontan in die
Mongolei
zur Jagd auf "Bär und Wolf" eingeladen .... nur die Kosten für den Flug (siehe oben) würden dabei für mich persönlich anfallen - in der Mongolei sei ich dann nach der Landung
selbstverständlich sein "ganz persönlicher Ehrengast"! Aber ich liebe Bären und Wölfe .... und ich hatte (und habe nach wie vor!)
keineswegs die Absicht
, sie jemals zu töten.
Ich hatte zudem vorsichtshalber einige "kritische Fragen" zum angebotenen Aufenthalt:
Unterbringung? Natürlich nach Landessitte in einer
Jurte
- okay, warum auch nicht.
Sanitäre Einrichtungen? Leider nur sehr wenig Wasser dort in der Steppe, aber Abseits der Jurten einige Sträucher
Getränke (abends)? Kein Wodka, wie ich vermutet hatte, sondern "
gegorene Stutenmilch
"
Transportmittel? Nicht etwa "Jeep", wie ich gehofft hatte - sondern ausschließlich Ponys
viele Mücken dort? Ja, in den Sommermonaten eine echte, nahezu unerträgliche Plage
Und
dann hatte ich so etwas wie eine "Vision"
:
Ich sah mich (
im Geiste!)
dort im fernen Osten auf einem zotteligen Pony durch die total öde Landschaft hoppeln ... inmitten riesiger Mückenschwärme
.... mein wund gerittener Hintern knallrot .... aufgrund des o.a. Gesöffs heftig unter "Pustekacke" und Brechreiz leidend .... und deshalb diesem armen Reittier ständig in den Nacken kotzend!
Meine Antwort auf diese
freundliche Jagdeinladung
in die Mongolei lautete deshalb: "Danke - nein!"
Das fiel mir natürlich auch schon deshalb sehr leicht, weil ich (als quasi "Bundesbeamter") ohnehin
keine Geschenke
mit einem
Wert von mehr als 70,00 DM
(35,00 EUR) hätte annehmen dürfen.
Buddy
.
2026.03.10
.
Hallo Jürgen
zu Deiner Unterhaltung hier mal eine weitere Anekdote - meine Erinnerungen an ein Erlebnis, das ich in den 1980er Jahren genießen durfte .... es war der einzige "Segeltörn" in meinem Leben.
Damals war ich in Schleswig-Holstein als ein "S4-Offizier" ("Sachgebietsleiter 4"= Logistik) im Bataillonsstab eines Raketenartilleriebataillons eingesetzt. Der "ranghöchste" Artillerist im nördlichsten Bundesland "Schleswig-Holstein" war ein "Oberst"
- und der hatte
nicht nur
hervorragende Verbindungen zur "
Bundesmarine
", ....
.... er hatte auch ein besonderes Geschick, den ohnehin erlebnisreichen Dienst seiner unterstellten Soldaten (also
auch von mir
)
noch abwechslungsreicher
zu gestalten, als der ohnehin schon war. Eine seiner "brillanten" Ideen war es,
alle
ihm unterstellten "Logistik-Offiziere"
gleichzeitig
zu einer erlebnisorientierten Weiterbildung zusammenzufassen - und zugleich an Bord eines Segelschiffs (also "mal in
deutlich anderer
Umgebung"!) einige Tage lang unsere "Leidensfähigkeit" zu testen.
Er
befahl
uns deshalb kurzerhand in den deutschen Marinestützpunkt "Olpenitz" ... und dort zu unserer Überraschung an Bord der "MS Nordwind" (MS =
M
otor
s
chiff).
Er ließ uns wissen, dass dies ein historischer "Kriegs-Fischkutter" aus der Zeit des "Deutschen Reiches" (1871 - 1945) war, der seinerzeit zu Spionagezwecken eingesetzt war ... und der
nun
(wie gesagt: Ende der 1980er Jahre!) ein "kleines, aber feines" Segel
boot
der deutschen "Bundesmarine" war.
Als ein "
Schiff
" durfte man es übrigens dort an der Küste wegen zu geringer Größe
nicht
bezeichnen, sondern nur als "
Boot
".
Hier zwei weitere Bilder (aus dem Internet), damit Du Dir unsere schwimmende "Tagungsstätte" besser vorstellen kannst.
So ruhig
war das Wasser im Hafen jenes Marinestützpunktes am Tag unserer Ankunft leider
nicht
- wir hatten an dem Tag immerhin "Windstärke 6", das heißt "im Klartext": Die Wellen waren ca. 3 Meter hoch - und die Wellentäler 3 Meter tief .... also insgesamt 6 Meter Höhenunterschied!
Als wir an Bord gingen, bezogen wir erst einmal und
unter Deck
unsere "Unterkunft ", ein einziger winziger Raum mit
zwölf
Schlafplätzen (meist winzige
Kojen
, alternativ einige
Hängematten
). Aber wir waren ja nun als "
Heeres
offiziere" einiges an "Raumnot" gewohnt, aus Zeiten, in denen wir immer wieder mal tagelang
in
noch sehr viel engeren Panzern gelebt hatten, .... "So what?"
Die
Stammbesatzung
der "MS Nordwind" bestand damals aus vier "
Zivilbediensteten
"
,
die bei unserer Bundesmarine fest angestellt waren, zweifellos ein ziemlich außergewöhnlicher Job! Hinzu kamen nun also wir (insgesamt acht) "Landratten"
.... an der Spitze unser bestens gelaunter "Oberst".
Als wir wenig später ablegten und uns (noch durch Motor angetrieben) auf die Hafenausfahrt zubewegten, wurde ich etwas misstrauisch, als dort erste Wellen aufgrund des kräftigen Windes
über die Hafenmauer
schwappten. Beim Passieren dieses Bollwerks wurde das Boot erstmals durch eine Welle 3 Meter hoch angehoben, um dann unmittelbar anschließend in ein nun immerhin 6 Meter tiefes "Loch" abzutauchen. Dabei erlebte ich eine
aus meiner Sicht lustige Szene:
Als erster sauste ein älterer Kamerad
kreidebleich
an mir vorbei, in dem Augenblick sah er
noch älter aus als sonst
! Er konnte sich erfreulicherweise an der Reling fangen - und er "köderte" dort (noch in der Hafenausfahrt!) breitflächig die Fische an ..... und er brüllte dabei ständig laut nach einem "Ulrich" (oder so???). Gleich mehrere
meiner übrigen Kameraden nahmen diese Idee auf und sie beteiligten sich an diesem seltsamen Verhalten.
Egal,
ich
hatte
keine
derart offensichtlichen Probleme - und ich ließ mir deshalb im Gegensatz zu diesen Kameraden
nicht
noch einmal "das Frühstück durch den Kopf gehen"! Das führte nun dazu, dass ich sogleich beschäftigt wurde, während die meisten Offiziere erst einmal "sich selbst gehörten" ... ich "durfte" nun gemeinsam mit meinem kräftig zupackenden Oberst und
einem erfahrenen Mitglied der zivilen Stammbesatzung "Segel setzen" .... erstmalig in meinem Leben .... und das dann gleich bei der "Windstärke 6"! Unser etwa zwanzig Meter lange Boot wurde währenddessen regelmäßig und gut sichtbar durch die Wellen angehoben,
um dann sogleich in ein gleichermaßen tiefes Wellental einzutauchen .... und das nun wieder und wieder, .... das hat mir persönlich sogar Spaß gemacht!
Unsere "Reise" ging erst einmal quer durch erstaunlich viele "gesperrte"(da seit dem II. Weltkrieges "munitionsverseuchte") küstennahe Seegebiete hindurch gen Norden, stets entlang der Südküste der dänischen Insel namens "Fünen" - vom Wasser aus gesehen
eine durchaus reizvolle Landschaft! Zwischendurch wurde nachts in irgendeiner dänischen Bucht geankert, .... dann war mit dem kleineren an Bord befindlichen motorisierten "Beiboot" auch der eine oder andere "Landgang" möglich, allerdings stets nur gemeinsam
durch ein personell entsprechend kleines "Expeditionskorps".
In den folgenden drei Tagen an Bord lernten wir
Heeres
offiziere nun nach und nach Dinge kennen, von denen wir alle zuvor noch nie etwas gehört oder gesehen hatten, zum Beispiel: Segel setzen und reffen ... Seekarten im "Kartenraum" des Bootes studieren
und auswerten ... unseren "Kurs" (die Strecke!) berechnen und dann in die entsprechende Seekarte einzuzeichnen
.... als "Rudergänger" das Boot auf Kurs zu halten. Es war überaus lustig, wenn das Boot zunächst auf das Ruder
erst
einmal gar nicht
und dann deutlich verzögert
viel zu heftig
reagierte - und wir dann so über die Ostsee "eierten"! Außerdem lernten wir die "Navigation"(Richtungsbestimmung) des Bootes kennen - per
Radarortung
, alternativ aber auch per
Funknavigation
.
Auch die Wartung und Bedienung des Dieselmotors sowie des Außenbordmotors des als "Beiboot" genutzte (und an Deck verstauten) etwas größeren (ca. 6 Personen fassenden) Schlauchbootes. Wir lernten sogar das sogenannte "Seite pfeifen" - also mit so einer
seltsam geformten kleinen "Blechflöte" diverse Signale zu erzeugend.
Das Schlafen an Bord war für mich einigermaßen "gewöhnungsbedürftig", insbesondere in einer Hängematte! Nicht zuletzt waren ich auch immer wieder mal
unter
Deck zum "Küchendienst" eingeteilt. Der meisten Teilnehmer an Bord wussten auch die Vorzüge einer gut gefüllten "Zollkiste" sehr zu schätzen, die dann auch gleich außerhalb der sogenannten 3-Meilen-Zone "gebrochen" wurde. Sie enthielt große Mengen
an "zollfreien"(!), also erstaunlich billigen Zigaretten und viele alkoholische Getränke. Das war aber
nichts für mich
, da ich weder rauche noch jemals Alkohol in erwähnenswertem Umfang trinke.
Wir "Landratten" waren aber alle glücklich, als diese Reise für uns nach mehreren Tagen in der "Flensburger Förde" endete und wir endlich wieder "festen Boden" unter den Füßen hatten. Nur unser Oberst blieb zusammen mit der Stammbesatzung an Bord, um
nur wenige Stunden später mit der nächsten durch ihn dorthin befohlenen Gruppe unterstellter Heeresoffiziere erneut "in See zu stechen" .... manche können eben nie genug davon kriegen.
"Mein Ding" war es nicht!
Buddy
.
.
Hallo Jürgen
hier mal wieder eine weitere meiner vielen "Anekdoten" aus längst vergangenen Tagen:
Mitte der ´80er Jahre kam ein
schottischer
Generalstabsoffizier etwa zwei Monate lang in unser Raketenartilleriebataillon, um bei uns seine ohnehin schon ausgezeichneten
deutschen Sprachkenntnisse
zu verbessern ... und so gleichzeitig als ein
britischer
"
Gastoffizier
" zu erleben, wie wir Deutschen "
unseren Job
" erledigten. Hierbei ging es also auch und nicht zuletzt um so etwas wie "Knowhow-Transfer" unter Profis.
Colonel ("Oberstleutnant") Duke war ein ranghoher Angehöriger des schottischen Elite-Regimentes "
Gordon Highlander
". Als solcher besaß er eine große, schlanke, voll durchtrainierte (und deshalb im Gegensatz zu mir) sehr "stattliche" Erscheinung,
die schon optisch auf Anhieb "für sich einnahm".
Jetzt bitte
keine Angst
: Ich bin absolut
normal veranlagt
und "stehe" nicht etwa auf Männer!
Ich war seinerzeit spontan besonders begeistert von seinem "Englisch" - dem original "
Oxford-English
",
genau das
, was meine leidgeprüfte Lehrerin mir seinerzeit auf dem Gymnasium beizubringen versucht hatte. Nun endlich verstand ich diese Sprache wieder! Die damals in unserer Kaserne stationierten Soldaten der US-Army sprachen nämlich fast alle nur
einen erbärmlichen "Slang" - für mich leider kaum verständlich und deshalb ziemlich frustrierend!
Colonel Duke
sprach aber damals fast ausschließlich
Deutsch
mit uns .... und er interessierte sich "schlicht und ergreifend" für
alles
!
Er war kurz zuvor aus Nordirland zurückgekehrt, wo ihn im Bürgerkrieg ein Heckenschütze der "IRA" schwer verletzt hatte. Als er sein gepanzertes Fahrzeug verlassen hatte, um eine Straßensperre zu inspizieren, wurde ihm heimtückisch
von hinten
durch seine
Splitterschutz
weste und sein Schulterblatt hindurch die Lunge verletzt und sein Herz nur um wenige Zentimeter verfehlt. Dieses Geschoss war dann vorne durch den Brustkorb wieder hinausgeflogen. Abgefeuert wurde es mit einem
alten britischen Karabiner des Typs "Enfield No 5" (hergestellt wenige Jahre nach Ende des II. Weltkrieges), .....
..... wie
ich
selbst damals (neben etwa 80 weiteren Schusswaffen) einen besaß.
Diese schon historische Waffe verfeuerte noch eine britische "
Full-Power
-Patrone" aus der Zeit des späten 19. Jahrhunderts, die eine enorme Durchschlagskraft besaß ... damit hatten die Angehörigen der britischen Kolonialtruppen in Afrika oft sogenannte
Dickhäuter wie Elefanten, Nashörner und Nilpferde bejagt! Das verheilte und vernarbte Ausschussloch in der Brust des Colonel sah recht eindrucksvoll aus!
Als ich den schottischen Kameraden erstmalig abends zu mir nach Hause einlud, bat ich ihn, bei dieser Gelegenheit auf jeden Fall seinen traditionellen "
Kilt
" (Schottenrock) anzulegen - zur Freude meiner vier Mädels. Das tat er dann auch sehr gerne
.... und natürlich wollte meine Frau dann auch gleich zu Beginn dieser Begegnung
endlich einmal genau
wissen, was ein "echter Schotte" wie er denn nun
wirklich
(!) unter dem Rock trägt.
Da er eine durch und durch "ehrliche Haut" (und keineswegs schüchtern) war, wusste sie es dann auch ganz genau: nichts als "die Zukunft Schottlands", wie er es formulierte! Er erklärte es ihr unaufgefordert so: So ein typischer "Kilt" besteht aus einer
etwa
sieben Meter langen
Stoffbahn, die fest um die Hüften gewickelt wird. Wenn darunter eine Unterhose getragen
würde
, dann käme "das alles" vermutlich böse ins Rutschen!
Natürlich plagte meine Frau ihn dann mit weiteren Fragen, sie wollte nun auch noch genau wissen, was er alles so in seinem verzierten, schmucken "Fellbeutel" hatte, der am Gürtel hängend vor seinen "Kronjuwelen" baumelte. Ohne Zögern nahm er nun einfach
diese Tasche - den sogenannten "
Sporan
" ab und schüttelte den gesamten Inhalt auf unserem Wohnzimmertisch vor den Augen meiner "Mädels" aus - und siehe da, der Inhalt: Geldbörse ... Schlüsselbund ... Taschenmesser ... Feuerzeug ... Taschentuch ... sogar eine
Packung "Lümmeltüten" (Kondome) ... eben alles, was ein "Mann" eben so dabeihaben sollte und gelegentlich benötigt.
Ich
habe von diesem erfahrenen
Infanteristen
(wie gesagt: echter Gordon Highlander") in kürzester Zeit
sehr viel dazugelernt
, sozusagen "
aus
der Praxis
für
die Praxis". Er hat mir beispielsweise als mein Gast bei einer nächtlichen Gefechtsübung meiner Raketeneinheit beigebracht, wie sich ein "Sicherungsposten" (bei Nacht!)
sehr viel
zweckmäßiger zu verhalten hat als meine "Jungens" - um denn eine solche Nacht "im Krieg" überleben zu können ... und wie eine "Fahrzeugkontrolle" unter derartigen "gefechtsmäßigen Bedingungen"
optimal
durchgeführt werden sollte ... oder auch: wie man
ganz alleine
als "Einzelkämpfer"
nur mit einem
einfachen
Baseballschläger
bewaffnet entsetzlich viele Soldaten insbesondere Führungspersonal einer gerade "ruhenden" und leider "schlecht gesicherten" Einheit nahezu
geräuschlos vernichten
könnte .... und wie man einen "Feind" auch
ohne Waffen
schnell und völlig lautlos "seinem Schöpfer näherbringen kann", also jede Menge "besonders nützlicher" militärischer Kenntnisse und Fähigkeiten! Britische Profis so
wie er sind "mit allen Wassern gewaschen" ... ich habe sehr viel Respekt vor ihnen! Diese zu Recht
besonders stolze Armee
hat in ihrer Geschichte zwar gelegentlich
einzelne Schlachten
aber noch nie einen
ganzen Krieg
verloren!
Der Colonel
hatte reichlich persönliche Kampferfahrung,
wir
deutschen Soldaten einer "Nachkriegsarmee" (Bundeswehr) in jener Zeit des "Kalten Krieges" (noch) gar keine! Ich habe diesen besonders schneidigen Kerl sehr geschätzt, mit dem ich
oft auch in der Freizeit
nicht zuletzt bei unserer gemeinsamen Jagdausübung besonders interessante Gespräche und Erlebnisse genießen durfte. Er war für mich ein überzeugendes und sehr eindrucksvolles
Vorbild
. In einem Krieg hätte ich ihn gerne an meiner Seite (und nur
sehr ungerne
"auf der anderen Seite"!) gehabt.
Buddy
.
2026.03.11
Hallo Buddy,
deine drei Anekdoten waren wieder sehr interessant. Man merkt,
dass du in deinem Leben vielen außergewöhnlichen Menschen begegnet
bist. Solche Begegnungen sind oft nicht nur unterhaltsam, sondern
auch lehrreich, weil sie einem ganz andere Perspektiven eröffnen.
Ich hatte dich schon mal gefragr, ob Du nicht mal ein Buch darüber
schreiben willst, so detailreich, wie du das alles beschreibst.
Mein heutiger Tag war eher von ganz praktischen Dingen geprägt.
Ich habe die
Vorbereitungen für meine Fahrt morgen
getroffen. Dazu gehörten natürlich die üblichen Sachen wie
Kleidung zusammenlegen. Außerdem habe ich meine
360-Grad-Kamera
wieder ausgepackt und getestet. Da ich nicht weiß, wann ich das
nächste Mal die Gelegenheit habe, meinen Sohn zu besuchen, möchte
ich dort gern ein paar 360-Grad-Aufnahmen machen.
Als mein Bruder hörte, dass ich zwei Tage nicht da bin, wurde er
etwas nervös. Ich musste unbedingt noch seine
Lieblingsmargarine
und Klopapier
besorgen – er hatte ernsthaft Sorge, dass
er diese zwei Tage sonst nicht überlebt.
Eine kleine Geschichte gab es heute auch noch mit meinen
Sneakern
.
Vor etwa einem halben Jahr hatte ich mir direkt aus China über
Temu ein Paar für etwa 15 € bestellt, Größe 47. Die waren
inzwischen ziemlich heruntergelaufen – sowohl die Sohle als auch
die Nähte. Also habe ich neue bestellt, wieder in Größe 47. Als
sie ankamen, stellte sich heraus, dass sie viel zu klein waren.
Obwohl auf beiden Paaren 47 stand, war das neue Paar mindestens
zwei Nummern kleiner und absolut nicht tragbar.
Die alten waren dagegen richtig groß und gemütlich gewesen,
deshalb wollte ich genau die gleichen noch einmal haben. Ich habe
die zu kleinen reklamiert und erneut bestellt. Obwohl ich wieder
Größe 47 angegeben hatte, kam diesmal
Größe 48
an. Zum Glück passt diese aber sehr gut und ist wieder richtig
bequem. Und das Wichtigste: Sie sind heute noch angekommen, sodass
ich sie morgen gleich anziehen kann.
So, die nächsten zwei Tage bin ich unterwegs und werde wohl nicht
zum Schreiben kommen. Aber lesen werde ich Post bestimmt.
Viele Grüße
Jürgen
2026.03.13
.
Hallo Jürgen
Ich wünsche Dir eine angenehme Reise und einen angenehmen Aufenthalt bei Deinem Sohn und seinen "Lieben".
Du erwähntest Deinen Bruder - und Deine ihm zukommende "Fürsorge". Lebt ihr gemeinsam in einer Wohnung? Ich habe insgesamt 9 Geschwister (3 x "leiblich", 2 x "adoptiv" und 4 x "Halb-") - aber es gibt seit vielen Jahren keine erwähnenswerte Kontakte mehr zu
ihnen.
