KI-Zusammenfassung
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17.07.2026 10:56
1 unbeantwortete Mail von steffen.zondler
Hallo Jürgen,
Urlaubsfreuden
wir waren also zwei Wochen auf Fehmarn. Im Grunde brauche ich keinen Urlaub. Das war eigentlich schon immer so. Möglicherweise würde ich anders darüber denken, wenn ich mal für eine Weile nicht in Urlaub fahren würde, was sich aber noch nie ergeben hat. Ich
fahre also schon immer gegen meine eigenen Wünsche in Urlaub, weil ich damit Leuten einen Gefallen tue.
Mit meiner Erstfamilie (Anne) waren wir einige Male in Dänemark, haben dies immer mit Bekannten zusammen geplant, so dass sich eine ganze Menge Kinder untereinander beschäftigen konnten. Ich glaube, für meine drei Töchter sind dies bleibende schöne Erinnerungen,
die Urlaube auf der dänischen Insel Mön. Dann gab es die Patchworksituation, also Steffen und Laurin, sowie Christiane und Alina. Wir fuhren also wieder in Urlaub, diesmal aber anders, weil wir einige Familienfreizeiten besuchten, die Kinder tagsüber meist
für einige Stunden beschäftigt waren. Und weil ich hier ja von meiner Beziehung zum „Urlaubmachen“ sprechen möchte, so waren diese also ebenso Familien- sprich Zweckurlaube. Man muss sich beschäftigen. Die Ferien sind lang.
Flow
Es gibt ein interessantes Buch eines Autors, der den unaussprechlichen Namen trägt (Mihaly Csikszentmihalyi: Flow - der Weg zum Glück).). Er hat den „Flow-Begriff“ geprägt. Seine Frage war: „Wann sind Menschen glücklich?“. Dafür mussten die Leute ein Gerät
mitführen, das in regelmäßigen Abständen ein Signal abgab. Dann mussten die Leute die immer gleiche Frage beantworten. Zum einen wurde nach der Befindlichkeit gefragt, zum zweiten war anzugeben, was man gerade tat.
Frappierend war, dass die meisten Leuten sich in der Freizeit deutlich schlechter fühlten als bei Tätigkeiten, die ihnen diese sanfte Überforderung bieten, wie Du es von Deiner Computerarbeit beschreibst. Im Schnitt sind die Leute bei der Arbeit zufriedener
als in der Freizeit. Und nur weil die Arbeit per se übel, die Freizeit aber prima ist, herrscht eine komplett gegenteilige Meinung vor.
Daraus entwickelt er sein „Flow“-Konzept, das nicht wirklich als „Glück“ zu übersetzen ist, sondern eher die Freude an gelingendem Tätig- und Aktivsein, eine Schaffenslust also, meint. Freizeit ist demnach „schwierig“. Er wäre also von Interesse, einen solchen
„Buzzer“ Leuten mitzugeben, die Urlaub machen. Die Ergebnisse wären möglicherweise sehr überraschend.
Meine Frau und ich kämpfen jedes Jahr um ein emotional auskömmliches Ergebnis, mit wechselndem Erfolg. Nun könnte man fragen, warum ich mir das antue. Die Frage ist berechtigt. Rein formal bin ich zu nichts verpflichtet, irgendwie aber dann doch. Vielleicht
ist dies schon fast eine Definition von Partnerschaft, dass man „Zeit miteinander verbringt“, und da ist der gemeinsame Jahresurlaub ein bedeutsames Event.
Ich gehe also in den Urlaub, obwohl mich das eher stresst. Es gibt eine Magervariante, die ich über die Jahre meiner Frau abringen konnte. Nur eine Woche, und nur 300 km einfache Fahrt. Am besten man fährt immer in die gleiche Region, so dass sich Neues und
Bekanntes schön mischen. Dann aber ist der Bodensee am Ende doch kein „richtiges Wasser“. Man „muss“ ans Meer. Nach Fehmarn sind es 8 Stunden Fahrt und dafür lohnen ja 7 Tage nicht, oder?! Also fährt man 2 Wochen, weil ja erst in den zweiten Woche die „richtige“
Erholung anfängt. Dieses ganze Urlaubsgerede ist gepflastert von solchen „Standards“.
Ressourceneinsatz fürs Glück
Wenn ich mir eine Note geben wollte, wie ich den Urlaub fand, dann käme ich nicht über eine 3,5 hinaus. Eine magere Ausbeute, wenn man bedenkt, dass wir dafür ganz nebenbei einen Sack von Geld ausgegeben haben. Man braucht „Mut“ und Überzeugung, wenn man nicht
in Urlaub geht. Klingt weit hergeholt. Bei meiner Frau habe ich deutlich das Gefühl, das sie auf verschlungenen Pfaden immer genau die Herausforderung arrangiert, die uns beide Jahr für Jahr an den Rand eines veritablen Ehekrachs bringt.
