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carolinemerk
carolinemerk@web.de · 5 Nachrichten
2025.12.27
Guten Abend Caroline, nein – es ist definitiv nicht zu früh zum Schreiben. Im Gegenteil: Manches lässt sich morgens klarer lesen, weil der Tag noch nicht dazwischenfunkt. Deine Zeilen haben etwas Leises und zugleich Waches. Dieses „malend auf dem Boden der Tatsachen sitzen“ bei gleichzeitigem Kopf-in-den-Wolken-Sein kenne ich gut – vermutlich ist das genau der Ort, an dem Gedanken überhaupt erst beweglich werden. Und ja, die scheinbar beiläufigen Alltagsdinge, die man im Tagebuch gern vergisst, erzählen oft mehr über uns als die großen Überschriften. Single aus Gewohnheit, aber nicht aus Resignation – das liest sich sehr stimmig. Dass du dem Leben seine Liebenswürdigkeit noch zutraust, mag ich. Vielleicht ist das schon eine Form von Mut, ganz ohne großes Pathos. Ein gemeinsames Tagebuch … der Gedanke gefällt mir. Nicht im Sinne von „wir müssen“, sondern als offenes Heft, in das man etwas legt, wenn es sich zeigen will – mit angehaltenem Atem oder befreiendem Lachen, wie du schreibst. Lass uns dem eine Chance geben. Ohne Etikett, ohne Erwartungsdruck. Schreiben darf ja erst einmal einfach nur sein. Viele Grüße Richi P.S. In meiner Schulzeit wurden alle Nachnamen verkürzt und endeten auf "i", deshalb Richi. Es ist dir überlassen, Richi oder meinen Vornamen Jürgen zu benutzen ;-)
22:28 Uhr
2025.12.28
Lieber Jürgen,   genau - dies ist meine heutige Entscheidung - ich mag dich sehr gerne Jürgen nennen - Richi - da habe ich sofort Richi Müller aus "Die große Flatter" im Kopf - ein Film, für den ich defintiv zu jung war um ihn sehen zu dürfen - aber vielleicht bin ich damals schon zm Richi Müller Fan geworden, heute jedenfalls mag ich ihn sehr als Kommissar im Tatort - wobei ich an für sich ein "Tatort" Fan bin.    Langsam erholt sich die Reihe wieder und kommt zu seinem alten Format - ich halte das auch für gut. Gerne dürfen da die Meinungen auseinander gehen - schon wieder eine Information über mich: ich bin absolut disskusionsfreudiger Natur... ich muss nicht ständig gegen was sein, aber es macht mir immer große Freude, wenn ich von guten Argumenten zu einem neuen Blickwinkel geführt werde oder meinerseits eine neue Richtung weisen kann. Will heißen, ich tausche mich total gerne über alles aus egal ob das Mainstreamthemen oder "nur-mit-spitzen-Fingern" anzufassende Themen sind. Mir geht es meist darum, was hinter dem Vorhang geschieht.   Ich habe nicht umsonst über 28 Jahre im Bereich Kultur gearbeitet und bin auch selbst Künstlerin (zwar nur in meinem zweiten Leben) oder war es zumindest (das ist aber eine sehr lange Geschichte).    Was ich aber eigentlich schreiben wollte - vielen Dank für Deine Nachricht... die ja mehr ein Spiegel meiner vorangegangenen Bewerbung war und auf die es sehr schwer ist zu antworten, da ich gar nicht weiß an was ich anknüpfen soll. Klar könnte ich Dir jetzt von mir erzählen von meiner Vergangenheit oder vielleicht was mich zur Zeit so umtreibt oder wie ich mir meine Zukunft gestalten möchte. Ich bin mir aber noch nicht sicher ob ich so gut in deinen Briefkasten hineinpasse - denn ich gehe mal davon aus, dass du noch am sondieren der vielen Nachrichten bist und die Konkurrenz ziemlich hoch ist - denn wer sich schon für den "Briefwechsel" eine eigene Adresse anlegt - der hat so einiges zu beantworten.   