Die Firma "Temu" ist nicht gerade bekannt für die durch sie vertriebene Ware im "Premium-Segment" .... prima, dass Du nun nach einigen Problemen doch noch in den Genuss passender chinesischer "Sneaker" gekommen bist. Ich persönlich kaufe sehr gerne Ware im
Internet ... überwiegend bei den
Anbietern "eBay" und "Amazon".
Wunschgemäß folgt dieser Mail eine weitere "Anekdote" ... viel Spaß beim Lesen!
Jürgen
.
.
Hallo Jürgen
hier mal wie angekündigt eine weitere Anekdote aus meinem ereignisreichen Leben.
Sie handelt von meiner recht schmerzhaften Begegnung, die ich in den frühen 80-ern mit "Larissa" hatte.
Nein
, nicht "das", was Du jetzt hoffentlich
nicht
denkst! Ich war und bin stets treu wie ein Schwan! "Larissa" war eine
Stute
.
Dazu muss ich Dir zunächst kurz die
Vorgeschichte
erzählen:
Damals war ich Chef einer Kanonenbatterie, also u. a. "Herr" über etwa 150 Soldaten. Der einzige mir seinerzeit zwecks Unterstützung unterstellte Offizier (zugleich mein "Stellvertreter") war ein Leutnant - aber was für einer! Er war groß, mindestens 2,5
Zentner schwer - er war hochintelligent - und er hatte immer nur "blödes Zeug" im Kopf, typisch nicht nur für "kleine Jungens", sondern traditionell auch für junge Leutnante. Er war also "ein Kerl so ganz nach meinem Geschmack"!
Optisch und mental ähnelte er verblüffend einem Bären.
Das
recht ungewöhnliche
Hobby meines "stämmigen" Kameraden: Er
züchtete
geradezu
riesige
Pferde, sogenannte "Shire Horses", die
eine Tonne und mehr
wogen und die ein "Stockmaß" von 1,90 Metern erreichten. Von diesen imposanten Tieren besaß er gleich mehrere. Durch ihn erfuhr ich auch etwas verwundert, dass alle "Huftiere",
die
ich
bislang "irrtümlich" für
Pferde
gehalten hatte, zumindest
seiner Meinung nach
gar keine waren, sondern lediglich "Queckenfresser" - wie er verächtlich alle sogenannten "
Großponys
" bezeichnete.
Nun ja, ich hatte (und habe!) absolut keine Ahnung von Pferden, wohl aber von
historischen
Schusswaffen!
Damals besaß ich in meiner Sammlung eine
unglaublich kraftvolle
englische "Marine-Muskete" - einen sogenannter "Vorderlader" im Kaliber 14,5 mm aus der Zeit des 19. Jahrhunderts:
Mit diesem "Püster" konnte man seinerzeit vermutlich mit nur einem einzigen Treffer einen ganzen "Kutter" versenken .... egal! Wenn ich damals bei "Vorführungsschießen" auf Bundeswehrschießanlagen
eventuell anwesende Gäste
besonders beeindrucken wollte, dann führte
ich
diese entsetzliche Waffe gerne mal mit einer
sechs
fachen Schwarzpulverladung vor. Das Geräusch beim Abschuss dieser Waffe war mit
Dröhnen
nur unzureichend beschrieben - und nahezu der ganze "Zielaufbau" im hinteren Bereich der Schießbahn (sogenannte "Klappscheiben") war dann schlagartig im sehr eindrucksvollen Pulverdampf "verschwunden". Sofern das dann irgendeinem "
Großmaul
"
immer noch nicht reichte, forderte ich denjenigen auf, doch selbst mal "so ein Schüsschen" zu wagen. Bei
der
der
Gelegenheit lud ich dann (unbemerkt!) eine
acht
fache Pulverladung hinter das beängstigend große und schwere Bleigeschoss , das war dann sozusagen "zum Abgewöhnen"! Du musst wissen, dass bei
Schwarz
pulver (im Gegensatz zum moderneren
Nitro
pulver!)
auch dann
noch
keine "Rohrsprengung
" zu
erwarten ist, wohl aber einen mächtigen
Schlag gegen die Schulter
.... zumindest meine
Waffe
war dabei also
nicht in Gefahr
. Nun ja, mein Leutnant war so ein "Großmaul" ... also gab´s zur Freude aller Umstehenden mal wieder diese (
ihm
noch nicht bekannte) "Ladung"! Ich überreichte ihm dann die durch mich geladene Waffe mit den Worten: "Ein Leutnant
drückt sich nicht
- also los!"
Beim nun folgenden Abfeuern dieser Muskete sah es fast so aus, als fiele ihm durch den enormen Rückschlag der Kopf vom Rumpf. Er warf dann meinen Püster verärgert gegen einen Erdwall, sagte laut und
etwas undiszipliniert
"Schei..!" Er rieb sich seine leicht geprellte Schulter und er fügte dann hinzu: "
Ein Hauptmann
drückt sich
auch
nicht - wir sehen uns Samstag bei mir im Reitstall!"
So viel zur Vorgeschichte.
Er wusste aus Gesprächen, dass ich noch
nie zuvor
geritten war. Ich dachte: "Naja, so schlimm wird´s ja wohl nicht werden" .... das war leider eine Fehleinschätzung, wie sich später herausstellte! Samstags darauf fuhr ich dann in Begleitung meiner
Frau zum Reitstall meines "rachsüchtigen Leutnants", der uns bereits zusammen mit
seiner
Ehefrau erwartete und strahlend begrüßte. Noch dachte ich: "Es wird vermutlich mit
ein paar Runden auf der Koppel
erledigt sein, und eventuell
einmal vom Gaul fallen
werde ich notfalls wohl auch irgendwie überleben”. Das war leider meine nächsten Fehleinschätzungen der Lage!
Unsere Frauen tuschelten miteinander, lachten sich wieder einmal kaputt über ihre "bekloppten Kerle" - und sie setzten sich auf eine Bank unmittelbar vor dem Pferdestall, um dort in Ruhe ihren Kaffee zu genießen und der Dinge zu harren, die da kommen würden.
Okay, "überlebt" habe ich es ja! Wir beide (der Leutnant und ich!) gingen nun
in
seinen Pferdestall. Was ich dort sah, machte mich spontan etwas misstrauisch: Er hatte bereits seinen Hengst
für sich
und eine seiner Stuten
für mich
gesattelt .... wohl, um auch ja keine Zeit zu verlieren, mich zu
quälen
.
Die für mich bestimmte
riesige
Stute namens "
Larissa
" stand im Gang seines Stalles zwischen zwei Boxen. Ihr Kopf war merkwürdigerweise mit dem Zaumzeug
ganz weit unten
am Boden festgezurrt - was dieses Tier verständlicherweise "fuchsteufelswild" machte -
das sollte es wohl auch
! Der oben abgebildete Wallach (ein Bild aus dem Internet) ähnelt "Larissa" sehr. Leider hatte ich es damals (´70er Jahre!) versäumt, die Stute namens Larissa zu fotografieren .... schade!
Ich wollte nun rasch aufsitzen, um es "hinter mich zu bringen". Aus dem Kino wusste ich: linker Fuß in den linken Steigbügel setzen - und dann lässig auf den Sattel schwingen ....
genauso
hatte ich es in zahllosen "Wildwestfilmen" beobachtet. Das ging aber leider nicht, der dämliche Steigbügel hing mir bei dem riesigen Gaul nämlich nur knapp unter meinem Kinn! Okay, mein Leutnant stellte nun
g
rinsend eine
Leiter
neben das Pferd .... das sah zweifellos nicht besonders "elegant" aus! Es war ja aber Gott sei Dank kein "Zuschauer" anwesend ... und endlich war ich "oben". Dann befreite er Larissa aus ihrer misslichen (tief gebückten) Haltung
und führte sie (mit mir obendrauf!) nach draußen .... für mich endete dieser "Ritt"
fast
bereits nach wenigen Metern am viel zu niedrigen Holm der Stalltür.
Gleich anschließend kam
er
dann auf seinem Hengst herausgeprescht , weiß der Teufel, wie
er
da ´raufgekommen war! Draußen haben wir noch mal kurz und lässig unseren beiden "Mädels" zugewunken - und dann ging es zunächst einmal (geradezu "herrenmäßig"!) im
Schritt
-Tempo los -
gar nicht mal so übel
, fand ich. Ich saß nun erst einmal “
schön breitbeinig
" sowie ein Motorradfahrer auf diesem meiner Meinung nach viel zu groß geratenen Gaul - und (das gebe ich nur ungern zu!) ich genoss
zunächst
von dort oben herab die schöne Aussicht über die zauberhafte Landschaft des dortigen "Münsterlandes". Mein Leutnant korrigierte nun erst einmal durch
gnadenlose
mündliche Anweisungen meine zweifellos "unprofessionelle" Sitzhaltung. Zuerst sollte ich meine Stiefel (militärische "Kampstiefel"!) in den Steigbügeln so
weit zurücksetzen
, bis nur noch meine Zehenspitzen darauf lagen. Meine Knie sollte ich dann gefälligst
nicht
so breitbeinig auseinanderhalten, sondern "
züchtig" nach innen drücken
" - bis an den recht mächtigen Leib der Stute heran. Nun sollte ich auch noch meinen Hintern bei jedem Schritt des Tieres (warum auch immer?)
leicht aus dem Sattel anheben
.... ich will es kurz machen: Als es
für mich
so richtig
un
bequem geworden war, meinte er nur: "Schon ganz gut so!"
Dann ging das "Elend" erst
richtig
los. Mein "Peiniger" schnalzte nur einmal kurz mit seiner Zunge und
beide
Pferde änderten schlagartig ihre Gangart .... von "Schritt" in "
Trab
". Nicht etwa, dass Du jetzt glaubst,
ich selbst
hätte irgendeinen Einfluss darauf gehabt! Diese neue "Art der Fortbewegung" fühlte sich nun für mich so an, als ob ich ununterbrochen
Tritte in den Hintern
bekäme .... meinem Leutnant gefiel´s deshalb prächtig .... mir nicht! Schade nur, dass ich
auf
bzw.
an
dem Gaul weder so etwas wie eine "Gangschaltung" noch eine "Bremse" bzw. eine geeignete "Aufstiegshilfe" fand ... die dort leider auch nicht angebracht worden. Ich
musste
deshalb wohl oder übel irgendwie
oben bleiben
und das alles
geduldig ertragen
.
Später ging´s dann sogar weiter im "
Galopp
" ... das fand ich erstaunlicherweise nicht halb so schlimm wie die dämliche Gangart "Trab"!
Diese Tortur fand
auch keineswegs (wie ich gehofft hatte!) nur ein paar Runden lang auf der "Koppel" statt - nein, wir bewegten uns vielmehr im "freien Gelände". Es war auch nicht etwa nach nur wenigen Minuten beendet ... ich will es vorwegnehmen: Dieser
für mich
erste
Ritt dauerte nach dem Willen meines Peinigers ohne jegliche Unterbrechung ca.
drei
Stunden lang!
Wir ritten dabei quer durch Wälder und Schonungen - erstaunlich nahe vorbei an jungen
Füchsen
, die vor ihrem Bau spielte - und auch an
Rehen
, die in einer "Schonung" (die wir einfach durchquerten!) ihren "Einstand" hatten - und die uns (dort oben auf den Pferden sitzend) offensichtlich
nicht
als eine Gefahr wahrnahmen. Als Larissa das erste Mal vor einem Bach
merkwürdig "buckelte"
, um dann mit einem Satz
hinüberzuspringen
, da dachte ich nur: "Okay, das war´s jetzt!" Auf der anderen Seite des Bachs angekommen klammerte ich mich
seitlich am Gaul hängend
verzweifelt fest, zum "Runterfallen" war mir das einfach zu hoch! Mein Leutnant schob mich schallend lachend (von seinem Hengst aus) wieder in den Sattel zurück - und es ging “gnadenlos” weiter.
Unter einer Baumallee
trabend
musste ich dummerweise feststellen, dass die Äste dort
lausig tief
hingen und dass
es
der Larissa offenbar
scheißegal war, dass ich erstaunlicherweise noch immer
oben auf ihr
hockte. Sie nahm nur
ihren
Kopf etwas tiefer und trabte "munter" ganz dicht unter diesen tiefhängenden Ästen hindurch - ich hingegen hing mal wieder seitlich an ihr dran, so etwa wie in "Wildwestfilmen" die Indianer, wenn sie mal
wieder von der anderen Seite aus beschossen wurden. Am Ende der Baumreihe wurde ich dann durch den Leutnant erst einmal wieder "freundlicherweise" auf meinem Sattel "zurechtgeschoben" .... wie peinlich!
Ich gebe es tatsächlich
nur sehr ungern
zu: Wenn wir
zwischendurch
mal wieder im gemächlichen "
Schritt
tempo" unsere "Reise" fortsetzten, dann fand ich das alles spontan und immer wieder mal "herrenmäßig" und durchaus angenehm - wenn
da doch nur nicht anschließend wieder diese verfluchte Gangart "Trab" gewesen wäre ... und leider auch mein völliges Unvermögen, auf dieses Tier
wenigstens irgendwie
"Einfluss" zu nehmen.
Nach drei Stunden hatte ich die Sache mit der Vorderlader-Muskete "abgebüßt" - wir waren zurück am Stall. Ich habe bis heute keine Ahnung, wie ich vom Pferd herab und anschließend nach Hause gekommen bin, ich war erst einmal total "geschafft". Diese Posse
war aber leider noch nicht beendet! Zwei Tage später (montags) durfte ich ja nun wieder meinen Dienst antreten. Ich hatte an diesem Tag nahezu unerträglichen Muskelkater - und das an Stellen, an denen ich gar keine Muskeln vermutet hatte - nämlich insbesondere
an der
Innenseite
meiner Oberschenkel. Den "Erhaltungszustand" des Gesäßes möchte ich hier lieber nicht schildern .... es war die "Hölle"!
Als ich nun an jenem "Montag danach" mit dem Auto in der Kaserne ankam, stand mein Leutnant zusammen mit dem gesamten "Unteroffizierkorps" meiner Einheit bereits im Eingang unseres Unterkunftsgebäudes und wartete grinsend auf die Ankunft des "Alten". Ich
quälte mich "coram publico" aus meinem Auto heraus - zog mich dabei mit den Fingerspitzen an der Dachkrempe meines Autos hoch - und "ging" (wenn man diese Bewegungen den Bewegungen denn wohlwollend
so
formulieren mag?) gleichsam wie ein Behinderter in Richtung Unterkunftsgebäude, dabei meine Füße im Wechsel "tapfer" nach vorne werfend und ihnen dann "Schritt für Schritt" irgendwie folgend. Das muss recht mitleiderregend ausgesehen haben - so ungefähr,
als hätte ich plötzlich unter so etwas wie "Multipler Sklerose in fortgeschrittenem Stadium" gelitten.
Noch Tage später "verscheißerte" mich mein Leutnant, indem er mehrfach unter Zeugen bei jeder passenden und vor allem "unpassenden" Gelegenheit dreist behauptete, seine Larissa
leide
nun unter einem "posttraumatischen Software-Schaden", seine Stute sei
deswegen
in Behandlung eines Tierarztes bzw. "Pferdeflüsterers". Die
angeblichen
Symptome: Immer dann, wenn die Stalltür aufginge, würde sich "dieses arme Tier”
flach in das Stroh seiner Box werfen
, um dann dort in Bodennähe
ängstlich durch ein Astloch zu schauen
, ob
ich
eventuell zurückkäme ....
Es war übrigens nicht nur mein
erster,
sondern auch zugleich mein
letzter
Ritt im Leben!
Soviel zu meiner denkwürdigen Begegnung mit "Larissa".
Buddy
.
.
2026.03.14
.
Hallo Jürgen
Hier berichte ich Dir mal meine Erinnerungen an eine recht eindrucksvolle
Russin
- eine weitere dieser kleinen aber feinen "Geschichten, die das Leben schrieb".
Meine gesicherte Lebenserfahrung: Man kann nie so seltsam denken, wie es kommt:
Es war Mitte der 1990er Jahre und wieder einmal einer dieser sogenannten "Brückentage", der Freitag nach dem stets auf einen Donnerstag fallenden
gesetzlichen Feiertag
"Christi Himmelfahrt" - also ein Tag, an dem viele "Werktätige" wenn irgendwie möglich Urlaub beantragte, um ein
verlängertes Wochenende
von vier Tagen zu genießen - ein Tag, an dem insbesondere in unserer Armee "traditionell"
absolut nichts
(!) los war ...
das
glaubte ich damals jedenfalls.
Ich hatte freiwillig als ältester (und somit "ranghöchster") Chef in unserem Raketenartilleriebataillon die Rolle des am Standort "Wesel"
einzig anwesenden
Offiziers übernommen .... also sozusagen "die Stallwache". Die
Telefone aller übrigen Dienstposteninhaber
in der Kaserne waren deshalb an diesem Tag sinnvollerweise auf
mein
Telefon umgeschaltet worden, sodass
alle
in dieser Kaserne eingehenden (nur eventuell bedeutsamen) Anrufe automatisch
direkt bei mir
ankamen.
Außerdem hatte ich durch den Spieß (ranghöchsten Feldwebel, auch "Mutter der Kompanie" genannt) einen einzigen besonders pfiffigen wehrpflichtigen "Geschäftszimmersoldaten" zum Dienst einteilen lassen, der sowohl leckeren Kaffee kochen als auch mit "dem
Alten" (also mit
mir!
) vernünftig Schach spielen konnte.
Alles war an diesem "besonderen" Freitag somit in allerbester Ordnung, es hätte ein sehr ruhiger Tag werden können.
Dann kam´s - genauer gesagt: Dann kam
sie
!
Unser
evangelischer
Standortpfarrer (stationiert in einer ca. 20 km entfernten Kaserne) belästigte mich gleich bei meiner ersten Tasse Kaffee und einem fulminanten Eröffnungszug beim Schach mit einem ungewöhnlichen "Hilferuf" -
ungewöhnlich
schon deshalb, weil wir beide (dieser unsympathische Pfarrer und ich) uns eigentlich absolut nicht leiden konnten, Aber er wusste ja nicht,
wer
denn in
unserer
Kaserne am Telefon sein würde. Er war nach eigenen Angaben
am Vortag
spät abends von einem sogenannten "
Evangelischen Kirchentag
" (also einer dieser "kirchlichen Großveranstaltungen") zurückgekehrt .... und bei dieser Veranstaltung und dort (in Hamburg) war ihm unerwartet ein ganz besonderer Gast
zur Betreuung
"aufs Auge gedrückt worden" - eine "waschechte" Russin, die (warum und auf wessen Kosten auch immer?) ebenfalls an jenem "
klerikalen Event
" teilgenommen hatte. Es handelte sich, wie er mich am Telefon wissen ließ, um eine recht prominente
und überaus attraktive Dame mittleren Alters, die seiner Meinung nach unwahrscheinlich gut riechen würde und die in Russland als gute Bekannte und "Duz-Freundin" des damaligen
überaus trinkfesten
Staatspräsidenten Boris Jelzin beträchtliches Ansehen genoss. Außerdem sei sie Mitglied der "Duma", also des russischen Parlaments - und außerdem die Vorsitzende des russischen "Komitees der Soldatenmütter" .... also dort nach der
etwas fragwürdiger Ansicht dieses mir unsympathischen Pfarrers so etwas wie das Gegenstück zu unserem deutschen "Wehrbeauftragten".
Mir war sehr wohl bekannt, dass der Wahrheitsgehalt seiner Äußerungen oft zu wünschen übrig ließ - und dass man deshalb nicht
alles
glauben sollte, was er sagte! Egal, das alles machte mich ein wenig neugierig auf diese Dame.
Erst 10 Jahre später
fand ich
im Internet
ein Foto von ihr. Sie hieß Ella Polakowa, kam aus "Sankt Petersburg" und sie war seinerzeit wohl
tatsächlich
so etwas wie ein weiblicher russischer "Promi" gewesen!
Diese Dame hatte sich damals (warum auch immer) in den Kopf gesetzt, bei ihrem Besuch in Deutschland nach Möglichkeit einen kurzen, aber möglichst intensiven Einblick in die Bundeswehr zu nehmen ... ausgerechnet an diesem öden "Brückentag", an dem
in der gesamten Bundeswehr
alle Kasernen so gut wie "leer" waren!
