2026.01.03
Lieber Ulli,
vielen Dank für deine ausführliche und offene Nachricht und die
guten Wünsche zum neuen Jahr – darüber habe ich mich sehr gefreut.
😊
Dein Schreiben wirkt angenehm ehrlich, unaufgeregt und mit einem
guten Maß an Selbstironie – eine Mischung, die man nicht allzu oft
findet.
Dein beruflicher Weg klingt vertraut: mehrere Stationen, Höhen
und Tiefen, Umbrüche und Neuanfänge. Feinmechanik, Konstruktion,
Technik und später Sicherheit – das liest sich nach Bodenhaftung
und Praxisnähe, nicht nach geradem Lebenslauf aus dem Bilderbuch.
Dass du heute im Ruhestand bist und dennoch geistig wie praktisch
unterwegs, passt gut zusammen.
Dresden-Striesen kenne ich, ein Stadtteil mit viel Grün und Luft
zum Durchatmen – für einen Neuanfang sicher kein schlechter Ort.
Wandern, zu Fuß unterwegs sein, handwerklich arbeiten, Musik hören
(mit Augenmerk auf guten Klang statt Technik-Spielerei) – da finde
ich einige Berührungspunkte. Auch dein Zugang zur Musik gefällt
mir: lieber selbst am Klavier probieren als nur konsumieren, und
Fernsehen eher am Rand – das sagt einiges aus.
„Ruhige Wesensart, aber kein Mauerblümchen“ ist eine
Formulierung, die hängen bleibt. Und der Gedanke, gemeinsam einen
Faden zu spinnen, gefällt mir – ohne Eile, ohne Erwartungsdruck,
einfach schauen, ob ein tragfähiges Gespräch entsteht.
Dass du den Kontakt direkt per Mail suchst und Grundvertrauen
ansprichst, empfinde ich als stimmig. Ein Kennenlernen lebt von
Offenheit, nicht von Plattformmechanik.
Wenn du magst, können wir den Faden aufnehmen und erst einmal
weiter schreiben – über Alltägliches, Musik, Wege im Leben oder
auch darüber, wie man mit Veränderungen umgeht, wenn die
Lebensabschnitte sich verschieben.
Beste Grüße
Richi
P.S. In meiner Schulzeit wurden alle Nachnamen verkürzt und
endeten auf "i", deshalb Richi. Es ist dir überlassen, Richi oder
meinen Vornamen Jürgen zu benutzen ;-)
2026.01.04
Lieber Jürgen,
heute mal meine Antwort als Textdokument. Sollte es mit dem Öffenen Probleme geben, bitte kurz melden.
2026.01.08
Lieber Ulli,
jetzt ist deine Mail fast untergegangen, weil ich sie auf dem
Handy nicht ansehen konnte. Weder dein Bild noch deine Zeilen
waren negativ.
Du hast früher als Feinmechaniker gearbeitet. Ich habe als
Instandhaltungsmechaniker für Werkzeugmaschinen bei Pentacon
gelernt. Mit den Feinmechanikern haben wir uns die Werkstatt
geteilt. Du hast als Hausverwalter gearbeitet, ich als
Haustechniker in einem 5*Hotel in Wien.
Ich sehe etliche gemeinsame Interessen, wie Bewegung an der
frischen Luft, wenig Fernsehen, handwerklich.
Ich habe gestern bei meinem Vater den kompletten Syphon in der
Küche gewechselt. Das alte und das neue System waren nicht ganz
kompatibel, aber mit ein bißchen fummeln hat es dann funktioniert.
Schön, wenn es am Ende passt.
An Klavier habe ich mich nicht versucht. Mein Interesse geht mehr
in Richtung Fotografie - 360° Kamera. Wenn ich die dann zu
360°-Video-Touren zusammenstelle ist wieder Programmierung dabei.
Gestern habe ich einen 4-Wochen-Bildungsgutschein bekommen. Heute
suche ich mir den aktuellen Kurs und Anbieter aus. Ich will so
schnell wie möglich starten.
Das ist mein aktueller Stand.