Dabei muss man wissen, dass die Planung allein ihre Sache ist. Ich versuche mich rauszuhalten, weil es ohnehin nahezu unmöglich ist, vorherzusehen, was einen an einem völlig unbekannten Ort erwartet, wie die Ferienwohnung wirklich ist, wie das Wetter wird,
ob man zwar für teures Geld Fahrräder leiht, diese aber kaum nutzt, weil – oh, Wunder –sich an der Ostsee Nieselregen und Orkanböen, munter abwechseln.
Kann man auf Dinge verzichten, die man wirklich nicht braucht, es aber äußere und innere Zwänge gibt, die einen immer wieder dorthin treiben? Man tut Dinge, die man (eigentlich) nicht tun möchte, aber warum? Von dem Moment war es dann schon nicht mehr so schwer.
Ich liebe meine Frau. Ich werde sie auch bei vollkommen sinnlose Sachen begleiten, wenn sie mich dafür braucht. Hört sich heroisch an. Ist es auch. Wirkliche, echte Freude kommt nicht auf, wäre auch wohl ein bisschen viel verlangt, oder?
Es ist wie mit dem Esel, dem fortwährend diese saftige Karotte vor die Nase gehalten wird. Er trottet in der südlichen Mittagssonne vor sich hin, wollte eigentlich stehen bleiben, wenn da nicht dies rote, leuchtende, saftige Ding wäre. Es könnte den perfekten
Urlaub geben. Er ist irgendwo da draußen. Wir müssen uns nur noch ein wenig mehr anstrengen, dann klappt das im nächsten Jahr. Nur weil es möglich ist, ist es noch lange nicht wahrscheinlich. Hohe Unwahrscheinlichkeit erfordert viel Energie. Je abstrakter
ein Ziel, je leichter lässt man sich täuschen. Der perfekte Urlaub, die totale Erholung – irgendwie hört sich das nach Paradies und Schlaraffenland an.
Ich weiß, ich übertreibe…
Optimierungsaufgaben
Vor Jahren gab es in unserer Firma ein großes Projekt. Die ganze Klinik wurde digitalisiert, und weil die Sache so gut lief, darum schien alles machbar. Eine Klinik mit 1.200 Patienten birgt ein veritables Logistikproblem. Es gibt also Fahrzeuge, Fahrer, Güter,
Personen, Termine, Zeitkorridore etc. Diese ganze Vermittlungsarbeit (Patient muss in die Radiologie in die Stadt, dafür aber liegend, passendes Fahrzeug, medizinisches Begleitperson erforderlich) wird von „Leitstelle“ erledigt, zwei, drei Leute, die den ganzen
Tag am Telefon hängen und einfach alles wissen, gleichsam um die Ecke denken können, einen Hammerjob machen, wie ich finde.
Dann die Idee, das könnte doch ein Computerprogramm erledigen. Damals war man ähnlich euphorisch wie heute, wenn es um die Machbarkeit technischer Lösungen ging. Mir war die Sache von Anfang suspekt (das war noch zu Zeiten von Windows 95 !!!)
Eine gigantische Rechenarbeit wartete hier auf. Denn eines ist ja klar, man kann am Telefon nicht 10 Minuten warten, bis der Anfrage gerechnet ist. Die Dinge werden auf Knopfdruck gebraucht. Und dann gibt es noch das Blockingproblem (heißt es so?). Während
die Kalkulation läuft, müssen die Ressourcen geblockt werden. Was aber wenn jemand anderen nach dem Krankenwagen (die Klinik hat nur einen) schaut, ist zu sehen, er aber ausgegraut im System steht (weil Teil der aktuellen Anfrage) und dabei steht die Karre
geparkt vor der Aufnahme. Im wahren Leben müsste man eigentlich nur einsteigen und losfahren, im digitalen aber rechnet der Computer noch.
Kann man den nächsten Urlaub „rechnen“?
Warum ich das erzähle? Diese Probleme sollten nunmehr lösbar sein. Die Rechenleistung ist da. Künstliche Intelligenz schließt die Lücken, wo bisher komplexe Algorithmen gebaut werden mussten. Gibt es so etwas für eine intelligente Urlaubsplanung?
Ich stelle ist mir das so vor. Ein Nutzer erzeugt seine Anforderung. Im Grunde ist es genau das, was mir durch den Kopf schießt, wenn ich an die Planung gehe. Ich formuliere mal.
Wir möchten an der deutschen Ostseeküste Urlaub machen.
Wir suchen eine Ferienwohnung, sind also Selbstverpfleger.
Wir wollen relative Strandnähe (maximal 3 km).
Wir suchen die Wohnung in einer Kleinstadt (10.000 bis 25.000 Einwohner).
Wir fahren zwei Wochen und orientieren uns dabei an den Sommerferien von Schleswig-Holstein, also die letzte Schulwoche, die erste Ferienwoche.
Wir brauchen getrennte Schlafmöglichkeiten. Ein Schlafzimmer und eine Bettcoach im Wohnzimmer sind ausreichend.
Optional hätten wir gerne einen Balkon. Auf einen ebenerdigen Garten-, Terassenzugang verzichten wir.