Am Dienstort des Pfarrers
war natürlich
auch nichts los
! Der in an jener Kaserne "einzig Diensthabende" (ein "
Pionier
offizier") hatte spontan "jeglichen Kontakt zu Russen" strikt abgelehnt und dann spontan irgendwo in seiner recht großen Kaserne
völlig unauffindbar
verkrochen. Nun war also alternativ
ich
als "
Artillerie
offizier" am nächstgelegenen Nachbarstandort gefordert."Why not?", wie unsere US-Verbündeten bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zu sagen pflegten. Du
musst wissen: Bundeswehr-P
ioniere
(zuständig für Minen, Straßensperren, Behelfsbrücken, Flussfähren etc.) galten in unserer Armee ohnehin alle als etwas "dämlich" - für uns
Artilleristen
galt hingegen eh und je: "We are the best - fuck the rest!"
Ich habe dann noch kurz meinen an diesem Tag beurlaubten Kommandeur
daheim
angerufen, habe ihm den Sachverhalt gemeldet - und ich habe ihn "anstandshalber" gefragt, ob er an dem unerwarteten "Vergnügen" nicht auch teilhaben wollte. Aber der Oberstleutnant
(ein "Generalstabsoffizier") sagte nur so etwas wie: "Oh Gott,
wen
wir jetzt alles
informieren
und
fragen
müssten (?)"- und überhaupt:
Er
sei an diesem Tag beurlaubt und für mich eigentlich leider gar nicht erreichbar .... und dann erfolgte die in derart "misslichen Situationen" "
klassische" militärische Auftragserteilung
:
"Barlag, machen sie mal - Sie machen das schon - sonst mache ich Ihnen hinterher einen!" Nun ja, wie heißt es doch so schön: Viel Feind viel Ehr!
Ich hatte ja immerhin noch
ca. 30 Minuten Vorbereitungszeit
bis zum Eintreffen dieser "Russen-Lady"! Ich ließ nun erst einmal durch meinen jungen "Schachpartner" per telefonischem Rundruf feststellen, wer denn
außer uns beiden
an diesem Tag überhaupt noch in unserer Kaserne zum Dienst erschienen war ... das war schnell erledigt! Es waren nur etwa
20
(von mehr als 1.000!) Soldaten anwesend - und diese ausschließlich im Bereich der Kasernenwache, der Truppenküche und im Sanitätsbereich. An diese mir an dem Tag
unterstellten
Soldaten gab ich nun rasch ein paar Vorbefehle: Die "Jungens" und unser damals einziges "Mädel" (eine Truppenärztin!) sollten sich rasch "etwas frisch machen" und ihr Umfeld soweit nötig umgehend in allerbeste Ordnung bringen (man will
sich ja schließlich nicht blamieren und dann entschuldigen müssen).
Dann erwartete ich diese Russin
persönlich
am Kasernentor ("
alte Schule
"!) - und ich nahm sie dort in Empfang ... natürlich mit Umarmung und "knuddeln" (
nach russischer Landessitte
!) ... und ich stellte tatsächlich fest, der "Pfaffe"
hatte Recht, sie roch tatsächlich unwahrscheinlich gut! Ich führte sie dann zunächst einmal zum Kaffee-Pläuschchen (in Englisch wird so etwas
völlig unromantisch
als “in-briefing” bezeichnet) in unser Stabsgebäude
.... und dort "
standesgemäß
" (und "
zum Strunzen
") in unseren sogenannten "Traditionsraum". So etwas kommt bei "Mädels" erfahrungsgemäß stets prima an und "bricht das Eis" - so auch in diesem Fall! Die Dame war wohl seinerzeit irgendwo zwischen
40 und 50 Jahre alt (?) und (wie bereits gesagt) tatsächlich auffallend attraktiv (!)
Erfreulicherweise war sie in Begleitung eines russischen "Simultan-Dolmetschers" unterwegs (ich kann nun mal leider kein "Russisch" - mit Ausnahme einiger derber Flüche, die mein Vater "aus dem Krieg" mitgebracht hatte, um sich damals 1942/43 in der Ukraine
und im Kaukasus in kritischen Lagen verständlich machen zu können).
Aber diese meine "sehr speziellen" Sprachkenntnisse halfen mir in dieser Lage auch nicht weiter. Außerdem war sie noch in Begleitung eines weiteren, extrem wortkargen, kahlgeschorenen "Glatzkopfes "mit einer auffallend “stattlicher Figur” , der mir als
ihr "Leibwächter" vorgestellt wurde ... vermutlich wohl ein Agent des russischen Geheimdienstes "KGB" (bzw. "GRU" oder "FSB" oder -??- ) ... mir war das völlig egal!
Ich informierte die Dame kurz über Auftrag und Ausstattung unseres Raketenartilleriebataillons, was sie aber erstaunlicherweise
überhaupt
nicht interessierte
. Sie "zierte" sich auch nicht lange und erklärte mir nun gleich zu Beginn unserer Begegnung, dass sie an unseren "Waffen" absolut kein Interesse habe, weil ihr Sohn ebenso wie ich Major und Chef in einem vergleichbaren
russischen
Artillerieverband sei - und dann kam die Lady "zur Sache": Sie bat mich kurz und bündig, ihr einen möglichst "
ungeschönten
" Einblick zu geben in die Unterkünfte unserer
wehrpflichtigen
Soldaten, sowie die Unterkünfte unserer
Unteroffiziere
und
Offiziere
. Außerdem wollte sie
besonders gerne
zusätzlich unsere
Truppenküche
und unseren
Sanitätsbereich
besichtigen,
nur daran
sei sie wirklich interessiert! Das war nun "eine meiner leichtesten Übungen", wie man so nett zu sagen pflegt! Das waren nämlich u. a. Bereiche innerhalb unserer Kaserne, für
die ich als Chef einer immerhin ca. 400 "Mann" starken Stabs- und Versorgungskompanie Tag für Tag
persönlich
verantwortlich war ... in denen ich deshalb regelmäßig "Dienstaufsicht" ausübte ... und auf deren
vorbildlichen Zustand
ich damals
jederzeit stolz
sein durfte.
Ich erweiterte meine "Vorbefehle" nun auf meine Frau daheim ... wobei sie sich
diese
Formulierung als überaus selbstbewusste Gattin nachdrücklich verbeten hätte! Daraufhin starteten wir einen "informativen Spaziergang" durch unsere besonders schöne Kaserne, ich als "Bärenführer" meiner Überraschungsgäste, also der hübschen Russin
und ihrer beiden "Schatten" voran.
Als Erstes zeigte ich ihr
wunschgemäß
in einem der insgesamt fünf Unterkunftsgebäude für meine Einheit einige Stuben meiner Soldaten, also geräumige Räume für die Unterbringung von
4 bis 6
Mannschaftssoldaten ... dann eine deutlich kleinere Stube für 2 junge Unteroffiziere .... eine vergleichbare Stube für
einen
einzelnen Feldwebel .... und schließlich eine Kasernenunterkunft für einen "ledigen"
Leutnant
(ein kleines "Appartement" innerhalb eines der Unterkunftsgebäude mit eigener Dusche / WC, einem kleinen Vorraum sowie einem Abstellraum). Alle diese Räume waren zwar "farbenfroh", aber insgesamt doch eher "schlicht und zweckmäßig" mit einheitlichem
Bundeswehrmobiliar ausgestattet. Das gefiel ihr schon mal prima - zumal mein "Kompaniefeldwebel" in diesen Bereichen in meinem Auftrag stets hartnäckig und kompromisslos Ordnung und Sauberkeit durchsetzte.
Als Nächstes zeigte ich ihr
mein
eigenes, sehr geräumiges und nahezu "museumsähnlich" eingerichtetes Dienstzimmer. Dort hingen neben einigen anderen "Exponaten" einige Waffen an den Wänden, ....
... unter anderem ein (meinen Gästen bestens vertrauter) russischer "Kaschi” ("Kalaschnikow"-Sturmgewehr) .
.... und außerdem stand da noch "Emma" herum - eine
Schaufensterpuppe
,
g
ekleidet in der "Paradeuniform" der untergegangenen "NVA". Dieses Foto zeigt rechts im Bild "Emma", es entstand aber erst
später
nach in meinem häuslichen "Refugium" (nach meiner Pensionierung). Die Russin war erwartungsgemäß verblüfft und begeistert. Nun setzte ich noch "einen drauf":
In einem bis 1992 durch US-Soldaten
genutzten
und
anschließend leerstehenden
Unterkunftsgebäude hatten wir
Bundeswehrsoldaten damals (auf Wunsch unserer Garnisonsstadt Wesel!) ca. fünfzig aus Russland vertriebene mehr oder weniger "deutschstämmige" Mitmenschen untergebracht und
liebevoll
in unsere Obhut genommen - überwiegend ältere und extrem harmoniebedürftige nun "Obdachlose" und deren Enkel, die man seinerzeit aus Russland oder aus der Ukraine "hinausgeekelt" hatte, wohl um sie
dort
fortan nicht mehr versorgen zu müssen.
Deren "noch arbeitsfähigen" Kinder, also
die Eltern
ihrer zu uns nach Deutschland mitgebrachten Enkel, durften jedoch damals
nicht
mit ihnen in die BRD ausreisen -
sie
waren nun mal den Russen als auch den Ukrainern als Arbeitskräfte nützlich!
Wir besuchten an diesem Tag dort innerhalb unserer Kaserne ein mit mir inzwischen
befreundetes
älteres Ehepaar aus dem Kaukasus - mein russischer Gast war erwartungsgemäß sprachlos! Innerhalb so einer Bundeswehrkaserne war diese Russin
darauf
offenbar nicht vorbereitet gewesen .... und sie staunte nicht schlecht,
wie angenehm und wohlbehütet
sich
ihre
ehemaligen Mitbürger nun in
unserer
Gesellschaft und Obhut fühlten .... für diese sehr bescheidenen Mitmenschen war es erklärtermaßen schon eine Wohltat, in unserer Kaserne (also in einem "geschützten Bereich") zu wohnen und sogar täglich morgens, mittags und abends
kostenlos
an unserer "Truppenverpflegung" teilnehmen zu dürfen ... und (
genau so
wurde es durch einen dieser Deutsch-Russen
formuliert
!): "Tag für Tag Soldaten in Uniform zu begegnen, die sie
nicht
etwa verprügelten, sondern stattdessen
freundlich
grüßten".
So etwas
hatten unsere Neubürger aus ihrer "alten Heimat" leider
anders
in Erinnerung!
Nur 100 Meter von
dieser
Überraschung entfernt zeigte ich der Russin dann noch unser ganz besonderes und durch private Initiative entstandenes "Naturschutzprojekt" .... eine "Pflegestation" für heimische Greifvögel, die meine Soldaten dort
in einem kleinen Wäldchen innerhalb der Kaserne
errichtet hatten:
Ein derart aufwendiges und arbeitsintensives
(
!) "Naturschutzprojekt" (
freiwillig
durch einige meiner Soldaten unter Leitung eines Falkners
geschaffen
und
gepflegt!
) hatte sie in einer
russischen
Kaserne ebenfalls noch nie gesehen - und deshalb bei uns auch nicht vermutet. Danach gingen wir weiter in unser Wirtschaftsgebäude, in dem sich eine hochmoderne Truppenküche, zwei
"Speisesäle" und eine durch einen zivilen Pächter betriebene
Kantine befand. Sie interessierte sich sachkundig für
alle
Räume und auch Nebenräume (einschließlich unserer Vorratsräume im Keller und eines tief darunter gelegenen "Atomschutzbunkers").
Zufällig
war zuvor eine von unseren fünf
mobilen
Feldküchen von einer mehrtägigen Truppenübung einer unserer Raketenbatterien zurückgekommen - und die wurde gerade nach der Nutzung an diesem besonders ruhigen Arbeitstag gründlich gereinigt
- sowie anschließend zwecks Überprüfung der Vollzähligkeit und Brauchbarkeit der vielen zugehörigen Geräte komplett "zum Appell" ausgebreitet. Genau
das
war es ihrer Meinung nach, was ihrer Erkenntnis nach der russischen Armee damals in "Tschetschenien" so sehr fehlte, woher
sie
gerade erst eine Woche zuvor von einer Ihrer "Inspektionsreisen" als Begleiterin und Betreuerin einiger "russischen Soldatenmütter" zurückgekommen war - wie sie mir berichtete - und wie es sogar in
unserem
westdeutschen Fernsehen damals berichtet worden war. Natürlich durfte sie an diesem Tag auch unsere
hervorragende
Truppenverpflegung probieren.
Im Sanitätsbereich war dann unser Zahnarzt (ein Soldat!) und auch meine "Lieblings-Truppen
ärztin
" anwesend, beide extrem gut drauf! Diese Beiden "präsentierten"
sich
und ihre Zuständigkeitsbereiche (erwartungsgemäß)
erstklassig
und besonders
überzeugend
.
Da mein russischer Gast ja auch gerne sehen wollte, wie denn nun ein deutscher
Stabs
offizier (so wie ich) mit seiner Familie lebte, fuhren wir anschließend zu mir nach Hause ... nur etwa 1 Kilometer von unserer Kaserne entfernt. Dort passierte etwas
für mich
völlig Unerwartetes,
für eine Russin
aber wohl Typisches ... sie nahm meine Frau gleich bei der Begrüßung strahlend in die Arme ....
ich
wurde ab sofort gar nicht mehr wahrgenommen! Sie unterhielt sich ab sofort ausschließlich und lebhaft (mit Unterstützung des hochqualifizierten Simultandolmetschers)
nur noch
mit meiner Frau und mit unserer zufällig (?) anwesenden ältesten Tochter "Tanja". Die drei "Mädels" gingen nun gemeinsam durch das
ganze
Haus - vom Wäschekeller bis hinauf auf den als "Lagerraum" genutzten Speicher - und dann in den idyllischen kleinen Garten hinter dem Haus - dabei stets "eskortiert" durch die beiden männlichen russischen Begleiter (also den Dolmetscher und den
"Bodyguard"). Außerdem musste ihr
meine Frau
ihren damaligen eigenen "Zweitwagen" (einen "Porsche 924") und
meine älteste Tochter
ihren eigenen PKW (einen VW-Golf III, "sponsored by daddy"!) vorführen.
Die Russin wollte wirklich alles
ganz genau
sehen und wissen und sie “bombardierte” förmlich sowohl meine Frau als auch meine Tochter
völlig ungeniert
und
ununterbrochen
mit erstaunlich gezielten Fragen, alles stets fleißig übersetzt durch ihren Dolmetscher.
Ich
hatte währenddessen sozusagen "
absolute Sendepause
"! Nach einem Kaffee und einer anschließend "geköpften" Flasche Sekt lagen sich dann alle anwesenden Damen bestens gelaunt, herzhaft lachend sowie lebhaft diskutierend in den Armen. Bald fielen
auch überaus versöhnliche Worte wie "gute Mamuschka"(?), ich war damit offenbar nicht gemeint!
Der langen Rede kurzer Sinn: An diesem Tag in den 1990er Jahren gingen deutsch-russische "Freunde" auseinander, die sich in wenigen Stunden irgendwie "liebgewonnen" hatten. Gehört und gesehen haben wir nie wieder voneinander, .... vergessen haben
wir alle
diese "Begegnung" jedoch wohl auch nicht. Wir hatten diese Russin mit unserer Freundlichkeit und Offenheit förmlich "überwältigt", wie mich später dieser
evangelische Militärpfarrer
wissen ließ.
Wie "das alles" wohl anschließend ihr Freund “
Herr Jelzin
” fand, als sie ihm später (nach ihrer Rückkehr in Russland) vermutlich darüber berichtete?
Buddy
.
2026.03.16
Hallo Buddy,
die beiden Episoden haben mir sehr gut gefallen. Besonders die
Geschichte mit der Stute „Larissa“ konnte ich mir bildlich
vorstellen – vor allem der Muskelkater danach und das Grinsen der
Unteroffiziere am Montagmorgen. Auch deine Begegnung mit der
russischen Duma-Abgeordneten war eine interessante Geschichte. Man
merkt daran, wie unerwartet solche Begegnungen manchmal entstehen
und welchen Eindruck sie hinterlassen können.
Du hattest gefragt, wie das mit meinem Bruder ist. Er ist stark
schwerhörig und war durch den Grünen Star zeitweise fast blind.
Seit Juli 2025 läuft eine längere Augenbehandlung. Seit dieser
Zeit bin ich tagsüber meist in seiner Wohnung und kümmere mich um
die Dinge, die erledigt werden müssen. Ich übernachte in dieser
Zeit bei meinem Vater. Wenn das Wetter halbwegs mitspielt und es
nicht regnet, laufe ich morgens und abends jeweils etwa eine
Stunde und zehn Minuten quer durch Dresden. Das ist einerseits
Bewegung, andererseits nutze ich die Zeit, um über YouTube
Nachrichten und Hintergrundberichte zu hören.
Was Einkäufe im Internet betrifft: Bei eBay stören mich oft die
zusätzlichen Lieferkosten. Deshalb bestelle ich inzwischen
häufiger bei Amazon oder Temu. Meine Denkweise ist dabei recht
einfach: Wenn ein Produkt sowieso aus China kommt, kann ich es
auch gleich direkt dort bestellen. Amazon nutze ich eher dann,
wenn es schnell gehen soll oder wenn das Produkt nicht aus China
stammt – ansonsten eben Temu.
Bei meiner Reise zu meinem Sohn hat sich übrigens wieder einmal
bestätigt: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Ich
hatte ursprünglich verstanden, dass wir am Donnerstag hinfahren
und am Freitag wieder zurück. Als ich meine Ex-Frau fragte, warum
wir nur einen Tag bleiben, meinte sie: „Wieso Freitag? Wir fahren
erst am Sonntag zurück.“ Das fand ich dann natürlich deutlich
angenehmer – aus zwei Tagen wurden plötzlich vier.
Fast vier Tage ohne Internet sind nun vorbei – und wie man sieht:
ich habe es überlebt. 🙂
Mein Sohn hat sich bereits 2020 ein Eigenheim gebaut, und bisher
hatte ich noch keine Gelegenheit, ihn dort zu besuchen. Von
Dresden aus sind es immerhin rund 650 Kilometer – ohne Auto und
mit der Bahn ist das schon eine kleine Reise.
Von außen wirkt das Haus eher klein – sehr schön, aber
überschaubar. Innen dagegen ist es überraschend großzügig. Ich
habe dort einige 360-Grad-Aufnahmen gemacht, die ich jetzt noch in
Ruhe nachbearbeiten muss.
Heute, am Montag, war ich außerdem mit meinem Bruder beim
HNO-Arzt. Auf diesen Termin hatten wir dreieinhalb Monate gewartet
– und nach etwa fünfzehn Minuten war alles erledigt. Es ging
lediglich um ein Rezept für eine Lichtsignalanlage, weil er
aufgrund seiner Schwerhörigkeit die Klingel oft nicht hört.
Am Abend war ich noch zur Blutplasma-Spende. Dafür gibt es
mehrere Gründe: Erstens wird dabei mein Blut regelmäßig
kontrolliert. Zweitens muss der Körper danach neue Thrombozyten
bilden, was gewissermaßen auch ein kleines Training für den
Organismus ist. Und drittens gibt es dafür eine kleine
Aufwandsentschädigung für die investierte Zeit. Außerdem habe ich
den Eindruck, dass derzeit viel Blut benötigt wird, weil durch
verschiedene Konflikte (Ukraine, Iran) immer wieder Verletzte auch
nach Deutschland gebracht und hier behandelt werden.
Heute wurden allerdings zunächst nur die Formalitäten erledigt –
Papierkram, ärztliche Untersuchung und eine erste Blutabnahme.
Innerhalb von etwa fünf Tagen bekomme ich das Ergebnis, ob ich
tatsächlich zur Spende zugelassen werde.
Den Rest des Tages habe ich dann erst einmal damit verbracht,
alles aufzuarbeiten, was in den letzten vier Tagen liegen
geblieben war.
Viele Grüße
Jürgen
2026.03.17
.
Hallo Jürgen
Da Dir meine "sehr persönlichen" Erinnerungen an diverse "Begegnungen" in meinem erfüllten und ereignisreichen Leben offenbar gefallen haben, übersende ich Dir hier mal eine weitere!
1996 ließ ich mich durch unseren damaligen überaus sympathischen
katholischen
Militärpfarrer überreden, mit ihm gemeinsam an einer etwa einwöchigen Pilgerfahrt nach
Lourdes
(Südfrankreich) teilzunehmen, wo sich alljährlich zur gleichen Zeit mehr als 10.000 uniformierte Soldaten aus zahllosen Länden Herkunftsländern treffen.