Ich bin noch ein bisschen zurückhaltend, denn eine Spieglung meiner eigenen Worte zeigt mir zwar, dass du meine Mail vor dir hattest - aber sie gibt mir keine Richtung - über was wir uns austauschen wollen - wie tief wir gemeinsam tauchen oder ob es beim Schnorcheln an der Oberfläche bleiben soll. Ich bin eine Vielschreiberin - nein, ich habe keine weitere Brieffreundschaft - aber Schreiben bedeutet mir ungemein viel. Ich habe vor zwei Jahren meine beste Freundin an eine unheilbare Krankheit verloren - und mit ihr ist auch unser gemeinsames Buchprojekt verstorben. Wir haben über zwölf Jahre gemeinsam an einem Buch geschrieben - also ich habe geschrieben und sie hat zugehört. Sie war überhaupt meine beste und liebste Kunstkritikerin - wobei - nein, sie liebte alles was ich an Kunst erschaffen habe (wenn du auf instagram bist: c.merkwuerdig - nur habe ich schon seit langer Zeit nichts mehr gepostet - daher sind die früheren Werke bedeutsamer) und kritisierte nie sondern feierte mit mir - egal - sie kann soundso niemand ersetzten. Leider ist es mir nicht möglich seit ihrem Tod weiter an dem Buch zu schreiben oder ein neues Buch anzufangen - das war halt so ein Ding zwischen ihr und mir - seit dieser Zeit ist meine Sehnsucht nach dem geschriebenen Wort Tag für Tag gewachsen - manchmal schöpfe ich das Sahnehäubchen durch ein paar poetische Objekte ab - aber es bleibt die Sehnsucht nach dem Austausch. Deshalb und deswegen habe ich nach einem Menschen gesucht, mit dem ich das Leben kann. Und deshalb ist auch die Wahl auf dich gefallen, weil du so überhaupt nichts mit meiner verstorbenen Freundin gemein hast und ich somit überhaupt nicht in Versuchung komme, dich mit ihr zu verwechseln... ich stelle gerade fest, wie zürückhaltend ich mich doch formuliere :o)))  Ja, ich schreibe so, wie ich mich mit dir unterhalten würde, so als würden wir uns in einem Cafe gegenübersitzen - und ich bin ein sehr vertrauenseliger und offener Mensch, dessen Neugierde unbegrenzt ist.   Lieber Jürgen, bitte frag dich, ob da genügend Platz Zeit und Raum in deinem Schreiben ist - bist du neugierig und offen genug, nicht nur zu spiegeln sondern von Dir, deinem Leben, deinen Gedanken und deinen Träumen zu schreiben - magst du ein Stück Lebensweg mit mir gehen - vorwärts rückwärts- mal ein wenig auseinander - mal befremdet - mal fast schon zu nahe - immer mit Respekt und immer mit so viel Platz, dass der andere noch atmen kann - das ist mein Anspruch. Nicht mehr aber bestimmt auch nicht weniger. Ich bin nicht leicht zu händeln, habe viel zu geben und freue mich total über von dir geschriebene Worte - aber wenn du feststellst, dass dich das überfordert - aus vielerlei Gründen - dann sei so fair und gestehe es dir und mir ein... vielleicht wird irgendwann später einmal mehr Raum für mich sein - ich würde das absolut verstehen... darum bitte ich dich - auch wenn wir uns überhaupt noch gar nicht kennen.   Egal wie du dich entscheidest, ich freue mich auf eine Antwort und wünsche dir einen wunderschönen Sonntag es ist der letzte Sonntag in diesem Jahr und vielleicht der Auftakt zu einer bedeutenden Brieffreundschaft   Viele Grüße Caroline
06:58 Uhr
