D
dagmarrichter
dagmarrichter@gmx.net · 7 Nachrichten
2026.02.12
Liebe Dagmar, „regelmäßig schreiben“ – das gefällt mir. Das klingt nicht nach flüchtigem Kontakt, sondern nach einem echten Austausch, der wachsen darf. Du schreibst, Du seist vielseitig interessiert. Das ist ein schönes Wort – vielseitig. Es verrät Neugier. Und Neugier ist für mich eine der besten Eigenschaften, die man sich bewahren kann, gerade wenn man – wie wir – auf einige Jahrzehnte Lebenserfahrung zurückblickt. Ich selbst bin 66, lebe in Dresden, bin gebürtig aus Ostdeutschland und habe über 30 Jahre als Softwareentwickler gearbeitet. Inzwischen beschäftige ich mich viel mit Künstlicher Intelligenz – weniger als Hype, mehr als Werkzeug. Mich interessiert, wie Technik das Leben erleichtern kann, ohne es zu dominieren. Gleichzeitig bin ich ein Mensch, der das Bodenständige schätzt: gutes Essen (möglichst einfach und ehrlich), Gespräche mit Tiefgang, Orte mit Ruhe und Licht. Im Winter bin ich oft in der Karibik – Sonne und Meer sind für mich kein Luxus, sondern eine Art Vitamin für die Seele. Früher habe ich sehr viel gelesen – heute eher Fachliteratur. Der literarische Austausch fehlt mir manchmal. Vielleicht liest Du ja noch regelmäßig? Oder schreibst Du selbst Tagebuch, Gedichte oder Erinnerungen? Mich interessiert weniger das Rechthaben, mehr das Verstehen: Was hat Dich geprägt? Welche Themen begleiten Dich schon lange? Und was bedeutet für Dich „regelmäßig schreiben“ – eher Alltagsberichte oder auch Gedanken, die etwas weiter reichen? Ich freue mich auf Deine Antwort – und darauf, herauszufinden, welche Fäden sich zwischen unseren Interessen knüpfen lassen. Herzliche Grüße Jürgen (Richi)
21:57 Uhr
2026.02.15
Hallo Jürgen, ganz herzlichen Dank für deine Post ! Ich hoffe, du hast kein Problem damit, dass elektronische Post bei mir den gleichen Stellenwert hat wie die auf Papier- heißt, wer zuerst schreibt, bekommt zuerst eine Antwort. Briefe schreibe ich "regelmäßig" und das , seit ich ein junges Mädchen war. Es hat mich schon immer interessiert, wie andere Menschen "ticken" , wie sie leben, wie sie die Welt sehen. Einige sind im Lauf der Jahre wirkliche Freunde geworden. Und ja, Neugier bewegt mich noch immer ! Ich würde gern noch so vieles lernen, sehen, erfahren - wahrscheinlich reicht mein restliches Leben nicht dazu aus. Aber man kann ja das Beste daraus machen. Ich interessiere mich für geschichtliche Themen, Kunst, Heilpflanzenkunde.... Vielleicht sollte ich eher schreiben, was mich nicht interessiert. Nur fällt mir dazu im Moment nichts ein. Entsprechend viel lese ich auch, querbeet. Ohne Buch bin ich unvollständig, aber mit reiner Fachliteratur habe ich Probleme. Das fängt schon bei Bedienungsanleitungen an, die könnten genau so gut in chinesisch geschrieben sein. Auf Deutsch verstehe ich auch nicht viel mehr ! Somit ist mir auch dein Interessengebiet ziemlich fremd. Künstlicher Intelligenz stehe ich eher skeptisch gegenüber. Vielleicht, weil ich zu wenig darüber weiß? Noch ein paar Worte zu mir: Ich bin auch ein "Ostkind" , allerdings in Chemnitz geboren. Dresden kenne ich somit ein bißchen. Vor 20 Jahren hat es mich wegen der Arbeit in die Nähe von Tübingen verschlagen. Eine schöne Gegend, aber "zu Hause" ist es nicht geworden. Ich arbeite noch immer einige Stunden als Finazbuchhalter. Obwohl ich eher ein kreativer Mensch bin und der Beruf eigentlich gar nicht zu mir passt, wie viele sagen. Gutes Essen weiß ich zu schätzen und gut zu kochen (möglichst mit regionalen und auch saisonalen Produkten) gehört dazu. Ich bin meist aktiv und viel unterwegs, gehe zum Tanzen, ins Kino, wandern. Aber ich kann auch Ruhe aushalten und hervorragend nichts tun. Am liebsten an der Ostsee auf meiner Lieblingsinsel Hiddensee. Karibik muss nicht sein, zumal ich nicht gern fliege. Du arbeitest noch ? Was fasziniert dich an dem Thema künstliche Intelligenz ? Du schreibst: als Werkzeug, aber wie weit soll das gehen ? Was sind außerdem deine Interessengebiete ? Viele Grüße ins Elbflorenz   Dagmar   Gesendet: Donnerstag, 12. Februar 2026 um 21:57