In diese recht unscheinbare und eher farblose Kleinstadt reisen bekanntlich Jahr für Jahr unzählige
katholischen
Christen, um genau dort die sogenannte "Gottesmutter Maria" zu anzubeten. Einige von ihnen erhoffen sich dadurch sogar so etwas wie eine "Wunder-
heilung" von unheilbaren Krankheiten, da sich angeblich in der Vergangenheit immer wieder mal "so etwas" ereignet haben soll (?)
Eine "fromme" Legende besagt, dass dort am Ortsrand an einem kleinen munter daher plätschernden Fluss in einer am Ufer gelegenen "Grotte" (bei Licht betrachtet lediglich eine
recht mickerige
Felsnische!) vor mehr als 150 Jahren eine junge Frau mehrfach so etwas wie seltsame "Lichterscheinungen" sah, die ihre damaligen "Mitbürger" erst deutlich später (und warum auch immer?) als "Gottesmutter" deuteten ... sie selbst übrigens
nicht!
An so etwas mag man glauben oder auch nicht. Spätere angebliche "Wunderheilungen" waren vermutlich Zufall .... oder erlogen (?) Eventuell waren sie aber auch schon damals dem inzwischen hinlänglich bekannten "Placebo-Effekt" geschuldet, man weiß es nicht!
Ich wollte dieses "religiöse Spektakel" dort einmal selbst gesehen haben, um mir ein
eigenes
Bild zu machen und dann anschließend halbwegs "sachkundig" mitreden zu können.
Die Bahnfahrt dorthin mit einem Sonderzug (nur für Pilger!) dauerte fast zwei Tage. Geschlafen wurde unterwegs im Zug in damals schon etwas historischen aber in meinen Augen durchaus akzeptablen Schlafwagen. In Lourdes angekommen haben wir dann auch nicht
etwa in einem der vielen Hotels gewohnt, sondern als Soldaten "stilecht" in einem geradezu riesigen Zeltlager, welches durch
die französische Armee am Stadtrand für die militärischen Gäste errichtet worden war.
Auf meine vielen Eindrücke, die ich in den wenigen Tagen dort in Lourdes gewonnen habe, will ich nur wenige schildern, es war dort wie erwartet ein recht eindrucksvolles Spektakel! Zu jenem Zeitpunkt hielten sich in dieser Kleinstadt am Fuß der "Pyrenäen"
(einem echten Hochgebirge zwischen Frankreich und Spanien) tatsächlich unzählige, angeblich sogar ca. 20.000 Soldaten aus aller Welt auf, die dort ausnahmslos (so wie wir) in teilweisen recht "farbenfrohen" Uniformen herumliefen, ein interessantes Bild! Die
zu jener Zeit
dort vertretenden Nationen präsentierten sich am ersten Tag anlässlich einer "zentralen Eröffnungsveranstaltung" mit ihren überaus professionellen Musikbeiträgen - in einer auch für mich sehr eindrucksvollen "internationalen" Show!
Hier marschiert gerade ein deutsches "Heeresmusikkorps" vorbei (Bilder sind aus dem Internet!) vor der historischen (längst viel zu kleinen!) "Basilika", die über einer kleinen Felswand steht ....
..... in der sich besagte "Grotte" am Ufer eines kleinen Flusses befindet.
Irgendwie interessant (aber auch etwas "befremdend) waren im Umfeld des sogenannten "heiligen Bezirkes" ....
.... derartige Anhäufungen von "Souvenir-Shops", in denen es erstaunlicherweise neben "Marienstatuen" in allen denkbaren Größen und Ausführungen, sogenannten "Rosenkränzen" und oft
sehr kitschigen
Darstellungen der "Grotte" sowie ähnlichen "Devotionalien" zu meinem Erstaunen auch so "nützliche"(?) Artikel wie
Schlagringe
oder auch
Schalldämpfer für Kleinkaliberwaffen
gab - beides war seinerzeit in Deutschland streng verboten!
An den beiden Folgetagen hielt ich mich bevorzugt in einem überaus "kultigen" Café auf, das dem Haupteingang zum sogenannten "Heiligen Bezirk" schräg gegenüber lag - und zwar im ersten Obergeschoss, auf einem winzigen Balkon, an einem lächerlich kleinen
Tisch. Von dort oben hatte ich einen perfekten Überblick über die bizarre Szene. Der Pfarrer leistete mir dabei Gesellschaft, wobei wir beide genüsslich "ablästerten" ...
er
über die teilweisen recht ungewöhnlichen Uniformen der vielen Soldaten ... und
ich
dann ebenso über das zum Teil bizarre
Outfit
diverser Geistlicher und Nonnen, die dort unten in diesen "Heiligen Bezirk" hineinströmten - bzw. "geläutert"(?) wieder herausquollen .... wir hatten beide dabei unseren Spaß!
Da wir beide (der Militärpfarrer und ich) nicht unerheblich unter Übergewicht bzw. "Untergröße" litten, achteten wir beim Betreten dieses sehr maroden Balkons stets sorgenvoll auf eventuelle Rissbildungen am Boden - aber er hielt uns aus!
Dort an unserem "Stammplatz" lernte ich dann auch
seinen
langjährigen persönlichen Freund kennen ...."Alcides Mendoza" aus Cuzco in Peru. Der war ein "waschechter" Indio .... schon ca. 70 Jahre alt .... aber immer noch fit(!) .... und nach eigenen
Angaben
damals
der "
dienstälteste" Erzbischof
der Welt.
Dieser ranghohe katholische Geistliche war vermutlich der intelligenteste und klügste Mitmensch, den ich in meinem Leben je kennen und schätzen gelernt habe! Er war u.a. ein echtes "Sprachgenie" und er beherrschte mühelos und perfekt
sieben
sehr unterschiedliche Sprachen - wobei er gerade eine weitere Sprache fleißig erlernte ("Kanton-Chinesisch"). In deutscher Sprache konnte er sogar überaus humorvoll "herumalbern"! Er war ein durch und durch humorvoller, sympathischer und gebildeter
(aber keineswegs "
ein
gebildeter"!) Mitmensch .... man musste ihn einfach "liebhaben".
Unser Militärpfarrer war schon seit vielen Jahren mit diesem Erzbischof befreundet - und er lud ihn deshalb jedes Jahr im Anschluss an den Aufenthalt in Lourdes als
seinen
persönlichen Gast zu sich nach Deutschland ein. Als der Indio im Folgejahr wieder einmal in unser Land kam, lud
ich
ihn spontan in unsere Weseler Kaserne und anschließend zu mir nach Hause ein. Ich wusste aus unseren Gesprächen in Lourdes, dass er dort in Peru irgendwann zuvor das Amt eines "Militärbischofs" bekleidet hatte - und dass er deshalb am Leben und Wirken
von Soldaten in aller Welt besonders interessiert war. Er war begeistert und sagte sofort zu ... und unser Pfarrer war froh, mal zwischendurch einen "freien Tag" zu haben, um seine eigenen Angelegenheiten in Ruhe zu erledigen.
In unserer Kaserne gab ich meinem Gast einen umfassenden Einblick in unsere dortigen Aktivitäten .... und er kam aus dem Staunen nicht heraus! Als wir dann anschließend wie geplant
zu mir nach Hause
fuhren, verblüffte er meine Frau und mich durch sein völlig unkompliziertes Wesen ... nicht zu vergessen: Er war immerhin ein
besonders hochrangiger
"Repräsentant" der katholischen Kirche!
Er kam lächeln zur Haustür herein, hing unaufgefordert seine Jacke im Eingangsbereich an die Flurgarderobe, schaute sich interessiert im Flur meine dort an den Wänden angebrachte Waffensammlung an, betrachtete anschließend staunend unser Wohnzimmer ....
und er sagte dann freundlich und völlig unbefangen: "Schön habt Ihr es hier -
was gibt´s zu essen
?" .... und das quasi in einem Atemzug ... was für ein herrlich unkomplizierter, großartiger Kerl!
In der Kaserne hatten wir Offiziere morgens
kurz vor
Eintreffen des Erzbischofs anlässlich einer sogenannten "Stabsbesprechung" ein recht ungewöhnliches Problem besprochen. Nur wenige Tage zuvor hatten wir abends mit Unterstützung der "Stadt Wesel"
in deren Stadthalle ein sogenanntes "Wohltätigkeitskonzert" veranstalte - wobei etwa 50 "Profi"-Musiker eines unserer bundeswehreigenen "Heeresmusikkorps" bewiesen, dass sie
viel mehr
konnten als nur "schmissige Marschmusik". Das Motto des Abends hatte gelautet "von Beat bis Beethoven" - es war ein voll ausverkauftes und sehr gelungenes Event! Diese Musiker und die Hallenbenutzung hatten uns Soldaten kein Geld gekostet
und die abendlichen Einnahmen ("Eintrittsgelder") waren durch einen unserer reichen "Sponsoren"
auf den stattlichen und recht einprägsamen Betrag von "7.777 DM" angehoben worden. Wie bei solchen "Wohltätigkeitskonzerten" üblich sollte nun dieser Betrag wirklich bedürftigen Mitmenschen zugutekommen .... so weit, so gut!
Unser Problem war: Weder unserem bei dieser Stabsbesprechung anwesenden
Bürgermeister
noch uns Soldaten fielen irgendeine in Wesel "ortsansässige Institution" (Kinder- oder Pflegeheim oder dergleichen?) ein, die finanziell auch nur ein wenig "bedürftig" erschien -"Geld" hatte die nach Aussage des Bürgermeisters alle in Hülle
und Fülle! Da kam
mir
dann die "rettende Idee": Alcides Mendoza, mein zufällig an jenem Tag zu erwartender Gast, sollte dieses Geld erhalten, um dort in Peru ein
durch ihn persönlich
in Cuzco gegründetes und finanziertes bescheidenes Kinderheim, ein Pflegeheim und ein weiteres Seniorenheim betreiben zu können.
In Peru
waren 7.777 DM sehr viel Geld!
Die anwesenden "Entscheidungsberechtigten", also unser Bürgermeister, mein Kommandeur, alle Stabsoffiziere, wir Chefs und die Vertrauenspersonen des Verbandes waren mit diesem Vorschlag sofort einverstanden und sie alle waren insgeheim froh, dass das
so eingenommene Geld damit wenigstens einigermaßen sinnvoll investiert wurde. "Die Kuh war sozusagen endlich vom Eis" (wie
man so schön und anschaulich sagt) - und wir konnten endlich zur gemeinsamen "Kaffeerunde" übergehen! Alcides Mendoza erhielt also an diesem Tag (für ihn völlig überraschend!) anlässlich eines durch mich zuvor abgesprochenen Vorstellungsgespräch bei meinem
"Kommandeur" einen Scheck in Höhe von 7.777 DM .... und er war sehr glücklich darüber!
Wenige Tage später (sonntags) nahm ich in der winzigen Dorfkirche, in der unser Militärpfarrer "nebenberuflich" als Ortspfarrer tätig war (und wo er als "Vergütung" das dortige geradezu
prachtvolle
, ansonsten leerstehende "Pfarrhaus" bewohnen durfte!) an einer sogenannten "Concelebrationsmesse" teil, die dort wie in jedem Jahr einmalig
durch den Erzbischof
"zelebriert" wurde - "assistiert" durch unseren Militärpfarrer sowie einem sogenannte "Diakon" (ein "Hilfsgeistlicher" ohne Priesterweihe). In einer so kleinen (aber feinen!)
Dorf
kirche war das wohl nur extrem selten zu erleben. Er (der peruanische Indio) predigte dort an diesem Tag völlig frei und fröhlich
in perfektem Deutsch
ohne dabei etwa von irgendeinem Zettel abzulesen sehr humorvoll, teilweise aber auch sehr tiefsinnig und ergreifend. Er berichtete uns ebenso anschaulich wie überzeugend von "seinen" armen,
aber dennoch glücklichen
Indios in Peru, aber auch verblüffend offen über seinen gelegentlichen Ärger mit arroganten "Würdenträgern" im Vatikan (Rom), wo er sich von Zeit zu Zeit "beruflich" aufhielt.
Hier zwei Aufnahmen von diesem im o. a. Text erwähnten Ereignis im Jahr 1996:
Erzbischof Alcides Mendoza in
jener kleinen niederrheinischen Dorfkirche ...
.... und anschließend
vor
der Kirche - weil so viele interessierte Dorfbewohner nicht in diese kleine Kirche hineinpassten und sie deshalb bei weit geöffneten Türen
vor
der Kirche an jener ganz besonderen Messe teilnahmen. Auch an jene benachteiligten "Gläubigen" hatte er selbstverständlich gedacht und sie so mit einbezogen. Ich hätte mir damals gewünscht,
er
wäre der amtierende "Papst".... das hätte eventuell das schon damals ziemlich schlechte "Image" der katholischen Kirche gerettet (?) ... zweifellos hätte
er
aber dann im Vatikan das dort total "verkrustete klerikale Establishment" gründlich aufgemischt! Bei der auf seine Predigt traditionell folgenden "Kollekte",
also einer Geldsammlung in kleinen Körbchen, die in der Kirche (und davor!) herumgereicht wurden und die natürlich ebenfalls für die in seiner peruanischen Gemeinde lebenden bedürftigen Indios bestimmt war, geschah dann etwas "Einmaliges", das ich niemals
zuvor und nie wieder danach erlebt habe: In diesem Körbchen "klapperte" erstaunlicherweise nichts .... also nicht wie sonst üblich das dort hineingeworfene Kleingeld - da wurden an diesem Tag
gar keine Münzen
hineingeworfen - ich sah
ausschließlich
dort hineingelegte Geld
scheine
(und die klappern nun mal nicht).
Ich war stets und bin bis heute bezüglich aller Religionen (insbesondere aber jener "katholischen Glaubenslehre" gegenüber) überaus misstrauisch und zurückhaltend in meiner Bewertung - aber auf jenen inzwischen leider verstorbenen Indio namens Alcides
Mendoza lasse ich absolut nichts kommen! Er war ein großartiger, überaus sympathischer, sehr gebildeter und
absolut ehrenwerter
Mitmensch.
So viel zu
dieser
"etwas anderen Begegnung" in meinem Leben.
Buddy
2026.03.18
.
Hallo Jürgen
Natürlich will ich Dir die Fortsetzung meiner Anekdote nicht etwa vorenthalten, die Dir die "Kampfkraft" älterer
israelischer Damen
einmal mehr vor Augen führen soll. Hier also mal eine weitere Erzählung meines jüdischen Kameraden, die er abends im Biwak am Lagerfeuer "zum Besten gab" und die, wie ich glaube, die ganz
besondere
Mentalität des israelitischen Volkes ein wenig beleuchtet:
Die Masse seiner Familie lebte nach wie vor dort in Israel, genauer gesagt: im
israelisch besetzten
"Westjordanland" ... und dort in einem sogenannten "Kibbuz" - also in einer
äußerst wehrhaften
(!) ländlichen Siedlung. Immer wieder mal er dorthin in
seine "alte Heimat
" geflogen. Einmal ertönte mitten in der Nacht in diesem Kibbuz ein Alarm! Seine schon betagte Tante kam daraufhin in sein Schlafzimmer, entschuldigte sich für diesen Lärm und beruhigte ihn, es handelte sich lediglich einen "
Übung
salarm"
.... er möge sich also ruhig wieder hinlegen und weiterschlafen, aber dabei bitte das Licht im Zimmer ausgeschaltet lassen. Sodann verschwand sein "Tantchen" wieder in der Dunkelheit des Hauses.
Mein Kamerad konnte aber nicht mehr einschlafen. Er trat ans Fenster, nahm vorsichtig den Vorhang etwas zur Seite - und staunte nicht schlecht ... als er von dort aus beobachtete, wie seine Tante gerade mit einem mindestens zehn Kilogramm Maschinengewehr
unter dem Arm und einer kleinen Munitionskiste in der anderen Hand das Haus durch die Eingangstür direkt unter seinem Zimmer verließ und im Vorgarten auf eine ca. 2 Meter lange Holzklappe zuging, die mit einer Kante schräg in den Zugangsweg hineinragte.
Er hatte sich eigentlich immer schon im Vorbeigehen gefragt, wozu "dieses Ding" überhaupt gut sein sollte .... und was unter dieser Klappe wohl verborgen war(?) Nun klappte die alte Dame dieses Holzbrett hoch - und siehe da, darunter kam ein vorbereiteter,
gut ausgebauter und befestigter "Kampfstand" zum Vorschein, in dem sie sich nun mit ihrem MG sozusagen "häuslich einrichtete" - das war nämlich genau dort
ihre Alarmpostenstellung
, wie sie um diesen Kibbuz verteilt auch
jedem anderen Kibbuz-Bewohner
einzeln
zugewiesen
war ... eine "Stellung" mit Hauptschussrichtung auf die einzige Zufahrtsstraße zum Kibbuz!
Mein Kamerad kleidete sich nun wieder an, um einer weiteren "Merkwürdigkeit" auf den Grund zu gehen. Hinter dem Wohnhaus, in dem er sich befand, gab es im Zentrum des "landwirtschaftlichen Anwesens" eine große, offene Halle. Darin waren die wohl üblichen
landwirtschaftliche Maschinen wie Traktoren, Anhänger, LKW, Erntemaschinen u.a.m. abgestellt - in so einem Kibbuz zweifellos nicht ungewöhnlich!
In der hintersten Ecke dieser Halle
rumorte nun hinter einer unscheinbaren, ca. drei Meter hohen Mauer
ein offenbar
mächtiger
Motor .... und
über dieser Wand
hatte sich inzwischen bis oben zur Decke jede Menge Qualm entwickelt. Er wurde immer neugieriger, ging deshalb im Dunkeln um diese Mauer herum - und staunte wieder einmal in dieser Nacht!
Hinter dieser Wand stand "einsam und verlassen" ein mächtiger Kampfpanzer - der zu diesem Zeitpunkt ganz einfach nur "im Standgas" warmlief. Dieses war aber ein
ganz besonderer
Panzer, den
so
vermutlich noch nicht viele Menschen auf der Welt gesehen hatten: Das
Fahrgestell
dieses Ungetüms war offensichtlich schon
uralt
und stammte zweifellos von einem US-amerikanischen "Sherman-Panzer" aus der Zeit des II. Weltkrieges, also ein echter Oldtimer!
Hier mal ein "Archivbild" aus einem deutschen Museum - um Dir eine Vorstellung von so einem "historischen" Koloss zu erleichtern:
Mit so einem alten "Bagger" (wie Panzerbesatzungen ihre "Dienstfahrzeuge" liebevoll nennen) kann man heutzutage natürlich niemanden mehr wirklich erschrecken, aber die Israelis dachten recht "pragmatisch" und sagten sich offenbar: Um mit so einem "Gefährt"
notfalls
innerhalb
des "Kibbuz" ein wenig herumzufahren, reicht das alte Fahrwerk eines "Sherman" - nur der Turm mit seiner "historischen" Bewaffnung ist nicht mehr zeitgemäß und deshalb unbrauchbar.
Also hatten sie ganz einfach den
alten
Turm "entsorgt" und durch einen nagelneuen Turm eines solchen "Merkawa" (eine israelische Eigenproduktion!) ersetzt, der über eine hochmoderne und leistungsfähige Feuerleittechnik verfügt und dessen Kanone
mit speziellen "Wuchtgeschossen" (gefüllt waren mit
abgereichertem
Uran und deshalb besonders schwer!) auch modernen Panzerungen mächtig zusetzen kann .... der Albtraum jeder gegnerischen Panzerbesatzung! Dieser oben genannte
einzelne
,
sehr seltsame
Panzer sollte im Falle eines eventuellen Angriffs auf den Kibbuz (evtl. durch die rundum lebenden "Ureinwohner", also die "Palästinenser") bei einem Gegenstoß als "kleine Überraschung" dienen. Wenn mir nicht ein professioneller
Soldat und exzellenter Kenner Israels diesen Panzer sehr detailliert beschrieben hätte, dann würde ich so etwas nicht für glaubwürdig halten - und auch gewiss nicht weitererzählen!