Liebe Caroline, deine Gedanken zu Richi Müller und Die große Flatter habe ich tatsächlich nachgeschlagen. Nicht, weil ich das Gefühl hatte, etwas „wissen zu müssen“, sondern aus Neugier auf deine Assoziation. Was ich dabei interessant fand, war weniger der Film selbst als das Menschenbild dahinter – diese leisen, manchmal sperrigen Figuren, die mehr über Haltung erzählen als über Handlung.  In meiner Schul- und Lehrzeit habe ich sehr viele Kriminalromane gelesen. Später hat sich mein Lesen stark verändert – fast ausschließlich hin zu Literatur, die mir als Programmierer konkret nützlich war. Krimis sind dadurch für mich weniger aus dem Bücherregal, aber nie ganz aus meinem Leben verschwunden. Sie blieben vor allem im Fernsehen präsent. Die klassischen Serien wie Columbo , Quincy , Monk oder The Mentalist habe ich fast vollständig gesehen und sogar archiviert. Ich schaue sie mir alle paar Jahre wieder an. Für mich haben sie etwas Zeitloses, fast wie Märchen für Erwachsene: klare Figuren, ein überschaubares moralisches Koordinatensystem und Geschichten, die mehr über Menschen erzählen als über Zeitgeist. Mit aktuellen Krimis – insbesondere dem Tatort – tue ich mich dagegen schwer. Sie sind mir zu stark im Hier und Jetzt verankert und aus meiner Sicht oft von politischen oder gesellschaftlichen Deutungen überlagert. Dadurch verlieren sie für mich ihren erzählerischen Reiz und wirken weniger wie Krimis, sondern eher wie Transportmittel für Botschaften, die schnell altern. Mein Vater, inzwischen 90 Jahre alt, schaut dagegen fast jeden Abend um 20:15 Uhr einen Krimi – auf ganz unterschiedlichen Sendern. Häufig bleibt es nicht bei einer Folge, am Nachmittag kommen oft noch weitere dazu. Inzwischen frage ich mich, ob dieser dauerhafte Konsum von Kriminalgeschichten dem Menschen wirklich guttut. Er hat über die Jahre ein sehr pessimistisches Menschenbild entwickelt: Menschen sind für ihn grundsätzlich eher schlecht, geld- oder machtgierig. Ich sehe das anders. Ich glaube, dass Kinder neugierig, offen und unvoreingenommen zur Welt kommen. Alles andere ist Ergebnis von Erziehung – also dem Ziehen in bestimmte Richtungen – und Ausbildung, bei der häufig weniger etwas hinzugefügt als vielmehr etwas ausgeblendet wird. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich die älteren Krimiserien als erzählerische Konstruktionen mit einer gewissen inneren Ordnung empfinde, während viele heutige Produktionen auf mich eher wie zeitgebundene Deutungen wirken – interessant im Moment, aber mit begrenzter Haltbarkeit. Heute war mein Tag deutlich bodenständiger: drei Bestellungen bei Elektronik-Versendern. Akkus und Mikrofone, Lautsprecherboxen, ein Ein-Platinen-Computer mit Speicher, Kabel, Schalter, LEDs. Kein Selbstzweck, sondern Teil eines kleinen Projekts, das mir gerade sehr am Herzen liegt: eine möglichst einfache, transparente Technik für ältere Menschen.  Ich befasse mich sehr intensiv mit Künstlicher Intelligenz. Fast jeden Abend sitze ich mit meinem Vater zusammen, der gerade 90 geworden ist, und wir sprechen über die Dinge des Tages. Er hat nie am Computer gearbeitet, nutzt das Internet überhaupt nicht – und vermisst es auch nicht. Wenn ich von meiner Arbeit erzähle, stoße ich schnell an Grenzen. Vieles, womit ich mich beschäftige, ist für ihn schwer vorstellbar. Genau das ist für mich als Anwendungsprogrammierer eine besondere Herausforderung: Wie erklärt man moderne Technik Menschen, die ohne sie gut gelebt haben – und weiterhin gut leben? Natürlich könnte ich ihn zu Alexa oder ähnlichen Systemen überreden. Aber ich bin ziemlich sicher, dass er diesen „neumodischen Kram“ nicht mögen würde. Uhrzeit und Radio hat er. Fernsehsendungen nimmt er mit dem Rekorder auf und schaut oder hört sie sich an, wenn er Lust und Zeit dazu hat. Mehr