10:40 Uhr
2026.02.16
Liebe Dagmar, Dein Satz „wer zuerst schreibt, bekommt zuerst eine Antwort“ hat mich schmunzeln lassen. Ich habe es nämlich gern, wenn ein Brief hin- und einer zurückgeht – fast wie ein ruhiger Tanzschritt: vor, zurück, vor, zurück. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Ich „leide“ ein wenig an Perfektionismus. Beim Programmieren ist das oft hilfreich. Im richtigen Leben nicht immer. Wenn ich einen Brief bekomme, fühle ich mich innerlich verpflichtet zu antworten. Unbeantwortete Briefe machen mich unruhig. Es ist, als läge etwas Offenes im Raum. Vielleicht ist das mein Ordnungsbedürfnis – vielleicht auch einfach Respekt. Dass Du seit jungen Jahren regelmäßig schreibst, bewundere ich. Ich habe es mehrmals mit Tagebuch versucht. Entweder wusste ich nicht, was ich schreiben soll, weil sich vieles wiederholt. Oder das Tagebuch war gerade nicht zur Hand. Oder ich hatte nichts zum Schreiben. Oder – elektronisch gedacht – ich stand vor der ganz praktischen Frage: Auf welchem Gerät führe ich es? Ich habe meist zwei Laptops (Windows und Linux) und noch einen PC für Grafikbearbeitung. Du siehst: Ich kann mir selbst richtige „Probleme“ schaffen 😉 Der Briefwechsel zwingt mich inzwischen auf angenehme Weise, regelmäßig über mich nachzudenken. Das ist für mich ein wichtiger Grund zu schreiben. Dein Interesse daran, wie Menschen „ticken“, teile ich vollkommen. Wenn ich über etwas stolpere, will ich es genau wissen. Sehr genau. Manchmal muss ich mich bewusst bremsen, weil ich weiß: Die Zeit reicht nicht, um allem nachzugehen, was mich reizt. Vielleicht ist das die eigentliche Lebenskunst – nicht alles zu wissen, aber das Wesentliche bewusst auszuwählen. Zu Deiner Skepsis gegenüber Künstlicher Intelligenz: Ich verstehe sie gut. Mir hilft ein Bild. Für mich ist KI wie Feuer. Jeder weiß, wie gefährlich Feuer sein kann – und doch gäbe es ohne Feuer die Menschheit in ihrer heutigen Form nicht. Der Mensch musste lernen, mit dieser permanenten Gefahr zu leben und sie sinnvoll zu nutzen. Deshalb gibt es Brandschutzregeln und Feuerwehr. Genauso müssen wir lernen, mit KI umzugehen. Sie ist ein Werkzeug. Nicht gut oder böse – sondern abhängig davon, wie wir sie einsetzen. Du fragst, was mich daran fasziniert. Ich war dabei, als Computer „laufen lernten“, als das Internet die Welt eroberte. Ich hatte in Cottbus das erste Internet-Café. Vielleicht bin ich deshalb immer wieder neugierig, wenn eine neue Welle kommt. Und jetzt reite ich eben auf dieser. Ob ich noch arbeite? Ich war viele Jahre selbstständig. Mein Rentenanspruch liegt vermutlich bei etwa 850 Euro brutto – zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Außerdem gilt für mich: Solange ich am Monitor noch etwas sehe und die Maus bewegen kann, gehe ich meiner Leidenschaft nach. Arbeit ist für mich weniger Broterwerb als geistige Bewegung. Kochen – da unterscheiden wir uns ein wenig. Essen tue ich sehr gern. Kochen eher zweckmäßig. Wenn ich koche, dann muss es mindestens für drei Tage reichen, damit sich der Aufwand „lohnt“. Du würdest vermutlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen 😉 Hiddensee klingt tatsächlich sehr nach Weite und Ruhe. Unser Ostsee-Ziel war viele Jahre Usedom, besonders Ahlbeck. Aber in vierzig Jahren verändert sich viel – nicht nur die Orte, auch der Blick auf sie. Wenn ich mir bewusst Zeit nehme, bin ich gern mit meiner 360°-Kamera unterwegs. Auf Google bin ich inzwischen so etwas wie ein „elfacher Millionär“ – etwa 400 Aufnahmen mit rund 11 Millionen Ansichten. Ich mag es, Orte einzufangen und zugänglich zu machen. Vielleicht ist das auch eine Form von Geschichtsbewahrung – nur eben digital. https://www.google.de/maps/contrib/117065978769629917439/photos Dresden 360°-Bilder-Touren https://hoomdoo.com/tour/dresden München 360°-Video-Virtual-Tour: https://www.youtube.com/watch?v=2tV-lCPujlM&t Du schreibst von Geschichte, Kunst und Heilpflanzenkunde – das sind Welten, in denen ich eher Gast als Kenner bin. Gibt es eine Epoche, die Dich besonders fesselt? Und bei den Heilpflanzen: mehr praktische Anwendung oder historisches Wissen? Und noch eine neugierige Frage: Was bedeutet für Dich „zu Hause“, wenn weder Chemnitz noch die Gegend bei Tübingen ganz dieses Gefühl ausgelöst haben? Viele Grüße nach Süden – aus dem heutigen „Elbflorenz“ Jürgen
21:10 Uhr
2026.02.19
Hallo Jürgen, der absolute Vorteil von mails gegenüber "echten" Briefen ist, dass man diese auch auf dem Sofa schreiben kann😏 ! Allerdings "spinnt" das Internet und ich bin ständig offline. Na, irgendwie wird es schon funktionieren. Du musst wissen, in punkto Internet ist es hier nicht weit her. Es gibt nur einen Anbieter und man kann damit leben oder lässt es ganz. Für dich wäre es wahrscheinlich der blanke Horror ! Mich stört es weniger, denn ich bin meist in der realen Welt unterwegs. Natürlich versuche ich, Briefe so schnell als möglich zu beantworten. Aber gerade während der Sommermonate gelingt es mir nicht immer. Da gibt es doch noch so viel anderes ! Meine langjährigen Brieffreunde sind das schon gewohnt.  Tagebuch könnte ich auch nicht schreiben, dazu bin ich nicht diszipliniert genug. Wer das kann, Hut ab ! aber wozu ? Vielleicht wird man sich über einige Dinge schneller klar, wenn man sie aufschreibt. Aber : auf einen Brief bekomme ich eine Antwort und das ist mir wichtiger. Als Programmierer muss man wahrscheinlich einen Hang zum Perfektionismus haben. Jedenfalls, die, die ich kenne, leiden auch darunter. Man sagt diese Eigenschaft auch Buchhaltern nach, anders geht es eigentlich nicht ! Die Konten müssen stimmen, da gibt es keinen "kreativen Spielraum ". Nach den Jahren macht es mir auch Spaß, aber ein Buchhaltertyp bin ich sonst gar nicht. Ich habe Dekorateur gelernt und die Umstände haben mich zu diesem Beruf genötigt. Waren Computer schon immer deine Welt ? So ganz kann ich deinem Vergleich mit dem Feuer nicht zustimmen. Ich glaube, die Menschen haben sehr schnell gemerkt, dass man sich daran wärmen kann, dass das Fleisch gebraten besser schmeckt und dass man sich die Finger daran verbrennen kann. Und es daher sinnvoll ist, dieses zu kontrollieren. KI tut nicht weh ! Wer ist die Feuerwehr und wer sorgt dafür, dass die Brandschutzregeln eingehalten werden ? Hier war ein Film im Kino über Digital Afterlife Industrie und die Frage lautete: Wie kann es gelingen, technischen Fortschritt mit ethisch moralischer Verantwortung zu verbinden ? Genau damit habe ich ein Problem ! Abgesehen davon, dass ich so etwas absolut gruselig finde (einige Menschen möchte ich mir nicht noch als Avatar vorstellen !) am Ende bestimmt, wer das Geld hat. Nenn mir doch mal ein paar positive Aspekte, damit ich mich damit