2025.11.13
Hallo Richi,
vielen Dank für deine Nachricht. Du schreibst wirklich sehr schön
und ansprechend. Allerdings habe ich schon öfters versucht mit
Leuten aus dem Osten der Republik zu schreiben und es ist nie gut
gegangen. Irgendwie scheint das nicht so richtig zusammen zu
gehen. Nach meinem letzten Kontakt aus Ostdeutschland, der am Ende
einfach nicht mehr geschrieben hat, habe ich mir vorgenommen,
daraus zu lernen.
Deine Anfrage wollte ich trotzdem beantworten, denn ich will
nicht, dass du vergeblich wartest. Ich weiß ja aus eigener
Erfahrung, wie unschön das ist, wenn noch nicht einmal eine
Antwort kommt.
Du kommst außerordentlich sympathisch rüber und hast auch eine
gute Art des Schreibens. Ich bin sicher, dass du bald jemanden
Geeignetes finden wirst, der zu dir passt. Ich wünsche dir viel
Erfolg und hoffe, dass du mir nicht böse bist.
Herzliche Grüße
von Himmelblau
Hallo Richi,
es fällt mir immer sehr schwer, jemandem abzusagen - auch wenn ich
mir darüber bewusst bin, dass es nicht funktionieren würde. Ich
muss mir dann immer zu mir selbst sagen: "Lass dich nicht
hinreißen und mach lieber gleich Schluss".
Man sagt ja, dass man keine Vorurteile haben soll, aber ich habe
festgestellt, dass viele Vorurteile gar keine Vorurteile sind,
sondern das Ergebnis von Erfahrungen.
So habe ich die Erfahrung gemacht, dass Kontakte aus der Schweiz
und Kontakte aus Ostdeutschland nie funktioniert haben. Die
Schweizer sind einfach sehr elitär und passen nicht in meine
einfache bescheidene Welt. Die Schweizer machen auch gar keinen
Hehl daraus, dass sie glauben, besser als andere zu sein.
Wenn es um den Osten Deutschlands geht, muss ich einräumen, dass
ich bisher nur mit Frauen geschrieben habe. Und die Frauen aus
Ostdeutschland habe ich immer als sehr ehrgeizig und eigenwillig
erlebt. Sie verstehen nur wenig Spaß und fühlen sich leicht
angegriffen. Ich selbst schreibe jedoch gerne sehr persönlich und
herzlich. Wenn jemand einen Schutzwall um sich herum errichtet,
dann sehe ich nur wenig Sinn darin, mit ihm zu schreiben, denn das
Schreiben bedeutet für mich das Gegenteil - nämlich, dass ich mich
mehr öffne, als im Alltag. Und das war mit den Frauen aus dem
Osten nie möglich. Entweder sie geben sich sehr stolz und unnahbar
oder sie sind es. Aber am Ende macht es für mich keinen
Unterschied.
Der letzte Kontakt war so, dass die Dame jeden Tag geschrieben
hat. Eines Tages kam dann eine kurze Nachricht: "Heute kann ich
nicht schreiben, weil ich eine wichtige Entscheidung erwarte".
Daraufhin kam nie mehr etwas ... also einfach nichts. Ich habe
dann noch zweimal geschrieben und darum gebeten, doch wenigstens
zu sagen, ob sie nun nicht mehr weiter schreiben möchte. Aber auch
einige letzte Zeilen wurden mir nicht gewährt.
Bei einem anderen Kontakt hat folgender Satz das Ende bedeutet:
"Bei mir kannst du ruhig herzlicher schreiben". Daraufhin kam ein
bitterböser Brief mit vielen Beschimpfungen und dass ich es ja nie
mehr wagen solle, ihr zu schreiben.
Glaub mir - da war nichts miss zu verstehen. Ich habe wirklich
gelernt, dass es unterschiedliche Mentalitäten gibt. Beruflich war
ich in den letzten Jahren viel unterwegs. Auch dabei konnte ich es
feststellen. In den ärmeren Länder des Ostens und auf dem Balkan
wurde ich immer sehr freundlich empfangen. Man fragte, wie die
Reise gewesen sei, bot mir einen Kaffee an und lud mich nicht
selten zum Essen ein. In den reichen westlichen Ländern wurde ich
wirklich von oben herab, wie ein Lieferant behandelt.
Aber beim Schreiben kann sich nun jeder aussuchen, wer zu ihm
passt - so kann sozusagen jeder Deckel den richtigen Topf finden.
Viele Grüße
Gerhard
2025.11.14
Hallo Gerhard,
vielen Dank für deine offenen
Zeilen. Ich finde es gut, dass du so ehrlich schreibst – und auch,
dass du für dich klare Grenzen gezogen hast. „Lass dich nicht
hinreißen, mach lieber gleich Schluss“ – das klingt nach einer
Haltung, die sicher schon so manche Enttäuschung erspart hat.
Was du über Vorurteile und
Erfahrungen schreibst, kann ich gut nachvollziehen. Ich war selbst
sieben Jahre in der Schweiz und habe dort Ähnliches erlebt: Man
kommt nur schwer in Kontakt, als ob eine unsichtbare Wand
dazwischen wäre. Ob das an einem gewissen Elitedenken liegt, weiß
ich nicht – vielleicht ist es einfach eine Form von Zurückhaltung.
Wenn man aber einmal „drin“ ist, erlebt man oft ganz viel
Herzlichkeit und Offenheit.
Zu den Frauen aus dem Osten kann
ich wenig sagen – aber ich selbst bin ein Mann aus dem Osten.
Vielleicht macht das ja den Unterschied? 😉
Ich fände es schade, wenn wir
es gar nicht erst versuchen würden. Vielleicht ist ja gerade unser
Briefwechsel eine gute Gelegenheit, die bisherigen Erfahrungen ein
wenig zu relativieren – oder zumindest neugierig aufeinander zu
bleiben.
Viele Grüße
Jürgen