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waldger
waldger@gmail.com · 3 Nachrichten
2025.11.13
Hallo Richi, vielen Dank für deine Nachricht. Du schreibst wirklich sehr schön und ansprechend. Allerdings habe ich schon öfters versucht mit Leuten aus dem Osten der Republik zu schreiben und es ist nie gut gegangen. Irgendwie scheint das nicht so richtig zusammen zu gehen. Nach meinem letzten Kontakt aus Ostdeutschland, der am Ende einfach nicht mehr geschrieben hat, habe ich mir vorgenommen, daraus zu lernen. Deine Anfrage wollte ich trotzdem beantworten, denn ich will nicht, dass du vergeblich wartest. Ich weiß ja aus eigener Erfahrung, wie unschön das ist, wenn noch nicht einmal eine Antwort kommt.  Du kommst außerordentlich sympathisch rüber und hast auch eine gute Art des Schreibens. Ich bin sicher, dass du bald jemanden Geeignetes finden wirst, der zu dir passt. Ich wünsche dir viel Erfolg und hoffe, dass du mir nicht böse bist. Herzliche Grüße von Himmelblau
14:28 Uhr
Hallo Richi, es fällt mir immer sehr schwer, jemandem abzusagen - auch wenn ich mir darüber bewusst bin, dass es nicht funktionieren würde. Ich muss mir dann immer zu mir selbst sagen: "Lass dich nicht hinreißen und mach lieber gleich Schluss". Man sagt ja, dass man keine Vorurteile haben soll, aber ich habe festgestellt, dass viele Vorurteile gar keine Vorurteile sind, sondern das Ergebnis von Erfahrungen.  So habe ich die Erfahrung gemacht, dass Kontakte aus der Schweiz und Kontakte aus Ostdeutschland nie funktioniert haben. Die Schweizer sind einfach sehr elitär und passen nicht in meine einfache bescheidene Welt. Die Schweizer machen auch gar keinen Hehl daraus, dass sie glauben, besser als andere zu sein. Wenn es um den Osten Deutschlands geht, muss ich einräumen, dass ich bisher nur mit Frauen geschrieben habe. Und die Frauen aus Ostdeutschland habe ich immer als sehr ehrgeizig und eigenwillig erlebt. Sie verstehen nur wenig Spaß und fühlen sich leicht angegriffen. Ich selbst schreibe jedoch gerne sehr persönlich und herzlich. Wenn jemand einen Schutzwall um sich herum errichtet, dann sehe ich nur wenig Sinn darin, mit ihm zu schreiben, denn das Schreiben bedeutet für mich das Gegenteil - nämlich, dass ich mich mehr öffne, als im Alltag. Und das war mit den Frauen aus dem Osten nie möglich. Entweder sie geben sich sehr stolz und unnahbar oder sie sind es. Aber am Ende macht es für mich keinen Unterschied. Der letzte Kontakt war so, dass die Dame jeden Tag geschrieben hat. Eines Tages kam dann eine kurze Nachricht: "Heute kann ich nicht schreiben, weil ich eine wichtige Entscheidung erwarte". Daraufhin kam nie mehr etwas ... also einfach nichts. Ich habe dann noch zweimal geschrieben und darum gebeten, doch wenigstens zu sagen, ob sie nun nicht mehr weiter schreiben möchte. Aber auch einige letzte Zeilen wurden mir nicht gewährt.  Bei einem anderen Kontakt hat folgender Satz das Ende bedeutet: "Bei mir kannst du ruhig herzlicher schreiben". Daraufhin kam ein bitterböser Brief mit vielen Beschimpfungen und dass ich es ja nie mehr wagen solle, ihr zu schreiben.  Glaub mir - da war nichts miss zu verstehen. Ich habe wirklich gelernt, dass es unterschiedliche Mentalitäten gibt. Beruflich war ich in den letzten Jahren viel unterwegs. Auch dabei konnte ich es feststellen. In den ärmeren Länder des Ostens und auf dem Balkan wurde ich immer sehr freundlich empfangen. Man fragte, wie die Reise gewesen sei, bot mir einen Kaffee an und lud mich nicht selten zum Essen ein. In den reichen westlichen Ländern wurde ich wirklich von oben herab, wie ein Lieferant behandelt.  Aber beim Schreiben kann sich nun jeder aussuchen, wer zu ihm passt - so kann sozusagen jeder Deckel den richtigen Topf finden. Viele Grüße Gerhard
21:04 Uhr
2025.11.14
Hallo Gerhard, vielen Dank für deine offenen Zeilen. Ich finde es gut, dass du so ehrlich schreibst – und auch, dass du für dich klare Grenzen gezogen hast. „Lass dich nicht hinreißen, mach lieber gleich Schluss“ – das klingt nach einer Haltung, die sicher schon so manche Enttäuschung erspart hat. Was du über Vorurteile und Erfahrungen schreibst, kann ich gut nachvollziehen. Ich war selbst sieben Jahre in der Schweiz und habe dort Ähnliches erlebt: Man kommt nur schwer in Kontakt, als ob eine unsichtbare Wand dazwischen wäre. Ob das an einem gewissen Elitedenken liegt, weiß ich nicht – vielleicht ist es einfach eine Form von Zurückhaltung. Wenn man aber einmal „drin“ ist, erlebt man oft ganz viel Herzlichkeit und Offenheit. Zu den Frauen aus dem Osten kann ich wenig sagen – aber ich selbst bin ein Mann aus dem Osten. Vielleicht macht das ja den Unterschied? 😉 Ich fände es schade, wenn wir es gar nicht erst versuchen würden. Vielleicht ist ja gerade unser Briefwechsel eine gute Gelegenheit, die bisherigen Erfahrungen ein wenig zu relativieren – oder zumindest neugierig aufeinander zu bleiben. Viele Grüße Jürgen
23:23 Uhr
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