anfreunden kann ! Geschichte mache ich immer an Menschen fest, manchmal auch an bestimmten Ereignissen. Da will ich dann mehr darüber wissen und so werden die Kreise immer größer. Das gilt für alle Dinge, die mich interessieren. Heilpflanzen zum Beispiel, weil man so vieles damit bewirken kann. Versteh`mich nicht falsch, ich lehne Schulmedizin keineswegs ab, versuche es aber immer zuerst auf natürlicher Basis. Wenn ich wirklich mal zum Arzt gehe, schaun die mich immer ganz erstaunt an, wenn ich auf die Frage, welche Medikamente ich nehme, antworte: gar keine. Vielleicht habe ich auch einfach bisher Glück gehabt. Ja, die Insel Hiddensee ist ein ganz besonderer Ort für mich. Ein bisschen aus der Zeit gefallen, trotz der vielen Tagestouristen. Allerdings mit ganz schlechter Internetverbindung ! Aber da muss ich mich nicht umstellen und der Laptop kommt bei mir ohnehin nicht ins Gepäck !Ahlbeck ist eine Weltstadt dagegen ! Und nichts für mich, weil gerade Usedom dabei ist, einen Großteil seines Charmes zu verlieren. Im Hinterland findet man ihn noch.  Jetzt habe ich noch gar nicht alle deine Fragen beantwortet, muss aber los. Sorry, wird nachgeholt ! Lass dich von meinem Brief nicht unruhig machen - siehe oben😉 Herzliche Grüße vom Neckar Dagmar Gesendet: Montag, 16. Februar 2026 um 21:10
16:22 Uhr
2026.02.20
Liebe Dagmar, Dein Sofa-Argument für Mails ist unschlagbar 😉 Wobei – ich sehe förmlich vor mir, wie Du entspannt schreibst und das Internet beschließt, eine kleine Auszeit zu nehmen. Für mich wäre eine dauerhaft wackelige Verbindung vermutlich tatsächlich eine Geduldsprobe. Aber vielleicht ist genau das der Unterschied: Du bist selbstverständlich in der realen Welt unterwegs – ich bewege mich beruflich seit Jahrzehnten zwischen zwei Welten. Die viel zitierte „Digitalisierung“ – ein Wort, das schon Angela Merkel wie ein Mantra benutzt hat – begleitet uns nun seit über einem Jahrzehnt. Man fragt sich, warum manches trotzdem noch im Schneckentempo vorangeht. Sommermonate und verzögerte Antworten kann ich übrigens gut nachvollziehen. Es gibt Zeiten, da pulsiert das Leben draußen stärker als jede Korrespondenz. Und ich verspreche: Dein Brief hat keine Unruhe ausgelöst. Ich arbeite daran, meinen inneren Perfektionisten freundlich an die Leine zu nehmen 😉 Dass Du vom Dekorateur zur Finanzbuchhalterin „geworden“ bist, finde ich spannend. Das Kreative und das Präzise sind ja eigentlich keine Gegensätze – eher zwei Pole. Ein Schaufenster gestalten verlangt Gespür, ein Konto ausgleichen verlangt Genauigkeit. Vielleicht hast Du beides in Dir, nur in unterschiedlicher Dosierung. Computer waren übrigens nicht von Anfang an meine Welt – aber sehr früh. Ich habe industrielle Elektronik gelernt, als Rechner noch groß, laut und vergleichsweise „dumm“ waren. Man musste ihnen jeden Schritt einzeln erklären. Vielleicht fasziniert mich deshalb KI: Zum ersten Mal antwortet eine Maschine nicht nur auf Befehle, sondern auf Fragen. Zu Deinem Einwand mit dem Feuer – ich mag ihn. Du hast recht: Feuer tut weh, KI nicht. Zumindest nicht unmittelbar. Vielleicht liegt genau darin die größere Herausforderung. Die „Verbrennung“ ist nicht physisch, sondern gesellschaftlich oder ethisch. Die meisten Menschen verbinden KI zunächst mit Jobverlust oder Überwachung – nicht zuletzt verstärkt durch mediale Zuspitzung. Und das „brennt“ durchaus, nur eben auf einer anderen Ebene: als Verunsicherung, als diffuse Angst vor Kontrollverlust. Du fragst: Wer ist die Feuerwehr? Im Idealfall sind es Gesetze, unabhängige Kontrollinstanzen, Entwickler mit Gewissen – und eine informierte Öffentlichkeit. In der Realität ist das natürlich ein Ringen.  