Du magst den o. a. Schilderungen entnehmen, dass die Israelis (wie bereits gesagt) "etwas anders ticken" als wir. Es ist ein durch und durch
außergewöhnliches
Volk im "Nahen Osten", dem man besser
nicht feindlich
gegenübertreten sollte! Heute
dort lebenden Juden
sind ganz offensichtlich fest entschlossen, sich
nie wieder wehrlos
wie Vieh "abschlachten" zu lassen . wie das die Generation unserer Elternmillionenfach "praktiziert" hat. Ich bewundere sie dafür - wohl verstanden: die Juden(!)
... und, nicht etwa die gottverdammten deutschen "Nazis", die diese Massenmorde begangen haben und deren "Gesinnungsgenossen" (viele, aber nicht alle Wähler unserer heutigen "AfD") so etwas
unsagbar Widerliches
noch heute mehr oder weniger richtig finden! Soviel erst einmal zu meinem
kleinen, aber feinen
jüdischen Kameraden.
Natürlich denke ich bei derartigen Gelegenheiten auch kritisch über diesen
uralten
und leider
anhaltenden
Konflikt mit den dort in "Palästina" heimischen Palästinensern nach - die in ihrer leidvollen Geschichte gleich zweimal "Pech" mit "jüdischen Immigranten" hatten, .... e
rstmalig
vor ca. 3.500 Jahren, als jener
"Moses" mit dem aus ägyptischer Versklavung geflohenen Volk der "Hebräer" angeblich 40 Jahre lang durch die Wüste des "Sinai" geirrt war .... und dann offenbar irgendwann "genug" davon hatte. Er
stellte sich
deshalb mit seinen "Jungens" ("Mädels" hatten damals noch nichts zu sagen!)
auf einen Berg
, zeigte ihnen das nun vor ihnen liegende
unbekannte Land
"Palästina" und er behauptete steif und fest,
ihr
"Gott" (wenn es "
den
" denn überhaupt gab/gibt?) habe
ihm persönlich
(!) dieses Land als ihre neue Heimat versprochen. "Dumm nur", dass zu der Zeit die
dort
lebenden Ureinwohner diese
"Eigentumsverhältnisse"
deutlich anders
bewerteten .... und
noch heute
tun sie das!
Erneut "Pech"
hatten die
Palästinenser
wenige Jahre nach dem II. Weltkrieg, als die
britischen
Besatzer in ihrem damaligen
Mandatsgebiet
entschieden, den damals aus aller Welt vergrämten (noch überlebenden) Juden einen eigenen Staat namens "Israel" einzurichten und zu überlassen .... in jener Gegend, die den Juden als das einst
angeblich
"gelobte Land" bereits sehr vertraut war.
Da waren sie dann wieder, diese strittigen Eigentumsverhältnisse zwischen Juden, genauer gesagt "Israelis" (die nun auch durchaus "unterschiedlichen Glaubens" waren) und den Palästinensern, die sich
immer noch nicht
von der Idee trennen wollten, dass das dort irgendwie mal
ihre
Heimat war. So sehe
ich
das jedenfalls - wohl wissend, dass nun der eine oder andere Mitmensch etwas erstaunt die Augenbrauen hebt, weil man ihm das schon als Kind
ganz anders
erzählt hatte.
Buddy
.
2026.03.21
Hallo Buddy,
danke für Deine beiden neuen Geschichten. Der „Indio“ und auch
der „Jude“ (Teil 2) waren wieder sehr lesenswert. Beim Lesen hatte
ich allerdings den Eindruck: Fehlt mir da nicht noch der „Jude“
Teil 1? Falls ja, dann hast Du da offenbar noch einen Faden offen,
den ich natürlich auch gern lesen würde.
Die Geschichte mit dem peruanischen Erzbischof hat mir besonders
gefallen. Gerade solche Menschen bleiben im Gedächtnis, weil sie
Rang und Würde haben, aber zugleich menschlich, humorvoll und
unkompliziert bleiben. Das ist selten. Auch die Episode mit dem
Geld für das Kinderheim in Peru fand ich stark – manchmal ergeben
sich die sinnvollsten Lösungen eben erst im richtigen Moment.
Am Donnerstag war mein Tag deutlich nüchterner: Ich habe mich auf
eine freiberufliche Aufgabe vorbereitet – inklusive Prüfung. Und
tatsächlich: Ich habe bestanden. Jetzt bin ich gespannt, ob und
wann der erste Auftrag hereinkommt.
Der Freitag gehörte dann meinen 360°-Aufnahmen, die ich bei
meinem Sohn gemacht hatte. Dabei gibt es ein ganz typisches
Problem: Auf den Bildern sieht man unten am Boden das Stativ. Das
muss später mit einem sogenannten „Nadir“-Foto überdeckt werden.
Das klingt einfacher, als es ist. Ich habe tatsächlich mit der
dritten KI und insgesamt rund acht Stunden gebraucht, bis das
endlich so funktioniert hat, wie ich es wollte. Eigentlich hatte
ich mir vorgenommen, an meiner Sprachen-App weiterzuarbeiten –
aber das musste an dem Tag warten.
Beim Thema Israel bin ich ehrlich gesagt sehr irritiert. Alles,
was man dazu hört, ist voller Widersprüche, und ich habe oft den
Eindruck, dass jede Seite ihre eigene Geschichte glaubhaft
verkauft. Deshalb halte ich mich da eher zurück, weil ich mich
nicht tiefer in etwas hineinziehen lassen will, das von allen
Seiten mit großer Überzeugung vorgetragen wird.
Was für mich bisher allerdings feststeht: Wie kann ein Volk, das
selbst tiefe Erfahrungen damit gemacht hat, was es bedeutet, ohne
Land und ohne Heimat zu sein, den Palästinensern nicht nur ein
eigenes Land verweigern, sondern sie vertreiben, töten und im
Gazastreifen einen Zustand schaffen, den ich nur noch als
grauenhaft bezeichnen kann? Und dann taucht zusätzlich noch immer
wieder die Vorstellung eines „Groß-Israel“ auf. Das alles macht
mich eher fassungslos als parteiisch.
Kriege sind für mich immer Scheiße. Es geht am Ende immer um Geld
und Macht, und die Soldaten sind fast immer nur die
Verschleißmasse. Besonders unverständlich sind mir dabei Kirchen
und Religionen, die Kriegsgerät segnen oder sich auf irgendeine
Weise in solche Machtspiele einspannen lassen.
Fanatische Menschen sind mir generell suspekt – ganz gleich, ob
religiös, politisch links oder rechts oder parteipolitisch
aufgeladen. Jeder kann glauben, was er will. Aber er hat den
anderen zu respektieren.
So, jetzt werde ich mich meiner Sprachen-App widmen. Was machst du
so in der Woche - außer mir interessante Episoden zu schreiben?
Viele Grüße
Jürgen
.
Hallo Jürge
Mit dem Versenden von "Teil 1" dieser Anekdote ist offenbar irgendwie etwas schiefgelaufen(?) - deshalb ein "zweiter Anlauf":
Hier mal wieder eine weitere Anekdote, wie immer "voll aus dem Leben gegriffen". Sie soll Dir erneut zeigen, welch ungewöhnliche aber dennoch (oder gerade deswegen)
sehr interessante
Mitmenschen mir
immer wieder mal über den "Lebensweg" gelaufen sind:
Das Thema "Juden"/"Israelis" (nicht unbedingt das Gleiche!) hat mich stets
besonders
fasziniert ... diese Mitmenschen sind nämlich eindeutig "anders als die Anderen"! Heute möchte ich Dir von meiner Bekanntschaft mit einem Juden berichten .... genauer gesagt
von einem in Israel geborenen
deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens
. Mit dem habe ich mich
oft und lange
unterhalten, ...weil wir denselben "Job" hatten: Wir waren beide
Berufs
offiziere in der Bundeswehr. Er war (und ist sicherlich immer noch) ein besonders "feiner Kerl". Mitte der 1990er wurde er als ein schon etwas älterer Oberleutnant in unser Weseler Artilleriebataillon versetzt als ein sogenannter "S1-Offizier"
("
S
achgebietsleiter
1
") - also zuständig für unser
Personalwesen
.
Ich fand ihn auf Anhieb besonders sympathisch. Er war ein kleinwüchsiger, unauffälliger, bescheidener Kamerad, aber keineswegs ein "Sesselfurzer" (wie andere Angehörige des "Stabes"), sondern "bei Licht betrachtet" ein
echter
Soldat ... damit will ich sagen: Er war unmittelbar zuvor ein erfahrener
Zugführer bei unseren Fallschirmjägern
gewesen - also ein erfahrener und besonders hart ausgebil- deter militärischer Vorgesetzter bei den (selbsternannten) "Härtesten unter der Sonne"!
Als ich damals kurz nach
seinem
Dienstantritt mal wieder für eine Woche mit einer handverlesenen Auswahl meiner Soldaten in die "Lüneburger Heide" fuhr, um dort auf einem Truppenübungsplatz eine besonders "erlebnisorientierte" Gefechtsausbildung
zu leiten, bat mich dieser Mann überraschend, doch einfach mal dorthin mitkommen zu dürfen - für einen "Offizier des Bataillonsstabes" (wie bereits angedeutet normalerweise alles "klassische Etappenhengste") ein
nie dagewesener
und in meinen Augen geradezu sensatio- neller Wunsch!
Ich gestattete ihm das besonders gern und ich überredete unseren gemeinsamen Kommandeur, ihn für diese zwei Wochen von der "Schreibtischarbeit" zu entbinden. Deshalb bot ich ihm an, mich als
Kraftfahrer meines Jeeps
zu begleite, dann wäre er dort stets im Zentrum des Geschehens - und könne so in kürzester Zeit besonders viel sehen und erleben. Er willigte begeistert ein!
Unterwegs auf der Autobahn fragte er mich beiläufig, ob ich ihm während der nun kommenden Woche einen kurzen Aufenthalt in der
dort nahegelegenen
KZ-Gedenkstätte "Bergen-Belsen" ermöglichen könne, bekanntlich bis 1945 ein ehemaliges Vernichtungslager der gottverdammten "Nazis" ... das sei ihm ein sehr
persönliches Anliegen
. Im weiteren Gespräch erfuhr ich zu meinem Erstaunen, dass er ein "waschechter Jude" sei - was bei einem Bundeswehr-Soldaten
höchst ungewöhnlich
(sogar
nahezu einmalig!
) war .... da "deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens" (ebenso wie alle "Sinti "und "Roma" - also sogenannte "Zigeuner") als besondere Ausnahmen nicht zum "
allgemeinen Wehrdienst
" herangezogen
wurden .... wohl als ein bescheidener Ausgleich unseres Staates für zahllose in der "NS-Zeit" (1933-1945) erlittene entsetzliche Opfer dieser Bevölkerungsgruppen.
Er
war in meiner damaligen schon 15-jährigen "Dienstzeit" tatsächlich der
erste
Jude (und auch der letzte!), den ich je in Bundeswehruniform gesehen habe. Er war in den `90er Jahren
einer von
insgesamt nur 27 jüdischen Soldaten in unserer gesamten Armee
(damals immerhin fast 500.000 aktiven Soldaten!) .... diese wenigen Juden waren seinerzeit ausnahmslos
auf ihren eigenen Wunsch und Antrag
hin (also
freiwillig
!
)
in unsere Armee eingetreten - warum auch immer(?)
Besonders bemerkenswert fand ich anlässlich eines unserer Gespräche seine Aussage, dass
seine Mutter
während des II. Weltkrieges nicht weniger als zwei der deutschen sogenannten "Konzentrationslager" überlebt hatte, zuletzt jenes dort in "Bergen-Belsen" - und dass sie am Ende des Krieges unmittelbar
nach ihrer Befreiung durch die Briten
(1945) verständlicherweise (ebenso wie viele andere überlebende deutschen Juden) nach Israel ausgewandert war.
Er selbst
(mein Kamerad) war zwar dort
in Israel
geboren und aufge-wachsen, dann aber später aus Liebe zu seiner
deutschen
("nicht-jüdischen") Ehefrau in die BRD "eingewandert.
In vielen Gesprächen mit diesem tollen Kerl sah und hörte ich sehr viel Neues und Interessantes aus der
mir bislang verschlossen gebliebenen
jüdisch geprägten Welt. Eindrucksvoll war für mich beispielsweise ein späterer gemeinsamer Besuch in der größten
deutschen
Synagoge in Köln. Dieses Gotteshaus war schon damals (für mich erstaunlich!) gesichert als "Hochsicherheitsbereich" .... also mit Panzerglas rundum ... einer intensiven Personenkontrolle im Eingangsbereich ... und durch eine (mit Maschinenpistolen
deutscher Bauart
Typ "Heckler & Koch MP5" und nicht etwa mit der berühmten israelischen "UZI" bewaffneten)
zivilen
"Security".
Dort in jener Synagoge wurde ich geduldig und ganz persönlich in typische jüdische Zeremonien eingewiesen .... mir wurde sogar eine der fünf "Thora-Rollen" in meine Hände gelegt .... und ich durfte dann diese
ganz besondere
Schriftrolle aus ihrer kostbar verzierten Umhüllung herausnehmen und sie im Zentrum der Synagoge sehr vorsichtig auf einem "altarähnlichen" Lesetisch ausrollen - das ist eine seltene und ganz besondere Ehre für einen "
Nicht
-Juden"
wie mich, die ich damals auch sehr wohl als solche empfunden und geschätzt habe.
Besonders interessant waren für mich zahllose Erzählungen meines jüdischen Kameraden ... die er abends in unserem "Biwak" am Lagerfeuer oder unterwegs im Jeep von sich gab - zum Beispiel ein seinerzeit erst wenige Wochen zurückliegende Ereignis auf dem
deutschen Flughafen in Düsseldorf: Damals kam seine schon recht betagte Mutter (
erstmals seit dem Kriegsende!)
aus Israel nach Deutschland zu Besuch.
Gleich bei ihrer Ankunft
in Düsseldorf war dann "der Teufel los" ... diese
ehrenwerte alte Dame
wurde dort tatsächlich sogleich im Flughafengebäude
festgenommen
! Der Grund: Eher zufällig und überaus erstaunt hatten "Zöllner" bei ihrer Ankunft
in ihrem Handtäschchen
einen geladenen .38-er Revolver der Marke "Smith & Wesson" gefunden, .... Alarm!!!
Nun muss man wissen:
In Israel
ist so etwas "
total normal
,
auf
deutschen
Flughäfen allerdings
keinesfalls
! Die alte Dame war leider schon etwas "tüdelig" und sie hatte einfach nur
vergessen
, diese (ihre!) Waffe
zu Hause
in Israel
zurückzulassen
. Üblicherweise geht man nämlich dort in Israel als ein Jude besser
niemals unbewaffnet
aus dem Haus - auch "ältere Damen" nicht! Für "bundesdeutsche Beamte" ist so etwas allerdings total unfassbar! Wie kam es aber dazu, dass man
diese Waffe
nicht bereits in Tel Aviv
vor dem Abflug
entdeckt und ihrer Handtasche entnommen hatte? Eine zweifellos berechtigte Frage! Dazu muss man wissen: Als eines der wenigen überlebenden Opfer des "Holocaust" genoss diese Dame dort
in Israel
(ebenso wie alle übrigen ehemaligen Leidensgenossen!) einen absoluten "Sonderstatus". Alle israelischen Behörden erkennen (wie auch immer?) diese Veteranen
auf Anhieb
- und wohl schon
von weitem
...und sie schützen und unterstützen solche Seniorinnen
völlig unaufgefordert
nach Kräften! Diese Mutter meines Kameraden war deswegen bereits unmittelbar
vor
dem Flughafen"Tel Aviv"
bei ihrer Ankunft
mit dem Taxi von den dort eingesetzten israelischen Sicherheitskräften sehr freundlich in Empfang genommen worden ... geradezu "liebevoll" mit ihrem Reisegepäck in einen Militär-Jeep gequetscht worden
... und dann anschließend
an allen Kontrollen vorbei
direkt zum Flugzeug gefahren worden! Dort angekommen wurde sie durch diese "Security-Leute" noch bis zu ihrem Sitzplatz im Flugzeug begleitet und dort fürsorglich in eine Decke gehüllt. Sie erhielt
außerdem noch einen Becher Kaffee und eine Zeitung in die Hand gedrückt .... und auch noch zum Abschied "ein Küsschen" der Soldaten auf die Wange - so sind
die Israelis
nun mal!
Hier in Deutschland gab es nun gleich nach der Ankunft ein "riesiges Theater" wegen des dämlichen Revolvers in ihrer Handtasche, den unsere Zöllner dort zufällig entdeckt hatten und sie wurde "gnadenlos"
wie eine Terroristin
behandelt - so sind
wir Deutschen
nun mal!
Erst der persönlich herbeigeeilte
israelischer Konsul
konnte dann einige Stunden später ihre sofortige Freilassung aus der Haft erwirken.
(Fortsetzung folgt!)
Buddy
.
.
Hallo Jürgen
Um vorab Deine Frage zu beantworten: Ich führe nach wie vor und sehr sorgfältig einen "Terminplaner", um auch ja nicht den einen oder anderen mehr oder weniger wichtigen "Termin" zu verpassen - obwohl man mir das vermutlich aufgrund des "altersbedingten
Schwachsinns" nachsehen würde. In der kommenden Woche muss ich nur gemeinsam mit meiner "dbH" ("deutlich besseren Hälfte") unseren kleinen Hund beim "Hundefriseur" grimmen lassen (das kostet nahezu 100 EUR!) - ansonsten darf ich nicht versäumen, alle unsere
Uhren am Ende der Woche wegen der beginnenden "Sommerzeit" umzustellen.
Hier mal eine ganz andere Anekdote - natürlich ebenfalls "wahr". Um solche Geschichten eventuell zu "erfinden", fehlt mir leider wie bereits mehrfach erwähnt die nötige Phantasie.
Zunächst eine "Vorabinformation", damit Du meine damalige Situation etwas besser einordnen kannst:
In ei
ner historischen Kaserne aus "Kaiserzeiten", im Ost-Berliner
Stadtteil Treptow gelegen, gab es noch 1990
mitten in der Stadt
eine sicherlich mehr als 100 Jahre alten
unterirdische
"Schießanalage", bestehend aus einigen
25-Meter
-Schießbahnen (wohl einst für das damals "herrenmäßige" Pistolenschießen gedacht) .... zwei
100-Meter
-Bahnen für das Schießen mit Gewehren .... und zusätzlich eine inzwischen total verfallene
300-Meter
-Schießbahn ... wofür auch immer gedacht (?) ... gerüchteweise wurden dort einst sogar leichte Infanteriegeschütze "angeschossen". Diese unterirdische Anlage war damals wie
fast alles
in Ost-Berlin ziemlich heruntergekommen, sie stand sogar teilweise einige Zentimeter hoch unter Wasser .... die Beleuchtungseinrichtungen waren zu mehr als 50 % ausgefallen, entsprechend
unbefriedigend
war dort das restliche Licht!
Aber egal, dieser historische Ort wurde nun zum Schauplatz eines besonderen "Schießwettkampfes" zwischen Ost und West (damals gerade erst politisch wiedervereint!) .... und das kam so:
Im sogenannten "Einigungsvertrag" war unter anderen Bestimmungen die die unverzügliche Auflösung der sogenannten "DDR-Grenztruppen"
noch vor dem 03.10.1990
verbindlich festgelegt worden ... deren Angehörige zu DDR-Zeiten ggf. auf
eigene Landsleute
schießen sollten, die über den durch die DDR gebauten "Grenzzaun" in unsere "BRD" fliehen wollten. In Berlin war dadurch unmittelbar vor der Wiedervereinigung beider Staaten (DDR und BRD) die sogenannte "Kaserne am Treptower Park" frei
geworden.
Auf Befehl des zuletzt amtierenden "DDR-
Abrüstungs
ministers" (Pfarrer Eppelmann) hatte anschließend das NVA - Wachregiment I "Friedrich Engels" zähneknirschend ihre besonders attraktiv gelegene Unterkunft in Ostberlin nur wenige Tage vor dem 03.10.1990
geräumt und war nach Treptow umgezogen ....
dort
fand
ich
sie dann bei
meiner
Anreise am Tag der Wiedervereinigung.
Ich hatte damals als
Militärberater
bei einem meiner vielen Einblicke in diese historische Kaserne eher zufällig
im Dachgeschoss
eines großen Gebäudes eine militärische "Bekleidungskammer" entdeckt, die offensichtlich durch einen sehr freundlichen Zivilisten und einige für
ihn tätige Damen eingerichtet und betrieben wurde. Dort wurden die DDR-Uniformen abgegeben und gegen Bundeswehruniformen
eingetauscht.