Es grüßt dich
Jürgen
Mail ist unterwegs ;-)
2026.01.09
Lieber Jürgen,
ich hoffe, Du konntest Meine Mail, als Textdukument, nun lesen.
Ich habe von 1975-1977 Feinmechaniker gelernt, auch bei Pentacon. Von Dort bin ich dann nach Glashütte zum Studium und wieder zurück zu Pentacon. Dort war ich dann in der Ratiomittelkonstruktion tätig, bis Mitte 1991. Der Betrieb wurde abgewickelt. Und dann begann die Arbeitslosigkeit mit Fortbildungen etc. Eine neue Anstellung habe ich nicht gefunden.
So konnte ich 1992/1993 ein Zusatzstudium auf dem Gebiet HLS machen. Erst 1995 fand ich hdann eine Anstellung als Technischer Hausverwalter. Da wurden alte Bauernhäuser in Sachsen verwaltet, welche den LPGn gehörten. Die Objekte wurden aber Schritt für Schritt verkauft, rückübertragen, so dass mir wieder Angst und Bange wurde, wieder arbeitslos zu werden. Neue Bewerbungen führten mich dan zur Dresdner Wohnungs- und Gewerbebaugesellschaft in Dresden, eine Tochter der Mübau GmbH in Frankfurt am Main. Da habe ich dann als Technischer Hausverwalter gearbeitet. Durch Umstrukturierung des Unternehmens stand ich dann 2002 wieder mal ohne Arbeit da. Zahlreiche Weiterbildungen erfolgten.
Es ist ja schön, daß Dein Vater noch lebt. So kannst Du ihm sicher immer etwas helfen. Die Syphons aus Metall rostern gern durch, je nach Qualität. Natürlich gilt das nicht für solche aus Plaste.
Wie bist Du vom Instandhalter zur Programmierung gekommen? Und Du scheinst Dich als Programmierer ja sehr wohl zu fühlen. 360° Panoramen sind schön. Das machst Du sicher mit Programmen, wo Du in die Eigenschaften eingreifen kannst. Das ist also nicht nur Anwendung des Programms. Wichtig, daß es Dir Freude bereitet.
Bildungsgutschein für 4 Wochen. Hoffe, Du findest da bald einen Anbieter dafür findest und Du mit dem Lehrgang beginnen kannst. Eigentlich müsstest Du doch bald in Rente gehen?
Soweit für heute. Beste Grüße Ulli
2026.01.10
Lieber Ulli,
ich war nach der Lehre 5 Jahre bei der Armee. In der Zeit hatte
ich "Kontakt" zu Computer, habe mit Basic meine ersten Programme
geschrieben, anschließend im Datenverarbeitungszentrum Cottbus als
Datenträgerarchivar gearbeitet. Dann über die Betriebsakademie C,
MSDOS, REDABAS gelernt. Und so ging es dann Schritt für Schritt
weiter. Zwischendurch habe ich auch immer mal meine
Schlosser-Kentnisse einsetzen können. Auch in Richtung CNC habe
ich einen Abschluss gemacht. Ich war dabei als die Computer und
das Internet laufen lernten und jetzt möchte ich dabei sein, wenn
die KI in die Spur kommt.
Theoretisch bin ich in einem Jahr Rentner. Das Geld nehme ich,
aber mein Leben wird sich nicht groß ändern. Vielleicht habe ich
dann wieder mal Zeit für 360°-Fotos. Den Link habe ich übrigens
gefunden:
https://www.google.com/maps/contrib/117065978769629917439/photos
Morgen, von 10 bis 14 Uhr treffen wir uns beim Brunch zur
Geburtstagsfeier. Endlich mal alles weiß und nicht schon nach paar
Stunden Matsch.
Am Montag habe ich einen Termin für einen IoT-Developer-Kurs. Ich
gehe davon aus, dass ich den dann auch nehme.
Was machst du eigentlich an einem Wochenende wie heute?
Einen schönen Abend wünscht Dir
Jürgen
P.S. Quiz: Wieviele Hochäuser sind am 9.11.2001 in New York
eingestürzt?
2026.01.11
Lieber Jürgen,
ich hoffe, Du hast ein schönes Wochenende gehabt und hast nicht nur programmiert!