Technik braucht er eigentlich nicht. Deshalb habe ich eine andere Idee. Ich möchte ihm eine „alles wissende Kiste“ zeigen – bewusst einfach, sichtbar und begreifbar. Keine schwarze Box, sondern eine durchsichtige Dose, vielleicht sogar eine alte Kühlschrankdose, in der alle Bauteile offen zu sehen sind. Als Kind hatte ich eine durchsichtige Wanduhr. Ich fand es faszinierend zu sehen, wie Zahnräder, Federn und das Pendel ineinandergriffen und am Ende die Zeiger bewegten. Man konnte verstehen, warum sich etwas bewegt. Genau daran knüpfe ich an. Damals waren es Zahnräder, Federn und ein Pendel. Heute sind es ein Einplatinen-Rechner, ein Akku, Speicher, ein Schalter, eine LED, ein Mikrofon und ein Lautsprecher. Keine Magie – nur andere Bausteine. Die Idee ist nicht, ihn zu überzeugen oder zu belehren, sondern Neugier zu wecken. Zu zeigen: Auch das hier besteht aus Teilen, die zusammenarbeiten. Vielleicht kommt die Idee an. Vielleicht auch nicht. Aber der Versuch fühlt sich richtig an. Was den Austausch angeht: Mainstreamthemen oder solche, die man nur mit spitzen Fingern anfasst, sind für mich gleichermaßen willkommen. Ohne Missionierung, ohne Rechthaben. Meinungsaustausch im besten Sinne – offen, respektvoll, mit der Bereitschaft, den eigenen Blick auch einmal zu verschieben. Du sprichst meine Kapazitäten und meinen Umgang mit Schreiben sehr direkt an, deshalb antworte ich dir ebenso offen. Ich habe den Briefwechsel mit zwei Herren begonnen, aber die verliefen im Sande, aktuell schreibe ich mit mehreren Frauen. Für mich ist das kein Wettbewerb, sondern eine Frage von Aufmerksamkeit und Ehrlichkeit. Ich lese jede Mail, notiere mir Gedanken in Stichworten und lasse mir beim Ausformulieren von KI helfen. Bevor eine Antwort rausgeht, prüfe ich genau, ob sie wirklich meine ist. Meist nehme ich mir abends Zeit dafür – manchmal zwei, manchmal drei Stunden. Es kann auch vorkommen, dass ein oder zwei Tage vergehen. Mein Wunsch ist Regelmäßigkeit, kein Taktzwang. Vergangenheit und Gegenwart – beides wird seinen Platz finden. Nicht auf Knopfdruck, sondern dann, wenn es stimmig ist. Deine Offenheit und Neugier nehme ich gerne an, ohne sie mir selbst als Verpflichtung aufzuerlegen. Zwanglosigkeit ist für mich die Voraussetzung dafür, dass Vertrauen überhaupt wachsen kann. Ich wünsche dir einen schönen Abend und eine interessante Woche – und wir schauen, was sich zwischen den Zeilen entwickelt. Herzliche Grüße Jürgen
20:24 Uhr
2025.12.29
Lieber Jürgen, vielen Dank für Dein Schreiben.   Beim Lesen Deiner Zeilen ist mir sehr deutlich bewusst geworden, dass zwischen unserem Anspruch einer Unterhaltung und was man sich schreibt mehr als nur eine Welt liegt.   Vielen Dank für Deine Mühe, aber dass passt einfach hinten und vorne nicht zusammen.   Ich wünsche Dir für 2026 einen regen Briefausstausch.   Liebe Grüße Caroline Gesendet: Sonntag, 28. Dezember 2025 um 20:24
04:50 Uhr
Liebe Caroline, vielen Dank für Deine offenen Worte und Deine Rückmeldung. Dass Erwartungen, Haltungen oder Vorstellungen von Austausch nicht zusammenpassen, gehört zum Schreiben genauso dazu wie das Finden von Resonanz. Es ist gut, das früh zu erkennen und klar zu benennen. Ich danke Dir ebenfalls für Deine Zeit und Deine Ehrlichkeit und wünsche Dir für 2026 viele stimmige Begegnungen, gute Gespräche und einen Briefaustausch, der sich für Dich richtig anfühlt. Alles Gute Jürgen
21:32 Uhr
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