Hinzu kommt für mich noch etwas ganz Entscheidendes: Selbstverantwortung. KI wird im privaten Bereich fast immer über den Faktor „Bequemlichkeit“ verkauft. Schneller, einfacher, komfortabler. Doch jeder Einzelne muss lernen, bis wohin er sich helfen lässt – und wo er bewusst autonom, autark, selbstbestimmt bleiben möchte. Der aktuelle ZDF-Skandal um ein KI-Video zeigt zudem, wie rasant sich diese Entwicklung beschleunigt. In fünf Jahren könnte praktisch nahezu ALLES im Internet künstlich erzeugt sein - Bilder, Videos, Filme, Werbung. Dann bleibt am Ende tatsächlich nur noch der direkte menschliche Kontakt als verlässlicher Echtheitsbeweis – eine Art modernes „Brandschutzgesetz“. Und Du hast recht: Am Ende spielen Macht und Geld immer eine Rolle. Das war beim Buchdruck so, bei der Industrialisierung, beim Internet – und jetzt bei KI. Die Mächtigen (1%) werden KI GEGEN die Menschen zur Unterdrückung und zum Machterhalt benutzen. Aber: Es wird spannend sein, ob die anderen (99%) sich ihrer Kraft bewußt werden und die KI FÜR die Menschen nutzen. Dein Hinweis auf die „Digital Afterlife“-Industrie verstehe ich gut. Auch ich empfinde manches als gruselig. Ich brauche keine Avatare Verstorbener. Das wäre für mich eher eine Verdrängung als ein Fortschritt. Technisch wäre es jetzt schon möglich die ABBA's, Marylin Monroe und Michel Jackson wieder auf "die Leinwand" zu bringen. Damit wäre aber die Einmaligkeit weg und der Wert verloren. Es wäre "unmenschlich". Damit müssen wir lernen umzugehen.  Man wird es versuchen - ein kleines Feuer. Wird man es schnell austreten oder wird es zum Flächenbrand, der sämtliche Kultur zerstört - wir müssen uns alle dazu positionieren. Das meine ich mit Brandschutz. Du wolltest positive Aspekte hören – hier ein paar ganz konkrete, die ich selbst sinnvoll finde: Medizinische Diagnostik: KI erkennt auf Röntgen- oder MRT-Bildern Muster, die selbst erfahrenen Ärzten entgehen können. Das rettet nachweislich Leben. Barrierefreiheit: Sprachmodelle helfen Menschen mit Seh- oder Schreibproblemen, Texte zu formulieren oder zu verstehen. Wissenszugang: Komplexe Inhalte lassen sich in einfacher Sprache erklären – wie ein geduldiger Assistent, der nicht genervt ist. Alltagshilfe für Ältere: Sprachsysteme können an Medikamente erinnern, Notfälle erkennen oder Einsamkeit mindern – wenn sie sinnvoll eingesetzt werden. Für mich liegt der Wert nicht im Ersatz des Menschen, sondern in der Unterstützung. KI sollte Werkzeug bleiben, nicht Ersatz für Beziehung oder Verantwortung. Deine Art, Geschichte an Menschen festzumachen, gefällt mir sehr. Geschichte wird lebendig durch Biografien. Vielleicht ist das auch der Grund, warum wir Briefe schreiben – weil uns Menschen mehr interessieren als abstrakte Theorien. Und Heilpflanzen – da habe ich eher Laienwissen. Aber ich schätze Deinen Ansatz: erst natürlich, dann schulmedizinisch, wenn es nötig ist. Dass Du dem Arzt sagen kannst „gar keine Medikamente“, ist vermutlich ein gutes Zeichen – und vielleicht auch ein Resultat Deines aktiven Lebens. Übrigens habe ich das gleiche Problem beim Arzt. Ehe ich ein Medikament nehme, muss es schon sehr dringend sein.  EIn Beispiel: Wenn ich mal zum Optiker oder Augenarzt gehe, wollen sie mir immer eine Brille "andrehen". Mein "Problem" links -1, rechts +1 - also auf einem Auge weitsichtig, auf dem anderen kurzsichtig. Da ich meistens ;-) mit beiden Augen schaue, sehe ich auf große Entfernung und auf kurze Entfernung gut. Mit Brille könnte es nie besser sein. Und trotzdem versuchen sie mich zu "bequatschen". Hiddensee ohne Laptop kann ich mir gut vorstellen. Vielleicht liegt genau darin seine Kraft. Orte, an denen man nicht erreichbar sein muss, sondern einfach nur ist. Das klingt nach einem gesunden Gegenpol. Meine 360°-Kamera wäre immer dabei. Eine Frage beschäftigt mich noch: Wenn Du sagst, Du bist „meist in der realen Welt unterwegs“ – was bedeutet das konkret? Eher Begegnungen mit Menschen, Natur, Kultur? Oder etwas ganz anderes? Herzliche Grüße vom Elbufer Jürgen