Besagter Herr fiel mir sofort angenehm auf - nicht zuletzt durch sein "Outfit": breite, knallroten Hosenträger und eine "Blechbrille",
das gleiche "Knappschafts-Modell", das ich selbst bevorzuge. Er war ein sympathischer, überaus aufgeweckter, ca.50jähriger Mann,
ein "Kerl" so ganz nach meinem Geschmack! Sogleich lud er mich auf eine Tasse
Kaffee ein, den seine eifrigen Mitarbeiterinnen auf "
türkische
Art" zubereiteten, also
grob zertrümmerte
Kaffeebohnen mit siedend heißem Wasser übergossen. Ich hatte anschließend reichlich zu spucken! Im Laufe unseres sehr angeregten Gespräches kam
er
(
nicht
etwa
ich
!) auf das Thema "legaler Waffenbesitz in
der BRD" zu sprechen, was
ihn offenbar besonders interessierte
, für mich als passionierter Waffen- und Militaria-Sammler natürlich
so etwas wie eine "Steilvorlage"! Er gestand mir in diesem Zusammenhang "schamhaft", dass er
für sein Leben gerne
mal eine "08-Pistole" (nach ihrem Konstrukteur auch "Luger-Pistole" genannt) aus Kaiserzeiten in der Hand halten und damit schießen würde .... warum auch nicht? Ich sagte ihm, dass ich so ein "historisches Schätzchen" in meiner Sammlung hätte.
So sah damals
meine
"08" aus, Baujahr 1911, hergestellt durch die Firma "DWM" ("
D
eutsche
W
affen- und
M
unitionsfabrik") in Berlin.
Diese Waffe brachte ich am folgenden Wochenende von daheim mit nach Berlin. Ich bot ihm nun an, damit "nach Lust und Laune" zu schießen -
vorausgesetzt
, wir fänden einen
geeigneten "Schießstand
"! Er lief daraufhin mit mir los und zeigte mir im entlegensten und
"finstersten" Bereich der Kaserne jenen
unterirdischen
Schießstand , den ich weiter oben bereits erwähnt und geschildert habe. Wenig später gingen wir dann gemeinsam mit einigen interessierten "NVA-Beobachtern" ("Claqueure"?) in das bunkerartige
Kellergewölbe, wo zu diesem Zeitpunkt bereits einige Schießscheiben auf einem noch einigermaßen beleuchteten
100-Meter
-Schießstand vorbereitet waren. Ich wies ihn nun kurz in meine
betagte
aber
technisch einwandfreie
Waffe ein - und ließ ihn dann auf der für Pistolen üblichen Entfernung von nur 25 Metern zunächst 8 Schuss (eine Magazinfüllung) auf die linke von zwei "10-er-Ringscheiben" abgeben ... dabei staunte ich nicht schlecht!
Er hatte mit diesem alten "Schätzchen" auf Anhieb
achtmal
die "Zehn"
getroffen - alle Achtung! Nun wurde er
etwas leichtsinnig
und forderte
mich
sogleich zu einem "kleinen Wettschießen" auf. Ich willigte ein ...
aber dann doch bitte
auf eine "anständige" Entfernung von
100
Metern! Nun staunte
er
mal zur Abwechslung - und versicherte mir recht glaubwürdig, dass er
noch nie
auf so große Entfernung mit irgendeiner Pistole geschossen hätte - ich glaubte es ihm gerne.
Was
ich
zu diesem Zeitpunkt
noch nicht wusste,
war, was er (der überaus freundliche "Zivilist")
wirklich
im Schießen alles draufhatte! Was
er
nicht wusste:
100 Meter
Schussentfernung mit der Pistole war
meine
absolute "
Spezial
disziplin"
und
ich hatte außerdem sehr wohl bemerkt, dass er wegen der
lausig schlechten Beleuchtung
große Probleme hatte, bei der recht
kontrastarmen
Visierung dieser historischen Waffe überhaupt
Kimme und Korn
vor dem
dunklen Hintergrund
der Schießscheibe zu erkennen ... die Beleuchtung ganz hinten
auf 100 Metern Entfernung
(dort, wo wir
nun
standen) war dummerweise
noch
viel schlechter als weiter vorne - auf den zuvor nur 25 Metern Entfernung zum Ziel! Er schoss nun als Erster - 2 x 5 Schuss auf die linke Scheibe - mit seinen zu erwartenden optischen Problemen. Ich schoss als Zweiter. Zuvor hatte
ich
allerdings" heimlich" meinen Daumen mit Speichel befeuchtet - dann damit etwas weißen Kalk von der Wand abgewischt - und meinen nun weißen Daumen (durch ihn unbemerkt!) an Kimme
und Korn meiner Pistole abgerieben ...
ich
konnte diese Visierung nun
prächtig erkennen
. Bei Dämmerung ist das ein uralter (ihm "leider" unbekannter) Trick, man erhielt so zu ein "behelfsmäßiges Kontrastvisier"!
Ich mache es kurz:
Er
fand nur 5 von 10 Schuss auf
seiner
Scheibe -
ich
hatte auf
meiner
Scheibe alle 10 Treffer -
er
war "geschlagen"!
Das war für mich eigentlich nichts wirklich Besonderes und deshalb auch nicht weiter erwähnenswert .... da ich schon immer besser schießen konnte als die meisten meiner Bundeswehrkameraden. Ich wäre darauf auch
nicht
besonders stolz
gewesen, zumal ich ihn
ja auch ein wenig "ausgetrickst" hatte .... wenn das alles nicht ein völlig unerwartetes "Nachspiel" gehabt hätte!
Er verschwand gleich darauf etwas "wortkarg" auf seine Bekleidungskammer - ich ging den üblichen Tätigkeiten als Militärberater nach ... bis mir
ein
Gerücht
zugetragen wurde: Erstaunlich schnell hatte sich im Wachregiment herumgesprochen: "Der dicke Wessi
hat unseren
Major
-?- (sein Name ist mir leider entfallen) im Pistolenschießen geschlagen"! Wieso das offenbar so "aufregend" war, das wusste ich (
noch
) nicht ? Ich wurde zum Regimentskommandeur gebeten - und dort erfuhr ich dann etwas Neues,
was mir
zuvor verschwiegen
worden war: Jener "Major -?-" war noch bis
wenige Monate zuvor
ein aktiver Offizier der NVA gewesen (auch nichts Besonderes!) und hatte (man höre und staune!) in Leipzig den "
Olympia
-Kader" der damaligen DDR-Pistolenschützen trainiert. Er
galt deshalb als ganz
exzellenter Pistolenschütze
! Wie mir der Kommandeur außerdem mitteilte, säße er nun "tief geknickt" in der Wäschekammer herum und ließe sich durch seine "alten Mädels" trösten. Ich lachte herzhaft und erzählte dem ranghohen
Offizier
die
ganze
Wahrheit mit dem "Kontrastvisier". Anschließend ging ich unverzüglich zu meinem "unterlegenen Gegner" und berichtete
auch ihm
von den Vorzügen einem "gut gekalkten" behelfsmäßigen Kontrastvisiereinrichtung.
Er bat nun spontan um "Revanche", gleich am nächsten Tag - und dann doch bitte auf einer am Stadtrand gelegenen militärischen Schießanlage (
mit
"Tageslicht"!) .... und dann doch bitte zur Abwechslung mal mit
seiner
"sportlich getunten "Makarow - Pistole" (sowjetischer Bauart) - warum nicht? Ich bin diesbezüglich eigentlich "vor nix fies!" Ich habe dann an jenem Tag einen Menschen so hervorragend schießen sehen wie diesen Ex-Major der NVA. Er erinnerte mich
spontan an "US-Legenden" wie Anni Oakley oder auch Buffalo Bill Cody, ... er war ein toller Kerl! Er schoss
mich
an diesem Tag sozusagen "in Grund und Boden".
Nun
war
ich
allerdings doch "
etwas stolz
" darauf, am Vortag ausgerechnet diesem alten “Kämpen” mal gezeigt zu haben, "wo denn
der Frosch die Locken hat". Hätte er sich g
leich zu Anfang
mir gegenüber "der Fairness halber"
zu erkennen gegeben
, dann hätte ich (ihm) das
so
sicherlich
nicht
(an)getan.
Buddy
.
2026.03.22
Hallo Jürgen
Wie Du schon weißt, habe ich viele Episoden in meinem ereignisreichen Leben in Form von "Anekdoten" in meine ganz persönliche Chronik aufgenommen, um sie nicht allmählich zu vergessen. Hier mal ein Ereignis, an das ich mich besonders gerne erinnere.
1982 war ich Chef einer Raketenbatterie, die mit US-gefertigten sogenannten
Kurzstreckenraketen
des Typs "Lance" ausgestattet war. Deren maximale Reichweite betrug immerhin mehr als 100 km! Da nun mal unsere
deutschen
Truppenübungsplätze dafür viel zu klein waren, hatte die NATO in Griechenland eine zentrale Ausbildungseinrichtung zum Verschuss derartiger und ähnlicher Raketensysteme eingerichtet, die wir regelmäßig (gegen Bezahlung!) nutzen durften. Zur
Verfügung gestellt wurde uns aus Kostengründen jeweils nur
eine einzige
Rakete pro Jahr (natürlich ohne einen "
nuklearen
" Gefechtskopf), die wir dort verschießen durften. Bei "meinen Jungens" das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit dieses durch
sie zu beherrschenden Waffensystems nachhaltig zu festigen.
Auf der Insel Kreta gab es zu Zeiten des "Kalten Krieges" (und gibt es wohl auch heute noch?) jenen besonderen "Truppenübungsplatz" der NATO mit der Bezeichnung "NAMFI" ("
NA
TO-
M
issile-
F
iring-
I
nstallation") .... hier mal ein
Kartenausschnitt mit unserer Unterkunft südlich des Flughafens "Chania" und dem Schießplatz unmittelbar an der Küste des Mittelmeeres.
Ich flog einmal jährlich mit etwa 50 meiner Soldaten auf die griechische Insel, um dort jene
einzige
Rakete zu verschießen. Dafür hatten wir nun bis zum Rückflug nach Deutschland genau eine Woche lang Zeit, so lange .... bis die uns nachfolgenden Soldaten einer anderen westeuropäischen "Raketenbatterie" dort eintrafen, um
ihre
Rakete zu verschießen. Wir hatten dort also keinerlei Stress .... stattdessen ganz viel Freizeit! Dieser sogenannte Kampfzonentransporter des Typs "Transall" war zwar keineswegs unsere "erste Wahl", aber dafür flog man kostenlos!
Zumindest
jeder länger dienende Angehörige meiner Einheit (im "Klartext": alle
Zeit
- und
Berufs
soldaten!) sollte
wenigstens einmal
in ihrer Dienstzeit eine derartige Rakete des Typs "LANCE" fliegen sehen. Sofern der mir zur Verfügung gestellte Platz in dieser Maschine ausreichte, nahm ich aber auch sehr gerne einige
meiner
wehrpflichtigen
Soldaten mit - damit diese als (aus meiner Sicht!) besonders wichtigen und glaubwürdigen "Repräsentanten der Öffentlichkeit"
daheim
etwas zu berichten hatten.
Innen drin war so ein Kampfzonentransporter der "Gipfel an Komfortlosigkeit". Man hatte die "freie Wahl" des Sitzplatzes : vorne war es
viel zu warm
- in der Mitte
viel zu eng
- und hinten
viel zu kalt
- in jedem Fall aber
viel zu laut
- und bei der leider siebenstündigen(!) Flugzeit in jedem Fall
viel zu langweilig
.
Der Flug dauerte übrigens so lange, weil wir natürlich nicht über Länder des "sowjetischen Machtbereiches" hinwegfliegen durften, sondern weil uns auch die "neutralen" Staaten Schweiz und Österreich hartnäckig den Überflug mit solchen "oliv" angepinselten
Flugzeugen verweigerten! Stattdessen mussten wir einen riesigen Umweg über Frankreich durchs Rhonetal in Kauf nehmen - und deshalb bei Gegenwind auch noch in der Nähe von Rom zwischenlanden, um dort nachzutanken.
Die beiden "Zivilisten" im Bild waren übrigens unser Weseler
Bürgermeister
und ein uns "recht wohlgesonnener"
Pressevertreter.
Die beiden hatte ich einfach mal als meine "Gäste" eingeladen, uns dorthin zu begleiten - um sie "bei Laune zu halten" und um ihnen die Chance zu geben, dort "auch
ihre
Jungens" mal bei deren Aktivitäten zu bewundern .... halt "Öffentlichkeitsarbeit"! Ansonsten weißt Du natürlich aufgrund Deiner Lebenserfahrung genau so gut wie ich: "
Beziehungen
schaden bekanntlich nur dem, der
keine
hat!"
Wenn Du auf diesem Bild mal an meine (mir damals unterstellten!) "Oldtimern" vorbeischaut, dann erahnst Du rechts hinter unserem mitgeführten Gepäck einen dunklen Vorhang, hinter dem sich die "Wellness-Abteilung" der Transall verbirgt. Sie besteht lediglich
aus einem "Plastikkörbchen", an dem ein dicker Schlauch darunter befestigt ist - und
darüber
ist an der Wand ein Warnschild angebracht: "Nicht zu dicht dranhalten, wird stark abgesaugt!" Vermutlich als ein Scherz gedacht ... aber bei unserer Luftwaffe weiß man das nie!
Die Unterkünfte in jener griechischen Kaserne (durch die "NATO" finanzierte Neubauten!) waren übrigens
ausgezeichnet
.... das dort angebotene Essen leider nicht. Es führte unweigerlich dazu, dass man zunächst drei Tage lang nicht mehr "
aufs
Töpfchen" kam - und anschließend drei weitere Tage lang nicht mehr
runter
.
Die Stimmung meiner "Jungens" war wie immer hervorragend ....
.... auch am nächsten Tag auf der "Range" ("Schießbahn"), wo wir einen dort bereitgestellten Raketenwerfer, einen echten Raketen- motor und zusätzlich einen durch uns darauf zu montierenden "Gefechtskopf-Dummy" (der nur mit Beton gefüllt!) übernahmen,
um den Start unserer
in diesem Jahr einzig verfügbare
Rakete für den nächsten Vormittag vorzubereiten.
Hier siehst Du mich (in der Mitte) und zwei meiner Oberleutnante, die mich nach Kreta begleiteten - mein dritter Offizier musste leider am Standort Wesel verbleiben - zwecks "Stallwache" - ich musste dort am Standort schließlich etwa 200 weitere mir damals
in meiner Einheit unterstellte Soldaten zurücklassen, da deren Kosten für
deren
Transport, Unterbringung und Betreuung der Bundesrechnungs- hof nicht mehr mitgemacht hätte .... eigentlich schade!
Unser Raketenwerfer befand sich auf diesem Bild quasi "abschussbereit" auf dem festgelegten Startplatz -"Schussrichtung" in Richtung Mittelmeer - natürlich in einen für die Seefahrt gesperrten Bereich! Letzte Überprüfungen wurden dann noch durch ein NATO-Prüfteam
durchgeführt - dann ging es endlich los! Dieses qualitativ "recht unbefriedigende" Foto wurde übrigens von einer 200 Meter entfernten Anhöhe aufgenommen, wo
alle meine nicht unmittelbar am Abschussplatz beteiligten
Soldaten und meine beiden Gäste die
Aktivitäten beobachten durften.
Hier war
ich
gerade "beschäftigt" - mit einem kleinen "Startgerät" in den Händen, das durch ein Kabel mit der Rakete verbunden war. Mein linker Daumen entsicherte gerade die Rakete, der rechter Daumen "ruhte" auf dem berühmt-berüchtigten "Roten
Knopf" .... ein absolut unbeschreibliches Gefühl - wenn man weiß, dass man gerade mehr als 100.000 US-Dollar (EURO) "Steuergelder" auf die Reise ins Mittelmeer schickt!
Am nächsten Tag hatten wir dann alle von der am Abend zuvor gemeinsam gefeierten "MISSLE-AWAY-PARTY" einen mehr oder weniger "dicken Kopf", also genau das Richtige für einen gemeinsamen Tagesausflug (auf Kosten der Bundeswehr) durch die dortige "Samaria-Schlucht".
Dort erwartete uns ein 10 km langer geruhsamer Fußmarsch durch ein sehr reizvolles Gebirge - erfreulicherweise immer nur "bergab" bis zur Küste.
Am unteren Ende der Schlucht angekommen waren wir alle wieder nüchtern .... hier erwartete uns nun das Mittelmeer!
Das Wasser hatte dort (Ende September / Anfang Oktober) noch eine "Badewassertemperatur" von 27 Grad Celsius!
Spät abends ging es dann zurück nach "Chania" - mit einem typisch griechischen "Seelenverkäufer" - anders konnte man unser (noch) schwimmendes, typisch griechisches "Wrack" auch bei wohlwollender Betrachtung
wirklich nicht bezeichnen! Aber wir waren ja alle (bis auf unseren Bürgermeister und den Pressevertreter)
gesetzlich
"zur Tapferkeit verpflichtet". Also: "So what?"
Nachdem am Folgetag das durch uns entliehene Material sorgfältig gereinigt und an unser dort auf der Insel ständig stationiertes "Stammpersonal" zurückgegeben war, durften meine "Jungens" die nächsten
zwei Tage "
zur freien Verfügung
" nutzen, um die Insel nach Lust und Laune "auf eigene Faust" zu erkunden.
Ich
hatte ein geländegängiges Motorrad gemietet - um damit
alleine
über die Insel zu "cruisen". Ein Helm war dort nicht erforderlich ... mein Motorrad
führerschein
interessierte ebenfalls niemanden. Unterwegs
auf dieser wunderschönen Insel traf ich dann zufällig mehrere kleine Gruppen meiner "Jungens" - das war für
uns alle
´ne gute Zeit!
Am Sonntag mussten dann alle wieder antreten, um die Heimreise in der nächsten Transall zu genießen, die zuvor die nachfolgende "Übungstruppe" dorthin gebracht hatte. Jeder meiner Soldaten (egal welcher
Dienstgrad oder Status!) hatten übrigens unmittelbar vor dem Antritt der Reise ein sogenanntes "Auslandstagegeld" (44,00 DM
pro Tag
!) erhalten, das bar ausgezahlt worden war. Jeder
von ihnen konnte sich also dort
auch
mal "etwas gönnen".
Viel Spaß beim Betrachten der zeitgenössischen Bilder. Du darfst dazu auch gerne (eventuell "kritische"?) Fragen stellen, da ist nichts mehr "geheim"!
Buddy
2026.03.25
Hallo Buddy,
danke für Deine neuen Geschichten. Da war wieder einiges dabei,
das ich mit Interesse gelesen habe.
Beim Thema „der Jude“ bin ich an einem Satz von Dir hängen
geblieben:
„Das Thema Juden/Israelis (nicht unbedingt das Gleiche!) hat mich
stets besonders fasziniert ... diese Mitmenschen sind nämlich
eindeutig anders als die Anderen!“
Dich faszinieren Juden – okay. Ich selbst verstehe diesen
besonderen „Hype“ um Juden ehrlich gesagt nicht. Für mich ist
jeder Mensch 'anders', individuell und gleich viel wert. Ich
respektiere jede Religion und jeden Glauben. Ich muss nicht alles
verstehen – die einen mehr, die anderen weniger –, aber Respekt
sollte in beide Richtungen gelten. Und genau das Gleiche erwarte
ich auch mir gegenüber.
Die Geschichte mit Deinem jüdischen Kameraden fand ich trotzdem
interessant, gerade weil sie so lebensnah war und wieder einmal
zeigt, wie stark persönliche Begegnungen das Bild von Menschen
prägen können. Solche Einblicke sind immer wertvoller als jede
Schlagzeile. Und persönliche Begegnungen werden in Zukunft sehr
wichtig, wenn man überall von KI umgeben ist.
Die Geschichte mit der „08“ in Ostberlin hat mir ebenfalls
gefallen. Ich selbst hatte nie Gelegenheit, mit einer Pistole zu
schießen – nur mit der Kalaschnikow oder früher mal mit dem
Luftgewehr auf dem Rummel. Wenn sich irgendwann einmal die
Gelegenheit ergeben würde, würde ich das sicher ausprobieren, aber
es hat für mich keinen besonders hohen Stellenwert.
Mein heutiges Fazit ist ohnehin ein anderes: Das aktuelle
Geldsystem sorgt aus meiner Sicht dafür, dass immer mehr Waffen
produziert werden und immer neue Kriege entstehen. Deshalb kümmere
ich mich gedanklich inzwischen lieber um die Frage, wie ein
anderes Geldsystem aussehen müsste, statt mich tiefer mit Waffen
zu beschäftigen.