Die Wohnung sollte einen eigenen (abschließbaren) Zugang haben.
Das Bad/WC sollte in der Wohnung integriert sein, mit WC und Waschtisch, vorzugsweise mit Dusche, sonst Badewanne.
Wir wollen im ersten Versuch nicht mehr als 1.000€ pro Woche ausgeben.
Wir wollen noch 6 Wochen vor Anreise von der Buchung zurücktreten können.
Gibt es eine KI für die Urlaubsplanung?
Luhmanns Zettelkasten
Deine Ordnungsarbeit in Obsidian aus Deiner letzten Nachricht hat mich an etwas erinnert. Dafür muss ich ein wenig ausholen. Niklas Luhmann ist praktisch der „RO80“ der Sozialwissenschaften,
Johannes Schmidt Der Zettelkasten als Zweitgedächtnis Niklas Luhmanns
https://www.youtube.com/watch?v=KhhtHVsgr2U
will heißen: Ein sagenhaft ambitioniertes Projekt, das einen ganz Stall von Problemen der Hubkolbenmotoren zu lösen versprach, das sich aber nie wirklich durchgesetzt hat.
Luhmann ist so genial – einerseits - seine Konzeption ist so abschließend und komplett (die Eier legende Wollmilchsau). Seine Bücher sind – andererseits - praktisch unlesbar. Luhmann war zu Lebzeiten schon kaum anschlussfähig und ist heute praktisch vergessen.
Warum erzähle ich das? Ich habe mich lange mit ihm beschäftigt. Deshalb liegt er mir am Herzen. Auch ich hegte die Hoffnung, die Weltformel zu finden. In gewisser Weise ist dies die Systemtheorie (aus Luhmann’scher Feder) auch. Vor diesem Hintergrund ist es
dann schon bezeichnend, dass das Universal-Tool für alle Fälle das Handwerk irgendwie verschwinden lässt?! Wenn alle Probleme gelöst sind, was dann?!
Luhman ist also ein Teil von mir. Das ist der eine Grund. Der andere aber liegt in der Tatsache begründet, dass Luhmann eine praktische Herausforderung in seiner unnachahmlichen Art bearbeitet hat, die wir als Geistesarbeiter schon immer haben.
Je kreativer wir sind, je mehr Material sammelt sich an. Eine Ordnung muss her. Kreative Prozesse sind per se nur schwach strukturiert. Wir bauen dann eine Ordnung zu einer Sache, mit der wir noch nicht durch sind. Irgendwann einmal werden wir von der einmal
gefundenen Gliederung regelrecht stranguliert. Der Kreativität wird praktisch ständig die Luft rausgelassen, weil wir mehr und mehr in den Buchhaltermodus wechseln.
Luhmann hat das Problem auf eine Weise gelöst, das absolut einmalig ist, und so wahrscheinlich nie mehr von jemand praktiziert wurde. Hier sind also einige Hinweise versteckt, die auch für den KI-Modus hilfreich sind: Am besten, man baut immer etwas Unschärfe
ein. Präzision, absolute Stimmigkeit und Richtigkeit kommt erst ganz am Schluss. Dazwischen dürfen wird gerne etwas „fuzzy“ sein. Nachdem ich mittlerweile „nur noch“ literarisch arbeite, haben sich die Sorgen gelegt, dass ich etwas weltbewegend Wichtiges
vergessen könnte. Ich vertraue meinem Gehirn, das die wirklich relevanten Dinge immer wieder hervorkramen wird. Und wenn man einmal genauer nachschaut, wie das Gehirn arbeitet, dann finde ich sehr viele Ähnlichkeiten zu Luhmanns Zettelkasten. Man braucht also
Struktur einerseits, aber gleichzeitig Offenheit für Dinge, von denen man jetzt noch nichts ahnt. Ein Paradox.
Ich leiste als meiner Verehrung für Luhmann noch einmal eine Referenz, indem ich Dir davon berichte, dies aber nicht einfach nur, weil ich von einer Liebhaberei erzähle, sondern weil ich zugleich glaube, dass Du davon profitieren könntest.
Ich möchte dies nicht alles haarklein hier ausführen. Es soll sich nicht wie Arbeit anfühlen, wenn ich hier einen Hinweis gebe. Wenn Du also Lust hast, den o. G. Vortrag Dir anzuhören, dann erhältst Du zum einen guten Einblick in eine Sache, die mich vor nicht
allzu langer Zeit sehr beschäftigt hat und wirst zum anderen davon bei Deiner Obsidian-Arbeit profitieren können. So meine Hoffnung.
Musiktipp
Zum Schluss einen Musiktipp, der sich schon etwas lateinamerikanischer anhört, hier also wieder nur als einen akustischer Hinweis auf eine aktuelle Gestimmtheit in diesem Sommer bieten soll.
Jesus Molina- Soledad (Live @ Mumbai, India)
https://www.youtube.com/watch?v=_7uQDH0FN5I
KI-Entwurf
generiert 17.07.2026 11:16
Mein Senf – Korrekturen, Ergänzungen, Hinweise