Ich bin von der Armee aus gesundheitlichen Gründen dauernd ausgemustert worden. Ich habe also diesbezüglich keinerlei Erfahrungen/Kenntnisse.
Dir hat also das Programmieren viel besser gefallen als Maschinen instand zu halten. Damit hast Du von Anfang an alles auf diesem Gebiet kennengelernt, ich denke, aufgesogen wie ein Schwamm. Und ich habe den Eindruck, dass das bis heute so ist. Das ist eine grosse Stärke. Denn auch die KI hat Dich total in ihren Bann gezogen.
Was ist, wenn sich die KI selbstständig macht? Ich meine damit, Lösungen findet, die unseren Verstand überfordert und damit ausser menschlicher Kontrolle gerät? Das mal als Laie gedacht!
Ich frage mich, wie Du dem Amt zum Jahresanfang einen Bildungsgutschein "aus dem Kreuz geleiert" hast. Du hast noch ein Jahr bis zur Rente. Ich selber hätte mich allein darauf konzentriert, was für mich verständlich wäre. Aber ich habe den Eindruck, es geht bei Dir noch einmal richtig los. Bist Du verheiratet oder warst es einmal?
Das mit den 360°-Fotos ist toll, wie ein Panoramafoto. Wird da programmiert, damit die Bildinhalte genau aneinander passen?
Was habe ich an diesem Wochenende gemacht? Erst einmal lasse ich micht mehr von einem Wecker wecken, sondern schlafe aus. Das kann schon mal 9 Uhr werden. Wichtig ist für mich das Frühstück. War dann hier zu Fuss draussen. Ich habe leider seit geraumer Zeit ab und an Depressionen. Da habe ich keine Ziele, keine Kraft, irgend etwas zutun.
Heute, Sonntag, war ich bei meiner Frau Mittagessen. Sie ist gesundheitlich eingeschränkt, und wenn man über 30 Jahre zusammen gelebt hat, ist einem der Andere, trotz allem, nicht egal., denn er braucht ja hier und da Unterstützung. Das Leben ist schon eine verflixte Kiste.
Nun hast Du sicher Deinen "Tank aufgeladen", um morgen wieder in den Tag zu stürmen. Na, viel Erfolg bei Deinem Developer-Kurs.
Beste Grüße Ulli
PS.: Hier sind keine Hintergedanken von mir versteckt, sondern alles ist ehrlich und offen gemeint!
2026.01.12
Subject: Zwischen KI, Lebenswegen und innerer Uhr
Lieber Ulli,
danke für deine offene und ehrliche Nachricht – und auch für den
Blick, den du mir damit in dein Wochenende und deine Gedankenwelt
gegeben hast.
Der Sonnabend stand bei mir tatsächlich fast vollständig im
Zeichen der Programmierung. Manchmal taucht man so tief ein, dass
die Zeit dabei ein wenig ihre Bedeutung verliert. 😉
Was die fehlende Armee-Erfahrung betrifft: Ich sehe das nicht als
Nachteil. Zumal ich persönlich die Bundeswehr ausschließlich zur
Landesverteidigung für sinnvoll halte. Auslandseinsätze gehören
für mich nicht dazu – da sind wir vermutlich gar nicht so weit
auseinander.
Zur KI: Ja, ich möchte ganz bewusst die positiven Seiten dieser
Technik den Menschen näherbringen. Für mich ist KI wie das Feuer.
Was wäre die Menschheit ohne Feuer gewesen? Gleichzeitig musste
sie lernen, damit umzugehen – Feuerwehr, Brandschutz, Regeln. Seit
1945 lebt die Menschheit zudem mit der Fähigkeit, sich mit dem
„Höllenfeuer“ der Atomkraft selbst zu vernichten – ein permanenter
Tanz auf dem Vulkan.
Mit neuen nicht-nuklearen Hochenergiewaffen sieht man, wie nah
technische Möglichkeiten an frühere Zerstörungskraft heranreichen.
Trotzdem glaube ich fest daran, dass die Menschheit auch die
Gefahren der KI in den Griff bekommen kann. Die positiven
Aussichten sind aus meiner Sicht einfach zu attraktiv, um sie aus
Angst liegenzulassen.