17:53 Uhr
2026.02.23
Hallo Jürgen, danke, dass du mir etwas "Durchblick" verschafft hast zum Thema KI 😉 Den Beispielen zur sinnvollen Nutzung kann ich durchaus folgen, meine Skepsis bleibt. Die Bequemlichkeit ist doch weit verbreitet. Und mit der Bereitschaft zum selbständigen Denken.... Bei Kant heißt es: Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Mut bedeutet auch immer, dass es unbequem werden kann und wer bewegt sich schon gern aus der eigenen Komfortzone ! Na gut, man kann nur selbst bei klarem Verstand bleiben und versuchen diese Einstellung zu verbreiten. DAS ist meiner Meinung nach die größte Aufgabe !  Wenden wir uns lieber den Lichtblicken zu. Es wird Frühling und gestern hat es mal nicht geregnet ! Ich bin nicht "wetterabhängig", aber das ewige Grau drückt doch ein bisschen auf die Stimmung. Gut, dass ich eine Freundin habe, die wirklich bei jedem Wetter wandert ! Auch, wenn man nach dem Weg über das Feld 10 cm größer ist ! Wandern und Natur stehen ja auch bei dir zum Thema Hobby. Wie sieht das aus ? Regelmäßig ? - ich kann mir vorstellen, dass es ein guter Ausgleich zur Arbeit am Computer ist. Mehr kleine Spaziergänge oder doch größere Touren ? Bei uns ist es wirklich regelmäßig jede Woche und ich merke (auch wenn ich manchmal gar keine Lust habe !!) wie gut mir das Laufen tut. Ich schalte den Kopf ab und konzentriere mich auf den Weg und die Umgebung. Letztes Jahr sind wir ein Stück Jakobsweg gelaufen und das war noch mal etwas ganz besonderes ! Nein, nicht in Spanien, sondern in Frankreich. Frankreich ist neben Hiddensee mein bevorzugtes Urlaubsziel. Liegt ja auch fast vor der Haustür 😄 Wenn ich schreibe, dass ich mehr in der realen Welt unterwegs bin, meine ich, dass der Computer für mich ein Hilfsmittel ist. Und noch nicht mal unverzichtbar ! Ich nutze ihn fast nur für Buchung von Reisen oder Karten für Konzerte u.ä. Ganz selten für Bestellungen ( wenn der Enkel zum Geburtstag ein Spiel von Nintento möchte), für konkrete Informationen. Da ist es schon praktisch, jemanden wie Google zu haben, der alles weiß 🤣 Zum Schreiben nutze ich Papier und, nein, nicht Feder, sondern Kugelschreiber. Du bist der Einzige, mit dem ich per Mail kommuniziere.  Sicher unvorstellbar für dich, oder ? Und für viele andere auch. Aber es ist eben meine Art zu leben und es entschleunigt enorm.  Dummerweise weigert sich mein Laptop, deine Links zu öffnen ! Dabei würden mich deine Aufnahmen mit der 360° Kamera sehr interessieren. Ich kann mir das nicht so recht vorstellen 🤔 Kannst du sie bitte nochmals anhängen ? Ich fotografiere selbst sehr gern, aber es sind immer nur Einzelaufnahmen. Das ständige Knipsen mit dem Handy nervt mich eher. Wer schaut sich denn die ganzen Fotos an ? Und mein Essen muss sowieso nicht jeder sehen . Aber so hat wohl jede Zeit ihre "Macken" . Und du hast recht, es gab schon immer neue Herausforderungen, denen man sich stellen musste. Und normalerweise bin ich ja ein optimistischer Mensch. Nun muss ich mich allerdings ganz der realen Welt, sprich, meiner Waschmaschine, zuwenden !  Grüße quer durch diverse Bundesländer nach Sachsen !  Dagmar Gesendet: Freitag, 20. Februar 2026 um 17:53