Und dann Kreta:
Eine Lance pro Jahr – das ist ja nun wirklich nicht gerade üppig.
Da habe ich mich beim Lesen schon gefragt, was Ihr in dieser Woche
im Einzelnen gemacht habt. Geputzt? Programmiert? Vorbereitet?
Zugeschaut, wie das Ding abzischt? Im Verhältnis dazu wirkt eine
ganze Woche für wenige Minuten „eigentlichen Zweckes“ schon
bemerkenswert.
Die sieben Stunden Transall klingen auch nicht gerade nach
Urlaubsflug: ohne Stewardess, ohne Entertainment, ohne Komfort –
das hat schon fast wieder eigenen Charme. 🙂
Trotzdem war das offenbar ein schönes und vor allem bleibendes
Erlebnis. Solche Dienstreisen vergisst man vermutlich nicht so
schnell.
Deine Anektoden regen zum Nachdenken an.
Viele Grüße
Jürgen
.
Hallo Jürgen
Der "eigentliche Zweck" unserer Ausbildung mit Raketensystemen wie "Sergeant", "Lance", "Mars" oder "Lars" war nicht der faszinieren de Moment des Abschusses, sondern die intensive Einweisung in deren Handhabung unter Beachtung aller Sicherheitsbestimmungen
und "Auflagen im Frieden". Dieser Ausbildungszweck wurde erreicht, indem man zunächst zahllosen "Trockenübungen" durchführte, ehe man an einen "scharfen Schuss" überhaupt denken konnte .... und natürlich erfolgte die intensive Reinigung des Raketenwerfers
"nach dem Schuss" durch die übende Truppe und danach eine ordnungsgemäße Rückgabe an das dortige "Stammpersonal".
Erst danach konnten geeignete Betreuungsprogramme bzw. Freizeitaktivitäten auf dieser wundervollen Insel stattfinden.
Ich akzeptiere nur Religionen, die ihre Lehre
gewaltfrei
verbreiten. Ansonsten halte ich sie allesamt für
entbehrlich
, da ich an kein durch Menschen erdachtes Wesen namens "Gott" glaube .... ich vermisse jeglichen "glaubwürdigen" Beweis!
Deine Gedanken zum Thema "weltweites anderes Geldsystem" kann ich nicht nachvollziehen. Wie stellst Du Dir persönlich so etwas vor? Gibt es da irgendwo schon entsprechende "Ansätze", die das verdeutlichen könnten? Mir fehlt es diesbezüglich an Phantasie oder
gar Erkenntnissen.
Buddy
.
.
Hallo Jürgen
Zum Thema "Anekdoten, die das Leben schrieb" hier mal mein Kontakt zu einem anderen Mitmenschen, der vor langer Zeit meinen Lebensweg kreuzte:
Ich trat bekanntlich am 01.07.1970 als "Freiwilliger" in die Bundeswehr ein - das war damals nur wenige Tage nach meinem Schulabschluss (Abitur) - und nur wenige Tage vor meinem 19. Geburtstag ... ich war also seinerzeit aufgrund der damaligen gesetzlicher
Bestimmungen immer noch "minderjährig"!
Meine seinerzeit
sechsmonatige
Grundausbildung, sozusagen meine Lehre, erlebte ich in einem Panzerartilleriebataillon, das am Ortsrand der Hansestadt Hamburg stationiert war. Wir waren damals zu jeweils
sechs
Soldaten in einer recht geräumigen "Mannschaftsstube" untergebracht, das heiß - es gab dort zweimal je drei Betten
übereinander
- ich in der Mitte - und im Bett über mir ein auffallend
kleinwüchsiger "Süd-Koreaner
" , über den ich in dieser Mail berichten möchte.
Er war ein "Gastsoldat", der zuvor ein Jahr lang auf Kosten unseres Staates am deutschen "Bundessprachenamt" (in "Hürth") erstaunlich gut die deutsche Sprache erlernt hatte .... lediglich mit dem Buchstaben "
R
" hatte er offenbar unlösbare Probleme,
er konnte ihn zwar schreiben, aber
nicht aussprechen
. Mag sein, dass das "R" in seiner koreanischen Heimatsprache gar nicht vorkommt (?) ... aber Kim ersetzte es in seiner Aussprache "gnadenlos" durch ein "
L
", was sich dann oft sehr lustig anhörte!
Bevor er zu uns nach Deutschland entsandt wurde war er bereits in der koreanischen Armee als" Kadett" ausgebildet worden.
Er war auch ca. 2 Jahre älter als ich - und sein Name war "
Kim Tae-yong
". Kim (so nannten wir ihn)war ein nahezu übertrieben ehrgeiziges "Kerlchen", das nach Dienst bienenfleißig alle für ihn irgendwie greifbaren militärischen Vorschriften studierte
- er war deswegen nicht selten
deutlich besser
informiert als die uns unterrichtenden Unteroffiziere ... das machte ihn "
bei denen
" nicht unbedingt sympathischer!
Egal: Ich mochte diesen kleinen aber feinen Asiaten - er war in meinen Augen ein ehrlicher und überaus hilfsbereiter Kamerad.
In unserer knapp bemessenen Freizeit waren wir beide oft mit meinem "Karman-Ghia" unterwegs, um die faszinierende Stadt Hamburg und deren Umgebung zu "erkunden". Ich nahm ihn sogar einmal am Wochenende für zwei Tage zu mir nach Hause ("Osnabrück", ca.
220 km entfernt von Hamburg) mit. Ich erinnere mich, dass mein Vater ihm erlaubte, ein
Ferngespräch
nach
Süd-Korea
(!) zu führen, um mit seinen Eltern zu sprechen - das war in der BRD bereits 1970 problemlos (wenn auch ein wenig "kostenintensiv"!) möglich. Kim sprach sehr laut in koreanischer Sprache - das waren
extrem ungewöhnliche Laute
, die da aus dem "Büro" meines elterlichen Tischlereibetriebes tönten!
Kim war auch
körperlich
ziemlich fit -
nur einmal
zeigte er eine ungewöhnliche Schwäche, als er (wie wir alle) im Rahmen einer "Durchschlageübung" mit kompletter Ausrüstung (Kampfanzug, Stahlhelm, Sturmgewehr, ABC-Schutzausrüstung, Sturmgepäck
auf dem Rücken) einen nur etwa 10 Meter breiten kleinen Fluss überqueren sollte - auf einem sogenannten "Seilsteg". Das war ein Stahlseil von einem Ufer zum anderen gespannt, auf dem man sich nun "auf dem Bauch rutschend" voranziehen sollte, .... dabei musste
man ein Bein
weit
nach unten "hängen" lassen, um oben auf dem Seil liegen zu bleiben - sonst rollte man seitlich ab - und man nahm dann eventuell völlig ungewollt ein "Vollbad". "Kleines Kim aus glosses Kolea" wurde erstaunlicherweise kreidebleich
- klammerte sich
panikartig
auf dem Seil fest - und weigerte sich, auch nur einen einzigen Meter weit in Richtung des gegenüberliegenden Ufers zu rutschen - und dass auch noch als
einzige
r von uns Übungsteilnehmer! Er hatte offensichtlich diesbezüglich einen kleinen "Softwareschaden", der ihm in jenem Moment schwer zusetzte ,"Versagen" war ansonsten
absolut keine Option
für ihn! Er jammerte dann auch etwas mitleiderregend herum: "Glosses Schande für ganzes Vattelland!"
Schlimm war es auch, ihn damals als "Fahrschüler" auf einem militärischen LKW 5t "MAN" mitzuerleben, insbesondere dann, wenn man selbst als weiterer Fahrschüler hinten auf der Ladefläche saß und dort (so wie ich) wartete, dass man selbst an der Reihe
war, dieses schon damals historisches Ungetüm von einem LKW zu lenken. Da Kim nun mal lächerlich kurze Beine hatte, kam er leider kaum an die Pedale dieses Oldtimers heran - zudem entwickelte er als angehender Kraftfahrer eine Feinmotorik, die wohl eher dem
eines völlig unbegabten "Paarhufers" ähnelte. Ich erlebte, dass er diesen LKW (der mit einer
ausgezeichnet wirkenden Druckluftbremse
ausgestattet war) derart heftig abbremste, als wäre er gegen eine Mauer gefahren. Ich flog dann hinten auf der Ladefläche in Richtung Fahrerhaus, unser
Fahrlehrer
"biss" vorne ins Armaturenbrett und "kleines Kim" sprang aus dem LKW heraus und lief so schnell ihn seine kurzen Beine trugen davon - der erboste Fahrlehrer hinter ihm her, mit einer "Winkerkelle" in der Hand, um ihn womöglich damit zu verprügeln
(?) ... ein ungewöhnlich amüsantes "Bild"!
Alles in allem: Es war nun mal nicht immer leicht, unseren kleinen asiatischen Kameraden "lieb zu haben". Vor einigen Jahren habe ich dann aus purer Neugierde mal im Internet "gegoogelt", was wohl aus ihm geworden war .... und ich kam aus dem Staunen
nicht mehr heraus:
Wirklich
genauso
wie auf diesem Foto hatte ich seinen
Gesichtsausdruck
in Erinnerung - es war so, so als hätte er sich in einigen Jahrzehnten überhaupt nicht verändert! Die "Schulterklappen" auf diesem im Internet veröffentlichen Bild weisen
ihn allerdings als einen südkoreanischen "
Vier-Sterne-General
" aus, auch in unserer Armee ist das der höchste Dienstgrad, den man als Soldat überhaupt erreichen kann! In
ausländischen
Armeen gibt es den
noch höheren
Dienstgrad mit der Bezeichnung "Marschall". Wie ich dem entsprechenden Artikel entnehmen konnte, wurde "kleines Kim aus glosses Kolea" später sogar südkoreanischer
Verteidigungsminister
! Wie bereits gesagt: Er war ein extrem ehrgeiziges und durchaus sympathisches "Kerlchen"!
Buddy
.
2026.03.28
Hallo Buddy,
danke für Deine neue Mail und die Geschichte mit dem kleinen
Koreaner. Da musste ich mehr als einmal schmunzeln. Gleichzeitig
bestätigt diese Anekdote wieder mein bisheriges Urteil, mein
Vorurteil oder meine Wahrnehmung bezüglich vieler Asiaten: oft
klein, unscheinbar, höflich, aber mit einem enormen Ehrgeiz, einer
großen Disziplin und einem langen Atem. Dass ausgerechnet dieser
Kamerad später Vier-Sterne-General und sogar Verteidigungsminister
wurde, passt im Nachhinein fast schon wieder ins Bild.
Deine Erklärung zur Raketen-Ausbildung kann ich gut
nachvollziehen. Es geht offenbar gar nicht in erster Linie um den
kurzen Moment des Abschusses selbst, sondern darum, dass sich
alles, was davor und danach passieren muss, so tief einprägt, dass
es im Ernstfall intuitiv sitzt. Auf gut Deutsch: man muss es im
Schlaf beherrschen. Das erinnert mich daran, dass wir unsere
Kalaschnikow damals auch ständig gereinigt haben – selbst dann,
wenn sie nur einmal auf dem Schießplatz beim Übungsschießen
benutzt worden war. Solche Abläufe sollen offenbar in Fleisch und
Blut übergehen.
Zum Thema Religionen stimme ich Dir beim Stichwort Gewaltfreiheit
voll zu. Gleichzeitig frage ich mich aber, welche Religion
ursprünglich offen mit dem Anspruch angetreten ist, auf Gewalt zu
setzen. Später wurde sicher vieles verbogen, missbraucht und
machtpolitisch eingesetzt, aber am Anfang fällt mir spontan keine
Religion ein, die gesagt hätte: Unser Weg ist Gewalt.
Auch bei dem Wort „entbehrlich“ gehe ich mit. Religionen haben
sich entwickelt, Menschen glauben daran – das ist für mich in
Ordnung. Und beim Stichwort „Gott“ bin ich ebenfalls ganz bei Dir:
Die Beschreibungen von Göttern entspringen in meinen Augen der
Fantasie von Menschen. Parteisekretäre und Pfarrer machen für mich
oft etwas sehr Ähnliches – sie interpretieren das, was sie selbst
glauben. Und nicht selten spielen dabei materielle Interessen oder
Korruption mit hinein.
Viele Jahre habe ich gedacht: „Hilf Dir selbst, dann hilft Dir
Gott.“ Heute würde ich sagen: Dahinter steckt eigentlich nur der
vernünftige Gedanke, dass man sich um seine Dinge selbst kümmern
muss und sich nicht blind auf andere verlassen sollte.
Mittlerweile gehe ich eher davon aus, dass uns eine Ordnung und
Gesetzmäßigkeit umgibt. Energie kann nicht erzeugt und nicht
vernichtet werden, sondern nur umgewandelt. Darwins
Evolutionstheorie überzeugt mich in ihrer gängigen Darstellung
nicht, weil mir viele Zwischenstufen fehlen. Und auch die
Urknall-Theorie wirft für mich die Frage auf: Woher kommt die
Energie für den Knall – aus dem Nichts?
Vielleicht kennst Du den Vergleich mit der Kuckucksuhr: Eine Uhr
fällt herunter und zerlegt sich in ihre Einzelteile. Wie groß ist
die Wahrscheinlichkeit, dass durch Schütteln und Zufall wieder
eine funktionierende Uhr daraus wird? Für mich spricht vieles
dafür, dass alles, was sich materialisiert, zuvor in irgendeiner
Form gedacht oder angelegt gewesen sein muss.
Mein derzeitiges Fazit wäre deshalb: Du kannst nur Dich selbst
wirklich verändern. Nur Du selbst schaffst Dir Deine Realität.
Niemand anders kann das für Dich tun – und Du kannst es auch nicht
für andere tun.
Zum Stichwort „anderes Geldsystem“: Ich denke schon, dass Du Dir
vorstellen kannst, dass solche Gedanken nicht gerade gefördert
werden. Deshalb ist es für mich auch normal, dass sich 99 Prozent
der Menschen darunter zunächst wenig vorstellen können. Jeder, der
mehr Geld hat, als er für das unmittelbare Leben braucht, oder der
von Zins und Zinseszins profitiert, hat naturgemäß wenig Interesse
daran, dass sich an diesem System grundsätzlich etwas ändert.
Ich will Dich jetzt nicht mit irgendwelchen Theorien, Links oder
Verweisen langweilen. Ich werde das in den nächsten Tagen einmal
für mich zu Papier bringen – nach dem Motto: Nur was ich erklären
kann, habe ich auch wirklich verstanden. Wenn ich es nicht
erklären kann, habe ich es selbst noch nicht richtig verstanden.
Einen Film möchte ich Dir dazu aber schon jetzt empfehlen. Nicht
deshalb, weil er alles erklärt, sondern weil er mir überhaupt erst
den Gedanken eröffnet hat, dass es ein anderes Geldsystem geben
könnte als das, was wir heute kennen.
Das Wunder von Wörgl
Hinweis: Der Film beginnt erst nach 25 Sekunden
https://ok.tips/wunderwoergel
Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir deine Gedanken zu den Fim
schreiben würdest.
Viele Grüße
Jürgen
.
Hallo Jürgen
eine meiner liebsten Freizeitbeschäftigung besteht darin, Antiquitäten zu "sanieren" und anschließend zu pflegen. Aus dem Nachlass meines Vaters habe ich beispielsweise zwei aus Holz gefertigte Modellschiffe übernommen. Ich erinnere mich noch, wie er
in meiner Anwesenheit das erste der beiden Schiffsmodelle in den späten 60er Jahren erworben hatte. Damals war er u.a. Inhaber eines Antiquitätengeschäftes, einer Tischlerei und eines "florierenden" Bestattungsinstitutes ... sein beliebtester "Mitarbeiter"
in diesem besonderen Gewerbe war damals immer wieder mal "sein ganzer Stolz" - nämlich ich!
Wir "überführten" seinerzeit gemeinsam die in einer Osnabrücker Klinik verstorbene Ehefrau eines pensionierten "Kapitäns" nach Emden (Nordseeküste), wo sie beerdigt werden sollte. Ihr hochbetagter Ehemann (jener Ex- Kapitän) besaß eine Anzahl sehr schöner
Modellschiffe, die er nach eigenen Angaben persönlich und so detailgetreu wie möglich angefertigt hatte. Da er damals sehr "knapp bei Kasse" war - und sich mein Vater spontan sehr für diese "Schiffsmodelle" interessierte, bot er diesem alten Herrn an, zwei
der Schiffe für 600,00 DM (damals viel Geld!) "in Zahlung zu nehmen" - der "Käpt´n" willigte ein.
Dieses hier auf dem Foto ist eines diese Schiffe .... das Modell eines Großsegler
,
über dessen Vorbild ich dann einige Nachforschungen angestellt habe:
Name: "Wap(p)en von Hamburg"
Bauart: Fregatte
gebaut: Ende des 17. Jahrhunderts
Besatzung: 150-250 Offiziere und Mannschaften ( sowohl Seeleute als auch Soldaten )
Bewaffnung: 54 Kanonen ( Kaliber: sogenannte "18-Pfünder" )
Zur Geschichte dieses Schiffes habe ich erst viele Jahre später im Internet erfahren:
Im 17. Jahrhundert erlitten die Hamburger Kaufleute immer wieder erhebliche Verluste durch Piraten, die überwiegend aus Nordafrika stammten - und die sowohl im Mittelmeer als auch im östlichen Atlantik und sogar in der Nordsee immer wieder Handelsschiffe
angriffen und kaperten. Die darin mitgeführten Waren wurden geplündert ... diese Handelsschiffe und deren Besatzungen wurden verschleppt - und anschließend nur gegen beträchtliche Lösegeldzahlungen wieder freigegeben. Leider
gab es "
Deutschland
" und eine
deutsche Marine
damals noch nicht. Deshalb entschlossen sich "
Hamburger
Kaufleute", sich selbst gegen die Piraten zu bewaffnen und zu wehren. Sie ließen deshalb mehrere
stark bewaffnete
Begleitschiffe bauen .... eines davon war die "Wap(p)en von Hamburg", das Vorbild für eines meiner Modellschiffe!
Dieser beeindruckende Großsegler geriet allerdings bereits bei seinem ersten Einsatz im Hafen von Cadiz, Spanien (wohl versehentlich?) in Brand, konnte leider nicht gelöscht werden und explodierte deshalb. Die Hamburger ließen in den nun folgenden Jahren
des 17. Jahrhunderts noch drei weitere, nahezu baugleiche Fregatten bauen. Es handelte sich dabei um zweifellos eindrucksvolle "Kriegsschiffe". Da sich die Hamburger zur damaligen Zeit aber sehr bewusst und klug aus allen Kriegen heraushielten, war bei ihnen
der Begriff "
Kriegs
schiff" absolut verpönt - sie nannten die Fregatten deshalb lieber "
Konvoi
-Schiffe", da sie ausschließlich als Begleitschutz für die
Hamburger
Handelsschiffe gedacht waren, um Piraten und Freibeuter abzuschrecken und gegebenenfalls nachdrücklich zu bekämpfen. Sehr erfolgreich waren sie dabei leider nicht.
Zum einstigen Vorbild meines zweiten "Großseglers" sei gesagt:
Name: unbekannt
Bauart: Galeone
gebaut: 16. Jahrhundert
Besatzung: ca. 100 Mann (Seeleute und Angehörige der "Entermannschaft")
Bewaffnung: ca. 30 Kanonen ( unterschiedliche Kaliber )
"Galeonen" waren damals typische Kriegsschiffe - sie wurden durch mehrere "seefahrende Nationen" in großer Anzahl (mehr als 100!) gebaut und genutzt. Besonders beliebt waren diese besonders schnellen und wendigen Schiffe auch bei Freibeutern und Piraten
- berühmtestes Beispiel war vermutlich die "Golden Hind" des überaus erfolgreichen englischen
Freibeuters
"Sir Frances Drake".
Es gab eine Reihe von Varianten - ganz überwiegend "3-Master" - selten auch "4-Master". Typisch war dabei die sogenannte "Gallion" - eine vorspringende Plattform am Bug dieser Schiffe, die das Setzen und Einholen eines zusätzlichen Segels an dem sogenannten
"Bugspriet" erleichterte.
Typisch war auch der auffallend hohe Aufbau
am Heck
der Schiffe (zwecks Unterbringung der Seeleute!) .... und zusätzlich ein weiterer hoher Aufbau
im Bereich des Vorschiffs
(zwecks Unterbringung der Kanoniere und der Soldaten ("Entermannschaft").