Heute ist für mich ein besonderer Tag: Ich feiere meinen 17.
Hochzeitstag. Meine Frau ist Dominikanerin und lebt aktuell in der
Dominikanischen Republik. Normalerweise bin ich von November bis
etwa Mai bei ihrer Familie in der DomRep und von Mai bis November
in der D-A-CH-Region bei meiner eigenen Familie. Dieses Pendeln
ist Teil unseres Lebensmodells geworden.
Zu den 360-Grad-Fotos: Die Technik selbst ist gar nicht das
eigentliche Problem. Die Kameras haben zwei oder mehr Linsen und
nehmen mit einem Klick alles rundherum auf. Die eigentliche
Herausforderung ist, dass man als Fotograf immer mit im Bild ist –
man kann sich ja nicht „hinter der Kamera verstecken“.
Bei meinen Google-Bildern wirst du mich trotzdem nicht sehen, und
meist auch kein Stativ. Dafür macht man mindestens zwei Aufnahmen,
legt sie am Computer übereinander und „schneidet“ sich selbst
heraus. Unten verdeckt mein Logo das Stativ. Anschließend lassen
sich die Bilder so verbinden, dass man – ganz google-mäßig –
virtuell durch ein Hotel oder einen Ort „wandern“ kann.
Gestern stand alles im Zeichen eines Geburtstags – mit
wunderschönem, weißem Winterwetter. Ein Tag, der gut tat.
Du schreibst von der Unterstützung deiner Frau. Ich kenne diese
Verantwortung auf andere Weise: Ich helfe meinem Bruder, der stark
schwerhörig ist und die Augen-OP (Grauer Star) viel zu lange
hinausgezögert hat. Das rechte Auge ist zwar operiert, aber noch
nicht stabil, das linke wird am 21.01. operiert. Solche
Situationen holen einen immer wieder auf den Boden der Tatsachen
zurück.
Depressionen kenne ich persönlich nicht aus eigener Erfahrung.
Mein Eindruck ist – ohne das bewerten zu wollen –, dass sie oft
auch ein Zeichen dafür sind, dass man den eigenen Sinn im Leben
verloren oder zumindest aus den Augen verloren hat. Aber das ist
ein Thema, das viel Fingerspitzengefühl braucht.
Eine kleine Eigenheit noch zum Schluss: Ich trage seit 2007 keine
Armbanduhr mehr. Ich verlasse mich auf meine innere Uhr und stehe
fast immer zwischen 6:00 und 6:30 Uhr auf. Natürlich verschlafe
ich auch mal und wache erst um 7 auf – aber selbst das ist dann
kein Problem. Heute war es 6:04, und darüber freue ich mich schon
beim Aufstehen.
Eigentlich hatte ich gehofft, heute den Lehrgang schon buchen zu
können – es war aber nur das Erstgespräch. Morgen um 16:30 Uhr
folgt das Zweitgespräch. Alles ein bisschen gebremst …
Danke dir für deine Offenheit – ich empfinde unseren Austausch
als angenehm ruhig und ehrlich.
Herzliche Grüße
Jürgen
P.S. Mein Quiz ist noch offen ;-) Wieviele Hochäuser sind am
9.11.2001 in New York eingestürzt?
2026.01.14
Hallo Jürgen,
ich habe Deine Mail erhalten. Diese hat mich sehr zum Nachdenken veranlasst.
Unsere Lebensinhalte und -ziele sind grundlegend verschieden. Ich bin sicher, dass Du mit Deinem Netzwerk genügend Menschen länderübergreifend für Deine Interessen generieren kannst.
Ich komme mir irgendwie vor wie ein Objekt, welches Bestandteil möglicherweise eines Experimentes ist. Tut mir leid, aber so eigenartig empfinde ich.
Ich möchte mich deshalb aus Deinem Bekanntenkreis verabschieden.
Ich wünsche Dir viele tolle Erlebnisse und ebenso Gesundheit!
Beste Grüße Ulli
Hallo Ulli,
des Menschen Wille ist sein Himmelsreich.
Danke für die Info.
Alles Gute
Jürgen