10:01 Uhr
Liebe Dagmar, dass Du Deine Skepsis behältst, finde ich übrigens sehr gut. Skepsis ist kein Mangel, sondern ein Schutzmechanismus – solange sie nicht in Verweigerung umschlägt. Und Kant hast Du sehr passend zitiert: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Ich fürchte, viele haben diesen Mut nie wirklich gelernt – oder ihn im Laufe der Zeit bequem abgelegt. Selbstdenken ist anstrengend. Und ja, es bedeutet manchmal, sich aus der Komfortzone zu bewegen. Aber vielleicht ist genau das die eigentliche geistige Fitnessübung unserer Zeit. Wenden wir uns also den Lichtblicken zu 😊 Heute hier: Sonnenschein und 12 °C. Nach dem grauen Einerlei der letzten Wochen fühlt sich das fast wie ein Versprechen an. Frühling ist für mich immer ein stiller Neubeginn – ohne große Worte. Wenn Du vom Wandern erzählst, würde ich tatsächlich sofort mitkommen. Allerdings nicht allein. Allein gehe ich eher kleinere Runden. In Gesellschaft mag ich längere Strecken viel lieber. Es ist dieser Wechsel aus Gespräch und Schweigen, der gut tut. Und Du hast recht: Es ist der beste Ausgleich zum Bildschirm. Der Kopf wird leer – oder sortiert sich von selbst. Ein Stück Jakobsweg in Frankreich klingt besonders. Frankreich scheint Dich wirklich zu rufen. Gibt es dort eine Region, die Dich besonders anspricht? Mehr Atlantik, mehr Provence, mehr ländliche Ruhe? Ich war nur einmal mit Frau und Tochter in Paris.  Dass Du fast ausschließlich auf Papier schreibst, ist für mich keineswegs unvorstellbar – nur selten geworden. Ich schreibe tatsächlich auch zwei Briefpartnern mit Füller auf Papier. Was mich dabei jedes Mal leicht zusammenzucken lässt, sind die 95 Cent Porto 😉 Trotzdem hat ein Brief im Kasten etwas Besonderes. Und dennoch freue ich mich über Mails – sie kommen unmittelbarer, wie ein Gespräch. Du sagst, der Computer sei für Dich nur ein Hilfsmittel. Das respektiere ich sehr. Für mich ist er zusätzlich Werkzeug, Werkstatt und manchmal Spielplatz. Ein wichtiger Grund für die digitale Nähe ist übrigens ganz persönlich: Meine Frau lebt rund 6000 Kilometer entfernt. Unser täglicher Video-Call ist für mich unverzichtbar. Ohne diese Technik wäre Nähe kaum möglich. Und ja – sie sorgt sich regelmäßig, dass ich mich in meinen Programmierprojekten verliere und darüber das Essen vergesse. Deshalb bekommt sie ab und zu ein Foto meines Essens als „Beweis“, dass ich tatsächlich gekocht oder zumindest gegessen habe 😄 In diesem Fall ist das Bild also kein Zeitgeist-Reflex, sondern eine Art ehelicher Lebensnachweis. Deine Haltung zur Fotografie teile ich teilweise. Das ständige Handy-Knipsen wirkt oft inflationär. Wer schaut sich all das wirklich an? Meine 360°-Aufnahmen sind anders gedacht: weniger Schnappschuss, mehr Raum-Erlebnis. Man steht virtuell mitten im Ort und kann sich umsehen.  Google Maps: https://www.google.de/maps/contrib/117065978769629917439/photos Dresden: https://hoomdoo.com/tour/dresden/ München: https://www.youtube.com/watch?v=2tV-lCPujlM&t Deine Bemerkung zur „realen Welt“ gefällt mir übrigens sehr. Entschleunigung ist ein Wert. Und vielleicht braucht es beides: Menschen wie Dich, die bewusst analog leben – und Menschen wie mich, die Brücken zwischen analog und digital bauen. Bevor Deine Waschmaschine endgültig Vorrang bekommt 😉 noch eine kleine Frage: Wenn Du Geschichte an Menschen festmachst – gibt es gerade eine Persönlichkeit, die Dich besonders beschäftigt? Herzliche Grüße quer über Elbe, Neckar und ein paar weitere Flüsse hinweg Jürgen
21:15 Uhr
Neue Mail