Nicht verheimlichen möchte ich, dass diese meine Schiffsmodelle echte "Staubfänger" sind, die ich mindestens einmal jährlich vorsichtig mit einem weichen Pinsel reinigen und danach mit einem speziellen Öl behandeln muss, damit Holz und Segel nach vielen
Jahrzehnten nicht austrocknen und rissig werden. Das sieht dann
so
aus:
Das "Konvoi-Schiff" vorher ....
.... und
nachher
.
Die Galeone
vorher
....
.... und
nachher
.
Wie immer viel Vergnügen beim "Studium" meiner Ausführungen und der beigefügten Bilder!
Buddy
.
2026.03.29
.
Hallo Jürgen
hier mal sozusagen als "Goodie" ein wenig "
leichte Kost
" - eine weitere Anekdote aus meinem umfangreichen "Fundus". Das nun Geschilderte ereignete sich bereits in den frühen ´70ern ziemlich genau
so
, wie ich es hier beschreibe, aber das alles bitte nicht allzu ernst nehmen!
Damals war ich noch ein
völlig ungebundener
junger Bursche, der noch nicht "ganz trocken hinter den Ohren" war. Wie hat Herbert Grönemeyer es so schön und treffend formuliert: "Ich war noch jung und war noch fit - machte jeden Blödsinn mit!"
Es waren keineswegs nur
bedeutsame
Ereignisse und sogenannte "
VIP
", die
mich geprägt
haben - und die mir
nachhaltig in Erinnerung
geblieben sind .... manchmal waren es eher zufällige und "banale" Begegnungen mit "besonderen" Menschen ... das war in meinem Leben sozusagen "das Salz in der Suppe"!
Stellvertretend für andere Erlebnisse dieser Art möchte ich von einer Dame berichten, an die ich gelegentlich auch
heute noch (also mehr als
fünfzig Jahre danach
!) gelegentlich zurückdenke -
1971 war ich als junger Soldat (damals noch ein "Gefreiter") in Hamburg einige Wochen lang zur militärischen
Fahrschule
abkommandiert - um dort als Offizieranwärter den Führerschein für LKWs zu erwerben und gleich anschließend zusätzlich noch den Panzer-Führerschein. Die praktische Ausbildung wurde auf schon etwas "betagten" militärischen LKWs und Schützenpanzern
durchgeführt - und erst einmal auf einem "Übungsgelände" hinter unserer Kaserne (wo wir nichts "kaputt" machen konnten!) - danach zunächst auf möglichst einsamen Landstraßen im nahegelegenen sogenannten "Alten Land".... und erst zum Schluss dann im Stadtgebiet
von Hamburg (übrigens auch mit den Panzern!).
Dort in der Stadt fuhren wir dann jeden Morgen zur Frühstückspause in dem eher langweiligen Stadtteil Hamburg-Harburg eine winzig kleine Bäckerei an, um uns dort in einem
kleinen, aber feinen
Hinterstübchen Kaffee und belegte Brötchen servieren und schmecken zu lassen. Du musst wissen: Die sogenannte "Nato-Pause" von ca. 09:00 bis. 09:30 Uhr war (und ist vermutlich noch heute?) allen Soldaten der Bundeswehr sozusagen
"heilig"! So weit - so gut - und natürlich nicht besonders aufregend.
Das "Aufregende" war dort die
Frau
des Bäckers, ... eine ca. 30-jährige
echte Schönheit(!)
, die uns Gäste bediente ... und die es "faustdick hinter den Ohren hatte"! Diese atemberaubend hübsche Frau
wusste sehr genau
, "wie es geht" .... genauer gesagt: wie man
jungen Rabauken
wie uns "den Kopf verdreht" - und das bis hin zur "Orientierungslosigkeit"! Es war
nicht nur
dieser unwiderstehlich provozierende Einblick in ihr atemberaubendes Dekolleté, den sie uns freundlicherweise beim Abwischen der ohnehin schon "blitzsauberen" Tische und dann wieder beim Servieren gewährte, da waren auch noch (ihr damals moderner)
"Mini-Rock" - und darunter diese wahnsinnig "wohlgeformten", scheinbar unendlich langen Beine - mit deren "Präsentation" sie uns regelrecht "paralysierte" und quasi "willenlos" machte.
Immer dann
nämlich, wenn sie unsere Bestellungen "ratzfatz" erfüllt hatte, gab es im Raum "
so erfreulich viele
Dinge", die
sie
vom Erdboden aufheben oder mit dem Kehrblech aufnehmen musste .... dabei uns abgewandt - stets
sehr tief
gebückt - und immer mit "herrlich durchgedrückten" Knien ,purer Wahnsinn!
Wir wussten nun sehr rasch, dass sie
nicht nur "obenrum
" überaus reizvolle Dessous trug! Auch an allen Folgetagen bestellten wir dann auch gleich zu Beginn unserer Pause: "Kaffee, Brötchen - und einmal
den Boden reinigen
- bitte bitte!"
Einer von uns Fahrschülern musste damals immer
draußen vor der Tür
"als Wache" in unserem vor dem Haus geparkten LKW bzw. Panzer sitzen bleiben. Auch dieser "armen Kerl" wurde dort draußen (direkt
vor
dem Haus!) erfreulicherweise ebenfalls durch sie bedient - und sie vergaß nicht etwa, auf ihrem Rückweg in diese Bäckerei unmittelbar vor der Eingangstür kurz den Boden und die wenigen Treppenstufen zu reinigen - natürlich ebenfalls tief gebückt mit
herrlich durchgedrückten Knien!
Diese Dame hat uns fast "verrückt" gemacht ....
das wusste sie auch sehr genau
, wie man ihrem stets verschmitzten Lächeln unschwer entnehmen konnte. Das alles ist jetzt schon mehr als 50 Jahre her, aber Du darfst es mir gerne glauben: Ich "sehe"
diese Frau noch immer vor mir .... was für "herrliches Weib"! Natürlich hatte sie mit uns Schnöseln nur "gespielt" ... aber
wir liebten
dieses Spiel! Sie hatte uns einige
kostenlose Lektionen
in "allerfeinster Erotik" erteilt - und sie hat uns so den krassen Unterschied zur absolut geschmacklosen, aber "kostenintensiven"
Pornographie
verdeutlicht, die uns nur einige Kilometer entfernt auf der "Hamburger Reeperbahn" begegnete ... und die mich persönlich ehrlich gesagt extrem anwiderte!).
Sie
war hingegen ein überaus
zauberhafter
und
begehrenswerte
r Kontrast!
So viel zu
dieser
durchaus "prägenden" Begegnung. Ich habe in meinem später Leben viele Frauen an genau dieser "Bäckers-Gattin" gemessen und ich "erwische" mich gelegentlich heute noch gedanklich dabei. In Sachen "Erotik" konnten ihr nur sehr wenige dieser
anderen
Frauen "das Wasser reichen". Mir wurde außerdem sehr bewusst, wie leicht die Frau mich und meine Kameraden hätte "beherrschen" können -
wenn ihr denn
der Sinn danach gestanden hätte.
Ich
hätte mich jedenfalls (damals wie bereits erwähnt noch absolut "ungebunden"!) dieser Faszination wohl "kampflos ergeben"(?)
Buddy
.
2026.03.30
2026.03.31
.
Hallo Jürgen,
Hier mal eine ganz andere Anekdote aus längst vergangenen Tagen .... ein kleines
"intellektuelles Schmankerl" .... meine Erinnerungen an einen "pfiffigen"
Raubfisch
:
Mitte der 80er war ich als Berufsoffizier in Donauwörth (Bayern) stationiert. Da die Mieten dort erstaunlich preiswert waren, hatte ich für meine vier "Mädels", für unseren Basset Rüden "Charly" und für mich selbst einen recht großen und luxuriös ausgestatteten
Bungalow angemietet, .....
.... der auf der Rückseite so aussah. Auf diesem Bild siehst Du meine erste, leider schon verstorbene Ehefrau "Angelika" und meine jüngste Tochter Kim. Sie ist inzwischen schon 44 Jahre alt .... wie doch die Zeit vergeht!
Zu unserem hinter dem Bungalow gelegenen großer, nahezu "parkähnlicher" Garten gehörte ein großer, idyllisch angelegter Teich, ....
.... etwa 50 Quadratmeter großer und 1,5 Meter tief - und recht "naturnah" gestaltet. Auf diesem Foto siehst Du meine älteste Tochter "Tanja", heute bereits 53 Jahre alt.
In diesem Teich gab es
eine Unzahl
von Goldfischen, Karauschen, Gründlingen - und (anfangs) auch einige heimische Rotfedern, Eschen und Döbel.
Insbesondere die Goldfische, Karauschen und Gründlinge
vermehrten sich erstaunlich schnell und zahlreich
, sodass ich irgendwann ernsthaft über Möglichkeiten einer
Reduzierung
nachdenken musste ...."Raubfische" mussten her!
Ich war damals noch
kein
Angler - aber einer meiner engsten Mitarbeiter war es! Ich bat ihn um einen kleinen
lebenden
Hecht oder Zander, um in unserem Gartenteich mit deren Hilfe ein wenig "Geburtenkontrolle" zu betreiben .... und er "belieferte" mich dann auch umgehend mit einem ca. 40 cm großen, schon
fast ausgewachsenen
Hecht, ....
.... so ein stattliches Tier wie dieses hier (Foto ist aus dem Internet!), das ich ab sofort nach dem
mir damals unangenehmsten
Zeitgenossen namens "Helmut" benannte. Dieser Fisch schaute nämlich genauso dämlich aus der Wäsche wie eben jener Kerl und erinnerte mich deshalb spontan an ihn. Der Hecht war bereits ca. 50 cm lang ... und er passte deshalb
nur
stark gekrümmt
in den mitgeführten ovalen "Farbeimer".
Wenn Du mal
ganz genau
hinschaust, dann "erahnst" Du dieses ungewöhnliche "Haustier" in der Bildmitte .... sein Kopf ragt (nach rechts blickend) unter dem mittleren Seerosenblatt hervor .... zumindest sein dunkles Auge und sein nach rechts herausragendem
Maul sind mit
etwas Phantasie erkennbar. "Helmut" war dort mal wieder "auf der Lauer" - so weit, so gut!
Ich hätte "Helmut" vorher in seine Aufgaben
einweisen
sollen -
mein
Fehler! Er vertilgte nämlich in kürzester Zeit die wenigen in diesem Teich lebenden
hübschen
Rotfedern und Eschen .... ein einzelner Döbel sprang sogar vor Schreck aus dem Teich heraus und erstickte dann elend auf
der angrenzenden Wiese. Auf die übrigen (doch
eigentlich
als "Zielgruppe" gedachten!) Fischsorten hatte Helmut offenbar "keinen Bock".... zumindest war absolut
kein signifikanter Rückgang
der unverändert in üppiger Anzahl vorkommenden Goldfische, Karauschen und Gründlinge
zu erkennen .... aus meiner Sicht enttäuschend und sehr ärgerlich!
Als Repressalie für die
nun
im Teich schmerzlich fehlenden o a."Edelfische" setzte ich diesen Hecht kurzerhand auf unsere "Speisekarte"- aber versuch mal, einen
satten
Hecht
an den Angelhaken
zu kriegen!
Ich
hatte jedenfalls mit meiner in einem Baumarkt erworbenen preiswerten
Angel trotz "böser Absicht"(!) keinerlei Erfolg .... irgendwie frustrierend! Aber "Aufgeben" ist für mich
keine
Option:
Also nahm ich meinen .22-er Colt-"Diamondback"-Revolver und bereitete dem Fisch damit eine "böse Überraschung", als er mal wieder unter "seinem" Seerosenblatt auf Beute wartete. In der Körpermitte getroffen lag er nun quer im Wasser an der Oberfläche
und ich holte rasch eine Forke aus dem Geräteraum im Keller, um ihn zu bergen. Als ich aber Helmut, der den Schuss erstaunlicherweise
überlebt
hatte, damit anhob, wurde er offenbar ein wenig "misstrauisch" - und er verschwand blitzschnell in den finsteren Tiefen unseres Gartenteiches. Da er an dem Tag
und an den Folgetagen nicht wieder "auftauchte", nahm ich an, er sei offenbar tief unten im Teich verendet und dann im Gestrüpp der vielen Schlingpflanzen als "Kadaver" hängengeblieben .... schade um das erhoffte leckere Fischgericht!
Nach ca. zwei Wochen war "Helmut" dann aber
doch wieder da
.... an seinem alten "Stammplatz" .... als sei nichts gewesen!
Ich wählte nun beim
nächsten Versuch
meinen großkalibrigen .38-er Smith & Wesson-Revolver - wild entschlossen, ab sofort "keine Gefangenen mehr zu machen". Das schwere Geschoss dieser Waffe prallte aber leider von der Wasseroberfläche ab ... und
schlug dann laut "klatschend" auf dem Nachbargrundstück hoch oben in einen Obstbaum ein. Das war mir nun allerdings etwas "peinlich"... und ich war froh, dass unser Nachbar diesen lautstarken Schuss und den Einschlag des Geschosses in seinem Baum nicht wahrgenommen
hatte!
Wenige Monate später zog ich mit meiner Familie nach Norddeutschland um und gab deshalb den Bungalow und den Garten an den Eigentümer zurück .... und wenn er nicht gestorben ist (ich meine den
Hecht
, nicht etwa den ehemaligen Vermieter!) und er dann später nicht doch noch "gut zubereitet" verspeist wurde, dann "killt" er vermutlich immer noch die
falschen
Fische (?)
Buddy
.
Hallo Buddy,
danke für Deine beiden neuen Geschichten – wieder einmal eine
schöne Mischung aus Geschichte, Handwerk und persönlichen
Erinnerungen.
Das Thema „Antiquitäten sanieren“ kann ich gut nachvollziehen.
Ich habe ja Instandhaltungsmechaniker für Werkzeugmaschinen
gelernt, und in meiner Abschlussprüfung musste ich einen
Kompressor komplett auseinandernehmen, aufarbeiten und wieder
zusammensetzen. Dieses Prinzip „aus alt mach neu“ hat mir schon
damals gefallen – und es hat bis heute nichts von seinem Reiz
verloren. Da steckt etwas sehr Befriedigendes drin, wenn man
sieht, wie etwas Altes wieder funktioniert und in neuem Glanz
erscheint.
Deine Modellschiffe sind dafür natürlich ein ganz besonderes
Beispiel. Nicht nur wegen der handwerklichen Arbeit, sondern auch
wegen der Geschichte dahinter. Allein die Verbindung zu Deinem
Vater und die Herkunft der Modelle machen das Ganze zu etwas, das
weit über einen „Gegenstand“ hinausgeht. Das sind im Grunde kleine
Zeitkapseln.
Und Deine zweite Anekdote – sagen wir mal so: eine sehr
lebensnahe und zugleich amüsante Erinnerung aus jungen Jahren. Man
merkt beim Lesen, dass Dich diese Begegnung nachhaltig geprägt
hat. Solche Eindrücke bleiben oft viel länger im Gedächtnis als
viele „große“ Ereignisse.
In diesem Sinne: eine schöne, nachhaltige Prägung – dazu kann man
Dir eigentlich nur gratulieren.
Viele Grüße
Jürgen
Hallo Buddy,
das Thema Lesen verbindet uns tatsächlich.
Ich habe früher sehr viel gelesen – besonders während meiner
Schulzeit. Ich war fast jede Woche in der Bibliothek. Leider hatte
ich auch die unangenehme Angewohnheit, Bücher nicht immer
rechtzeitig zurückzubringen. 🙂
Damals waren meine liebsten Themen Abenteuer, Seefahrt, Krimis
und auch utopische Romane. Autoren wie Jules Verne und Stanislaw
Lem haben mich besonders fasziniert. Geschichten wie „Robinson
Crusoe“ von Daniel Defoe haben mich oft gedanklich auf eine
einsame Insel oder auf Schatzsuche geschickt.
Später, als ich meinen ersten Computer hatte – einen Commodore
Plus/4 – hat sich mein Interesse dann stark in Richtung
Programmierung verschoben. Ab da waren es weniger Romane und mehr
Fachbücher.
Ein größerer Einschnitt kam 2007, als ich das erste Mal
Deutschland verlassen habe in Richtung Dominikanische Republik.
Ich war gezwungen, meine komplette Bibliothek aufzulösen. Ich habe
mehrere Bananenkisten mit Büchern genommen, bin auf einen
Secondhandmarkt gegangen, habe die Kisten dort abgestellt – und
bin einfach gegangen. Das hat mir ehrlich gesagt ziemlich
wehgetan. Aber mit einem Koffer von maximal 23 Kilo ist man sehr
schnell gezwungen, Prioritäten zu setzen.
Heute hat sich das Lesen bei mir stark verändert. Ich nutze eine
App (Readly), über die ich Zugriff auf tausende Magazine habe –
rund 8000 insgesamt, aus etwa 250 verschiedenen nationalen und
internationalen Zeitschriften. Das ist natürlich praktisch und
jederzeit verfügbar.
Trotzdem: Ein echtes Buch in der Hand hat etwas Besonderes. Das
kann man durch nichts vollständig ersetzen. Aber mein Leben
„zwischen zwei Welten“ macht es schwierig, sich solche Dinge in
größerem Umfang zu leisten. Entweder ich schleppe sie im Koffer
mit – oder ich zahle für Lagerung. Das betrifft übrigens nicht nur
Bücher, sondern genauso Kleidung.
Ich habe deshalb angefangen, mir vor jeder Anschaffung eine
einfache Frage zu stellen: Kann ich es mir leisten, diesen
Gegenstand im Zweifel einfach wieder loszulassen – sei es durch
Weggeben oder Zurücklassen?
Wenn ich hier bei meinem Vater bin, ist das natürlich ganz
anders. Hier stehen noch viele Bücher – einige seit über 50
Jahren. Sollte mir also einmal langweilig werden, weiß ich genau,
wo ich zugreifen kann.
Viele Grüße
Jürgen
2026.04.01
Hallo Buddy,
deine Geschichte mit dem „intellektuellen Schmankerl“ hat mich
wirklich zum Schmunzeln gebracht – und ehrlich gesagt auch ein
wenig staunen lassen.
Die Idee, einen Hecht als „biologische Geburtenkontrolle“ in den
Gartenteich zu setzen, klingt ja zunächst einmal ziemlich logisch.
Dass sich „Helmut“ dann aber ausgerechnet die falschen Fische
aussucht und die eigentliche Zielgruppe komplett ignoriert, passt
irgendwie ins Bild. Man könnte fast meinen, er hatte seinen ganz
eigenen Kopf – oder besser gesagt: seinen eigenen Speiseplan.
Besonders amüsant fand ich, dass du ihn vorher nicht
„eingewiesen“ hast. Das ist genau der Punkt: Theorie und Praxis
gehen eben manchmal sehr unterschiedliche Wege. Und dein Hecht hat
sich offenbar entschieden, die Theorie komplett zu ignorieren. 🙂
Die Geschichte mit den „Gegenmaßnahmen“ hatte dann schon fast
etwas von einer kleinen Eskalationsstufe. Erst die Angel –
erfolglos. Dann der Revolver – ebenfalls nicht wie geplant. Und
spätestens bei der Aktion mit dem Abpraller im Obstbaum deines
Nachbarn merkt man, dass so ein Gartenteich plötzlich ganz andere
Dimensionen bekommt, als ursprünglich gedacht.
Was mir aber neben dem Humor besonders hängen geblieben ist:
Diese kleinen, alltäglichen Situationen entwickeln oft ihre ganz
eigene Dynamik. Man beginnt mit einer einfachen Idee – und am Ende
hat man eine Geschichte, die man Jahrzehnte später noch erzählen
kann.
Und genau das macht deine Anekdoten so lebendig. Es sind nicht
die „großen“ Ereignisse, sondern diese unerwarteten Wendungen im
Kleinen.
Ich musste beim Lesen übrigens daran denken, wie oft man glaubt,
ein System verstanden zu haben – egal ob Technik, Natur oder auch
Menschen – und dann zeigt sich: Es funktioniert eben doch nicht
so, wie man es geplant hat.
In diesem Sinne: Dein „Helmut“ war vielleicht kein besonders
kooperativer Mitarbeiter – aber als Geschichtenerzähler hat er
definitiv seinen Zweck erfüllt. 🙂
Viele Grüße
Jürgen